Unter teilweiser Ausnützung des schon vorher Gelernten und der bei

spielender Dressur (Kap. 12) festgestellten Anlage lassen sich viele

sogenannte Kunststücke beibringen, die man aus der Lust des Hundes am

Springen, Apportieren, Verbindung von beiden, ableitet. Wer mit seinem Hund

verblüffen will, daß dieser scheinbar rechnen oder lesen kann, der muß ihn

nur mit leisesten Winken, kaum merklicher Bewegung der Lippen, Zucken der

Schulter dirigieren. Dazu sind nur Hunde brauchbar, die mit Spannung dem

Herrn ins Gesicht sehen, die Kommandos dort mehr ablesen als hören. Wer

seinen Schüler an laute Befehle, von lebhaften Körperbewegungen begleitet,

gewöhnt hat, darf nicht erwarten, daß er auf ein leises, mit geschlossenen

Lippen hervorgebrachtes „Ss” reagiert. Oder ein Zucken von Schulter, ein

Bewegen der Zehen, die im Stiefel ein Knarren oder Biegung des Leders

verursachen, beachtet. Auf solchen, von den Mitmenschen nicht bemerkten

Zeichen beruht das Lesenkönnen der Hunde oder ihre Fähigkeit, schwierigste

Rechenaufgaben zu lösen. Noch nie hat ein denkender Hund oder Pferd in

Abwesenheit des Herrn eine Frage beantwortet. Doch es ist sicherlich schon

ein Beweis außerordentlicher Arbeitsfreude, wenn ein Hund immer wieder

Buchstaben oder Zahlen klopft, scharrt, Buchstabenblätter herbeibringt. Man

möge sich also trösten, wenn der eigne Hund nur mechanisch Gelerntes von

sich gibt; selbst die gelehrtesten Hunde arbeiten nicht anders. — Hunde,

die lebhaft sind und bewegungsfreudig, lernen sehr leicht springen, wenn

man z. B. an langen Regentagen sie nicht hinausführen kann. Zwischen eine

Tür stellt man ein Brett (Kistendeckel) in Länge der Türöffnung und in 3/4

Höhe des Hundes), befiehlt „setz dich” etwa 1—2 m von dieser entfernt,

übersteigt selber lebhaft das Brett mit dem Ruf „Komm hopp”. Und ebenso

zurück. Wiederholt es mehrmals, später auch ohne vorher setzen zu lassen.

Sodann wirft man den Ball oder Apportierholz und befiehlt: „Hopp, apport”,

bis der Hund freudig auf Kommando das Brett überspringt. Das nächste Mal

wird das Brett durch vier zusammengestellte Leisten in folgender Form

zwischen der Türöffnung ▭ ersetzt, die nicht höher sein dürfen als er, weil

sonst der Hund darunter durchschlüpft. Springt er freudig, so wird die

Lattenumrahmung einerseits frei an eine Wand gedrückt, die andre Seite

begrenzt man selbst und kommandiert „Hopp”. Endlich stellt man nur noch die

obere Latte allein an verschiedenen Stellen gelegentlich auch allmählich

erhöhend wieder zwischen die Türöffnung, bis der Hund freudig die

wohlbekannte Sprungplatte übersetzt. Dann wird diese durch ausgestreckten

Arm oder Spazierstock ersetzt. Über der eingeklemmten Latte zwischen der

Tür wird ein Reifen, aus Spanischrohr gebogen und anfangs durch Umwicklung

mit Packpapier vergrößert, gehalten, bis der Hund durch den dünnen, etwas

verengten Reif über die Latte zugleich setzt und schließlich durch den

Reifen allerorten. Dann wird er gradso durch einen Bogen springen, den man

mit beiden Armen, anfangs noch über der Türlatte, bildet. Alle Steigerungen

erst, wenn das Kommando „hopp” über das Brett sofort verstanden und willig

ausgeführt wird. Mit Lob, freundlichem Abklopfen nicht zu sparen, als

Abschluß eine kleine Belohnung. Alle kurzrückigen Rassen (Terrier, Pudel,

Pinscher, französische Bulldoggen, Dobermann) sind sprungwillig, weniger

die längeren, auf kürzeren Läufen, oder die Trabläufer (Schäferhund,

Rottweiler), die es aber aus Galopplauf im Freien über eine Wandung

zwischen Gartentür ebenso rasch begreifen. Auch hier kann man Apportierlust

dazu benutzen, namentlich wenn der Sprung aus Garten oder Hof zum

Spaziergang ins Freie führt. — Hat der kleine Hund durch öfteres Zuwerfen

kleiner Brocken, anfangs aus der Nähe, das Auffangen unter „Nimm”

begriffen, so muß er auch lernen, zu warten bis er die Erlaubnis erhält.

Man hängt die Leine an das Halsband, was dem Hund immer das Bewußtsein

gibt, doppelt an den Herrn zum Folgen gebunden zu sein, und läßt „setzen”,

hält den Kopf unter Mahnung zur Ruhe, wagrecht, legt leise ein Stück Zucker

auf die Nase und läßt langsam den Kopf los. Auch ohne Mahnung pflegt der

ungewohnte Anblick die Augen zu bannen, unter „st” entfernt man sich und

fixiert scharf. Tritt herzu, ein leichter Schlag von unten an den

Unterkiefer wirft das Zuckerstück in die Luft „Nimm” gibt die Erlaubnis

danach zu schnappen; fällt es zur Erde, so wirft man es nochmals in die

Höhe mit „Nimm”. Am nächsten Tag wird die Übung wiederholt, später ohne

Leine aber immer mit vorherigem Kommando: „Setz dich.” — Das vorgehaltene

Stück Zucker dient auch als Lockmittel zum Durchschlüpfen zwischen die Füße

im Gehen. Man stellt sich mit vorgestelltem Fuß vor den Hund, lockt mit der

linken Hand den rechts sitzenden Hund. Ist er durchgeschlüpft, so wird das

andre Bein vorgestellt und der Zucker in die rechte Hand genommen, bis man

3 oder 4 Schritte gemacht hat. Hierauf erhält er das verdiente Stück, das

immer zum Schluß gegeben wird, auch wenn man nicht mehr nötig hat, es zum

Locken vorzuhalten und der Hund auf Befehl „hier durch” in Erwartung der

späteren Belohnung von selbst kommt und bei jedem Schritt zwischen den

Beinen durchläuft. Manche Hunde niesen aus Verlegenheit, wenn man sie

fixiert. Man fragt dazu: „Wie niest der Hund”? und belohnt. Andre Hunde

reagieren auf Quietschball (Gummiball, der zusammengedrückt, fiebt) prompt

durch kurzes Bellen. Man wiederholt dicht vor ihnen das Geräusch 3—4 mal,

belohnt jedesmal, namentlich wenn der Hund öfter antwortet. Dann wird der

Ball in der Hand verborgen, ganz leicht gedrückt, der sitzende Hund

erwartungsvoll angesehen. Auf Antwort darf mit Belohnung nicht gespart

werden. Ist man sicher, daß der Hund 5—6 mal unbedingt anschlägt, so kann

man ihn als Rechenkünstler vorführen und fragen: „Setz dich”, wieviel ist 4

mal 8 weniger 29. Darauf dreimaliges Drücken auf den verborgenen Ball,

wobei die Zuschauer, „um den Hund nicht zu verwirren” etwa 10 Schritt weit

entfernt gehalten werden, so daß sie unmöglich das leise Geräusch des Balls

in der Brusttasche durch den angepreßten Arm oder in der Hosentasche

vernehmen können.

Alles das sind scheinbar überflüssige Spielereien ohne praktischen Wert. In

Wahrheit ist _alles_ nützlich, was der Hund lernt. Aus einem ergibt sich

das andre. Noch bedeutungsvoller ist das Lehren für den Besitzer; er

erlernt dabei den Hund behandeln und zu ermessen, wie weit ein Hund auf

Erinnerung und Reize reagiert. Das Einvernehmen zwischen Mensch und Tier

wächst; der Hund wird mit jedem neuen Begreifen leichter erfassen und

fester behalten. Bis er Stimme, Ton, jede Regung versteht, worüber man oft

irrig sagt: er versteht jedes Wort. Alle hohe Dressur ist Willigkeit zur

Beachtung von Zeichen. Damit Belohnungen (ein Stückchen Kakes, Zucker) auch

als solche empfunden werden, darf der Hund nicht überfüttert sein, auch

außer den regelmäßigen Mahlzeiten in seiner Schüssel von niemand je

Leckerbissen zugesteckt erhalten. Eher etwas knapp an einem Schultag

(Regentag): ein voller Bauch studiert nicht gern.

18. Kapitel.

=Wasserarbeit und Schwimmen.=

Die meisten Hunde gehen gern von selbst bei Hitze ins Wasser, wenn sie

nicht unvernünftig behandelt, d. h. hineingeworfen oder an einer plötzlich

abschüssigen Stelle den Grund verlieren und erschrecken. Ehe man den

mindestens 6—8 Monate alten Hund ans Wasser führen will, sucht man sich

schon in Gedanken eine flache Uferstelle aus, an der man sich nach

Spaziergang an heißen Sommertagen lagert. Dann läßt man ihn gewähren und

selbst Bekanntschaft mit dem nassen Element suchen. Jeder Zwang ist von

Übel, Beispiel älterer Hund nützlich, aber nicht unerläßlich. Hat er sich

ins Wasser gestellt und macht darin Gehversuche, so wirft man ein rundes

Holzstück das mit langer dünner Schnur zum Herausholen zur Sicherheit

versehen ist, wenige Meter von ihm noch ins flache Wasser: „Apport”. Sobald

er herauskommt, schnell das Kommando „Setz dich, gib aus”!, ehe er sich

noch schütteln kann. Wasserabschütteln vor Ablieferung des

Apportgegenstands ist ein Dressurfehler, weil dabei meist der Gegenstand

fallen gelassen wird und liegen bleibt oder, falls Ente des Jägers,

entweicht. Was auch der Schüler ausführt, muß exakt sein. Hat man das Holz

abgenommen, so mag er erst etwas herumspringen, ehe man aufs neue wirft.

Nicht ermüden, und mit Lob abschließen, sodann flotter Heimweg namentlich

später bei kühlerem Wetter. Einige Tage später versucht man es in tiefem

Wasser; scheut er es, so geht man ohne Tadel nach Hause, versucht es

nochmals. Das Versagen ist kein Unglück an sich, aber es gibt ein nie

versagendes Mittel jeden Hund zum Schwimmen zu bringen. Dazu brauchen wir

einen lebenden Gehilfen oder einen kurzen Pfahl, 1 m lang, unten spitz zum

Einschlagen; oben (etwas unter Rand) wird eine Ringschraube eingedreht. Ort

ein Bach, der zum Durchwaten für den Hund zu tief aber nicht reißend ist,

Nähe einer Brücke. Auf dem einen flachen Ufer schlagen wir mit kräftigem

Stein den Pfahl in den Boden, so daß er etwa 1⁄2 m noch herausragt, ziehen

durch die Ringschraube eine lange kräftige Leine, werfen die beiden Enden

auf das andre Ufer, zum sicheren Wurf mit angebundenem starken Holzstück.

Sodann begeben wir uns mit dem Schüler über die Brücke zu der dem Pfahl

gegenüber liegenden flachen Stelle. Das eine Ende wird an das genügend eng

gestellte, aber nicht würgende Halsband befestigt, das andre nehmen wir in

die rechte Hand. Mit der linken führen wir dicht an das Wasser und ziehen

nun mit der rechten Hand langsam aber fest die durch die jenseitige

Ringschraube laufende Schnur. „Voraus, so ist's brav.” Der Hund fühlt sich

geführt an der Hand des Herrn, wenn er auch im Wasser den Boden unter den

Füßen verliert, zieht ihn die Leine, daß er nicht versinkt, noch unsicher

wird oder Zeit hat zum Paddeln oder Wasser treten. Kurz vor dem Ufer, noch

ehe er herausspringen kann, erfolgt das Kommando „herein, hierher”! und das

andre Ende der Leine, das bisher nur nachgab, zieht zurück. Man kann

denselben Effekt mit einem Gehilfen erreichen, der den Hund am Halsband

hält, während man die lange Leine ans andre Ufer wirft, über die Brücke

geht und nun selbst den Hund an dieser zu sich unter Anruf hinüberzieht.

Dort wird er gelobt. Besser ist es aber, das ganz allein in aller Stille

ohne Zuschauer und Teilnehmer abzumachen. Man wird erstaunt sein, wie rasch

jeder Hund begreift, daß das Wasser gar nichts gefährliches ist, und daß er

an der führenden Hand des Herrn immer in Sicherheit ist. Dieses Hilfsmittel

muß in vollster Ruhe und Bedächtigkeit benützt werden, überzeugt, daß es

hilft und daß der Hund ohne jede Aufregung sich leiten lassen wird, als ob

man schon 10 Hunde auf diese Weise von der Harmlosigkeit des Wassers

überzeugt hätte. Am besten setzt man sich einige Minuten vor dem Anlegen an

die hinübergeworfene Leine ans Ufer und raucht eine Zigarette, was auch zum

Vertreiben von Mücken nützlich ist. Jede Unruhe, Nervosität oder

Unsicherheit des Herrn überträgt sich auf den Hund, den wir auch nie über

Trauer oder Niedergeschlagenheit täuschen können, wie unsre Angehörigen,

die wir aus Rücksicht leicht mit Worten zu beruhigen vermögen.

Zu Schwimmkünstlern und Tauchern kann man nur solche Rassen machen, die

ererbte Wasserpassion infolge Lebensweise der Vorfahren (Neufundländer)

oder Abstammung von Arbeitsschlägen (Pudel, Spaniel. Airedaleterriers, die

Otterhundblut führen) besitzen. Öfter führt auch häufige Gelegenheit durch

Nähe von Teichen, Flüssen, Meeres- oder Seeufer, harte Schläge, wie

rauhhaarige Terriers und Pincher dazu. Vorbedingung zum Tauchen ist sehr

klares, ruhiges Wasser und freudiges Apportieren, wozu man Holzstücke durch

Beschweren zum Untersinken präpariert, aber nie Steine, benützt. Will man

den schwarzen Schnürenpudel in voller Schönheit und Farbe erhalten, so darf

er nach dem Baden wie Schwimmen nicht lebhaften Sonnenstrahlen ausgesetzt

werden; man wählt dazu die warmen Sommerabende. Auch lasse man sich nicht

verleiten, an kühlen windigen Abenden Hunde ins Wasser zu schicken,

besonders nicht kurz behaarte. Zum mindesten nehme man ein altes Handtuch

mit und frottiere kräftig dem Haarstrich entlang. Ältere Jagdhunde, die

viel zur Entenjagd benützt werden, zeigen durch Nierenleiden und

Rheumatismus, wohin solche Zumutungen führen. Hat der passionierte Hund

gegen Willen des Herrn ein eisiges Bad genommen, so begibt man sich im

Eilschritt zur nächsten Behausung und scheue sich nicht, dort Wärmeschutz

vor Ofen oder, nach Trockenreibung mit Heu oder Stroh, im Stall zu

erbitten. Es wird selten gemütlose Menschen geben, die einem Tier Mitgefühl

versagen, was zudem nichts kostet. Lieber eine halbe Stunde Aufenthalt, als

ein krankes Tier, für das der Herr verantwortlich ist.

19. Kapitel.

=Schußfestigkeit und Verteidigung des Herrn.=

Wenn manche Hunde auf Schuß ausreißen, und sogar schußscheue Jagdhunde

vorkommen, so ist nervöse Veranlagung, der nicht rechtzeitig

entgegengetreten wurde, sowie ein erstmals in nächster Nähe abgegebener

Schuß schuld. Der Jäger schießt vom Hund weg auf ein Ziel, der Jagdhund muß

auf Schuß sich legen und Befehl abwarten. Der Schuß gegen Herrn des

Schutzhundes kommt in der Richtung auf diesen. Also ist hier die Gewöhnung

eine andere. Der Abfeuernde soll nie der Herr sein, sondern immer ein

Zweiter, ein Feind. — Der Gehilfe erhält einen Revolver, geladen mit

Platzpatrone-(ohne Kugel, anfangs wenig Pulver); er hat sich im freien

Gelände, etwa 100 m weit aufzustellen und zunächst nur durch lebhafte

Bewegung und rüden Anruf auf sich aufmerksam zu machen. Der Hund steht

angeleint links vom Herrn. Der erste Schuß fällt, Kommando: „Gib Laut!”.

Man lobt, hält den Hund zurück. Der Gehilfe nähert sich auf Wink, gibt

weiteren Schuß ab. Je lebhafter der Hund bellt, desto weniger hört er die

Schüsse, deren letzter auf höchstens 6 m Nähe erfolgen darf. Jetzt rückt

man mit dem Hund vor, worauf der Gehilfe sofort zurückweicht. Hier wie bei

allen Mannübungen muß der Hund immer den Eindruck haben, daß er der Sieger

sei, der mit drohendem Bellen den Feind in die Flucht schlägt. Aber _nie_

darf Manndressur und Angriff mit einem Hund geübt werden, der nicht eine

volle systematische Dressur hinter sich hat und _fest im Appell ist._ Bei

scharf veranlagten, kräftigen Rassen könnten Mißverständnisse von Schuß,

Bewegung, Verwechslung des Gehilfen oder dgl. zu verhängnisvollen Folgen

führen. Man muß immer wissen, wo man nur anleiten und mehr den Zurückruf

üben muß, und wo man den etwas schüchternen Hund zum Draufgänger steigern

kann. Also Vorsicht bei Schäferhunden, Rottweiler, Dobermannpinscher,

Doggen, Bulldoggen; bei diesen wird nicht scharf gehetzt, sondern nur die

Richtung angegeben und Gehorsam geübt. Den regungslos stehenden Menschen

(oder Gehilfen) hat der Hund nur zu verbellen, nie anzugreifen. Das

Bewachen erfolgt in liegender Stellung, Kopf in Richtung des Feindes.

Reagiert der Schutzhund auf den „Verbrecher” nicht, so wird er wie folgt

immer scharf zu machen sein. Der Hund steht an kurzer Leine an linker Seite

des Herrn; der Gehilfe in auffälliger Kleidung (umgedrehter Joppe) nähert

sich mit einem größeren Ast, ärgert damit mit krächzenden Tönen den Hund.

Entweicht sofort, wenn dieser auf Kommando bellt, begibt sich auf erhöhte

Stelle (Mauer, auf Baum mittels angelegter kurzer Leiter), so daß ihn der

Hund keinesfalls erreichen kann. Von obenher reizt er den Hund mit dem Ast;

gibt dieser lebhaft Laut, so kommt der Herr hinzu, lobt ihn und führt ihn

weg an der Leine, doch nur wenige Schritte, worauf der Hund frei „an Fuß”

als Gehorsamsübung zu folgen hat. Systematische Dressur zum Fassen des

Gehilfen („Verbrechers”) erfordern Hetzgewand, Schutzärmel, Dressurplatz

und sollte von Laien nur unter Anleitung erfahrener Dressurleiter im

Polizeihundverein, Schäferhundverein erfolgen. Vieles Üben und Beißenlassen

wird besser vermieden; man erzieht damit bißwütige Hunde. Ist ein Hund

nicht scheu, hat er nur einige Male den flüchtenden Gehilfen verfolgt, so

weiß er im Ernstfall von selbst von seinen Zähnen Gebrauch zu machen.

Allerdings soll der Schutzhund auch nicht ausreißen, wenn ihm jemand mit

Ast oder Stock droht, und das ist nur damit zu erreichen, daß man einen

Gehilfen gegen den angeleinten, dicht beim Herrn stehenden, bellenden Hund

vorgehen läßt. Zieht er sich scheu zurück, so wächst dem Hund sofort der

Mut, er geht vor und weicht auch nicht zurück, wenn absichtlich

ungeschickte Schläge zunächst nur auf den Boden klatschen. Erst wenn der

Hund wütend bellt, darf ihn ein Schlag mit Ast berühren, wird aber dann

nicht schaden, sondern den Hund nur angriffsmutiger machen. Immer muß der

Herr dabei stehen, animieren, aber doch den Hund so kurz halten, daß eine

Verletzung des Gehilfen ausgeschlossen ist. Plötzlich steht dieser ganz

still, dann wird auch der Hund mit kurzem Kommando „ab! Leg dich”, zur

Ruhe verwiesen. Den gegebenen Schutzhund liefert die Züchtung, erzieht die

Liebe zum Herrn. Nicht die Hetzarbeit, die oft verdirbt und fast nur für

Hundebesitzer in einer gefährdeten Berufsstellung angezeigt ist. Hunde an

die Kette der Hütte anzulegen und necken zu lassen, veranlaßt sie zwar bei

jedem geringfügigen Anlaß zu bellen, zu schnappen und sich wie toll zu

gebärden, macht also einen drohenden Kettenhund, aber niemals einen

zuverlässigen Schützer. Von der Kette und dem örtlichen Rückhalt wie Hütte

gelöst, sind solche Hunde meist feige, schnappen höchstens aus Angst für

sich selbst von rückwärts zu. Der richtiglernende Beschützer kann nur durch

den fingierten Angriff gegen ihn, wenn er dicht beim Herrn steht, oder

gegen den Herrn selbst im Dunkeln zum Begreifen des Schützens gebracht

werden. Auch der tobende „Verbrecher” hinter einer Holzwand, der den Hund

reizt, führt nicht auf das Ziel _Schutz,_ sondern zur _Rauflust,_ die dann

erst wieder gebändigt und in gesunde Richtung gestellt werden muß.

20. Kapitel.

=Korrektur verdorbener Hunde.=

Ein Erzieher und Dresseur, der selbst erst einen Hund verdorben hat, eignet

sich auch nicht zur Berichtigung, die noch weit höhere Anforderungen an

Konsequenz, Geduld, Ruhe, Eingehen auf den Charakter fordert. Unbedingt

hoffnungslos ist kein jüngerer Hund, den man aus fremder Hand mit Fehlern

mangelhafter Dressur, hand- oder schußscheu, zum Entweichen geneigt erhält.

Die Hauptbedingung ist, daß der Hund und neue Herr sich innig aneinander

anschließen, sehr viel beisammen sind, daß der auf Straße etwa unbändige,

Wagen nachprellende, rauflustige, Geflügel hetzende Hund möglichst wenig

Gelegenheit zu Übeltaten findet, solange er nicht eine vollständige neue

systematische Dressur (Kapitel 13 bis 17) durchgemacht hat, als ob er noch

nie etwas gelernt hätte. Und von allen Übungen reichliche Wiederholungen

unter peinlichster Beachtung des vorgeschriebenen Anlegens und dazu „Setz

dich”. Vor Beginn des Kursus muss man einige Tage der Woche weiten

Spaziergängen oder Radtouren in allerlei Gegenden vor der Stadt opfern. In

den Straßen aber an kurze Leine links „am Fuß”. Niemand füttert als der

Herr, in dessen Schlafzimmer (oder nebenan bei offener Tür das Schlaflager

(„Platz”) sich befindet. Fremden Hunden, Wagen, Autos, allem, was der Hund

scheut oder ihn reizt, weicht man nicht aus, sondern führt den Hund so

dicht als möglich vorbei. Hier wie bei allen sonstigen Gelegenheiten wird

viel mit ihm gesprochen. Je mehr der Hund lernt (Kapitel 17) und man übt,

desto besser. Er muß seine ganze _Vergangenheit vergessen,_ viel Bewegung

haben und Abends müde sein. Der neue Besitzer soll womöglich den früheren

Herrn (aber nicht in Gegenwart des Hundes) persönlich kennenlernen und

dessen Wesen studieren, damit er in allen Kundgaben zum Hund sich auf das

_Gegenteil_ einstelle. Spricht jener laut, rasch, lebhaft, so übertreibe er

im Verkehr mit dem Hund das Gegenteil. Dieser muß sich immer beobachtet

wissen und mit dem Herrn verbunden fühlen. Ehe Befehle erfolgen, muß sich

der Hund setzen, den Herrn anblicken lernen, das Kommando abwarten und

ablesen. Hat man aber dazu nicht Zeit, so fange man besser den Versuch gar

nicht an, verschiebe den Erwerb auf die Ferien. Man glaube nicht, daß man

mit Strafen einen verstockten Jungen oder Hund korrigieren könne; damit mag

man ihn höchstens zurückhalten, solange er dicht unter den Augen in der

Hand ist. Er muß ganz neu sich selbst erleben lernen und im Verhältnis zum

Herrn eingestellt werden. Gehorsamsübungen können nicht oft genug (aber

ohne Strafen) gemacht werden; rasch und prompt hat „Setz dich, leg dich,

apport, Platz, herein, am Fuß” zu erfolgen. Dazu viel Arbeit,

Sprungübungen, Kunststücke, Verlorensuchen, Apportieren aus Wasser,

Gewöhnen an Schuß ohne Hetzarbeit, das Leben im Hause streng regelmäßig,

nie allein ohne Aufsicht auf die Straße. Eine große Summe von gütigen

Mühen; ehe man sich dieser unterzieht, wäge man, ob diese der betreffende

Hund nach Rassenschönheit und Anlagen, die das Auge und der

Gesichtsausdruck verrät, wert ist. Nach Charakter ist der verdorbene Hund

ursprünglich oft mehr wert als der, an dem nicht leicht etwas zu verderben

ist.

IV. Teil.

Praktische Anleitung zur Hundehaltung.

21. Kapitel.

=Der Zwinger, die Hütte, das Lager.=

Ein altes Wort sagt: „Einmal Hundefreund, immer Hundefreund.” Zu einem

Dauerzustand für das Leben lohnt es auch ein Dauerheim zu schaffen, da aus

dem Hundebesitzer, dem erfolgreichen Aussteller, sehr oft der Züchter wird,

der die häufigen Bitten aus Freundeskreis nach einem Abkömmling seines

Musterhundes erfüllen will. Bei einem Einfamilienhaus, sei es Stadtmiethaus

oder Eigentum vor der Stadt, sollte der Zwinger nicht fehlen. Er

erleichtert die Haltung, ermöglicht die Zucht, hilft Haus und Wohnung

sauber halten, wenn der Hund nach Spaziergang bei Regen oder Schneeschlamm

naß heimkommt und vor Einlaß in das Haus eine Stunde auf reichlichem

Strohlager trocken und sauber geworden. Die läufige Hündin ist dort während

der Zeit, in der jede zum Entweichen neigt, sicher bewahrt. Die Zuchthündin

kann dort in Ruhe werfen und mit den Welpen bleiben, bis sie anfangen

selbst zu fressen und weggegeben werden. Auch in einer Villa mit 2—3

Wohnungen erspart ein schlichter Zwinger viel Beschwerden wegen

beschmutzter Treppenhäuser, und die im Verhältnis zu dem Luxus eines Hauses

ganz geringfügigen Kosten für einen Hundezwinger werden reichlich

ausgewogen. In manchen Großstädten verbieten die Besitzer die Haltung eines

größeren Hundes; ein Zwinger würde diese Härte überflüssig machen. Die sehr

hohe Zahl der Familienhunde in England, das Fehlen von Kreuzungen und

wertlosen Straßenkötern geht sicher auf Konto der Zwinger beim englischen

Familienhaus als bequeme Unterbringung und Bewahrungsmittel der Hündinnen

vor Fehltritten. Der Zwinger lehnt sich am besten an eine geschützte Mauer

in Nordost, er habe möglichst viel Sonne, der Boden muß unbedingt

betoniert, undurchlässig, also waschbar sein, da er sonst nach kurzer Zeit

verseucht und übel riecht. Auch würde auf durchlässigem, feuchtbleibendem

Boden der Holzzwinger rasch unten verfaulen. Die Betonunterlage etwas höher

als der Hof und leicht schräg geneigt von der Mauer weg, damit Regen

schnell abläuft. Eine rechtwinklige Ecke des Hofes oder an Hausrückwand

angefügt, macht nur zwei Gitterseiten nötig und gewährt mehr Wetterschutz,

ist auch leichter stabil anzulegen. Das Gitter vorn mit Tür, aus

Eisenstäben, die nur einmalige Ausgabe sind, die Enden nach Innen gebogen,

was Überspringen oder Klettern verhindert. Drahtgeflecht rostet zu rasch

und läßt sich dagegen nicht durch Anstreichen schützen. Für mittelkleine

Rassen unter Stuhlsitzhöhe ist der Zwinger entbehrlich, höchstens für den

Züchter solcher (z. B. Foxterriers) nötig. Also sei er gleich so groß

angelegt, daß ein Mann mit gebücktem Kopf darin stehen kann. Eine geräumige

Hütte aus Hartholz, mit heißem Leinöl getränkt und mit Ölfarbe gestrichen,

genügt auch; das Holz innen und außen glatt behobelte, sogenannte Nut- und

Federbretter, von außen mit Decklatten an den Fugen benagelt. Kein

Satteldach, sondern ein glattes, schräges Dach mit Dachpappe benagelt zum

Aufheben. Bei großer Kälte läßt sich leicht innen auf Leisten ein zweites

Dach nur aus Brettstücken auflegen und damit die Höhe reduzieren. Ähnlich

soll ein von unten wärmender Doppelboden nicht fehlen, der Zwischenraum mit

Torfmull gefüllt. Dieser hält warm; saugt Feuchtigkeit geruchlos auf. Als

Windschutz wird bei Kälte ein Sack vor den Einschlupf gehängt, den der Hund

beim Einkriechen verschiebt. Der Zwinger sei eine vergrößerte Hütte mit

Tür; in diese kommt das Einschlupfloch, durch ein herablaßbares Fallbrett

verschließbar, wie an Hühnerhäusern üblich. Innen dient eine erhöhte

Pritsche mit reichlich Stroh als behagliches Lager. Das Verbringen in

Zwinger oder zur Hütte soll nie eine Strafe sein, wird auch nach Rückkehr

von Spaziergang als solche nicht empfunden, zumal nach 1⁄2—1 Stunde die

Erlösung zur Futterstunde schlägt. Gelegentlich wird auch das Futter in den

Zwinger gebracht oder dient er als Nachtaufenthalt. Die tragende Hündin

wird schon 14 Tage vor dem Wurftage an den Zwinger allmählich gewöhnt,

indem sie dort ihre Mahlzeiten erhält. Die Gittertür ist nach Innen, die

des Hauses nach Außen zum Öffnen. Gegen unbefugtes Füttern, Zustecken von

Knochen schützt, wenn nötig, ein von außen an das Gitter mit Bindedraht

befestigtes Geflecht. Da der Zwinger für den Familienhund niemals ständiger

Aufenthaltsort sein soll, weil er dort verdummt und seinem Zweck als

Gesellschafter und Wächter entzogen würde, ist kein kunstvoller Steinbau

nötig. Dient der Zwinger als Wurfraum, so ist in diesem mit etwa 12 cm

breiten, 20 mm starken Brettern ein Wurfplatz abzugrenzen, benutzt man dazu

die Hütte, so wird mit ebensolchem Brettstück nach vorn zum Einschlupf

abgegrenzt, damit die Welpen nicht herausfallen können und auch nicht zu

nahe vorn am Eingang liegen.

Jedermanns Hundebuch · 第 4 / 6 段