Lieber Engels!
Du hast doch meinen Brief während der Anwesenheit Deines Bruders
erhalten? Ich frage, da Du ihn nicht erwähnst, nicht wegen seines
Inhaltes. Er enthielt nur Klatsch, obgleich es gut ist, daß auch dieser
archiviert wird. Aber in fremde Hände möchte ich ihn doch nicht geraten
wissen.
Deine verschiedenen Briefe, eingeschlossen der fünfpfundige, sind hier
richtig angekommen.
Kinkel macht jetzt seine Rundreise durch Nordengland. War er noch nicht
in Manchester?
Nach dem in meinem letzten Schreiben Erwähnten hat sich wenig hier
zugetragen. Gestern (Freitag) vor acht Tagen erklärte Graf Reichenbach
seinen Austritt aus dem allgemeinen Flüchtlingsverband. Auch Du, Brutus?
Sigel usw., die noch nicht definitiv ausgetreten waren, sind es jetzt.
Willich aber macht einen Feldzug gegen das „Lumpenproletariat“ unter den
Flüchtlingen. Über die gestern abend gehaltene Sitzung habe ich noch
keinen Bericht erhalten.
Auch das italienische Komitee hat sich gespalten. Eine bedeutende
Minorität ist ausgetreten. Mazzini erzählt mit Kummer dies Ereignis in
der Voix du Peuple. Hauptanlässe sollen sein: _D’Abord Dio. Ils ne
veulent pas du dieu. Ensuite, et c’est plus grave, ils reprochent à
Maître Mazzini de travailler dans l’intérêt autrichien en prêchant
l’insurrection_, das heißt _en la précipitant. Enfin: Insistent sur un
appel direct aux intérêts matériels des paysans italiens, ce qui ne peut
se faire sans attaquer de l’autre côté les intérêts matériels des
bourgeois et de la noblesse libérale, qui forme la grande phalange
mazzinienne._[1] Diese letztere Sache ist durchaus wichtig. Wenn Mazzini
oder wer sonst an die Spitze der italienischen Agitation sich stellt,
diesmal nicht _franchement_ und _immédiatement_ die Bauern aus
_métayers_[2] in freie Grundeigentümer verwandelt – die Lage der
italienischen Bauern ist scheußlich, ich habe die Schandwirtschaft jetzt
gründlich durchgeochst –, so wird die österreichische Regierung im Falle
der Revolution zu galizischen Mitteln ihre Zuflucht nehmen. Schon hat
sie im Lloyd gedroht mit „gänzlicher Umwandlung des Besitzstandes“ und
„Vernichtung des unruhigen Adels“. Wenn dem Mazzini noch nicht die Augen
aufgehen, so ist er ein Rind. Allerdings kommen die Agitationsinteressen
hinein. Wo die 10 Millionen Franken hernehmen, wenn er die Bourgeois vor
den Kopf stößt? Wie den Adel in seinen Diensten behalten, wenn ihm
ankündigen, daß es sich zunächst um seine Expropriation handelt? Das
sind Schwierigkeiten für solchen Demagogen aus der alten Schule.
Unter den Verhafteten in Paris befindet sich leider auch Schramm.
Vorgestern kam ein Brief von dem Schlingel an Liebknecht, und wir haben
die erfreuliche Aussicht, dies fahrige Subjekt wieder unter uns zu
sehen. Er soll sich aber wundern, _ce Monsieur là_![3] Du wirst mich
sehr verpflichten, wenn Du mir bis _Dienstag morgen den Aufsatz für Dana
schickst_. Anbei Brief von Dronke. Übrigens, wenn man ihm schreibt, muß
es unter seiner direkten Adresse geschehen. Die von Schuster ist
durchaus unsicher. Ich schicke Dir in ein paar Tagen ein Billett für ihn
und dann schreibst Du auch noch einiges hinzu und expedierst die Sache
an den Knirps.
[Ohne Unterschrift.]
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[1] Erstens Gott. Sie wollen nichts von Gott wissen. Dann, und das
ist wichtiger, werfen sie Meister Mazzini vor, er arbeite dadurch im
Interesse Österreichs, daß er den Aufstand predigt, das heißt
dadurch, daß er ihn überstürzt. Schließlich bestehen sie auf
direkten Appell an die materiellen Interessen der italienischen
Bauern, was nicht möglich ist, ohne auf der anderen Seite die
materiellen Interessen der Bourgeois und des liberalen Adels
anzugreifen, aus denen die große mazzinistische Phalanx besteht.
[2] Rundheraus und sofort die Bauern aus Halbpächtern ....
[3] Dieser Herr.
113
Freitag, 19. September 1851.
Lieber Marx!
Ich wurde gestern in der höchsten Eile noch mit dem Artikel fertig –
_tel quel_,[1] oft unterbrochen, seit drei Wochen, und zuletzt in der
Eile noch den Rest zusammengeschmiert. _Tu en feras ce que tu
pourras._[2] In jedem Falle wirst Du ihn heute mit der ersten Post
erhalten haben.
Der einzige Brief, der seit der Ankunft meines Bruders hier ankam, war
Deiner vom 31. August, den ich am 2. September erhielt, worin Du die
Heinzenschen Stellen mitteiltest (aus der Schnellpost über Veredlung des
Yankeetums).
Meine Faulheit erklärt sich: