Die spielende Dressur wird von Anhängern der scharfen

Parforce-(Gewalt)-Dressur, die erst bei fertigen Hunden einsetzen dürfe,

schroff verurteilt. Der Berufsdresseur, der in 6—8 Wochen einen Hund in

allen Fächern firm machen soll, kann freilich damit nicht arbeiten. Wer sie

aber anwendet, muß sich bewußt sein, daß er nicht mit dem Hund _spielen,_

sondern den _Trieb zum Spiel_ ausnützen, der nichts ist als

Kräfteüberschuß, worin schon Schiller das Wesen des Spieles sah (s. dessen

„Über die ästhetische Erziehung des Menschen”, 27. Brief). Dem Kind ist

sein Spiel tiefer Ernst; nur wer darauf eingeht, es nicht als gehaltlose

Tändelei ansieht, wird das Kind verstehen und richtig leiten. Ebenso den

zum Spiel aufgelegten Hund. Die besten Tricks der Dressur wilder Tiere,

bewunderte Paraden von Freiheits- und Schulpferden sind nicht vom Dresseur

erfunden und geschaffen, sondern vom Tier selbst; der Vorführende schleift

höchstens ab und inszeniert. Ebenso bei den Hunden; kleine Wunder von

Dressur erreicht auch bei Hunden nur, wer ihren Spieltrieb im Jugendalter

beobachtet, ihn ausnützt durch Entgegenkommen, aus einer Pose und einem

Versuch etwas macht, dazu das Kommando und Nebenumstände schafft. Was wir

selbst nach Vorschriften für alle Hunde an Erfolgen erzielen, ist nur ein

Wehren unter Drohung und Zwang, Erziehung genannt, und ein mechanisches

Einpauken von Gehorsamsübungen unter Ausnützen von Sinnesanlagen (Gehör,

Nase) und Urtrieben (Suchen, Revieren, Wachen, Haß gegen andre Tiere). Mehr

oder minder scharf gedrillt und prompt ausgeführt, größere oder geringere

Anlagen bei einzelnen Rassen und innerhalb dieser der Individuen, das

allein unterscheidet die Resultate an den Hunden trotz aller Erziehung und

Dressur. Den Jagd- und Gebrauchshund in Vollendung macht die Hochzucht.

Anders beim Gesellschaftshund. Sobald ihm Bewegung nicht mehr eine

Anstrengung ist, er auch geistig regsam wird, setzt der Spieltrieb ein, das

Verlangen nach Beschäftigung, etwas Tätigkeit. Kommt der Besitzer dem nicht

entgegen, bietet er nicht die äußeren Anreize, deren das in Gefangenschaft

gehaltene Tier ebenso bedarf, wie der Mensch, so sucht der Hund selbst nach

Betätigung. Je nach Kraft, Größe, Temperament ergibt das unliebsame

Vorkommnisse; Zerstörungssucht nennt man es bei Kindern. Vorbeugend sperrt

man tateneifrige Hunde in den Zwinger ein, hängt sie an die Kette, wo sie

störrisch werden und verdummen, während gerade die beste Zeit zur Erziehung

wäre. Beständig in menschlicher Gesellschaft werden sie intelligent,

lenksam. Am leichtesten lernt der Hund im Spieltrieb apportieren; wenn er

sich irgendwelche Gegenstände auf seinen Platz schleppt, ist der richtige

Zeitpunkt. Man läßt vom Drechsler aus Buchenholz einen Apportierbock von

folgendem Querschnitt ◻═◻, schlicht ohne Politur drehen, der leicht rollt,

je nach Größe der Rasse 15—30 cm lang, bewegt ihn dicht vor den Augen des

Hundes, wirft ihn leicht in die Höhe, fängt ihn auf, um so die

Aufmerksamkeit zu erregen, rollt ihn dann an einen glatten Platz: Hausflur,

Garten, nach Ruhe während des Spaziergangs an einsamer Stelle vor seinen

Augen fort mit dem aufmunternden Ruf: „Apport”. Der Hund springt sofort

nach, um ihn zu fangen. Ergreift er nicht sogleich, so kommt man zuvor,

nimmt ihn weg, bewegt das Holz vor ihm und wirft aufs neue: „Apport”. Für

Foxterriers, Airedales, die gerne springen, kann man auch eine Holzkugel

oder Vollgummiball wählen, doch werden diese dann zuweit mit der leichten

Beute davon eilen. Und es kommt darauf an, daß der Hund den Gegenstand

alsbald abgenommen erhält, bis er selbst merkt, daß Ablieferung eine

Fortsetzung des Spiels bedeutet. Das Apportierholz ist immerhin für das

noch schwache Gebiß eine kleine Last. Sowie der Hund gefaßt hat erfolgt das

Kommando: „herein”, auf das er in seinem Eifer meist nicht prompt folgt,

nur mit Aufhorchen oder Zögern reagiert. Man eilt herzu, nimmt ihm mit

sanfter Gewalt das Holz ab, reizt ihn ein wenig und wirft aufs neue:

„Apport”. Dieses Spiel wird höchstens 3—4 mal wiederholt, so daß es Reiz

des Neuen hat. Keinesfalls darf es ermüden oder langweilen, niemals dürfen

wertlose Holzstücke oder gar Steine, an denen häufig Zähne abgebrochen

werden, benützt werden. Läßt man auch nur einmal den fortgeworfenen

Gegenstand zum Zerbeißen oder den Hund achtlos wegwerfen, so stiftet man

für spätere Dressur zum korrekten Apportieren Schaden, verleitet man ihn

sich Gegenstände des Haushalts zum Zerstören einzuholen. Hat der Junghund

Freude am Nachspringen und Ergreifen, läßt sich aber nur widerwillig

abnehmen oder jagt damit davon, so übt man einige Male an langer Leine. Für

jedes Abnehmenlassen oder gar Bringen erfolgt lebhaftes Lob. Mit ein wenig

Entgegenkommen muß man schon zufrieden sein, dann wirft man weiter.

Gestraft wird hierbei nie, höchstens die Übung abgebrochen. Erst wenn man

zufrieden ist, wird der Holzbock durch Holzkugel oder Vollball ersetzt.

Wirft man letztere in Rasen, so umwickelt man sie mit hellem Stoffstück, um

sie sie mit dem Auge zu finden. Kluge Hunde beobachten die Stelle des

Einfallens und lernen bald, was sie nicht sehen, mit der Nase zu suchen,

eine wertvolle Erleichterung für Verlorenapportieren. Wichtig für alle

spielende Dressur ist der richtige Zeitpunkt; dieser ist, wenn der Hund

selbst sein Lager verläßt und zum Herrn kommt, sich meldet; dann ist er

aufgelegt, empfänglich. Spiellust läßt sich anregen, fördern, nicht

befehlen. Setzt er sich fragend vor uns, so richten wir ihn an den

Vorderpfoten auf, halten ihn einen Augenblick, lassen los, aber die Hände

dicht vor ihm und sagen: „so schön”, ihn scharf ansehend. Macht er Miene

sich herabzulassen, so mahnen wir mit „schön”, brechen ab, ehe er

herabgeht, beloben und belohnen ihn. Das nächste Mal halten wir ihm unter

dergleichen Mahnung einen Bissen dicht vor die Nase: „so schön”, werfen ihn

nach kurzer Zeit im Bogen von oben zu mit dem Ruf „Nimm”! Werden diese und

ähnliche Übungen gemacht, wenn der Hund von selbst zum Herrn kommt, so

haften sie nach 3—6 mal. Holt man ihn und nötigt ihn dazu, so wird er nach

10 maliger Anweisung noch immer die mechanische Unterstützung und Anleitung

brauchen. Richtet sich der Hund von selbst oder nach Anlocken unter

Vorhaltung von Knochen oder Zucker auf den Hinterbeinen auf, so ist es

Kleinigkeit, diese Stellung zu verlängern durch langsames Entfernen über

ihm nach rückwärts, unter Zeigen und Vorhalten des Bissens ihn das Gehen

auf den Hinterbeinen (Tanzen) zu lehren. Durch Aufheben aufgerichtet und

Zuspruch lernt er es schwer, viele, gar nicht. Sie müssen selbst die dazu

nötige Stellung ausbalancieren und einen Zweck vor Augen sehen. Sitzen wir

ruhig im Zimmer, und der Hund kommt langsam heran, berührt uns mit der

Pfote, so ergreift man diese lebhaft und drückt sie. Hält dann die offne

Hand vor die Pfote. Erhebt er sie nicht, so stößt man leicht von rückwärts

den Vorderlauf an: _„Gib Pfote.”_ Handbewegung, Armhaltung und Wort müssen

sich immer ergänzen. Stille im Zimmer, Abwesenheit anderer Menschen sind

der richtige Moment. Das im Augenblick gegebene zu erfassen macht den Laien

zum Dressurkünstler, nicht das Programm und Lehrbuch. In allem sonstigen

mag man nachlesen und Rat hier einholen, was in diesem Kapitel 12 steht,

muß in das Gefühl übergehen und in den Fingerspitzen sitzen.

III. Teil.

Systematische Dressur des Jährlings.

13. Kapitel.

=Leinenführigkeit.=

Hat der Hund das spielende Wesen abgelegt, seine Glieder in der Gewalt, das

endgültige Gebiß bekommen, so geht der Junghund in den Jährling über, je

nach Rasse im 7., bei größten Schlägen im 9. Lebensmonat. Am schnellsten

lernt jedes Tier, wenn es genau nach Methode wie die Vorfahren erzogen

wurden, Rassen mit Tradition der Dressur wie Jagdspaniels begreifen fast

von selbst. Statt des Lederriemens erhält der Jährling sein solides Zug-,

der Polizeihund sein Dressurhalsband; an Stelle der Führungsschnur tritt

die Lederleine, Zwang zu exakter Ausführung ersetzt bisherige

Nachgiebigkeit. Wir erleichtern nur noch Begreifen und Ausführung, sind

aber unerbittlich in exakter Befolgung. Leinenführig ist nur der Hund, der

an _linker Seite, dicht_ am Knie, den Kopf für Führer

_sichtbar,_ die Vorderläufe in gleicher Höhe wie der Herr geht, ohne die

Leine je zu _spannen._ Bester Zeitpunkt der Übung: Rückkehr vom langen

Spaziergang, nicht sofort bei Ausgang. Wir überdenken vorher, so daß uns

der Rückweg längere Zeit an Mauern, grader Vorgärtenreihe, Häuserwänden

ruhig vorbeiführt. Dort angekommen, deutlicher Anruf, kurze stille Rast,

Anlegen. Leine kurz in linke Hand, in rechte Gerte, Kommando: _„am Fuß”_

und im gleichen Augenblick energisch antreten. Nun gehen wir ganz langsam

so dicht an der Mauer oder Häuserreihe, daß der Hund links durch diese,

rechts durch das linke Bein eingeengt ist. Die Kopfstellung leitet die

Länge der Leine. Prellt er mit dem Kopf vor, so erfolgt ein leichtes

Zurückziehen und Zuruf „zurück”. Genügt das nicht, ein warnender Schlag mit

der Gerte aus dem rechten Handgelenk über die vorgestreckte Nase. Leichtes

Lob, lebhaftes würde zum Springen veranlassen, harte Strafe zum ängstlichen

Nachschleichen. Das Marschtempo sei alsbald flotter, damit der Hund nicht

teilnahmlos nebenher trottelt, sondern animiert geht, da prägt sich das „am

Fuß” fester ein als bei dem bisherigen gewohnten Nebenherlaufen. Bleibt man

mal stehen, so wird das Kommando „am Fuß!” mit Kurzhalten und lebhaftem

Antritt neu gegeben, die Schritte sollen tunlichst hart hallen, wenigstens

die ersten, damit die Bewegungsart die Führung unterstützt. Erster Tag ohne

Hindernisse und Wendungen; am Endpunkt lösen, loben, Erlaubnis zum

Vorspringen mit aufmunterndem „Voraus”. Nach voller Zufriedenheit am

zweiten Tag zeitweilig unmerkliches Lösen der Leine, sonst erst bei dritter

oder vierter Wiederholung. Wechsel des Weges vorteilhaft, später auf

anderer Straßenseite ohne die bannende Wand oder Mauer links. Nächste

Steigerung: belebtere Wege unter leichtem beruhigendem Zuspruch bei

Annäherung von Hunden; Lob und Ermahnung sollen von Abirren abhalten. Jedes

scharfe Abbiegen nach rechts erfolgt unter Kommando „am Fuß”! und leicht

angezogener Leine. Wiederholung frei „am Fuß”. Zum Schluß jedesmal Lob und

Entlassung: „Voraus”.

14. Kapitel.

=Setz dich, Leg dich, Ablegen.=

Drei reine Gehorsamsübungen, wozu der Hund begreifen muß, was er soll; das

Verharren ist das Folgen aus Einsicht, daß er sich damit Strafe erspart.

Anfangs übt man im leeren Raum unter Ausschaltung von Ablenkungen, zu denen

auch der Trieb des ersten Auslaufens beim Ausgang gehört. Zunächst

Namenanruf, Anhängen der Leine, Stehen dicht vor Herrn, die linke Hand faßt

nach Halsband unter der Kehle und drückt leicht zurück, die rechte drückt

die Keulen nieder, kurzes Kommando _„Setz”!_ Die rechte Hand läßt nach,

zeigt dem Hund die senkrecht vor die Nase gehaltene Handfläche (späteres

Zeichen ohne Kommando), die linke bleibt noch. Bannender Blick und Zeigen

der rechten Hand. Macht er keine Miene aufzustehen, so tritt man zurück,

leises Lob. Alsbald beim Ausgang Erlaubnis zum Voranspringen, wenn

angezeigt, Abmarsch mit _„am Fuß”!_ Später Wiederholungen, kurzes Kommando

und Hilfe zur Ausführung ergänzen sich rasch zusammenfallend.

Nutzanwendung: so oft der Hund am Fuß geht und der Herr stehen bleibt,

jedesmal _„Setz dich”!_ Bald nur noch auf Vorhalten der Hand senkrecht vor

die Nase, bis,sich der Hund von selbst setzt, sobald und wo immer der Herr

still steht. Zweck: würde der Hund ungeleint neben dem Herrn, der irgendwie

durch Unterhaltung, Blick in Schaufenster, auf Plakat usw. beschäftigt ist,

stehen, so wird er leicht zu fremden Hunden laufen, sich langweilend weiter

bummeln. Das konsequente Setzen ist ein Bannen am Ort, ohne daß er leicht

getreten wird oder in Versuchung kommt. Je temperamentvoller die Rasse

(Polizeihund), desto wichtiger ist dieses Bannen; Zwerghunde lernen es

selten, da ungeduldig.

Ein weiterer Schritt, etwas schwieriger, für jede höhere Dressur

unerläßlich, ist das Legen auf gedehntes Kommando. Gut erzogene Hunde

wissen schon aus dem Befehl: „Platz, leg dich”, was sie jetzt sollen.

Führen sie es aus dem Gehen beim Fuß angeleint, nicht auf gedehnten Befehl:

„Leg dich” aus, so drückt man mit linker Hand auf den Rücken, während die

rechte unter die Vorderläufe greift, sie nach vorne schiebend. Die linke

Hand bleibt, der rechte Arm erhebt sich wagrecht wie hypnotisierend über

den Augen. Allmählich hebt sich die linke weg, der rechte Arm bleibt mit

wagrechter Hand erhoben; will der Hund aufstehen, so klappt die Hand auf

den Oberkopf unter „Leg dich”! Nach einer Reihe von Übungen muß der Hund

lediglich auf Erheben des rechten Arms mit wagrechter Hand und allmählichem

Senken auch ohne Wortbefehl sich legen. Dieses erfolgt immer mit leiser

Stimme, die auf den Hund eindringlicher wirkt, als Schreien. Vollen Erfolg

hat nur, wer öfter wiederholt, aber unbedingte Befolgung fordert, falls

nötig mit Gerte nachhelfend. Jedes Nachgeben und Verzicht auf Ausführung

lockert auch die Disziplin auf andren Gebieten. Ist das Legen (Down) für

Jagdhunde unerläßlich, für manche die halbe Dressur, wenn damit das

Niedersenken des Kopfes zwischen die Vorderfüße verbunden ist, so ist es

bei kleinen Rassen entbehrlich, wenn man sie im Hause zum pünktlichen

Gehorchen auf „Platz, leg dich”! erzogen hat. Auf „Setz dich”, sollte

niemand verzichten. Alle Polizeihundrassen müssen das „Leg dich” ausführen,

sowohl auf Wort wie Wink. Nutzanwendung:

1. Wenn der Hund auf größere Entfernung unsre Stimme gegen Wind nicht hört,

können wir ihn durch Armaufheben bannen, bis wir zu ihm herangehen und ihn

anleinen.

2. Ablegen zum Bewachen eines Gegenstandes, falls fremder Gegenstand fügt

der Herr etwas hinzu, was seinen Geruch trägt (Handschuh). Hierzu wählt man

einen ruhigen Ort, wenn möglich an Wandung, Böschung, Mauer, Baumstamm im

Schatten, anfangs angelegt oder mindestens mit angehängter Leine. Nach

Ermahnung entfernt sich der Herr, verhält sich ruhig verborgen; schleicht

der Hund nach, wird er unter „Pfui” und Zeigen der Gerte zurückgebracht,

aber alsbald persönlich abgeholt, unter Mahnung: ruhig „Platz!” damit er

nicht entgegenspringt. Abrufen wäre falsch; was zu bewachen ist, darf nie

verlassen werden.

Zur korrekten Befolgung gehören viele Übungen und Geduld, aber auch schon

eine gewisse Reife des Hundes, sowie gutes Einvernehmen zwischen Herr und

Hund. Ist man überhaupt zur An- schaffung des sogenannten Torquatushalsband

(Stachelhalsband) geschritten, das für Jagd und Polizeihund fast

unerläßlich, so wird man durch Anlegen an solches sicher Resultate

erzielen, ebenso den Hund rascher zum Gehen an Fuß bringen. Aber ein

solches Instrument sollte nur für dickfellige Hunde benutzt werden, die

auch durch ein paar kräftige Schläge nicht verdorben (scheu) werden. Sehr

nützliche Gehorsamsübungen sind „Setz dich” und „Leg dich” dicht vor der

gefüllten Futterschüssel. Hunde, die so geübt sind, versagen nicht leicht

in Freiheit.

15. Kapitel.

=Begleiten zu Fahrrad, Wagen, Pferd.=

Alle mittelgroßen und größeren Rassen, ausgenommen die schweren

Bernhardiner, müssen lernen, dem Fahrrad zu folgen, dessen Tempo für

Junghunde zu mäßigen ist, da sie sonst leicht dauernd in Hinterhand

ruiniert werden. Andererseits gibt es kein besseres und bequemeres Mittel,

den Junghund zu einem gesunden, kräftigen, bruststarken, wohlgestalteten zu

trainieren als das Laufen hinter dem Rad. Die ersten Male muß man sich

allerdings die Mühe machen, das Rad zu schieben und zwar ganz scharf auf

rechter Straßenseite; ausnahmsweise folgt der Hund nicht links, dicht am

Fuß, sondern darf frei gehen. Vom Rad aus ihn an der längeren Leine zu

führen, empfiehlt sich nicht, das könnte nur ein sehr geschickter Fahrer

mit einem außerordentlich lenksamen, leinenfesten Hund riskieren und hätte

höchstens den Erfolg, daß der Hund den Weg nur einmal macht. Hat der dem

geschobenen Rad aufmerksam folgende Hund den ersten Lauftrieb hinter sich

und seine Geschäfte verrichtet, so steigt man auf einsamer Landstraße, die

noch wenig von Autos befahren ist auf, hält sich zur Erziehung dicht

rechts, nimmt sofort flottes Tempo, das den Hund zu gestrecktem Trab

veranlaßt und nicht viel Zeit läßt, nach links und rechts abzuschweifen.

Die schrille Trillerpfeife hängt an Schnur am Handgelenk oder um den Hals;

nützlich ist vorn an der Lenkstange an einer vernickelten Klemmvorrichtung

die Peitsche zur Abwehr fremder Hunde. Führt man zu zweit, so sollen beide

Räder mit etwas Abstand hintereinander folgen; vorn derjenige Teil an dem

der Hund mehr gewöhnt ist, als der führende, der zweite gelegentlich

korrigierend und überwachend, folgt. Eine Stunde zum Rad begleiten ist

soviel Bewegung wie 4 Stunden Spaziergang. In der Stadt selbst und auf

belebten Straßen fährt man erst, wenn der Hund nach einigen Wochen des

Mitlaufens achtsam geworden ist. Um den etwas reiferen Hund zum Laufen

neben dem Wagen zu erziehen, wäre es falsch, sogleich ein flott fahrendes

Fuhrwerk zu besteigen; der Hund würde leicht aus Übermut oder Spielerei

nach dem Pferd springen oder umkreisen. Auf dem Rückweg nach längerem

Spaziergang ersuchen wir den Lenker eines langsam fahrenden Lastwagens uns

zu Erziehungszwecken das Aufsitzen zu gestatten und nehmen rechts hinten

Platz. Es kommt hierbei nur darauf an, daß der Hund den Herrn sieht und

hört, sich an die für ihn verwunderliche Tatsache gewöhnt, daß er nicht

dicht herangehen kann. Bellen und Anspringen, was bei langsamer Fahrt und

vorausgegangener ausgiebiger Bewegung ohnehin selten, wird nicht geduldet,

mit „Pfui” oder Drohung mit Gerte verwiesen. Hilft das nichts, so springt

man ab, legt ihn an lange Leine und steigt rückwärts auf. Erst nach

mehrmaligem Üben, nachdem rollende Räder und Pferd dem Hund nichts mehr

unheimlich Fremdes, wird ein etwas flotterer Wagen bestiegen. Junge Hunde

läßt man zum Ausritt nicht begleiten, außer man hat selbst Stall und Pferd,

und der Hund ist durch öfteres Mitnehmen und vorherigen Aufenthalt im Stall

mit dem Pferd vertraut, meidet die Nähe der Hufe, springt das sich

bewegende Pferd nicht mehr an. Und auch dann ist es nützlich, vorher beim

Ausführen des Pferdes den Hund einige Male mitgehen zu lassen. Der vorher

an das Rad gewöhnte wird sich auch da sofort anpassen und dem Reiter

folgen.

16. Kapitel.

=Apportieren und Verlorensuchen.=

Selbst wenn der Junghund nach den Anweisungen des Kapitel 12 schon

„spielend gelernt”, — das Wort ist sehr bezeichnend und hat tiefen Sinn —

hat, muß man ihm doch noch eine vollständige systematische Dressuranleitung

zum _korrekten_ Apportieren geben. Manche Rassen sind auch weniger

arbeitswillig und zum Spiel nicht aufgelegt. Solchen mit ausgeprägten

Sonderanlagen (z. B. Teckel, Windhund) ist es überhaupt möglich das

Apportieren vor vollendetem 8.-10. Monat beizubringen, später ist es nahezu

ausgeschlossen oder doch sehr langwierig. Zum Üben wird jetzt nicht Ball

und Kugel, nur das Apportierholz verwendet. Raum dazu: ein ruhiges Zimmer

ohne Ablenkungen, keine Zuschauer. Damit das Greifstück lieber gefaßt wird

und die Zähne nicht verletzt, umnagelt man es mit einem Lederstreifen. Das

Apportieren setzt sich aus 5 Handlungen zusammen (setz dich, faß, apport,

setz dich, aus). Man ruft „herein” hängt die längere Leine (nicht die kurze

Führleine) an das Halsband ohne das Tier durch Lebhaftigkeit zu erregen.

Fiebert es vor Erregung hinaus zu kommen, so macht man mit ihm „am Fuß”

einige Gänge; Kommando: „Setz dich”! Der Hund soll in Erwartung sein, aber

nicht in Erregung, wenn es etwa die Zeit zum gewohnten Spaziergang wäre

oder Gebell andrer Hunde, Lärm, Geräusche ihn ablenken. Ist das der Fall,

so verschiebt man die Lektion, begnügt sich mit der Übung „leg dich”! Eine

erfolgreiche Übung zu richtigem Zeitpunkt ist mehr wert als ein Dutzend

erfolgloser. Sitzt der Hund in ruhiger Erwartung, so holt man das

Apportierholz herbei öffnet ihm den Fang (Schnauze) mit leichtem Zwang,

legt das Holz hinein, hebt leicht, den Kopf durch Druck von unten und

spricht deutlich „Faß”, ihn scharf im Auge behaltend. Hält der Hund, so

zieht man die Hand langsam zurück unter Mahnung „Faß”! Nach wenigen

Augenblicken nimmt man ihm das Holz mit der linken Hand ab, die rechte

drückt leicht den Kopf nieder und hilft nach mit Kommando _„Gib aus”!_ Man

belobt, aber belohnt noch nicht. Nach einem kurzen Gang „am Fuß” erneutes

Setzen und Wiederholung. Inzwischen Pause mit Ablegen. „Herein, setz dich”.

Hält der Hund ohne Unterstützung, läßt sich das Holz willig in den Fang

ohne Nachhilfe legen, so hält man es dicht vor die Schnauze: „Faß apport”

ihm leicht entgegenkommend. Hat er das erstemal von selbst gefaßt, so wird

er nach „aus” belohnt und die Lektion mit einem Rundgang „am Fuß”

abgebrochen, aber nicht durch Spaziergang abgelöst, weil der Hund sonst

während des Unterrichts nur an diesen denkt. Am besten erfolgen solche

Stunden an langweiligen Regentagen, am stillen Sonntag Nachmittag. Es

gehört dazu viel Nachsicht, Geduld und Zufriedenheit mit kleinem

Fortschritt. Der Hund darf angesichts und während der Übung mit dem

Apportierholz nie gestraft werden, damit er nicht ängstlich oder unlustig

wird. Eher kann man das „Setz dich” vorher etwas scharf fordern, „leg dich”

üben, aber dann das Holz noch nicht zeigen und erst bei erneutem Setzen ihm

einlegen. Solange nicht das „Faß Apport” ohne Beihilfe klappt, schreitet

man nicht weiter. Nimmt er das dicht vorgehaltene sogleich auf Befehl, so

wird es das nächste Mal etwas weg und tiefer gehalten, nach alsbaldigem

„gib aus” belohnt und abgebrochen. Eine kurze Lektion zur Zufriedenheit

bringt mehr Erfolg als stundenlanges Wiederholen. Die nächste Übung ist

Vergrößerung der Entfernung bis der Hund von selbst nimmt, sei es, daß wir

das Holz bei kleineren Rassen auf den Boden, bei größten dicht vor seinen

Augen auf bereitstehendem Holzschemel legen. Bei arbeitswilligen Hunden,

die schon vorher spielend lernten, geht das alles in einer Lektion (mit

einigen Pausen), bei andren kostet es 6—12 Tage. Ist ein Hund besonders

hartnäckig und will sich das Holz absolut nicht einlegen lassen, so hilft

oft ein Gewaltmittel. Man nimmt ein ähnlich dickes Stück Rundholz, legt es

ihm weit rückwärts in den Fang und bindet es durch mehrfaches Umschlingen

im Nacken fest, doch ohne zu scharf abzuschnüren. Mit dieser Befestigung

macht man mit ihm einen mehrstündigen Spaziergang, wodurch oft der

Widerstand für immer gebrochen ist. Dabei ist Kontrolle und viel Gehen am

Fuß nötig. Die Schnur im Nacken wird zur Sicherheit noch an das Halsband

befestigt. Mit derselben Verschnürung haben wir hartnäckige Raufer und

Katzenwürger besser als mit Maulkorb kuriert. Nimmt der Schüler das Holz

vom Boden auf, so darf es nunmehr fortgerollt oder geworfen werden, doch

soll der Hund _erst auf Befehl_ „Faß apport” zuspringen. Dieses abwarten zu

lernen, ist die Ursache, weshalb auch Hunde, die schon Ball, Kugel usw.

bringen, die systematische Übung mit Sitzen vor Kommando, und mit

sofortigem Abliefern mit Hinsetzen durchmachen müssen. Erst nach ganz

exakter Ausführung darf das Apportieren im freien Gelände mittels

mitgenommenen Gegenstands, nie mit aufgehobenem Stein oder Ast geübt

werden. Schütteln, Beißen, Spielen, Herumziehen ist streng zu rügen und

durch kurze scharf betonte Übung im geschlossenen ruhigen Raum (Zimmer,

Hof) zu korrigieren. Nur ganz allmählich wird in langsamer Steigerung der

bisherige Gegenstand durch beliebige andre, die anfangs die Witterung des

Herrn tragen sollen, ersetzt. Niemand als der Herr darf mit ihm üben.

Schwierige Aufgaben, z. B. Bringen von Metall (Schlüssel), das Hunde ungern

mit den Zähnen berühren, werden belohnt, um die Äpportierfreude zu stärken.

Dem „Faß apport” (Ergreifen und Bringen des Sichtbaren) folgt das „Such

apport”, womit der Hund die erste Anleitung zum Verstehen von „Suchen”

erhält. Der verwitterte (riechende) Gegenstand wird vor seinen Augen ins

Gras, Klee, Heidekraut oder dergleichen geworfen, so daß der Hund zwar das

Werfen, also die Richtung, nicht aber den eingefallenen Gegenstand liegen

sieht. Diesen muß er durch Absuchen mit Auge oder Nase finden. Ist die

Kugel in ein grünes Tuchstück, das man mit einigen Tropfen Anisöl

parfümiert hat, gewickelt und erhält er diese vor dem Werfen vorgehalten,

so kommt der Hund rasch von selbst darauf, die Nase zu benützen. Meist

genügt es und ist auch für spätere Nutzanwendung klüger, nur das Tuchstück

einige Stunden in der Tasche oder auf bloßer Haut getragen zu haben. Beim

Werfen im Winter im Schneefeld benützt man ein helles Leinenstück. Weiß der

Hund genau, was „Such apport” bedeutet, so versteckt man im Zimmer die

umwickelte Kugel, läßt den Hund erst setzen und animiert mit „Such

verloren”. Der gefundene Gegenstand ist immer, auch im Zimmer unter

Hinsetzen vor den Herrn abzuliefern. Mit der Hand gibt man die Richtung an,

damit der Hund lernt, diese als Hilfsmittel zu betrachten. Erste

Nutzanwendung: während Gehen „am Fuß” lassen wir die umwickelte Kugel

fallen, nach zehn Schritten: Kehrt. „Setz dich”, der Hund weiß, daß es

etwas zum Apportieren gibt. Wir deuten von ihm weg, dicht am Boden entlang

nach mit der Hand rückwärts: „Such verloren”. Versteht er nicht, so gehen

wir langsam mit ihm zurück und verkürzen das nächste Mal den Abstand auf 5

Schritte. Das Deuten am Boden lehrt ihn, daß er auf Rückspur suchen soll.

Nach einer Reihe von Übungen begreift der Hund unter Benützung und

Beobachtung der Winke mit Hand oder Arm ganz von selbst, ob er auf der

Fährte oder frei suchen soll. Durch Lob und freundliche Behandlung wird das

Apportieren und Suchen bei den meisten Hunden zur Leidenschaft; es darf

sich nur niemals mit den Übungen der Begriff von schroffer Behandlung oder

Strafen verbinden. Auch darf man den Hund nie durch allzuhäufige

Wiederholung am gleichen Platz genau derselben Übung langweilen oder

ermüden. Abschluß immer Lob und Zufriedenheit. Weitergehende Dressur der

Spurenarbeit mit Gehilfen ist Sache der sogenannten Polizeihunddressur aus

Sozialdressurbüchern.

17. Kapitel.

=Kleine Kunststücke.=

Jedermanns Hundebuch · 第 3 / 6 段