Sobald der Tag graute, wechselten wir mit der portugiesischen Küste
Signale, ob wir vielleicht nach dem Erdbeben von gestern irgendwo
Hilfe leisten könnten. Man verständigte uns dankend, der Schaden sei
zum Glück geringer als der Schrecken. Es sei reichlich Hilfe im Lande
vorhanden. So konnten wir unsere Reise ruhig fortsetzen.
* * * * *
Beim Morgenfrühstück war das erste, was mir unser Amerikaner mitteilte,
Roosevelt sei nicht mehr Präsident, er wolle sich fortan der Jagd und
der Schriftstellerei widmen.
Seltsam, -- sollte es in der Rasse liegen? Den kritischen Verstand
hatte er schon. Er hatte ganz richtig gesehen, wo der Schaden lag:
bei den Menschen, bei der Dollarsucht der Kleinen und dem Mammonismus
der Großen, der Trusts. Hatte er doch selbst gesagt: »die Menschen
seien alles, die Einrichtungen nichts in der Geschichte. Nur durch
die menschliche Kraft erhielten die menschlichen Institutionen ihren
Stempel.«
Auch der Wille zum Helfen war da. Aber eins fehlte ihm, so daß er es
fertig brachte, vom unvollendeten Werke seines Lebens zu scheiden: er
hatte nicht die glühende Liebe zu seinem Volke, die den Willen zur Tat
reifen läßt, sein Geist war nicht von Christi Geist, und er war kein
Bismarck. Sein Werk war unvollendet, sein Volk seufzte noch unter der
Herrschaft des Dollars, -- und er wollte Antilopen und Elefanten in
Afrika jagen? -- Aber war es denn sein Volk? Wo war sein Volk? -- --
Kaiser, mein Kaiser, -- du stammst aus deinem Volke! Du gehst nicht
nach Afrika, um Elefanten zu jagen und dein Volk zu vergessen! -- Ich
weiß, was du tun willst! Ich sehe dich im Geiste und reiche dir im
Geiste die Hand. -- -- -- -- -- --
* * * * *
Der Amerikaner brach zuerst das Schweigen und sagte, obwohl er
selbst geborener Republikaner sei, müsse er sich bei der Wahl einer
Regierungsform doch für die Wahl einer Monarchie entscheiden. Die
Republik komme ihm vor wie eine große Aktiengesellschaft, in der die
Aktionäre kein Herz für die Arbeiter hätten, sondern nur an den Bestand
des Unternehmens und die Höhe der Dividenden dächten. Die Monarchie
aber schiene ihm wie ein großer Gutshof oder ein großes industrielles
Unternehmen, das der Gründer selbst führe, der, selbst aus der Schar
der Arbeitenden hervorgegangen, ihre Bedürfnisse und ihren Wert genau
kenne und durch Dankbarkeit und Liebe mit ihnen zu einem einheitlichen
Organismus verbunden sei.
Die Königinnen aber, wie das Beispiel der edlen Königin Elena von
Italien bei dem Unglücke von Messina wieder beweise, und wie die
meisten Königinnen und Fürstinnen der Jetztzeit zeigten, seien wie
gütige Gutsherrinnen, gewissermaßen das Prinzip der werktätigen Liebe
auf dem Throne. Selbst die alte Königin Viktoria von England hätte,
trotz ihrer Schattenseiten, hiervon keine Ausnahme gemacht.
Ich aber dachte an unsere Kaiserin mit ihrem großen Herzen so
überreich an Menschenliebe, an die Königin von Württemberg, an die
Großherzogin von Baden, und alle die anderen edlen Frauen aus deutschen
Fürstenhäusern. Und gedachte der Sonne meines Hauses. --
* * * * *