An Lassalle ist geschrieben, und er wird wohl bereit sein, ein paar
hundert Exemplare der Broschüre in Empfang zu nehmen und in Deutschland
zu vertreiben. Nun fragt es sich, wie hinüberbringen? Charles meinte,
als ich in Manchester war, es ließe sich tun durch Verpackung mit
Kaufmannsgütern? Frage ihn jetzt einmal darüber.
_P. S._ Die Abschickung des Briefes hat sich verspätet, und so kann ich
Dir noch nachträglich Ankunft des Bücherpakets und der zweiten Hälfte
der Note anzeigen.
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[1] Mit Kinkel als Schwurzeugen.
[2] Alles das ist keine schlechte Leistung für einen alten
Unteroffizier.
[3] Muß man’s bis auf die Neige kosten.
[4] Wir werden sehen.
[5] Meisterhafte Zergliederung.
[6] Nirgends eine fähigere Kritik.
[7] Erwarte [auch] nicht, eine solche zu sehen.
[8] Leitartikel.
[9] Wochen.
[10] Von allen möglichen Dingen.
[11] Niederlassung.
[12] Reisen, enthaltend die Beschreibung der Staaten des Großmogul
usw.
[13] Wenn man nicht alle Dienst- und Basar- oder Handelsleute, die
der Armee folgen, mit den eigentlichen Kriegsmannschaften
zusammenwirft; denn in diesem Falle glaube ich allerdings, daß sie
recht hätten, 200 000 und 300 000 Mann und manchmal mehr allein auf
die Armee, die mit dem König geht, anzusetzen, zum Beispiel wenn
sicher ist, daß er lange aus der Hauptstadt fort sein wird; was dem
nicht sehr erstaunlich scheinen wird, der den merkwürdigen Reichtum
an Zelten, Küchen, Kleidern, Möbeln und oft selbst Frauen, und
folglich an Elefanten, Kamelen, Rindern, Pferden, Lasträgern,
Futterlieferanten, Marketendern, Händlern aller Art und Dienern
kennt, den diese Armeen mit sich ziehen, und die eigenartige
Verfassung und Regierung des Landes kennt, nämlich daß der _König
der alleinige und einzige Eigentümer alles Grund und Bodens_ des
Königreichs ist, woher es dank einer gewissen notwendigen
Folgewirkung kommt, daß eine ganze _Hauptstadt_ wie Delhi oder Agra
fast nur von der Miliz lebt und daher genötigt ist, dem König zu
folgen, wenn er für etliche Zeit ins Feld zieht, da jene Städte
nichts weniger sind noch sein können als ein Paris, sondern
_eigentlich nur ein Feldlager_ sind, das etwas besser und bequemer
placiert ist als auf dem flachen Lande.
[14] „Die Schwierigkeit ist, zu wissen, woher und wie eine so große
Armee, eine so große Menge von Menschen und Tieren im Felde
existieren kann. Man muß da zunächst nur voraussetzen, daß die
Inder, was sehr wahr ist, sehr mäßig und nüchtern in ihrer
Lebensweise sind, und daß von dieser großen Zahl von Reitern nicht
der zehnte, nicht der zwanzigste Teil auf dem Marsche Fleisch ißt;
wenn sie nur ihr Kicheri oder Mischung von Reis und anderen
Leguminosen haben, auf die sie, wenn sie gekocht sind, rote Butter
schütten, sind sie zufrieden. Man muß ferner wissen, daß die Kamele
außerordentlich viel Arbeit, Hunger und Durst aushalten, von wenig
leben und alles essen; sobald die Armee [an dem Standort] angelangt
ist, lassen die Kameltreiber sie auf dem Felde weiden und sie
fressen, was sie erwischen. Außerdem daß dieselben Händler, die die
Basars in Delhi halten, verpflichtet sind, sie im Felde zu halten,
[ebenso] die Kleinhändler usw. ... endlich, was die Furage
anbetrifft, so streichen alle diese armen Leute nach allen Seiten in
die Dörfer, um dort etwas zu kaufen und zu verdienen, und daß ihre
große und gewöhnliche Zuflucht ist, mit einer Art Sichel ganze
Felder abzuschneiden, das bißchen Gewächs, das sie geschunden haben,
zu dreschen oder zu waschen und es dann zum Verkauf an die Armee
heranbringen ....“
[15] Schlüssel.
[16] Fehlschlag.
[17] Finanzplan für die Reduktion der Staatsschuld.
[18] Hudibrasischen [geht auf eine komische Person aus dem
Spottgedicht „Hudibras“ des S. Butler].
[19] _Soziale_ Revolution.
[20] Lebe wohl und bleib’ mir gut.
238
Manchester, 6. Juni 1853, abends.
Lieber Marx!
Ich wollte Dir heute per erste Post schreiben, wurde aber bis 8 Uhr
durch Kontorarbeiten aufgehalten. Die beiden Erklärungen Weydemeyers und
Cluß’ in der Kriminal-Zeitung gegen Willich wirst Du erhalten haben, das
heißt von Amerika direkt, wo nicht, so schreibe mir gleich. Vater
Weydemeyer ist wie gewöhnlich zu breit, weiß die Pointe nur stellenweise
zu finden, stumpft sie auch dann durch seinen Stil ab und entwickelt
seinen bekannten Mangel an Verve mit seltener Gelassenheit. Trotzdem hat
der Mann sein möglichstes getan, die Geschichte mit dem
„Waffengefährten“ Henze und der von anderen inspirierten Schreibart des
Hirsch richtig gedreht; sein hahnebüchener Stil und seine Gelassenheit,
die dort für Impassibilität gilt, wird dem Philistertum zusagen, und im
ganzen kann man mit seiner Leistung zufrieden sein. Die Erklärung von
Cluß dagegen gefällt mir ausgezeichnet. Der _homme supérieur_,[1] der
seiner Überlegenheit durch die „persönliche Berührung“ mit Willich sich
sozusagen physisch bewußt geworden, lacht aus jeder Zeile hervor. An
Leichtigkeit des Stils ist das Ding das Beste, was Cluß je geschrieben,
auch nicht eine holperige Wendung drin, keine Spur von _gêne_[2] oder
Verlegenheit. Wie gut steht ihm der fingierte Biedermann mit der Miene
des _bonhomme_, der aber doch überall den Teufel durchblicken läßt, der
ihm im Nacken sitzt. Wie famos ist die Wendung mit dem „Schwindel, wie
Revolutionsagenturen sind“, von denen er lebe, wie Willich behaupten
soll. Der Ritterliche wird sich gewundert haben, unter den rohen
„Agenten“ einen Kerl zu finden, der so flott, so geschickt, so von Natur
offensiv und zu gleicher Zeit so unprätentiös nobel auftritt, und der
ihn so fein, viel feiner und gewandter als er selbst, seine eigenen
Finten _à tempo_ stößt. Wenn der Willich nur Geschmack genug hat, das
herauszufinden; aber ich hoffe, der Ärger und das notwendige
Spintisieren werden ihm schon ein gewisses Verständnis eröffnen. –
Wenn Lassalle Dir eine gute, gleichgültige Adresse in Düsseldorf gegeben
hat, so kannst Du mir hundert Exemplare schicken. Wir werden sie in
Twistballen durch hiesige Häuser verpacken lassen; aber sie dürfen nicht
an Lassalle selbst adressiert sein, da die Pakete nach Gladbach,
Elberfeld oder so gehen und von da, als _postpflichtig_, per Post nach
Düsseldorf gehen müssen. Ein Paket an Lassalle oder die Hatzfeldt können
wir aber keinem hiesigen Hause geben, denn 1. ist in jedem dieser Häuser
hier mindestens _ein_ Rheinländer, der den Tratsch kennt, oder 2. wenn
das gut geht, so wissen die Empfänger des Ballens drüben Bescheid, oder
3. im günstigsten Falle sieht sich die Post die Sachen an, ehe sie sie
abgibt. In Köln haben wir eine gute Adresse, kennen aber leider die
Leute nicht besonders, die hier die Haupteinkäufer für das Kölner Haus
sind, und können ihnen daher keinen Schmuggel zumuten. Wir sagen hier
den Leuten nämlich, die Pakete enthielten Präsente für Damen. –
Die Abwesenheit des Grundeigentums ist in der Tat der Schlüssel zum
ganzen Orient. Darin liegt die politische und religiöse Geschichte. Aber
woher kommt es, daß die Orientalen nicht zum Grundeigentum kommen, nicht
einmal zum feudalen? Ich glaube, es liegt hauptsächlich im Klima,
verbunden mit den Bodenverhältnissen, speziell mit den großen
Wüstenstrichen, die sich von der Sahara quer durch Arabien, Persien,
Indien und die Tatarei bis ans höchste asiatische Hochland durchziehen.
Die künstliche Bewässerung ist hier erste Bedingung des Ackerbaus, und
diese ist Sache entweder der Kommunen, Provinzen oder der
Zentralregierung. Die Regierung im Orient hatte immer auch nur drei
Departements: Finanzen (Plünderung des Inlandes), Krieg (Plünderung des
Inlandes und des Auslandes) und _travaux publics_ (Sorge für die
Reproduktion). Die britische Regierung in Indien hat Nr. 1 und 2 etwas
philiströser geregelt und Nr. 3 ganz beiseite geworfen, und der indische
Ackerbau geht zugrunde. Die freie Konkurrenz blamiert sich dort
vollständig. Diese künstliche Fruchtbarmachung des Bodens, die sofort
aufhörte, wenn die Wasserleitungen in Verfall kamen, erklärt die sonst
kuriose Tatsache, daß jetzt ganze Striche wüst und öde sind, die früher
brillant bebaut waren (Palmyra, Petra, die Ruinen in Jemen und
Lokalitäten in Ägypten, Persien und Hindustan); sie erklärt die
Tatsache, daß ein einziger Verwüstungskrieg ein Land für Jahrhunderte
entvölkern und seiner ganzen Zivilisation entkleiden konnte. Dahin
gehört, glaube ich, auch die Vernichtung des südarabischen Handels vor
Mohammed, die Du sehr richtig als ein Hauptmoment der mohammedanischen
Revolution ansiehst. Ich kenne die Handelsgeschichte der sechs ersten
christlichen Jahrhunderte nicht genau genug, um urteilen zu können,
inwieweit allgemeine materielle Weltverhältnisse den Handelsweg durch
Persien nach dem Schwarzen Meer und durch den Persischen Meerbusen nach
Syrien und Kleinasien dem übers Rote Meer vorziehen ließen. Aber
jedenfalls war nicht ohne bedeutende Wirkung die relative Sicherheit der
Karawanen im persischen, geregelten Sassanidenreich, während Jemen von
den Abessiniern von Anno 200 bis 600 fast fortwährend unterjocht,
überfallen und geplündert wurde. Die zur Römerzeit noch blühenden Städte
des südlichen Arabien waren im siebenten Jahrhundert wahre Wüsten von
Ruinen; die benachbarten Beduinen hatten in 500 Jahren rein mythische,
fabelhafte Traditionen über ihren Ursprung sich angeeignet (siehe den
Koran und den arabischen Geschichtschreiber Novairi), und das Alphabet,
in dem die dortigen Inschriften geschrieben, war fast total unbekannt,
obwohl kein anderes da war, so daß sogar _de facto_ das Schreiben in
Vergessenheit geraten. Dergleichen Sachen sehen neben einem durch
etwaige allgemeine Handelsverhältnisse veranlassten _superseding_[3]
auch noch eine ganz direkte gewaltsame Zerstörung voraus, wie sie nur
durch die äthiopische Invasion zu erklären ist. Die Vertreibung der
Abessinier geschah um 40 Jahre vor Mohammed und war der erste Akt des
erwachenden arabischen Nationalgefühls, das außerdem durch persische
Invasionen vom Norden her, die fast bis nach Mekka drangen, gestachelt
war. Ich werde die Geschichte Mohammeds selbst erst dieser Tage
vornehmen; bis jetzt scheint sie mir aber den Charakter einer
beduinischen Reaktion gegen die ansässigen, aber verkommenden Fellahs
der Städte zu tragen, die damals auch religiös sehr zerfallen waren, und
mit einem verkommenen Naturkultus ein verkommenes Judentum und
Christentum vermischten.
Die Sachen vom alten Bernier sind wirklich sehr schön. Man freut sich
ordentlich, einmal wieder etwas von einem alten nüchternen, klaren
Franzosen zu lesen, der überall den Nagel auf den Kopf trifft _sans
avoir l’air de s’en apercevoir_.[4]
Da ich nun doch einmal auf ein paar Wochen in der orientalischen
Schmiere festsitze, so habe ich die Gelegenheit benutzt, um Persisch zu
lernen. Von dem Arabischen schreckt mich einerseits mein eingeborener
Haß gegen die semitischen Sprachen zurück, andererseits die
Unmöglichkeit, in einer so weitläufigen Sprache, die 4000 Wurzeln hat
und sich über 2000 bis 3000 Jahre erstreckt, ohne viel Zeitverlust es zu
etwas zu bringen. Persisch dagegen ist ein wahres Kinderspiel von einer
Sprache. Wäre es nicht wegen des verfluchten arabischen Alphabets, worin
immer je sechs Buchstaben sich gleich sehen und wo man die Vokale nicht
schreibt, so würde ich mich anheischig machen, die ganze Grammatik
binnen 48 Stunden zu lernen. Dies zum Trost für Pieper, wenn er etwa
Lust haben sollte, mir diesen schlechten Witz nachzumachen. Ich habe mir
drei Wochen als Maximum für das Persische angesetzt; wenn er also zwei
Monate dran riskiert, so schlägt er mich jedenfalls. Für Weitling ist es
ein Pech, daß er kein Persisch kann; er würde seine _langue universelle
toute trouvée_[5] haben, da es meines Wissens die einzige Sprache ist,
wo kein Krakeel zwischen Mir und Mich entsteht, da der Dativ und der
Akkusativ sich immer gleich sind.
Übrigens ist es ganz angenehm, den liederlichen alten Hafis in der
Ursprache zu lesen, die ganz passabel klingt, und der alte Sir William
Jones gebraucht mit Vorliebe persische Zoten als Beispiele in seiner
Grammatik, die er dann nachher in seinen _Commentariis poeseos
asiaticae_[6] in griechische Verse übersetzt, da ihm das doch im
Lateinischen selbst noch zu unflätig vorkommt. Diese Kommentare: Jones’
Works, 2. Band, _de poesi erotica_,[7] werden Dich amüsieren. Dagegen
ist die persische Prosa zum Totschießen. Zum Beispiel der
_Ranzât-uo-safâ_[8] des edlen Mirkhond, der die persische Heldensage in
sehr bilderreicher, aber inhaltloser Sprache erzählt. Hier heißt es von
Alexander dem Großen: Der Name Iskander heißt in der jonischen Sprache
Akschid Rûs (verstümmelt, wie Iskander, aus Alexandras), das bedeutet
soviel wie _Filusûf_, welches herkommt von _fila_, Liebe, und _sufa_,
Weisheit, so daß Iskander dasselbe ist wie ein Freund der Weisheit. –
Von einem _retired_[9] König heißt es: Er schlug die Trommel der
Abdankung mit dem „Trommelstock des Sichzurückziehens“, wie Vater
Willich dies tun wird, wenn er sich etwas weiter in den literarischen
Kampf lanciert. Demselben Willich wird es auch ergehen wie dem König
Afrasiat von Turan, als seine Truppen ausrissen, und von dem Mirkhond
sagt: „Er biß sich die Nägel des Entsetzens mit den Zähnen der
Verzweiflung, bis das Blut des geschlagenen Bewußtseins ihm aus den
Fingerspitzen der Scham quoll.“ – Morgen mehr.
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[1] Überlegene Mensch.
[2] Befangenheit.
[3] Beiseiteschiebung.
[4] Ohne sich zu gebaren, als merke er es.
[5] Weltsprache geradezu gefunden.
[6] Erläuterungen der asiatischen Poesie.
[7] Über Liebespoesie.
[8] Ein persischer Titel.
[9] In Ruhestand getretenen.
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