Jedermanns Hundebuch.
Pflege, Erziehung und Dressur des Haushundes.
Von
=E. von Otto,=
Bensheim.
Dem Hunde, wenn er gut gezogen,
Wird selbst ein weiser Mann gewogen.
Goethe.
[Illustration: Decorative Image]
Berlin
Verlagsbuchhandlung Paul Perey
Verlag für Landwirdschaft, Gartenbau und Forstwesen
SW.11, Hedemannstraße 10 u. 11
1924.
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Alle Rechte, auch das der Übersetzung, verbehalten.
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=Vorwort.=
Das Schicksal jedes Lebewesens, auch des Menschen und der Pflanze, wird
durch das Zusammenwirken seiner erblichen Veranlagung mit den Einflüssen
der Umwelt bestimmt. Welcher von den Ursachengruppen die größere Bedeutung
zukommt, das ist von Fall zu Fall verschieden. Mehr als das Schicksal
irgend eines anderen Tieres bestimmt der Mensch das ganze Sein und Werden
des Haushundes, dessen Umwelt er schafft, dessen Wachsen und Ausbildung er
leitet, dessen Uranlagen die Züchtungstechnik durch sorgfältige Auswahl von
erblichen Anlagen beeinflußt. Der erste Schritt zur Einwirkung ist, daß
sich der _Hundebesitzer_ seiner Stellung, Aufgaben und Mittel gegenüber dem
ihm überlieferten Hund bewußt ist. Mit viel Tierliebe und freundlichen
Absichten, aber herzlich wenig oder ohne alles Verständnis wird meist der
erste Hund angeschafft. Es existiert eine größere Anzahl von Lehr- und
Dressurbüchern für die Ausbildung von Polizei-, Kriminal- und
Jagdgebrauchshunden, aber bis jetzt kein einziges, das für Leien und
Anfänger den ganzen Werde- und Lebensgang des Haushundes, den der
Skandinavier bezeichnend Selskabshund (Gesellschaftshund) nennt und wir
früher als Luxushund zu klassifizieren pflegten, von „Wiege bis zum Grabe”
erläuterte. Alles, was wir vom Hund fordern und ihn lehren wollen, soll
_dessen_ Verstehen angepaßt sein, und wir müssen es verstehen, ihm das
begreiflich zu machen. Im _Sein, Bewußtsein_ und _Selbstbewußtsein_ stuft
sich die Dreiheit der Psychologie, d. h. der Lehre von den seelischen
Vorgängen und Zuständen. Dreifach ist daher auch die Tätigkeit, die wir dem
Hund von frühester Jugend an zuwenden. Dem _Welpen,_ der nur von
Daseinstrieben geleitet ist, wenden wir eine liebevolle _Pflege_ zu. Blind
und ohne Gehör kommt er zur Welt. Jeder an ihn herantretende Reiz, zuerst
die Abkühlung der Außentemperatur in Abwesenheit der Mutter, Durst, die
ersten Lichtstrahlen, wenn sich das Lid am neunten Tage öffnet, sogar
lebhafte Geräusche werden mit Unbehagen oder Schmerz empfunden, mit Winseln
quittiert. Ganz allmählich gewöhnen wir ihn an äußere Einflüsse, an die
Reize der Umwelt, die später zu Lebensbedürfnissen werden. Der sorgenden
Mutter entwöhnt, beginnt das Sein des _Junghundes_ in das _Bewußtsein_
überzugehen, er erlebt sich selbst und entdeckt die Umwelt. Jetzt hat die
_Erziehung_ einzusetzen, die das noch wenig Muskeltrieb und Widerstand
entgegensetzende, werdende Wesen umsichtig zu dem leitet, was es einmal
werden soll, was ihm schon von früher Jugend im eindrucksfähigsten Alter in
Fleisch und Blut übergehen muß, z. B. bedingungsloser Gehorsam. Hat der
Junghund mit vollendetem Zahnwechsel, der Rüde, der allein gegebene
Liebhaberhund, mit beginnender Geschlechtsreife, das spielerische Wesen
abgelegt, so erwacht im _Jährling_ das _Selbstbewusstsein;_ er schafft sich
jetzt selbst eine Stellung zur Umwelt, zum Herrn, zu andren Tieren, zum
Heim und allem, was um ihn lebt, im Guten oder Bösen, wenn und soweit wir
es nicht schon vorher durch seine Erziehung und Gewöhnung verstanden haben,
sein ganzes Empfindungsleben so einzustellen, wie es für seine zukünftige
Stellung als Haushund nützlich und erforderlich ist.
Wir beschäftigen uns also beim _Welpen_ vorwiegend mit dessen _Körper,_
beim _Junghund_ mit dessen _Empfinden,_ beim _Jährling_ mit dessen
_Willen._ So arbeitet unsere liebevolle Sorge, für den unbewußten Willen
des Welpen, die kluge Erziehung richtet es so ein, daß sie mit dem Willen
des Junghundes _parallel_ zu laufen scheint, die konsequente _Dressur_
fordert vom Jährling, was mit dessen Neigungen und Wünschen weniger oder
nicht im Einklang steht, richtet sich _gegen_ seinen Willen. Die scharfe
Dressur und Strafe beugen oder brechen den mißratenen Bruder des
Selbstbewußtseins, den Eigensinn. Dieser dreifachen Altersstufe des
_Welpen, Junghund_ und _Jährlings_ und unserer dreifachen Tätigkeit
_Pflege, Erziehung, Dressur_ trägt die Einteilung dieses Buches in drei
Abschnitte Rechnung. Jedes Kapitel ist logisch dem vorhergehenden angefügt,
die Reihenfolge und Fortschritte sind zu beachten. Nur ein rationell auf-
und wohlerzogener Hund gewährt dem Besitzer Genugtuung und Freude, ist
unsren Nachbarn keine anstößige Erscheinung, sondern ein nützliches
Mitglied der menschlichen Gesellschaft. Die Haltung eines Hundes legt uns
Pflichten und auch Verantwortung gegenüber dem Tier, wie Rücksichten auf
unsre Mitmenschen auf. In diesem Sinne möchten wir dieses Buch aufgefaßt
und beachtet wissen; es ist dem Hunde zu Liebe geschrieben, um für ihn
Verständnis und neue Freunde zu gewinnen.
_Bensheim_ (Hessen), im Mai 1924.
=E. v. Otto.=
1885—1914 Herausgeber von
„Hundesport und Jagd”.
=Inhalt.=
Seite
= I. Die Verpflegung und erste Anleitung des Welpen= . . . . . . . . . 7
1. Kapitel. Trächtigkeit; Geburt; Pflege des Welpen bis
zur Abgewöhnung von der Mutter . . . . . . . . . . . . . . . 7
2. Kapitel. Ankunft des Welpen, erste Eingewöhnung, sein
Platz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
3. Kapitel. Fütterung und Futter . . . . . . . . . . . . . . 14
4. „ Untersuchung auf Ungeziefer und Würmer . . . . . 18
5. „ Lob und Strafe . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
= II. Die Erziehung des Junghundes=. . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
6. Kapitel. Stubenreinheit . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
7. „ Verhalten im Hause, Gewöhnung an Leine
und Kette. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .25
8. Kapitel. Melden und Lautgeben . . . . . . . . . . . . . . 28
9. „ Verhalten auf der Straße (Radfahrer, Wagen,
Raufen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
10. Kapitel. Verhalten auf Spaziergang (Geflügel, Katzen,
Wild) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
11. Kapitel. Der Appel (Kommen und Gehen auf Befehl). . . . . 36
12. „ Spielende Dressur. . . . . . . . . . . . . . . . 39
=III. Systematische Dressur des Jährlings= . . . . . . . . . . . . . . 43
13. Kapitel. Leinenführigkeit, Freifolgen am Fuß. . . . . . . 43
14. „ Setz dich, Leg dich, Ablegen . . . . . . . . . . 44
15. „ Begleiten zu Fahrrad, Wagen, Pferd . . . . . . . 47
16. „ Apportieren und Verlorensuchen . . . . . . . . . 49
17. „ Kleine Kunststücke . . . . . . . . . . . . . . . 53
18. „ Wasserarbeit und Schwimmen . . . . . . . . . . . 56
19. „ Schußfestigkeit und Verteidigung des Herrn . . . 59
20. „ Korrektur verdorbener Hunde. . . . . . . . . . . 62
= IV. Praktische Anleitung zur Hundehaltung= . . . . . . . . . . . . . 64
21. Kapitel. Der Zwinger, die Hütte, das Lager. . . . . . . . 64
22. „ Die Läufigkeit der Hündin, der Zuchtrüde . . . . 67
23. „ Die Pflege von Haar, Zähnen, Ohr, Auge,
Scheren und Baden. . . . . . . . . . . . . . . . 70
24. Kapitel. Utensilien zur Pflege, Dressur und Reise . . . . 75
25. „ Erkrankungen, Verletzungen, Eingeben von
Medizin. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80
26. Kapitel. Altersschwäche und Tötung. . . . . . . . . . . . 84
Zu unseren Bildern. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
I. Teil.
Die Verpflegung und erste Anleitung.
1. Kapitel.
=Trächtigkeit. Geburt und Pflege des Welpen bis zur Abgewöhnung von der
Mutter.=
Der Züchter, der einen lebenskräftigen Wurf erzielen und sich eine gesunde,
die Welpen gut und reichlich ernährende Mutter erhalten will, muß schon
kurz nach dem Belegen mit rationeller Behandlung und Fütterung einsetzen,
damit die tragende Hündin nicht gezwungen wird, ihr eigenes Blut-, Kalk-
und Fleischreservoir im Körper anzugreifen und zu erschöpfen. Sie muß in
der kurzen Zeit von 9 Wochen eine Körpermasse bilden, die bis 1⁄7 ihrer
eigenen beträgt. Innerhalb der ersten 14 Tage der Tragzeit läßt man einen
Futterwechsel noch nicht eintreten, nur den Bedarf an phosphorsaurem Kalk
verabreicht man ganz allmählich steigernd zunächst auf natürlichstem Wege
durch Knochengaben. Weiche, nicht ausgekochte Kalbsknochen verdienen vor
allem den Vorzug. Nach 14 Tagen, ist es schon angezeigt, ein Futter von
besserer _Qualität_ zu verabreichen, ohne die Masse zu vermehren, weil Darm
und Magen ohnehin durch die ausgedehnte Gebärmutter bedrängt werden. Je
schneller die Mutter unter lebhaftem Fungieren aller Organe als Grundzug
jeder Fruchtbarkeit das Futter umsetzt, desto bester; jeder von den 63
Tagen der Tragzeit ist wertvoll. Luft, Sonne, Bewegung, Hautpflege,
Abwechslung im Futter, Spaziergänge und freundliche Ansprache, kurz alles,
was das Wohlbehagen fördert, sind unsere Mittel. Von der vierten Woche wird
der Auslauf verringert; Hetzen, Hochsprung, Massage der Hinterhand bei
Bearbeitung mit dem Haarhandschuh, fallen weg. Sobald die Hündin sichtbar
trägt, was man am besten über ihr stehend von oben feststellt, erhält sie
ihr Futter in mehreren Rationen (3—4 täglich) und vermehrt in Menge. Je
verdaulicher zubereitet und gehaltvoller, desto vollkommener wird sie
Welpen aufzubauen vermögen; sie braucht dazu Eiweiß, Kalksalze, leimgebende
Substanzen, und das alles muß erst von ihr auf dem Wege der Verdauung ihrem
Blute zugeführt werden, um durch das Blut wiederum in die Gebärmutter zu
gelangen und den Fötus (Leibesfrucht) zu ernähren. Statt einer Futtermenge
von etwa 900—1000 g gemischter Kost (Fleisch, Knochen und Vegetabilien) im
Verhältnis 1—3 für Bernhardiner, Dogge, 8—600 für Jagd- und Schäferhunde,
200 für Teckel, Foxterrier, je trocken gewogen, gibt man jetzt etwa 1250,
900, 300 g im Mischungsverhältnis 2:3 von Fleisch und Vegetabilien. Fett
(z. B. in Fettgrieben), das auch junge Hunde schlecht vertragen, reicht man
sparsam; von viel Milch ist jetzt abzuraten, da selbst die beste 87% Wasser
enthält. Besteht Verdacht, daß eine Hündin mit Würmern behaftet ist, so
soll eine Wurmkur (siehe Kap. 4) spätestens in der 5. Woche vorgenommen
werden; eine spätere Gewaltkur gegen Bandwurm führt häufig zum Verwerfen.
Ungeziefer (Flöhe) ist als Blutentzieher nicht zu dulden. Schon in den
letzten Wochen, nicht erst Tagen oder Stunden, wenn die Hündin bereits
unruhig geworden und vor dem Werfen steht, ist das Wurflager herzurichten.
Für harte größte Rassen genügt eine gegen Zugluft abgeschlossene Hütte im
Freien oder im Schuppen, im Haus die sogenannte Wohnkiste mit etwas
erhöhtem Einschlupf und abdeckbaren Deckel, für kleinere Schläge eine
flache Kiste, deren Seitenwände grade hoch genug sind, das Herausfallen der
Welpen zu verhindern, für kleinste ein flacher Korb. Als Einstreu trockenes
Heu, kurzes Stroh, nie Holzwolle, noch alte Decken, die durch Fruchtwasser
durchnäßt werden würden. Außerdem scharrt jede Hündin die Streu beim Werfen
beiseite und legt die Welpen auf den blanken Boden, der deshalb nicht
kalter Stein sein soll. An dieses Lager, das ruhig, etwas dunkel und
geschützt stehen soll, gewöhnt man die Hündin schon einige Zeit vor der
Fälligkeit des Wurfes (62.—63. Tag). Der Wurfakt geht meist nachts völlig
glatt vor sich; der Laie vermeide jede, noch so wohlgemeinte Hilfe. Die
Hündin beißt die Nabelschnur selbst durch, frißt diese, sowie die
Nachgeburt, leckt die Welpen sauber und trocken. Zwischen den Pausen kann
man ihr, wenn sie ersichtlich erhitzt ist und lechzt, etwas Trinkwasser
hinhalten. Ist sie ruhig, so unterbleibt alles für mehrere Stunden. Dann
erst läßt man die Hündin zur nötigen Entleerung ins Freie führen;
inzwischen hat man schon eine Waschlösung (Eimer) vorbereitet mit warmem
Wasser, in das etwa 50 g Septoform geschüttet wird, um den Boden zu
reinigen. Die Welpen liegen einstweilen warm zugedeckt in einem Korb. Die
der Mutter zu belassenden, bei Erstlingswurf höchstens 3—4, bei späteren
bis 5, legt man der Hündin sofort bei Rückkehr unter. Die zu tötenden sind
inzwischen weit entfernt worden, so daß die Mutter ihr Winseln nicht hören
kann. Man tötet sie durch kräftiges Aufwerfen auf den Steinboden; der Sturz
hat sie schon betäubt, ehe sie den Boden erreichen. Die kräftigsten Rüden
läßt man leben; Hündinnen nur, wenn sie von Züchtern bestellt sind,
_niemals,_ um sie an Laien zu verschenken, da sie nur in Hände von
_Fachleuten_ gehören.
Für die säugende Hündin ist ein _allmählicher_ Futterwechsel
nötig, plötzlicher führt zu Verdauungsbeschwerden, die auf die Milch
übergreifen. In den ersten Tagen gibt man vorwiegend Milchsuppen mit
Hafer-, Gerstenflocken oder Mehlsuppen. Wie während der Tragzeit darf Kalk
nicht fehlen, man fügt am einfachsten zu jeder Mahlzeit einen Eßlöffel
Kalziumlösung, die man sich durch Auflösen, von 100 g Chlorkalzium in 1⁄2 l
Wasser bereitet hat. Auch Phosphor ist nötig; er vermehrt und verbessert
die Milch, und wird in Form von Phosphorlebertran verabreicht. Innerhalb
der ersten Tage werden Afterklauen mit desinfizierter Schere (Eintauchen in
schwache Septoformlösung) abgeschnitten und die kleine Wundstelle mit
blutstillender Watte kurze Zeit geschlossen. Bis spätestens zum 8. Tage
läßt man die Ruten von Terriers, Dobermannpinscher, Schnauzer,
Zwergpinscher, Toyspaniel, Pudel, Rottweiler, Griffons, deutschen
Vorstehhunden usw. kürzen, die Ohren erst mit 8—12 Wochen. Die Wurfkiste
oder Hütte wird fleißig gelüftet, der Boden öfter mit Septoformlösung
(aromatisch riechendes Desinfektionsmittel) gewaschen, das Lager beständig
erneuert, so daß Blutsauger, wie Flöhe und Läuse, die zudem Überträger von
Bandwurm sind, nicht aufkommen. Die Reinigung der Welpen besorgt die
Mutter, die auch durch Lecken des Unterleibs die Kleinen zur Entleerung
veranlaßt. Hat sie die Nabelwunde durch Übereifer entzündet, so mildert man
mit Borsalbe. Bis zum 9. bis 10. Tage hören und sehen die Welpen noch
nicht; dann öffnen sich Ohr und Lid, und es ist Zeit sie allmählich an
Licht zu gewöhnen. Auch an Temperaturunterschiede, indem die Mutter
zeitweilig ausgeführt wird. Je weniger Welpen man ihr beläßt, je
rationeller man sie mit milchgebenden Stoffen füttert: Mehlsuppen,
gesalzener Milch mit altem, eingeweichtem Brot, dazu täglich Fleisch und
Knochen nebst Phosphor-Lebertran, desto länger und besser ernährt sie die
Welpen. Solange sie nur liegen oder herumkriechen, genügt die flüssige
Ernährung; das Zeichen zur halbflüssigen ist ihr Herumwatscheln oder
Gehversuche. Anfangs der dritten Woche bricht das Milchgebiß durch, ein
Signal, daß sie etwas zu beißen brauchen. Da selbst Pflanzenfresser im
Mutterleib und während des Säugens nur animalisch ernährt werden, braucht
man von kleinen Fütterungsgaben von geschabtem rohem Fleisch nicht
zurückzuscheuen. Dazu gibt man nach und nach als Beigabe zur Muttermilch
pasteurisierte Kuh- oder noch besser Ziegenmilch mit etwas Kochsalz. Später
setzt man der Milch Hafergrütze oder Hafermehl zu nebst kleingewiegtem
Fleisch, füttert etwa 5 mal im Tag und läßt die Mutter nach 6 Wochen nur
noch nachts zu den Welpen. Durch ein erhöhtes Brett oder Lager gibt man ihr
Gelegenheit, sich vor den spitzen Krallen und scharfen Nägeln zu retten. Je
früher und öfter es mildes und trocknes Wetter gestattet, die Kleinen an
die Sonne, sei es auf Kiesplatz, Holzbelag (nur nicht feuchten Rasen) als
Spielplatz zu bringen, desto besser. Doch nicht überfüttern, lieber öfter
und immer gehaltvoller. Und sobald sie allein sich nähren, also mit etwa
8—9 Wochen, hinaus damit an die neuen Besitzer, die dem einzelnen mehr
Sorgfalt und Futter zuwenden, können, als der Züchter einem ganzen Nest.
Vorher läßt man die Namen nebst Züchteraffix bei zuständigem Stammbuch
eintragen, da es Züchterrecht und -Pflicht ist, die Namen dauernd
festzulegen, unter denen die zukünftigen Preisgewinner ihm dereinst Ehre
machen sollen, und sie mit Stammbuchnummer legitimiert abzugeben. Zugleich
mit dem abzugebenden Welpen und der Bestätigung über erfolgte Eintragung in
das Zuchtbuch sollte jeder Züchter dem Laienkäufer ein Exemplar dieses
Buches überreichen, damit der neue Hund dem Besitzer durch rationelle
Aufzucht und Erziehung einst Freude bereite.
2. Kapitel.
=Die Ankunft des Welpen, erste Eingewöhnung, sein Platz.=
Ein unbeholfenes, noch weltfremdes, drolliges kleines Lebewesen kommt in
eine völlig neue Umgebung und ist dementsprechend zu behandeln. Falls mit
Bahn oder Post überschickt, sorgt man, daß es morgens durch Expreßboten
eintrifft; der zukünftige Herr öffnet den Behälter selbst, damit ihn der
Hund als Erlöser aus dem Gefängnis betrachtet. Er soll einen ganzen Tag
Zeit haben, den ersten Trennungsschmerz zu überwinden, damit er nicht
nachts durch Winseln und Heulen die Familie oder gar das ganze Haus in der
Nachtruhe stört. Durch vorherige Erkundigung beim Züchter orientiert man
sich, ob das Schlaflager in Korb, Schlafkiste (diese ist mit seitlichem
Einschlupf und Schubtür zu versehen, als Aufenthalt willkommen und zur
Erziehung praktisch), Matratze, dicker Kokosmatte (bequem wegen Reinigung)
bestand, welches Futter und wie oft gegeben wurde. Das erste Lager wird
vorteilhaft aus dem Heu der Transportkiste, das noch Heimatgeruch hat,
gebildet. Bereitzustellen ist außer dem Lager: ein kleiner Eimer mit
Sägespänen und eine Flasche Septoform zum Desodorieren des Aufwaschwassers.
Man darf sich nicht begnügen, nasse Spuren aufzutrocknen, sondern muß die
betreffende Stelle durch Eingießen von etwas Septoform verwittern (den
Uringeruch überdecken!), weil Hunde sonst dieselbe Stelle immer wieder
benützen würden. Etwas billiger und ausgiebiger ist Lysol oder Kreolin,
aber wegen des scharfen Geruchs in der Wohnung lästig. Alsbald nach Ankunft
trägt man den Welpen in einen geschlossenen Hof oder Garten, sobald er
durch unruhiges Herumsuchen verrät, daß er sich lösen oder nässen will.
Beobachtet man ihn darauf in den ersten Tagen beständig, so wird man sehr
bald am Benehmen und tiefer Kopfhaltung des Suchens merken, daß es Zeit
ist, hinauszuführen, was zur Zimmerreinheit hinleitet. Diese zu erzwingen,
ist erst möglich, wenn er sich etwas eingewöhnt hat und begriffen, daß es
Dinge gibt, die ihm verwehrt sind, also Verbote und Gebote, die er befolgen
muß, um sich nicht üblen Folgen auszusetzen. Das erste Begreifen ist ihm
mit dem „Platz!” beizubringen, das ist das ihm zugewiesene Lager, auf dem
er zu verharren und das er aufzusuchen hat, wenn das scharf gesprochene
Wort „Platz!” erfolgt. Zunächst ist ein solcher im Zimmer, wo die Familie
und er sich gewöhnlich aufhalten, so zu wählen, daß er von dort aus selbst
übersieht, gesehen wird, aber nicht getreten werden kann oder lästig fällt.
Nachdem er sich einige Zeit frei bewegen durfte, wird er dorthin geführt,
sanft zum Legen niedergedrückt unter Kommando „Platz”. Macht er Miene
aufzustehen, so drückt man wieder nieder: „Platz”. Wiederholt es mehrmals
mit viel Geduld. Hilft energisches Befehlen bei dem kleinen Quecksilber
nicht, so unterstützt man das Kommando mit leichtem Schlag, doch nicht mit
der Hand, die nie zum Schlagen dienen soll, sondern mit leichter Gerte
(Zweig). Die Hand ist etwas, was der Hund nie fürchten soll; diese belohnt,
streichelt, gibt, deutet. Ein gut behandelter und richtig erzogener Hund
wird mit der Schnauze die Hand des Herren suchen, seinen Kopf in diese
legen, nie nach der Hand von Menschen schnappen, auch wenn diese z. B.
einmal genötigt ist, einen Knochen wegzunehmen oder energisch einzugreifen.
Allzulange zwingt man anfangs zum Verharren auf dem „Platz” nicht, sondern
gibt durch freundlichen Anruf des Namens, der kurz, höchstens zweisilbig
sein soll, Erlaubnis zum Verlassen. Einsilbig und kurz, wie ein Ruck,
suggestiv seien die ersten Kommandos und das Wehren: Pfui, Hier, Platz,
Aus. Beim Anruf und überall, wo er beschleunigt folgen soll, klatscht man
in die Hände; auch das wirkt aufstachelnd, suggestive. Niemals verzichte
man darauf, daß der einmal gegebene Befehl „Platz” nicht ausgeführt oder
auch nur nachlässig beachtet wird; folgt der Hund nicht, so führt oder
trägt man ihn energisch zum Lager, wo er einige Zeit verharren muß, worauf
man ihn belobt. Von den ersten Anfängen an muß es dem jungen Tier in
Fleisch und Blut übergehen, daß jeder Befehl unweigerlich zu befolgen ist.
Das ist für die ganze Erziehung und Dressur ausschlaggebend. Hat er nach
mehrmaligen täglichen Übungen begriffen, was er soll und daß er muß, so
wird der Ort des Lagers gewechselt, falls dieser z. B. nachts nicht im
Wohnzimmer, sondern im Vorhaus sich befinden soll. Wer ein Landhaus allein
bewohnt, wird immer das Treppenhaus dazu wählen, so daß der Hund nicht zu
fern der Haustür liegt. In einem Mietshaus empfiehlt sich dies für untere
Stockwerke weniger, damit der Hund nicht wegen später nachts heimkehrender
Mitbewohner alles im Schlafe stört. Selbstverständlich muß der Hund, falls
man beim Verlassen des Zimmers das Kommando „Platz” gibt, dort verweilen,
auch wenn er allein gelassen wird. Man überzeugt sich, indem man rasch
zurückkehrt, spricht ihn bei Ungehorsam scharf an und unterstützt den neuen
Befehl durch Drohung mit Gerte oder leichtem Schlag. Wenn das alles auch
überflüssig erscheint, so führe man doch alle diese Übungen konsequent
durch; es ist die eindrucksvollste, leichteste Vorbereitung für alle
spätere Dressur. Das nächste Wort, das der junge Hund sehr rasch begreifen
wird, weil das Hinausgeleiten aus der Monotonie des Zimmers, in dem er sich
gesittet benehmen muß, ihm Freude macht, ist _„Hinaus”._ So oft es
hinausgeht, wird das Wort mehrmals lebhaft wiederholt, bis sich für ihn
damit der Begriff von Bewegung und Verlassen des Zimmers verbindet. Die
_Worte „Platz”_ und _„Hinaus”_ sind es aber nicht allein, sondern der Ton
und Klang, und dafür haben alle Hunde ein sehr feines Verständnis, da sie
_nie ein Wort_ selbst und dessen _Bedeutung_ erfassen, sondern nur den
_Begriff,_ der sich für sie damit innig verbindet. Kinder haben dem
Junghund nie zu befehlen; sie dürfen sich höchstens mit ihm befassen und
spielen. Aber sie sollten unbewußt viel von dessen Erziehung profitieren.
3. Kapitel.
=Fütterung und Futter.=
Die älteste Hundehaltung war auf einen Abfallfresser zugeschnitten; sie ist
es auf dem Lande im allgemeinen heute noch, durch gelegentliche Zugaben
etwas verbessert. Unsre anspruchsvoller gezüchteten Rassehunde wären damit
nicht auf der Höhe zu erhalten, und doch sollte sich die Ernährung nicht
allzuweit davon entfernen, nur eine gewisse Nachhilfe ist während der
Entwicklungszeit unentbehrlich. Ebenso wichtig ist die Gleichmäßigkeit der
Rationen, dem Alter angepaßt, die Regelmäßigkeiten der Mahlzeiten, endlich
Vorhandensein der Aufbaustoffe. Konsequente Durchführung befördert
ordnungsmäßiges Fungieren des ganzen Verdauungsapparats und der Auswertung.
Einige Grundregeln für die Fütterung sind: Das Futter soll immer
_gutgewärmt_ werden, denn ehe die Verdauung beginnt, muß der Speisebrei auf
Blutwärme im Magen gebracht werden. Hunde neigen alle zum raschen
Verschlingen, deshalb gebe man das frische Gemüse _klein_ gewiegt Fleisch
klein geschnitten. Was sie nicht sofort auffressen, wird _weggenommen;
niemals_ soll die Futterschüssel _stehen bleiben;_ weder im Winter, noch
weniger im Sommer. Wird regelmäßig übrig gelassen, so war die Ration zu
groß. Jeder Hund hat seine eigne Futterschüssel zu erhalten, womöglich in
folgender Form des Querschnittes, damit sie nicht zu leicht umgeworfen
wird: ┗━┛. Für junge Hunde oder kleine Rassen sind die sogenannten
Kaninchenfuttergeschirre aus Ton sehr praktisch; sie dienen zugleich zum
Abmessen der Tagesrationen. Selbstverständlich sind sie _peinlich sauber_
zu halten. Niemals stelle man ihnen das Futter in Tellern oder Schüsseln
hin, die in der Küche verwendet werden oder gedient hatten. Damit wäre,
abgesehen von dem Unästhetischen, ja Gefährlichen wegen der Übertragung von
Würmern, der erste Schritt getan, die Hunde zum Stehlen anzuleiten. Sie
müssen wissen, daß es _ihr_ Futter nur aus _ihrem_ Geschirr gibt. Genau so
ihr Wasser am gleichen Platz. Entgegen allen Lehren, daß den Hunden _immer_
frisches Wasser zur Verfügung stehen soll, halten wir das für einen
Mißgriff. Im breiigen Futter und in der Milch ist so reichlicher
Wassergehalt, daß Hunde überhaupt nur 1—2 mal im Tag ein wenig Wasser
brauchen. Das Futter belastet ohnehin den Leib, daß es nicht nötig ist, den
Speisebrei noch mehr zu verdünnen. Viel Gelegenheit macht zu
Gewohnheitstrinkern. Kommt der Hund im Sommer erhitzt heim, so genügt, um
den Staub wegzuspülen und den Gaumen zu erfrischen, soviel Wasser als den
Boden der Schüssel bedeckt. Stellt sich der kluge Hund an sein leeres
Trinkgeschirr, so deutet er an, daß er Durst hat und mag etwas Wasser
erhalten. _Unerläßlich_ sind für Junghunde _harte_ Hundekuchen, Hartbrot
und vor allem weiche _Kalbsknochen._ Bis zu 5 Wochen wachsen den Welpen
ihre Milchzähne, mit 2—4 Monaten wechseln sie die Zangen- und Milchzähne,
mit 3—5 die Eck-, mit 4—6 die Hakenzähne; die Milchbackzähne werden mit 5—6
Monaten gewechselt, die Molaren brechen mit 4—7, die Lückzähne zwischen 3—5
Monaten durch. Diese Vorgänge bedingen eine _starke mechanische Tätigkeit
Gebisses;_ geben wir dem Hund während des Wachstums und der Skelettbildung
nicht reichlich Knochen, so wird er den erforderlichen mechanischen Reiz an
Stiefeln, Teppichen, Möbelstücken ausüben, Kohlen oder Mauer anfressen. Was
man in Form von Knochen gibt, die 6—7 % Kalk-Kohlensäure, 58—63 %
Kalkphosphat, 1—2 % Magnesium-Phosphat, 2 % Fluorkalzium, den Rest Eiweiß
und Leimstoffe enthalten, erspart man an Fleisch. Hunde von mehr als 5—6
Jahren sollen _niemals _Knochen bekommen. Die letzte Regel lautet
endlich: _niemals sofort nach einer Hauptmahlzeit mit Junghunden_
Spaziergänge; denn Verdauung ist eine Arbeit, und die noch weichen Bänder
und Gelenke würden sich bei der Belastung des Leibes zu stark dehnen und
lockern. Es gibt leicht krumme Gliedmaßen, weichen Rücken und schwache
Muskulatur. Breitstehende, massige, starkknochige Rassen wie Bulldoggen,
St. Bernhardshunde, Rottweiler, Boxer, Bordeauxdoggen dürfen eher etwas
mastiger gefüttert werden. Leichtere hochstehende, wie Windhunde, Whippets,
Dobermannpinscher, sollen konsistentes, trockenes Futter erhalten: viel
Gehalt in wenig Menge. Ebenso dürfen Jagd- und sonstige Gebrauchshunde
nicht zu weichlichen, überschwemmten Gestalten aufgezogen werden, sondern
gehaltvoll, trocken, starkknochig. An der Form des Kotes (Exkremente)
ersieht man schon, ob richtig gefüttert wurde; er soll nicht dünnflüssig,
weich sein. Zu hart deutet auf zu reichliche Knochenmenge und Mangel an
Wasser. Als Grundfutter kommt in Betracht Haferschrot, Gerstenflocken,
Roggenschrot, Buchweizengrütze. Reis (arm an Eiweiß, aber sehr reich an
Stärkemehl), weniger Kartoffel und nie in Stücken, da sie nur als Brei
ausgenützt wird. Das Minimum an täglicher Fettzugabe, die das Futter
schmackhaft macht, ist für größte Rassen 16—25 g in der Jugend, für ältere
20—30 g, im Winter etwas mehr. Vorteilhaft wird Fett bei Welpen durch
Phosphorlebertran ersetzt. Auch Fettgrieben sind wegen des hohen
Eiweißgehaltes sehr zu empfehlen. Hülsenfrüchte sind stark eiweißhaltig,
werden aber wenig gern gefressen und müssen durch Fett- und Fleischzusatz
schmackhaft gemacht werden. Am besten wechselt man häufig, auch bei den 4—6
Tagesrationen: morgens entrahmte Milch mit Brot, 1—2 mal Gemischtkost,
abends trockne Hundekuchen oder Knochen. Letztere niemals in das Futter,
immer separat _nachher._ Fehlen sie zeitweilig, so ersetzt man sie durch
Chlorkalzium (150 g auf 1⁄2 l Wasser, davon 1 Eßlöffel in das Futter
gerührt). Man rechnet 1⁄10 g auf 1 kg Körpergewicht. Futterkalk
(Schlämmkreide) darf _nie_ zum Futter gegeben werden, da er durch
Salzsäurebindung die Hauptverdauung im Magen erheblich beeinträchtigt. Mit
kleinen Beigaben von Rohzucker (höchstens 20 g für Welpen) kann man den
Nährwert von Magermilch oder Grundfutter vorteilhaft erhöhen. Aber niemals
sollen Zucker, Semmel oder sonstige Leckerbissen außerhalb der
feststehenden Stunde gegeben werden; diese dienen höchstens als Belohnung
bei der Dressur. Mit solchen Verwöhnungen erzielt man schlechte Fresser und
Bettler. Während der Mahlzeiten der Familie darf sich der Hund wohl im
Eßzimmer, aber nur in angemessener Entfernung vom Tisch auf seinem Lager
(„Platz”) aufhalten. Ein Herantreten des Hundes, dessen Fütterung mit
zugesteckten Brocken, wäre ein nicht mehr gutzumachender Erziehungsfehler.
Ihn auf sein Lager zu bannen, ist wertvolles Mittel, um Gehorsam
vorzubilden. Auch Gehorsam muß gelehrt und geübt werden.
4. Kapitel.
=Untersuchung auf Ungeziefer und Würmer.=
Die beste Fütterung und Pflege versagt, wenn Junghunde mit Würmern behaftet
sind; ja es gehen mehr Welpen an Spulwürmern (Darmentzündung) zugrunde als
an Staupe (Sucht). Äußerlich ist das Vorhandensein an Magerkeit, glanzlosem
Fell, zeitweilig aufgetriebenem Leib, Aufstoßen nach den Mahlzeiten, viel
Durst, sogar Erbrechen, aufgebogenem Rücken (Katzenbuckel) bemerkbar.
Spulwürmer (3—8 cm lang, rötlich gelb, 1 mm stark, im Kot sehr leicht
festzustellen) haben fast alle Junghunde, sind durch Masse gefährlich,
durch Chenopodiumöl ohne üble Nebenerscheinungen leicht zu entfernen. Weit
schlimmer sind die kürbiskernförmigen Bandwürmer, da sie durch Flöhe sehr
leicht überall verbreitet werden, sich sehr rasch vermehren, und dann zu
Darmverstopfungen führen. Wo Fleischabfälle nicht roh verfüttert werden,
ist der aus etwa 1⁄3 cm langen Gliedern bestehende Bandwurm seltener; seine
Jugendform, die durch Maul oder After des Hundes abgeht, ist für Menschen
lebensgefährlich, weshalb man das Ablecken von Händen oder gar Gesicht nie
dulden soll. Ist auch nur der leiseste Verdacht auf Würmer vorhanden, so
verabfolge man morgens in der Milch 1 bis 2 Santonintabletten, die, mit
Kakao gepreßt, in jeder Apotheke für Kinder vorrätig zu haben sind, oder
das billigere Chenopodiumöl (2—3 Tropfen je nach Größe), noch besser das
entgiftete Präparat Chenoposan und beobachte den nächsten Kotabgang. Fast
alle Wurmmittel reizen durch ihre Schärfe den Darm, weshalb man durch
leichten Kotabgang die Kur unterstützt und starke Mittel bei noch zarten
Tieren sich vom Tierarzt oder einem hundeliebenden Apotheker dosieren läßt.
Das beste neuere Mittel ist Megan (Bayer) gegen alle Arten Würmer. Man gibt
0,65 g pro Kilogramm Körpergewicht. Harmloser sind die sich im Mastdarm
aufhaltenden, weißen fadenförmigen Würmer (5—8 cm lang), die nur ein
lebhaftes Jucken im After Hervorrufen und den Hund quälen, so daß er sich
reibt, scheuert oder zu beißen sucht. Durch ein Klistier (Knoblauch in
Milch gekocht) kann man ihn davon rasch erlösen. Billiger als Santonin ist
das Präparat Santoperonin (Orbiswerke) und relativ ungiftig. Gegen Flöhe
gibt es nichts besseres als den engen Kamm und tägliches Nachsehen, wenn
sich der Hund kratzt. Bei Überfülle vorheriges Einreiben mit Cuprex
(Merck). Ebenso gegen Läuse. Ungeziefer soll man gar nicht aufkommen
lassen, weshalb die Decke über Matratze, die Matte täglich ausgeschüttelt,
das Heu oder kurze Stroh in der Kiste öfter erneuert wird. Ein gutes
Vertilgungsmittel für Läuse ist Chloroform oder Benzin. Da letzteres
feuergefährlich, nicht bei Licht einreiben. Radikal wirkt Cuprex (Merck),
es vernichtet auch die zäh auf den Haaren klebenden Eier (Nisse). Harmlos
ist ein Betupfen mit einer Lösung von 9 Teilen Olivenöl und 1 Teil Anisöl.
Das oft empfohlene Petroleum verwende man nur bei robusten Rassen. Wohnt
man in Nähe von Laubwald und kommen die Hunde nach Spaziergang mit Zecken
(Holzböcken) behaftet heim, so reißt man sie nicht aus, sondern betupft sie
mit Terpentinöl aus einem Kännchen mit spitzem Auslauf, wie sie für
Nähmaschine und Fahrräder benützt werden. Bäder sind für Welpen nicht zu
empfehlen, da sich die Tiere nach solchen, wenn nicht völlig trocken,
leicht erkälten; auch müßte jede Lösung, um Parasiten oder Milben zu töten,
so scharf sein (2 % Kreolin), daß die zarte Haut entzündet würde. Selbst
wenn die Hundebesitzer aus Rücksicht auf das Wohlbefinden ihrer Tiere die
Würmer und deren Überträger und Verbreiter (Flöhe) nicht vernichten
wollten, so sollte das schon wegen der Übertragungsgefahr erfolgen. Um sich
ein Bild von deren Umfang zu machen, sei darauf hingewiesen, daß ein
einziger Spulwurm, deren der Hundedarm oft dicke Knäuel beherbergt, nach
Prof. Dr. Günther (Der Darwinismus und die Probleme des Lebens; S. 10) in
einem Jahr 64 Millionen winzigster Eier, ein Bandwurm bis 100 Millionen zu
produzieren vermag, die meist durch den After abgehen. Irgend ein wirksames
Wurmmittel muß in der Hausapotheke jederzeit vorrätig sein. Über das
Eingeben von Medikamenten s. Kap. 25.
5. Kapitel.
=Lob und Strafe.=
Die alten Dressurbücher kennen als Dressurmittel nur Korallenhalsband und
Prügel, und sie erörtern höchstens, ob man mit der Hand, zusammengelegter
doppelter Führungsleine, Ochsenziemer oder lederner Hundepeitsche und auf
welche Körperteile man schlagen solle. Ehe man je zu einer Züchtigung
schreitet, prüfe man genau die Ursachen des Nichtgehorsams, ob etwa ein
Befehl oder Verbot, in gereiztem, unbekanntem Ton, also dem Hund ungewohnt
und unverständlich war, oder ob er während Ablenkung der Aufmerksamkeit
durch Nebenumstände erfolgte. Vor allem, hatte der Hund überhaupt
verstanden, was man von ihm wollte und kann man schon eine _aktive_
Betätigung (Ausführung) erwarten? Es ist gar nicht zu verlangen, daß er
entgegen seinem Trieb, Vergnügen oder Behagen auf jede Aufforderung
nachgiebig eingeht, daß er eine Marionette ist, die durch Befehle in
Bewegung gesetzt, durch Verbote zur Ruhe genötigt wird. Die Antwort auf die
an sich selbst gestellte Frage, wann man strafend schlagen sollte, müßte
man sich dahin geben: schlage womöglich _nie,_ so wenig wie dein Kind,
suche immer mit andern Mitteln auszukommen; man kommandiere aber auch so
wenig als möglich, sonst entwertet man dieses Hauptmittel der Autorität.
Das Kommando sei kurz, straff, ruhig; eher leise, niemals schreiend; der
Ton muß sich wesentlich von der sonstigen, freundlichen Ansprache
unterscheiden. Mit Kindern und Hunden parlamentiert und überredet man
nicht, sondern man _befiehlt._ Etwas anderes ist es, durch einen
mechanischen Druck (zum Hinlegen oder Setzen), durch Winke einen Befehl
verständlich zu machen und der Ausführung nachzuhelfen. Zum Abwehren
schadet ein Schlag mit der dünnen Gerte nicht, da es ja bei dem Hunde
steht, sich solche zu ersparen. Neben dem leichten Schlag kommt als Strafe
bei Ungehorsam in Betracht: Anlegen an Kette, oder Leine (auf Spaziergang),
Einsperren. Strafe und Schlagen ist nicht dasselbe! Noch größer ist der
Unterschied zwischen Wehren und Befehlen. Je fester der Gehorsam gegenüber
dem Wehren und Verbieten (Unreinlichkeit, Anbeißen von Verbotenem, Springen
auf Möbel, Winseln oder Heulen bei Alleinsein, Betteln bei Tisch,
Herumtollen trotz Verweisens auf den „Platz”) sitzt, desto leichter ist
später das Befehlen. Bis es zu diesem kommt, muß der Welpe verstehen und
beachten lernen, muß eine gewisse Triebkraft, Bewegungslust, Tatendrang,
veranlaßt durch Muskulatur und Interesse an allen Vorgängen der Außenwelt,
also Vertrautsein mit dieser, sowie der innere Zusammenhang mit dem
Dressurlehrer vorhanden sein, der geistige Reife voraussetzt. Zum Wehren
und Verbieten ist es nie zu früh, weil wir durch mechanische Nachhilfe das
Verständnis unterstützen können. Das Befehlen darf erst einsetzen, wenn
sich der Lehrer von der nötigen körperlichen Energie und Regsamkeit
überzeugt hat. Also: den richtigen Moment erfassen und nur verlangen, was
der Hund auch _verstanden_ hat. Führt er das aus, so darf für die ersten
Male mit einem Leckerbissen (Biskuit, Zuckerstücke) nicht gespart werden.
Und später muß jede Erfüllung mit freundlichem Lob und lebhafter
Anerkennung belohnt werden. Pflichtgefühl besitzt selbstverständlich kein
Tier, wohl aber ist der Hund sehr empfänglich für Lob und Aufmunterung.
Ungehorsam gegenüber Kommando kann zur Ursache haben: Furcht vor der
schlagenden Hand, verspätetes oder mangelndes Auffassungsvermögen,
motorische Langsamkeit, Eigenwillen; letzterer äußert sich durch Flucht,
Kundgabe des Unmuts, Hinlegen, nervöse Empfindlichkeit, Erregungszustände.
Ehe man also zur Strafe schreitet, prüfe man die _Ursachen_ und versuche
sie durch freundliche Ansprache, einen kurzen ruhigen Spaziergang an der
Leine zu beseitigen. Dann wird man selbst zu der Überzeugung kommen, daß
Zuhauen das ungeeignetste Mittel ist, den Hund zur Ausführung von Befehlen
gefügig zu machen, dann wende man die systematischen Mittel an, die in Teil
III aufgeführt sind, auch wenn sie etwas Geduld und Zeit erfordern.
Unbedingte Züchtigung (auf die Keulen) verdient nur _offensichtliche
Widersetzlichkeit_ bei zweifellosem Verständnis für Befehl oder Verbot;
diese erfolge jedoch ohne Zorn und Nervosität nach klarer Prüfung, damit
der Hund fühle, wer seine Unfolgsamkeit straft, und daß es eine energische
Kraft über ihm gibt.
II. Teil.
Die Erziehung des Junghundes.
6. Kapitel.
=Stubenreinheit.=
Die zielbewußte Erziehung hat dem Lernen vorauszugehen. Grundregel ist:
dulde bei dem jungen Hund nie etwas, was du später verbieten wirst! Mag es
noch so harmlos sein, wenn das saubere Tierchen auf einen Stuhl oder Divan
gehoben wird, oder sich an den Kleidern aufrichtet; es versteht nicht,
warum das, wenn es von der Straße naß oder schmutzig ist, nicht geschehen
soll. Verbotene Räume, wie die Küche, sollen das immer bleiben. Laß ihn
nicht seine schwachen Zähnchen an einem alten Hausschuh probieren: er kennt
nicht den Unterschied zwischen alt und neu. Amüsiere dich nicht, wenn er in
kindlichem Heldenmut Pferde anbellt, Geflügel hetzt; kleine Fehler geben
später schwer auszurottende Laster. Je früher der Welpe mit der Großstadt,
dem Lärm der Wagen, Pferde, Autos vertraut gemacht wird, desto leichter
geht es; ahnungslos trottelt er im Schutz des Herrn, während er reifer
geworden, nervös davon läuft und sich schwer an Großstadtverkehr gewöhnt.
Um ihn zimmerrein zu erziehen, muß er an der Leine gehen; ein weicher
Lederriemen genügt als Halsband, eine solide längere Schnur, in deren eines
Ende ein Karabiner, in das andre eine Handschleife geknotet ist, genügt als
Leine zum Führen; die richtige Leinenführigkeit kommt später, wenn er nicht
mehr unreif und spielerisch ist. Zunächst achtet man auf den Hund, wenn er
vom Lager morgens aufsteht und sich nach einer Ecke des Zimmers begibt; man
legt schnell den Zangenkarabiner an, ruft „Hinaus”! und führt oder lockt
ihn auf die Straße. Nicht tragen, sondern führen. Liegt die Wohnung an
belebter Straße, so läßt man ihn in den Hof oder zur nächsten ruhigen
Seitenstraße bringen; denn über Beachtung von Menschen, Tieren, Wagen,
Geräuschen kommt er nicht zu der Ruhe, die Entleerung auslöst. Der Hund
verdaut sehr gut, aber langsam; der Magen eines Schäferhundes hat das
Fassungsvermögen, das dem eines Pferdes gleichkommt. Die langsame Verdauung
kommt von der oberflächlichen Zerkauung und Einspeichelung. Erhält er seine
Hauptmahlzeit mittags, so sind die unverdauten Reste nach etwa 9 Stunden
bis in den Mastdarm vorgerückt, so daß er etwa gegen 10—11 Uhr abends
entleeren und ein ihn weniger belastendes Futter bis zum Morgen im Darm
behalten kann. Wasser erhält er nach Spätnachmittag überhaupt nicht mehr.
Je behaglicher sein Lager ist, womöglich in Korb oder flacher Kiste, mit
etwas Mühe zum Verlassen verbunden, desto weniger wird er nachts aufstehen,
herumlaufen und sich im Haus lösen. Hat er es trotzdem getan, so führt man
ihn jedesmal morgens zur Stelle mit den Worten „Pfui, Hinaus”, beschleunigt
seinen Gang zur Tür mit der Gerte. Sobald er (s. Kap. 8, Lautgeben und
Melden) schon durch Ungeduld bei vorgehaltenem Futter, Knochen,
Leckerbissen gelernt hat, auf Kommando Laut zu geben, wird man bei jedem
Ausgang, Hinausführen, ihn an der Türe kurz bellen lassen, wodurch er
anzudeuten hat, daß er hinaus will. Viele Dressurlehrer wollen das durch
Kratzen an der Türe markieren lassen; das ist indessen für den Welpen
schwieriger zu verstehen. Viele Hunde hingegen begreifen sehr rasch, daß
sie eine nur angelehnte Türe mit der Nase aufstoßen können und markieren
das auch bei den verschlossenen. Da man das aber nachts nicht hört, ist die
Stimme des Hundes das natürlichste. Es wird oft im Leben vorkommen, daß der
Hund auf diese Weise den Herrn alarmiert. Das natürliche Verbellen der
Jagdhunde ist nichts andres als ein Rufen des Jägers. Ein kluger
Jagdspaniel verbellt jedes Stück Wild, das ihm zum Apportieren zu groß ist.
Ein lockerer Hals ist immer Zeichen von Intelligenz und des Triebs, sich
durch seine Sprache verständlich zu machen. Das Kratzen an der Tür
verleitet den Junghund, wenn er allein gelassen wird, die Tür zu
beschädigen; größer, gelingt es ihm durch Zufall und Aufrichten selbst die
Tür zu öffnen, was er nicht lernen soll. Den Hund mit der Nase in den Kot
zu stoßen, ist sehr unappetitlich, auch überflüssig; schon in die Nähe der
Missetat gebracht, weiß er ganz genau, daß er gesündigt hat; es genügt ihn
zur Stelle zu bringen, ihn zu strafen und hinaus zu stecken. Ist ein Hund
trotz Anweisung, Unterstützung durch Futter (Kartoffel, Schwarzbrot macht
viel Kot, belastet stark), trotz späteren Hinausführens nachts fortgesetzt
unreinlich, so bleibt nichts übrig, als ihn abends an eine in den Boden
gedrehte Ringschraube mit kurzer Kette dicht am „Platz” anzuhängen, da
Hunde fast nie ihr Lager oder dessen Nähe verunreinigen. Hilft das und auch
fühlbare Strafen nichts, so muß man ihn nachts in eine Schlafkiste sperren,
die so hoch ist, daß er nur mit gesenktem Kopf darin stehen kann. Abends
erhält er dann höchstens einen Knochen als Futter, kein Wasser.
7. Kapitel.
=Gewöhnen an Kette und Leine. Verhalten im Haus.=
Wie es viele Kinder gibt, die man dadurch, daß man sie immer herumträgt und
sich beständig mit ihnen beschäftigt, verzogen und verwöhnt hat, so widmet
sich auch häufig das ganze Haus mit dem neuen reizvollen Spielzeug. Die
Folge ist, daß man den Welpen unruhig, anspruchsvoll, unleidlich macht.
Grade in den ersten Tagen muß er zeitweilig abgestellt werden, sein Lager
auf Stunden im Vorhaus, Treppenhaus angewiesen erhalten, um auch sich zu
bescheiden und Ruhe zu lernen. Durch beständige Beschäftigung mit ihm
verlernt er ganz unter Tags zu ruhen und wird nervös. Nach Mahlzeiten heißt
es „Platz”, beim Verlassen sofort: Hinaus! Diese Übungen dürfen nicht erst
vorgenommen werden, wenn er schon verwöhnt und unrastig geworden, dann
kostet es Mühe, und man muß sein Winseln und Herumlaufen wehrend bestrafen,
das man selbst verschuldet hat. Windhunde, Airedaleterriers, Boxer,
französische Bulldoggen fügen sich williger; Schäferhunde,
Dobermannpinscher, Foxterriers nur ungern; wünscht man ruhigere Tiere, so
mag man das schon bei Anschaffung berücksichtigen. Jung gewohnt, alt getan.
Läßt man den Hund ohne solche Vorübungen allein im Haus, so wird er heulen
oder seine Langeweile in Zerstörungen, Anbeißen von Portieren, Stiefeln,
Polstern auslassen, die Türe zerkratzen, wenn sehr temperamentvoll, sogar
annagen. Nachts, oder allein im Haus gelassen, wird ihm sein „Platz” im
Treppenhaus angewiesen. Die Ruheübungen sind anfangs kurz, wenn älter,
länger auszudehnen. Junge Hunde sollen nicht beständig an der Kette liegen,
da sie dadurch in der Gebäudeentwicklung, namentlich an Vorderläufen und
Brustpartie Schaden leiden, sie müssen es aber lernen, sich darein zu
fügen, daß sie zeitweilig angekettet werden, um ihnen begreiflich zu
machen, daß eine Gewalt über ihnen existiert, auch wenn der Herr nicht
drohend vor ihnen steht. Wenn sie am Lager kurz angekettet, sich auch
anfangs etwas aufgeregt benehmen, so ist es besser, sie gewähren und selbst
zur Einsicht kommen zu lassen, als ihnen sofort zuzusprechen und zu drohen.
Nur wenn sie es mit Heulen und Zerren allzu toll treiben, muß man kurz und
energisch sie zur Ruhe verweisen, um sie bald zu erlösen, wenn sie sich
eine Zeitlang gefügt haben. Zur weiteren Übung wird die Dauer verlängert.
Haben sie so eingesehen, daß der Zwang stärker ist als sie, so wird man bei
allen späteren Dressuren nicht erst den Kopf brechen müssen. Springen auf
Stühle ist sofort energisch durch einen Schlag mit der Gerte zu verweisen,
ebenso jeder Versuch auf Divan oder im Bett Platz zu suchen. Niemals darf
der Junghund irgend welche Gegenstände, die zufällig auf dem Boden liegen
(Schuhe, Besen, nicht einmal ein Scheit Holz) oder fallen, mit den Zähnen
erfassen oder gar auf sein Lager schleppen, um damit zu spielen. Das würde
zum Zerbeißen führen. Beim ersten Versuch muß das ein kräftiger Schlag über
die Schnauze rügen oder ihm der Gegenstand sofort unter Rüge abgenommen
werden. Um die Strafe eindringlicher zu machen, legt man den betreffenden
Gegenstand noch eine Zeitlang vor ihm hin und zwingt ihn zum ruhigen Liegen
davor. Sucht sich ein Junghund mit besonderer Hartnäckigkeit ihn anreizende
Gegenstände aus, so bestreue man diese mit Tabakstaub oder Pfeffer. Ein
sehr nützliches und billiges Hilfsmittel zur Erziehung ist eine kleine
Schlagmausefalle, die man zum Fang gespannt (natürlich ohne Köder) auf
einen Hausschuh stellt. Berührt der Hund trotz Verbots den Schuh, so klappt
die Falle zu, und der Bügel gibt einen energischen Schlag auf die Nase. Mit
derselben Falle gewöhnt man Junghunden und auch älteren das Naschen
gründlich ab. Auf die Falle wird ein Stück Brot oder Zucker gelegt und
diese kommt auf einen Stuhl oder Tisch. Beim Stehlen erfolgt dann der
Schlag, der für den Hund um so heilsamer ist, da er niemand bemerkt, der
die Lektion austeilte. Besucher und Freunde bittet man, den Hund nicht
anzulocken oder anzusprechen, ja bei Annäherung ihn mit leichtem Klaps oder
Pfui abzuweisen; wir wollen keinen Allerweltsfreund, sondern einen
zuverlässigen und treuen Wächter erziehen, der auf der Straße später Fremde
vollkommen ignorieren muß. Das alles sind zwar Selbstverständlichkeiten,
doch soll sich der Erzieher eines Hundes schon vorher bestimmt im Klaren
sein, nicht erst nach Mißgriffen und Unterlassungen zur Erkenntnis kommen.
Vorbeugen ist leichter als korrigieren. Ehe man lange überlegt und dann
beschließt, muß schon das Kommando der Abwehr erfolgen. Manches hängt auch
von Rasse und Größe ab. Es gibt gewiß nichts schöneres, als wenn der
freudig erregte Hund seinen Herrn stürmisch begrüßt, an ihm aufspringt und
sich wie toll gebärdet, und doch muß das bei größeren Rassen gewehrt
werden. Sollen wir da mit scharfem Verweis verbieten, was uns erfreuen
müßte? Wir beugen bei unserem persönlichen Liebling vor, befehlen rasch:
„Setz dich, gib Pfote” und drücken ihm diese. Ein Kompromiß. Wo geht es
ohne solche im Leben?
8. Kapitel.
=Melden und Lautgeben.=