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Dieser eigensinnige Aufschrei der gequälten Seele.

Das Glück hängt nicht am Ort, wo wir es zu finden wähnen, dachte er,

wir können es nicht suchen außerhalb uns; in der eigenen Seele muß es

zu finden sein, es existiert nirgends sonst auf Erden.

Und er war fest entschlossen, es aus eigener Kraft zu schöpfen.

Noch einmal zog Vogl aus mit ihm zu Kampf und Sieg. Sich selbst zur

Verherrlichung, Franz war nur der Schleppträger seines Ruhms. In

Gmunden lebten sie, Franz wohnte beim Kaufmann Traweger, der ein

schönes Klavier besaß und ein stiller Verehrer seiner Kunst war. Was in

einer seligen Stunde auf der Orgel zu St. Florian erklungen, als er in

weltentrückten Träumereien auf der Empore gesessen war, das brach mit

neuer, wunderbarer Kraft hervor, indessen der musikfreundliche Herr

Traweger aufhorchend auf dem Kanapee saß, andächtig wie in der Kirche,

und nicht genug staunen konnte über den wundersamen Gast. Und auch er

mochte denken:

»Wo er es denn her hat?«

Der am Klavier stammelte, jauchzte und weinte wie ein Kind. Gott hat

es so gewollt. Er hat's ihn gelehrt. Nicht er sang, es sang in ihm,

alle Menschenlust und Erdenpein, das Herzblut strömte darin. Stückweise

entquoll die sinfonische Dichtung der kindlichen Seele und der

meisterlichen Hand.

So war es in Salzburg, und in den Pausen, wo die Unlust und

Erdenschwere über ihn kam, schrieb er Reisebeschreibungen für seinen

Bruder, ein äußerliches Bild der gesehenen Dinge, uff! daß ihm die

Schwarten krachten.

Und dann, Gastein, wo er Gast des Bischofs Pyrker war, seines Gönners,

der ihm für die Wandererphantasie einmal eine schöne Handvoll Dukaten

zufließen hat lassen. Das war ein bischöflicher Segen, der dem Leib und

der Seele wohlgetan hat.

Hier sprang der heiße Quell aus dem Erdinnern, dicht neben dem Eishauch

der Gletscher.

Und der Quell, der so heiß im Innern glüht, und der kalte Hauch, der

von draußen her weht, die feindlichen Gegensätze des Lebens, sie waren

mit drinnen in dem, was er sang und dichtete. Und die Berge waren

drinnen, die steingrauen Städte, und was er dort erlebte, das verwehte

Glück, die Liebe, der Schmerz.

Gasteiner Sinfonie, so nannte er die Bruchstücke, sie sollten eine

Stufe sein zu dem Lebensbau.

Das große Konzert, vielleicht auch die Oper, die ihm Bauernfeld

versprochen, das wohlbestallte Amt eines Vize-Kapellmeisters, das

wären Dinge! Das Kind erwachte in der Seele und baute ein luftiges

Kartenhaus. In Träumen wohnt alles so schön beisammen. Aber es sind

doch alles Dinge, die möglich sind, nicht nur möglich, sondern höchst

wahrscheinlich. Er ist jetzt entschlossen, das Glück mit fester Hand

zu ergreifen. Er braucht es nur bei sich zu suchen, in seinem eigenen

Willen, dann ist das Kartenhaus nicht mehr Kartenhaus, ein festgebautes

Schloß, mit einem schönen kupfernen Dachhelm, mit einer Wetterfahne

darauf, die knarrt und knarrt, der Wind spielt mit ihr auf dem Dach so

laut, daß man es im Schlafen hört, aber der Wind, der Schicksalswind,

spielt nicht mehr drin mit dem Herzen, das ist ruhig und in sicherer

Hand, in seiner Liebsten Hand, die hält das Glück, die hält sein Herz,

er braucht nur zu kommen und sagen: Hier bin ich, das hab' ich, und

jetzt nimm mich, nimm mich, wie ich bin, ein ganzes Kind, und du, meine

Geliebte, du bist mein Gefährte, mein Stab, meine Zuflucht, mein Trost,

mein alles, du, die eine, so bin ich gesegnet mit Weh und Glück, du

treues Frauenbild, du geliebte Melusine, zu der mein Genius aufblickt,

ich lebe durch dich -- für dich -- sei mein!

Franz Schuberts Lebenslied · 第 23 / 42 题