Unerläßlich ist es für den nützlichen Haushund, daß er sowohl auf Kommando,

sowie bei allen auffälligen Erscheinungen Laut gibt. d. h. kurz anschlägt

und das wiederholt, bis sein Verhalten beachtet worden ist. Wie der Hund

genau den Tonfall der Stimme seines Herrn kennt und sogar selbst verwirrt

wird, wenn dieser in heftiger Erregung Befehle gibt, so wird der Herr mit

der Zeit genau unterscheiden, ob der Hund aus Ungeduld kurz und halblaut

wie fragend, ob scharf tief grollend oder zornig als Drohung beim Wachen

anschlägt, ob er nur mechanisch beim Bellen anderer Hunde mitmacht, was in

langes Geheul oft in stiller Nacht übergeht, oder ob er einen zwar

gegebenen Anlaß aus Übermut zu einer willkommenen Emotion für sich selbst

steigert. Bei manchen Rassen, Dobermannpinscher, Pinscher und besonders

Spitz, muß man zurückhalten und dämpfen, um nicht durch Erschrecken von

Kindern und alten Leuten in Konflikt zu kommen, so daß man sie sogar

morgens nicht frei, sondern nur angeleint hinausführt oder sie einen

Gegenstand im Maul tragen läßt. Bei anderen Rassen muß das Lautgeben erst

geweckt werden, indem man den Junghund auf ein Stichwort z. B. das kurz

herausgestoßene, suggestive „Gib Laut” gewöhnt. Fast alle Hunde schlagen

an, wenn sie ungeduldig die Futterschüssel erwarten, bemerkt man nur den

Ansatz dazu, so ruft man unter Vorhalten der Schüssel „Gib Laut”. Sobald

das geschieht, wird das Futter gegeben und diese Übung so oft wiederholt,

bis er sofort auf Kommando reagiert. Dann das Kommando ohne Schüssel, doch

die Befolgung belohnt, später nur belobt. Andere Hunde, bei welchen der

Trieb zur Bewegung lebhafter ist als der Hunger, bellen vor Ungeduld, wenn

man an der Tür beim Hinauslaufen zögert; hier verfährt man ebenso. Andere

lockt der abendliche Knochen mehr, den man beriechen läßt, ohne ihn zu

geben. Wieder andere geben Laut aus Wachsamkeit, wenn sie fremde Stimmen

hören, wenn es klingelt, was das Kommen von Menschen andeutet, oder wenn es

an der Tür klopft. Auch hier bestärkt man durch Zuruf, verhindert aber den

Übergang des Meldens in heftigen Zornesausbruch durch Kommando „Platz, leg

dich”! Auf seinem Lager und in dieser Stellung hat absolute Ruhe zu

herrschen, die man nötigenfalls durch so kurzes Anhängen mechanisch

erzielt, so daß der Hund den Kopf nicht erheben kann. Jeder solche

körperliche Zwang ist besser als ein strafendes Wehren, das vom Hund leicht

als Strafe für Bellen, nicht aber als Befehl zum Aufhören aufgefaßt wird.

Der Gelegenheiten und zufälligen Anlässe zum Lautwerden gibt es noch mehr;

oft schon Anziehen von Paletot oder Ergreifen des Hutes, Poltern durch

Hilfspersonen an der Tür, scharfes Fixieren, leichte Schläge auf die

Vorderpfoten, wozu der Hund angelegt wird; je leichter der Hund aus sich

heraus bellt, desto schneller lernt er auch auf bloßen Befehl und später

bei den Anlässen, bei welchen der Befehl wiederholt gegeben wurde, auch

ohne Befehl anzuschlagen. Solche sind: Eintritt oder Ankündigung fremder

Personen, Warten vor geschlossener Tür auf Befehl „Hinaus”, nächtliches

Stoßen auf verdächtige Geräusche und Dinge, auf Schuß. Ist es z. B. nachts

nötig, daß er plötzlich verstummt und befolgt in Erregung den Befehl (st,

st) nicht, so drückt man den Kopf nieder oder wickelt schnell die Leine um

den Fang, ohne Schmerzen zu verursachen. Für alle Fälle ist auch nützlich,

sobald der Hund willig auf Befehl Laut gibt, mehrmals eine Zeitung im

Keller oder Speicher anzubrennen und ihn direkt vor dieser fortgesetzt

bellen zu lassen; dann wird er sicher jedes Feuer im Haus melden, dessen

Geruch er wahrnimmt, wenn er es selbst nicht sieht.

9. Kapitel.

=Verhalten auf der Straße.=

Durch Begleiten am Fuß und exakte Leinenführigkeit (s. Kap. 13) ergibt sich

diese für den erwachsenen Hund von selbst; vom Junghund kann das noch nicht

gefordert werden; er läuft dem Herrn nach oder wird an der längeren Leine

mehr geleitet, also kurz gehalten. Ohne solche soll er anfangs in der

Großstadt mit Autos und starkem Menschenstrom während der lebhaften

Verkehrsstunden nicht auf die Straße kommen. Man gewöhne sich und ihn, bis

er sich gelöst hat, auf der Straße (nicht Trottoir) zu gehen; das sind wir

unseren Mitmenschen, ihren Augen, Nasen, Stiefelsohlen schuldig, genau so

wie sie unser Hund nie durch Bellen erschrecken darf. Noch weniger sollen

sich Hunde allein aufsichtslos, selbst nicht in einsamen Straßen

herumtreiben. Vermeiden wir durch rücksichtsvolle Haltung alles, was Anstoß

erregt, so wird die Hundeliebhaberei mit Steuererhöhung, Maulkorb- oder

Leinenzwang verschont bleiben. Zunächst wird der Junghund aus Spielerei

allem, was sich rasch bewegt, Wagen, Radfahrer, Auto, Kindern, nachlaufen

und nachbellen wollen. Ein scharfer Ruck und plötzlicher Schlag über

Schnauze mit Gerte muß das im Keim ersticken, wenn es noch so harmlos

erscheint. Ebenso das Hineinlaufen in fremde Häuser und Vorgärten, das

Hinziehen zu andren Hunden. Hat man ihn nicht schon mehrmals im Haus durch

Verabredung üble Erfahrung beim Einschmeicheln bei Fremden machen lassen,

so muß man das mit einer Vertrauensperson für die Straße verabreden, der

man die Gerte in die Hand gibt. Sobald der Junghund sich vertrauensselig

dieser nähert, erfolgen durch diesen einige energische plötzliche Schläge.

Nach 2—3, Lektionen, besonders nützlich, wenn die Gehilfen selbst einen

Hund mit sich führen, ist der Sünder für immer kuriert. Die kleine Mühe,

wozu jeder gern die Hand bietet, lohnt sich für alle Zeit und reichlich,

während man allein durch zehnmaliges Warnen weniger erzielt. Auch wir haben

im Leben alle schlechte Erfahrungen selbst machen müssen, obschon es an

„guten Lehren” von Jugend auf in Schrift und Wort nicht gefehlt hat. Genau

so der Hund, der dabei zugleich lernt, daß es immer nützlich ist, sich nur

an seinen _Herrn_ zu halten. Tollt der Hund Wagen nach, so würde der

temperamentvolle Terrier oder Schäferhund bei erbetnem Schlagen und Knallen

des Kutschers erst recht in Erregung geraten, nur der von der Peitsche

getroffene aufschreiend ablassen. Das beste Erziehungsmittel ist deshalb

die _Gummischleuder_ (Abb. 1), die zum Kurieren für Raufer, Geflügel- und

Hasenhetzer unersetzlich wertvoll ist. Ein scharfer Pfiff und dazu einige

Schrotkörner, deren Herkunft dem Hund unheimlich ist, wirken Wunder. Die

Schleuder, spielend zu handhaben, bequem in der Tasche zu tragen, eine

kleine Ausgabe, ist auch gegen fremde Raufer nie versagend und erspart bei

lebhaften Hunden die hohen Unkosten für Dressur oder für manchen verhüteten

Schaden. Haben wir in einsamer Straße unseren Rüden von der Leine gelöst

und es nähert sich ein größerer Rüde, so sieht man schon an der

aufgerichteten Kampfstellung, gesträubtem Rückenhaar, erhobner steiler

Rute, ob Rauflust vorhanden ist. Anlage dazu haben fast alle

geschlechtsreifen Terriers, Schäferhunde, Boxer, Doggenschläge,

Dobermannpinscher; hält man einen solchen, so versäume man Anschaffung der

Gummischleuder (Zwille) nicht und beobachte scharf, besonders im Alter

beginnender Geschlechtsreife. Durch beständiges Führen, sofortiges Anlegen

kann man wohl Vorbeugen, aber nicht heilen. Bei den ersten Anzeichen von

Erregung, Stutzen beim Anblick des Gegners muß schon der Strafschuß

erfolgen und dann sofort an die Leine, aber nicht vom anderen Hund in

entgegengesetzter Richtung wegführend, sondern an diesem dicht vorbei unter

scharfer Mahnung. Pudel, französische Bulldoggen, Schnauzer, Bernhardiner.

Neufundländer, Rottweiler, Zwergrassen sind weniger kampflustig veranlagt;

diese werden nur bisweilen durch bissige Angreifer verdorben. Jene soll man

durch einen Schreckschuß seinem Schützling fernhalten. Auch bei nächtlicher

Ruhestörung des im Hofe im Zwinger befindlichen Hundes ist diese „lange

Peitsche” nützlich, sowie das wirksamste Mittel aufdringliche Rüden fern

vom Hause zu halten, wenn man eine Hündin besitzt und diese läufig ist.

Betritt man einen Laden, so hält man den Junghund sehr kurz, duldet nicht

das Beriechen der am Eingang stehenden Körbe, Säcke, Kisten, da das häufig

vom Aufheben des Beines begleitet ist. Da er aber leicht aus Spielerei

fortlaufen oder überfahren werden könnte, läßt man erst vor dem Laden

allein warten, wenn er fest im Appell ist.

[Illustration: Strichzeichnung Mann mit Gummischleuder/Zwille]

10. Kapitel.

=Verhalten auf Spaziergang.=

Im Gegensatz zur Aufsicht und Beherrschung auf der Verkehrsstraße, soll

beim Spaziergang hinaus _möglichste Freiheit_ für den Hund angestrebt

werden; hier soll er sich ausleben und körperlich entwickeln. Nur flotter

Auslauf auf hartem Boden gibt gesunde Glieder, harmonische Bewegung,

geschlossene Zehen, festen Rücken, widerstandsfähige Konstitution, kurz

alles, was gegen Krankheiten stählt, zum Gebrauchs-, Zucht- und Arbeitshund

stempelt, und zu jener schönen Erscheinung macht, die der Preisrichter auf

Ausstellungen über alles stellt und hoch auszeichnet. Doch auch was uns

selbst eine ästhetische Freude beim Anblick ist, zumal wir es sich

entwickeln sehen und durch rationelles, immer dem Können und Alter

angepaßtes Trainieren unterstützen. Auf langen Spaziergängen lernen sich

Herr und Hund kennen und wachsen zu einer Einheit zusammen. Von der

Erfrischung und Erholung für uns selbst noch gar nicht zu sprechen.

Winselnd und ratlos bleibt der schwächlich aufgezogene, mangelhaft

ernährte, energielose Hund vor einer steilen Böschung, die wir

überklettern, stehen, während der temperamentvolle es drei- und sechsmal

versucht, bis es ihm gelingt, uns nachzufolgen. Er wird gelobt, wie man

überhaupt viel mit dem Hunde _sprechen soll._ Zeigt er Spuren von Ermüdung,

z. B. nach lebhaftem Tollen etwas eingesenkten Rücken oder lockre

Ellenbogen, so wird länger gerastet. Hat man statt eines Welpen einen

halbfertigen oder älteren Hund erworben, so kann man ihn mit achttagelanger

Haltung im Haus und an Leine nicht so fest an sich gewöhnen, als wenn man

schon am zweiten Tage ihn über einige Stunden hinaus in die Einsamkeit von

Feldwegen bringt, und dann springen läßt. Läuft er auch scheinbar davon, so

rufe man nicht und gehe in entgegengesetzter Richtung. Kehrt er zurück in

die Nähe, so spricht man freundlich mit ihm, ohne ihn anzulegen und läßt

ihn weiter herumspringen. Bis er ermüdet selbst dicht herbei kommt und erst

kurz vor der Wohnung oder Stadt wieder angelegt wird. Fremde zogen hinaus,

zwei gute Freunde kehren zurück. Freiheit ist aber nicht gleichbedeutend

mit Zügellosigkeit. Wenn es auch ein schönes Bild ist, einen Hund hinter

einem Hasen über die Felder fliegen zu sehe, so muß man doch sofort

anrufen, wenn der Hund mit tiefer Nase auf Wildspur sucht. Aus dem

gelegentlichen Hetzer, den jeder Jäger zu erschießen berechtigt ist, wird

ein Gewohnheitswilderer. Und außerdem soll jeder Natur- und Tierfreund das

Recht des Jagdinhabers respektieren und dessen Wild nicht beunruhigen. Es

ist wohl kein Unglück, wenn unser Hund Krähen hoch macht, aber zwischen

schwarzen Haushühnern im Hof und Krähen ist für ihn kein Unterschied; er

versteht nicht, warum ihm dort erlaubt wäre, was hier scharf gewehrt werden

muß. Wenn auch Hundefreunde selten Katzenliebhaber sind, so müssen wir doch

den Junghund sofort abrufen und anlegen, wenn er Miene macht, solche

anzugreifen. Es könnte leicht ein Auge kosten. Fast alle Katzenwürger

entstehen durch Anhetzen, wobei allerdings die sogenannte natürliche

Feindschaft, die nichts ist als Kampflust des großen Hundes gegen das

kleine fauchende, drohende Tier, unterstützt. Unterläßt man anfangs das

Anhetzen, so ist es leicht abzurufen, ebenso von ruhigem Geflügel. Ein

gutes Mittel zur Geflügelfrommheit ist es im Einvernehmen mit dem

Geflügelhalter den Junghund an der Leine nahe an eine ihre Kücken führende

Henne zu bringen. Diese geht in Mutterliebe so energisch auf den Hund los,

daß dieser für immer belehrt ist. Allzuängstlich braucht man bei Begegnung

mit fremden Hunden in der Einsamkeit nicht zu sein, es gibt höchstens

Flöhe. Sonst aber meist: viel Lärm um nichts. Muß man aber eingreifen, so

fasse man _nie mit _ungeschützter Hand_ nach dem Halsband, das hat schon

manchem gefährliche Bisse eingebracht. Eher nach Hinterlauf oder noch

besser an der Rute. Fremde drohende Bauernhunde lassen sich meist

verscheuchen, wenn man sich nur bückt, um einen Stein aufzuheben. Sie haben

darin Erfahrung. Mit Stock bei größten Hunden dreinschlagen, steigert die

Wut der Kämpfer. Bei vielen Hunden hilft rasches Entfernen und Abpfeifen

mehr als Dabeistehen und Schelten. Zur Abwehr von Gewohnheitsraufern, bei

denen uns vielleicht ein liebgewordener Weg vorbeiführt, leistet ein

Schrotschuß mit der Gummischleuder allerbeste Dienste. Nach 2—3 maliger

Anwendung weicht der Köter schon aus Entfernung aus, wenn er die

Vorbereitung bemerkt. Ferner tritt die Schleuder in Dienst, wenn der Hund

Radfahrern oder Wagen nachprellt, was er selten tun wird, wenn man fleißig

mit ihm ins Freie geht. Auf einsamen Wegen kann es passieren, daß der Hund

auf Aas stößt (tote Mäuse oder dgl.) und sich darauf wälzt, so daß er mit

entsetzlichem Gestank behaftet zurückkommt. Hunde, die dazu neigen, das Aas

auf große Entfernung wittern und darauf zulaufen, muß man im Auge behalten,

sofort anrufen, wenn sie erst mit der Nase prüfen. Gehorchen sie nicht, so

erfolgt der Schrotschuß, darauf anleinen und sie unter Verweis der

betreffenden Stelle führen. Manche Hunde, die zu einseitig ernährt werden

(Mangel an Nährsalzen), neigen zum Kotfressen. Auch hier hilft nur

Aufpassen, wenn man versteckte Stellen, Mauern, Gräben oder sonst für

menschliche Kotablage geeignete Plätze passiert. Eine tägliche Gabe von

Chlorkalzium in das Futter getropft (Dosierung s. 1. Kap.), sowie Fleisch

oder Knochenbeigaben, unterdrücken diese üble Neigung. Sonst wird man

möglichst wenig auf Ausgängen erziehen, anrufen, dirigieren. Der Hund soll

sich nach dem Herrn umsehen; wer ihn an jeder Straßenecke ruft, erzieht

einen Hund, der geht, wohin er will, statt daß er den _Herrn_ beständig im

Auge behält.

11. Kapitel.

=Der Appell (Kommen und Gehen auf Befehl).=

Zu dieser sehr wichtigen Übung raten wir, solange der Hund noch im

unreifen, aber eindruckfähigen Alter steht. Der Gehorsam muß anerzogen in

sein ganzes Wesen übergehen, nicht durch Dressurlektionen erzwungen werden.

Der Nachhilfe, die dazu unerläßlich, setzt der _Junghund_ noch weniger

Muskelkraft entgegen, ist noch leicht einzufangen, auch soll er dabei durch

kleine Belohnungen den Eindruck gewinnen, daß rasches Befolgen für ihn von

_Vorteil_ ist. Hat er begriffen, _was_ er soll, so genügt später

freundliches Lob. Das vertrauensvolle bedingungslose Herkommen soll auch

deshalb der systematischen Dressur, bei welcher man ohne gelegentlichen

Zwang und gewisse Härte nicht auskommt, voraus gehen, da der Junghund im

Kommen nur das Laufen zum freundlichen Herrn erblickt, der ihn noch nicht

mit Lernen und sonstigen Zumutungen bedrückt hat. Wie alle späteren Übungen

erfolgt diese im Anfang nicht bei starkem Ruhebedürfnis (kurz nach der

Hauptmahlzeit), auch nicht direkt während lebhafter Emotion (Spiel,

Springen, Bellen), in deren Bann seine Aufmerksamkeit voll steht, noch in

Anwesenheit ablenkender Personen (Kinder, belebter Hof). An die

Führungsleine muß er schon so weit gewöhnt sein, daß er sich an dieser

nicht ungebärdig benimmt, in diese beißt. Für diese Übung wird sie durch

eine längere (3—5 m) ersetzt. Man gibt ihm an dieser voll nach, legt die

Schleife um das Handgelenk und ruft den Namen, dazu lockend: „herein”, in

die Hände klatschend. Dieses Klatschen war oben schon angedeutet, um seinen

Gang zu beschleunigen, wenn ihm die Futterschüssel hingestellt wird. Kommt

er nicht sofort, so zieht man ihn unter Anruf heran falls nötig mit

leichtem Ruck. Dann beklopft und streichelt man ihn freundlich, als ob er

von selbst gekommen wäre. Nach einigen Minuten und Gehen an der verkürzten

Leine läßt man diese nach und wiederholt den Anruf, wie oben angegeben.

Sobald er das erste Mal willig und von selbst kommt, erhält er eine

Belohnung und lebhaftes Lob. Ohne Ablenkung durch die Umwelt wird jeder

Hund nach 3 Tagen verstehen, was er soll. Immer noch erfolgen die Übungen

an langer Leine, die man versuchsweise aus der Hand läßt. Kommt er willig,

so löst man ihn nach Belohnung und springt selbst mit ihm ein Stück, was

immer für jeden Hund ein wohl verstandenes Zeichen von Anerkennung ist.

Plötzlich bleibt man stehen, entfernt sich rasch nach rückwärts und ruft

unter Händeklatschen. Wer es vorzieht, kann sich auch einer Pfeife

bedienen. Aber niemals geht man beim Hereinrufen, um den Weg zu kürzen,

entgegen, weil das Zugehen eher etwas Drohendes hat, oder den Hund zu der

Annahme veranlaßt, es gehe weiter, und bisher war er immer gewöhnt, gemäß

der Richtung des Herrn zu laufen. Diese Übungen sind so lange an der langen

Leine fortzusetzen, bis der Hund genau begreift, was er soll und daß er

_muß._ Hierauf kommen Übungen in Freiheit, wozu man die Gummischleuder

mitnimmt. Ignoriert der Hund den Anruf völlig, dreht sich nicht einmal um,

so erfolgt plötzlich der Strafschuß ohne vorherige Drohung. Auf diesen der

freundlichste Anruf. Hierauf wieder einige Übungen an der langen Leine.

Hört der Hund auf Anruf, nähert sich aber nur zögernd und halt machend, so

wäre ein Strafschuß falsch; dann entfernt man sich rasch und lockt;

wiederholt die Übungen an der Leine. Überflüssiges Pfeifen und Anrufen

(Kommando, etwas anderes als Unterhaltung) ist zu vermeiden; außer auf

Gehör (Ruf, Klatschen) wird man vorteilhaft durch Anwinken mit dem Arm

unterstützen und so zugleich auf das Auge einwirken. Später wird das Deuten

mit dem Zeigefinger eine Hilfe sein, wo er einen Gegenstand zu suchen, also

seine Aufmerksamkeit hinzulenken hat. Zunächst deute man mit dem Arm zum

Herrn: „herein”; für den fertigen Hund muß später das Winken mit dem Arm

allein genügen. Sitzt das Herkommen fest — geübt wird es seltener, nur

praktisch angewandt —, so wird das entgegengesetzte geübt. Erst einige Male

im Zimmer blitzschnell „Platz”, unter Lösen der Leine und Armbewegung,

scharf gegeben. Sodann etwa 20 Schritte vom Hause: „Geh Platz!” unter Lösen

von der Leine scharf gegeben unter Drohung mit Gerte. Zu Hause wird er

erwartet und gelobt, aber nicht belohnt, weil er sonst leicht von selbst

umkehren könnte, in der Erwartung, sich damit etwas zum Fressen zu

verdienen. Nächsten Tages wird die Entfernung erhöht auf 30 m und der Hund

nach 1⁄4 Stunde abgeholt und mitgenommen. Geht er nicht sofort freiwillig,

so begleitet man anfangs einige Schritte und wiederholt das Kommando „Geh

Platz”. Diese Übungen müssen zunächst nicht auf alle Entfernungen

ausgedehnt werden; da es aber nützlich ist, wenn man seinen Hund mit einer

Botschaft nach Hause senden kann, werden sie später nach vollendeter Reife

wiederholt, wenn der Hund alt und selbständig genug ist, sich nicht

abfangen zu lassen. Jetzt sollen einige solche Übungen zunächst nur den

Junghund lehren sofort nach Hause zu _finden,_ wenn er sich vom Herrn

zufällig verirrt oder allein unbeaufsichtigt das Haus verlassen hätte. Ist

er im Nachhausegehen nie geübt worden, so irrt er ratlos ab und kann leicht

zu Verlust geraten. Nützlich ist es auch bei Heimkehr vom Spaziergang in

Nähe des Hauses stehen zu bleiben und ihn mit Kommando „Geh Platz”

vorauszuschicken. Man geht nach, wenn er gefolgt hat und ruft dem an der

Haustür wartenden Hund aus etwas Entfernung zu: „Gib Laut”, worauf ihm das

Tor oder die Tür dort geöffnet werden soll. Das nächste Mal wird er von

selbst durch Bellen Einlaß verlangen.

12. Kapitel.

=Spielende Dressur.=

Jedermanns Hundebuch · 第 2 / 6 段