Wolfrat lachte. »Da bin ich aber neugierig. Wer will denn was von mir?«

»Der Vogt.«

»Der Vogt?« wiederholte Wolfrat überrascht. »So? So?« Er strich mit der

Hand übers Haar und erhob sich. »Ja, freilich, da muß ich schon gehen.

Aber wenn ich recht gehört hab, ist ja der Vogt seit Freitag im Gejaid

-- freilich, hab's ja von euch selber gehört, wie ich auf der Alm meine

Schwester gesucht hab. Was will er von mir? Da droben?«

Die Knechte wollten ihn fassen; er trat zurück und machte zwei Fäuste.

»Oho! So ist's gemeint? Ich geh von selber mit, weil der Vogt mich haben

will. Aber anrühren soll mich keiner, sonst schlag ich zu.«

»So komm!«

Wolfrat nahm den Hut von der Ofenstange und ging auf sein Weib zu.

»Behüt dich Gott, Seph! Bis morgen abend bin ich wieder daheim.« Er

reichte ihr die Hand und hob den Buben in die Höhe.

»Vater,« klagte Lippele, »du tust mich drucken!« Als der kleine Bursch

auf der Erde stand, rollte er die Schultern, dehnte die Ärmchen, als

wären ihm alle Knöchlein aus den Fugen geraten, und als müßte er sie

wieder einrenken.

»Also weiter!« sagte Wolfrat und ging den beiden Knechten voran zur

Stube hinaus.

»Mutter?« fragte Lippele. »Wohin muß der Vater?«

Dumpf schluchzend warf Sepha sich über den Tisch; sie hatte ein Gefühl,

als wäre ihr jählings etwas eisig Kaltes in das Herz gefallen.

Als Wolfrat aus der Haustür trat, packten ihn die Knechte unversehens,

der Fronbot warf den Strick, und ehe Wolfrat ans Wehren denken konnte,

waren ihm schon die Hände hinter dem Rücken gebunden. Er sprach kein

Wort mehr. Als sie ihn durch den Hag auf die Straße führten, warf er

einen langen Blick auf das Totenbrett seines Kindes.

»Bet, bet,« sagte das Brett, »vielleicht bist du der nächst!«

Da kam der Knecht, den Herr Heinrich geschickt hatte, die Straße

einhergerannt. Keuchend blieb er vor den anderen stehen.

»Willst du was?« fragten sie.

Er schüttelte den Kopf und ließ sie ihres Weges ziehen. Während er ihnen

nachblickte, hörte er aus dem Haus des Eggebauern lautes Geschrei und

wirren Lärm, dann eine heulende Weiberstimme. Gleich darauf kam eine

Magd durch den Garten auf die Straße gerannt.

»Was ist denn los bei euch?« fragte der Knecht.

»Der Bäuerin ist was geschehen, ich muß zum Bader laufen.«

Der Klosterjaeger: Roman aus dem XIV. Jahrhundert · 第 26 / 52 题