»Ja, du sollst«, rufen jetzt viele.
Der also Bestellte rudert mächtig mit den Armen durch die Luft, wie ein
großer Vogel, dem der Aufflug nicht gelingt. Dann erst kommt er in
Schwung, und seine Kinderaugen leuchten innig auf.
»Ihr hört von mir immer das alte Lied. Was ist Schuld an dieser Tücke,
an diesem bösartigen Haß? Das, was die ganze Welt krank macht und
verdirbt. Das Geld ist es, der Reichtum. Vom Geld kommt deshalb alles
Üble, weil es das Lieblose ist. Darum macht es die Menschen böse.
Christus wußte schon, was er vom Reichtum sprach. Was hat die Kirche,
die selber Schätze sammelt -- was hat sie von je gerade hieran
herumgedeutet! Aber dies Wort müssen sie doch lassen stahn!«
Gisbert ist zu dem heiligen Josef getreten. Er sieht in der einen Ecke,
wo der Schreiber Metzling sitzt, so etwas wie mißtrauische Blicke.
Unterschicht -- Oberschicht. Als ob die Offiziere schwiegen, um die
Leute auszuhorchen. Nun nimmt er selbst das Wort. Er spricht schlecht,
aber in dem, was er sagt, ist seine Seele.
Daß Elbenfried recht habe! In Reichtum und Macht kann niemals der Mensch
sich ausleben, sich ausstrahlen, sich verwirklichen! In seinem Besitz,
in seinen Genüssen, ist er auf sich selbst beschränkt, sein eigener
Gefangener. Und so verdorrt er. Darum -- er muß, muß heraus aus seinem
Selbst. Nur so wird er frei, nur so wird er gut -- denn frei und gut ist
dasselbe. Und so befreit, in selbstloser Hingabe und Güte, gehören wir
nicht uns, gehören wir allen. So erst sind die Kerkermauern unserer
Endlichkeit durchbrochen. So erst haben wir teil an dem All, so erst
sind wir vereinigt mit dem Wirken des Ewigen.
Dankwart rückt auf dem Stuhl, als brenne Feuer darunter, in seinem
schweren Augenlid wettert es mit Macht.
Kunz aber springt in die Höhe. Seine Glieder fliegen. Etwas
Ungebändigtes zittert in seinen heißen Augen. »Alle und das All --
wollen wir herumhampeln im luftleeren Raum! Wollen wir im Äther
vereisen! Deutschland ist das All! Wißt ihr, daß wir die Feinde im Lande
haben -- den Franzmann im Lande haben! Daß er uns das Mark aus den
Knochen zieht! Und daß wir wehrlos sind! Entwaffnet! Entwaffnete
deutsche Männer! Könnt ihr das aus- und zu Ende fühlen! Wollt ihr
darüber eure südasiatische Weisheit kleistern! Das eine will ich jetzt
wissen, ist ein einziger unter uns, der heut und morgen, so lange er
lebt und leibt, nicht mit Jubel und Hurra und Hosianna dem Landesfeind
an den Kragen geht, sobald der Tag der Erlösung naht! Und sich darauf
freut! Das sollt ihr mir jetzt sagen -- Du, Gisbert -- und Gust
Elbenfried, Du -- und Du, Maurer Mulitz. Seid ihr bereit und freut ihr
euch darauf?«
Die Antworten waren ehrlich und schnell. »Das ist ja ganz was anderes!«
-- »Selbstverständlich ist das!« -- »Und natürlich freut sich jeder
darauf!«
»Gut,« sagte Kunz und wischte sich die zornig feuchten Augen, und es
löste sich aus ihm wie ein Schluchzen. »Nach eurer Religionsphilosophie
brauchte ich das. Ich mußte das hören! Ich wäre sonst nicht einen Tag
länger in der Gemeinschaft geblieben.«