28 Deanstreet, Soho, 2. Juni 1853.

_Dear Frederic!_

Die erste Hälfte der 20 Pfund-Note eingesprungen. Ich schreibe Dir vor

meinem Gang ins Museum, also noch sehr früh zu Tag.

Einliegende Erklärung des großen Willich an die Neu-England-Zeitung

hätte ich Dir längst geschickt, wenn ich nicht vorausgesetzt, daß

Weydemeyer Dir die Sache zugesandt. Das _Konzept_ dieser zweiten

Erklärung ist genuine, echter Willich. Die anderen schreiben „Aufsätze“,

er schreibt „Tatsachen“, und ... der edle Mann übergibt „ungern“ der

„Öffentlichkeit“ die Tatsachen. Natürlich, er zog es vor, sie geheim

hinter der Bierbank den Philistern vorzuraunen; sie durch zwei Erdteile

auf „Kontrabandweg“ seit drei Jahren zu kolportieren, _jurante

Kinkelio_.[1] – –

_Tout ça n’est pas trop mal pour un vieux sous-lieutenant._[2] Was aber

den Stil der Erklärung Nummer 2 angeht – so schlecht er ist, er ist

dennoch apokryph. – – Jedenfalls wird jetzt das nötige Supplement zu

Tellerings Broschüre von Herrn Willich herausgegeben werden, und da das

ganze Zeug einmal vors Publikum gebracht ist, _il faut aller jusqu’au

bout_.[3] Wenn Weydemeyer, Cluß und Komp. geschickt operieren, so müßten

sie jetzt dem Willich in die Parade fahren und im voraus den

Überraschungen, die er dem Publikum vorbehält, die Pointe und die

Neuheit abbrechen. _Nous verrons._[4]

Das Lob, das Du meinem „jungen“ Englisch erteilst, hat sehr aufmunternd

auf mich gewirkt. Was mir hauptsächlich fehlt, ist einmal grammatische

Sicherheit und zweitens die Gewandtheit in gewissen sekundären

Wendungen, ohne die alles schlagfertige Schreiben unmöglich ist. Herr

„Tribune“ hat zu meinem zweiten Artikel über Gladstones Budget eine

Bemerkung an die Spitze ihres Blattes gesetzt, worin sie das Publikum

auf die „_masterly exposition_“[5] aufmerksam macht und erklärt, sie

habe _nowhere „a more able criticism“_[6] gesehen und tue „_not expect

to see one_“.[7] Das ist nun _all right_. Aber in dem folgenden Artikel

blamiert sie mich wieder, indem sie einen ganz unbedeutenden und

unbedeutend sein sollenden Kopf [Anfang] von mir unter meinem Namen

druckt, während sie sich Deinen „Schweizer“ aneignet. Ich werde Dana

schreiben, es sei mir sehr „schmeichelhaft“, wenn sie die Sachen

manchmal als _leader_[8] benutzen. Nur sollten sie dann gefällig meinen

Namen nicht unter unbedeutende Notizen setzen. Ich habe der Gesellschaft

jetzt unter anderem zwei Artikel über „China“ mit Beziehung auf England

geschickt. Wenn Deine Zeit Dir erlaubt und Du gerade Lust hast zu

schreiben über irgend etwas, Schweiz, Orient, Frankreich, England oder

_cotton_ oder _Dänemark_, so tue es von Zeit zu Zeit, da ich jetzt

gewaltsam auf den Beutel der Kerls losarbeite, um den Ausfall von drei

_weeks_[9] zu decken. Wenn Du mir von Zeit zu Zeit so was schickst – _de

omnibus rebus_[10] –, so kann ich’s immer unterbringen, denn Du weißt,

daß ich das „Mädchen für alles“ bei den Kerls bin, und es ist immer

leicht, alles an alles, an jeden Tag anzuknüpfen.

In bezug auf die Hebräer und Araber war Dein Brief mir sehr interessant.

Es lassen sich übrigens 1. _allgemeines_ Verhältnis nachweisen bei allen

orientalischen Stämmen, zwischen dem _settlement_[11] des einen Teiles

derselben und der Fortdauer im Nomadisieren bei den anderen, seit die

Geschichte geschieht. 2. Zur Zeit Mohammeds hatte sich der Handelsweg

von Europa nach Asien bedeutend modifiziert, und die Städte Arabiens,

die am Handel nach Indien usw. großen Anteil nahmen, befanden sich

kommerziell im Verfall, was jedenfalls mit Anstoß gab. 3. Was die

Religion angeht, so wird sich die Frage in die allgemeine und darum

leicht beantwortbare auflösen: Warum _erscheint_ die Geschichte des

Orients als eine Geschichte der Religionen?

Über die orientalische Städtebildung kann man nichts Brillanteres,

Anschaulicheres und Schlagenderes lesen als den alten François Bernier

(neun Jahre Arzt von Aurang-Zebe). „_Voyages contenant la description

des états du Grand Mogul etc._“[12] Auch setzt er das Militärwesen, die

Art, wie diese großen Armeen sich ernährten usw., schön auseinander.

Über beides bemerkt er unter anderem: „Die Kavallerie bildet den

Hauptteil, die Infanterie nicht so groß, als das Gerücht geht, _si ce

n’est qu’avec les véritables gens de guerre on ne confond tous ces gens

de service et de bazars ou marchés qui suivent l’armée; car, en ce cas

là, je croirais bien qu’ils auraient raison de mettre les 2 et 300 000

hommes dans l’armée seule qui est avec le roi, et quelques fois encore

d’avantage, comme quand on est assuré qu’il sera longtemps absent de la

ville capitale; ce qui ne semblera si fort étonnant à qui saura

l’étrange embarras de tentes, de cuisines, de hardes, de meubles et de

femmes même assez souvent, et par conséquent d’éléphants, de chameaux,

de bœufs, de chevaux, de portefaix, de fourrageurs, vivandiers,

marchands de toutes sortes et serviteurs qui traînent après soi ces

armées, et à qui saura l’état et gouvernement particulier du pays, à

savoir que _le roi est le seul et unique propriétaire de toutes les

terres_ du royaume, d’où vient par une certaine suite nécessaire que

toute _une ville capitale_ comme Delhi ou Agra ne vit presque que de la

milice, et est par conséquent obligée de suivre le roi quand il va en

campagne pour quelque temps, ces villes là n’étant ni ne pouvant être

rien moins qu’un Paris, mais _n’étant proprement qu’un camp d’armée_ un

peu mieux et plus commodément placé qu’en rase campagne._“[13]

Bei Gelegenheit des Marsches des Großmoguls nach Cacharim, mit 400 000

Mann usw. Armee, sagt er: „_La difficulté est de savoir d’où et comment

peut subsister une si grande armée en campagne, une si grande quantité

d’hommes et d’animaux. Il ne faut pour cela que supposer, ce qui est

très vrai, que les Indiens sont fort sobres et fort simples dans leur

manger, et que de tout ce grand nombre de cavaliers, il n’y a pas le

dixième, ni même le vingtième part, qui, dans la marche, mange de la

viande; pourvu qu’ils aient leur kicheris ou mélange de ris et d’autres

légumes, sur lequel ils versent de beurre roux quand ils sont cuits, ils

sont contents. Il faut encore savoir que les chameaux résistent

extrêmement au travail, à la faim et à la soif, vivent de peu et mangent

de tout, et qu’aussitôt que l’armée est arrivée les chameliers les

mènent brouter à la campagne, où ils mangent tout ce qu’ils attrapent.

De plus que les mêmes marchands qui entretiennent les bazars dans Delhi,

sont obligés de les entretenir dans les campagnes_, ebenso die _petits

marchands etc. ... enfin à l’égard du fourrage, tous ces pauvres gens

s’en vont rôdant de tous les côtés dans les villages pour en acheter et

y gagner quelque chose, et que leur grand et ordinaire refuge est de

râper, avec une espèce de truelle, les campagnes entières, battre ou

laver cette petite herbe qu’ils ont râpée, et l’apporter vendre à

l’armée ...._“[14]

Bernier findet mit Recht die Grundform für sämtliche Erscheinungen des

Orients – er spricht von Türkei, Persien, Hindostan – darin, daß kein

_Privatgrundeigentum_ existiert. Dies ist der wirkliche _clef_[15]

selbst zum orientalischen Himmel.

Was sagst Du zum _failure_[16] des „_financial scheme for reducing the

national debt_“[17] des _hudibrasiac_[18] Rodolpho Gladstone?

Das Journal des Débats hat vorgestern das wahre Geheimnis ausgesprochen,

warum Rußland so frech ist. Entweder, sagt es, muß der Kontinent seine

Unabhängigkeit russischer Gefahr aussetzen, oder er muß dem Krieg sich

aussetzen, und das ist „_la révolution _sociale__“.[19] Nur vergißt das

elende Débats, daß Rußland sich ebensosehr vor der Revolution fürchtet

wie Mr. Bertin, und daß der ganze Witz jetzt darin liegt, wer sich den

meisten Schein der „Nichtfurcht“ zu geben weiß. Aber England und

_France_ – die offiziellen – sind so miserabel, daß wenn Nicholas

steifhält, er alles ausrichten kann.

_Vale faveque._[20]

Der Briefwechsel zwischen Friedrich Engels und Karl Marx 1844 bis 1883, Erster Band · 第 172 / 196 题