Lieber Engels!
Soeben bekomme ich Deinen Brief, der sehr angenehme Aussichten zur
Handelskrise eröffnet.
Ich habe seit ungefähr 14 Tagen nichts geschrieben, weil ich die Zeit,
die ich nicht auf der Bibliothek zubringe, wie ein Hund gehetzt war, und
so trotz des besten Willens immer wieder vom Schreiben abkam.
Nachdem mich die beiden Bamberger, Vater und Sohn, von Woche zu Woche,
von Monat zu Monat hingezogen mit dem Versprechen, mir einen Wechsel zu
diskontieren, nachdem ich endlich zu diesem Zwecke verflossenen Montag
mir die beiden Bursche bestellt und schon die _stamped paper_[1]
mitgebracht, eröffnet mir der Junge, daß der Alte, der auch da war,
nicht könne usw. – – –
Übrigens glaubst Du mir ohne weitere Beteuerung, daß ich meiner
Situation verdammt müde bin. Ich habe nach Amerika geschrieben, ob es
möglich ist, von hier aus eine Korrespondenz zusammen mit Lupus für ein
paar Dutzend Journale zu machen, denn es ist _impossible_,[2] so
fortzuleben.
Was die Unterhandlungen mit Ebner in Frankfurt angeht, so schreibt er,
daß Cotta wahrscheinlich meine Ökonomie – deren Plan ich hingeschickt –
nehmen wird, und daß, wenn nicht, er einen anderen Buchhändler
auftreiben wird. Ich wäre längst auf der Bibliothek fertig. Aber die
Unterbrechungen und Störungen sind zu groß, und zu Haus, wo alles unterm
Belagerungszustand steht und Tränenbäche mich ganze Nächte lang
ennuyieren[3] und wütend machen, kann ich natürlich nicht viel tun.
Meine Frau tut mir leid. Auf sie fällt der Hauptdruck, und _au fond_[4]
hat sie recht. _Il faut que l’industrie soit plus productive que le
mariage._[5] Trotz alledem erinnerst Du Dich, daß ich von Natur _très
peu endurant_[6] bin und sogar _quelque peu dur_,[7] so daß von Zeit zu
Zeit mein Gleichmut verloren geht.
Julius ist vor einer Woche ungefähr begraben worden. Ich war bei der
Bestattung zugegen. Der edle Kinkel hielt eine Jammerpredigt über das
Grab. Julius war der einzige in der Emigration, der studierte und mehr
und mehr vom Idealismus auf unser Gebiet herübertrat.
Der edle Dulon befindet sich hier.
Heinzen und Ruge fahren fort, in der New Yorker Schnellpost gegen die
Kommunisten und uns speziell zu poltern. Das Zeug ist aber so kreuzdumm,
daß es unmöglich ist, anders darauf einzugehen, als bei gelegener Zeit
einmal aus Ruges Machwerken das Komischste zusammenzustellen und den
Deutschen zu offenbaren, von wem sie jetzt, _malgré eux_[8] regiert
werden.
Hast Du vielleicht die neueste Schrift von Proudhon gelesen?
Weydemeyer hat mir von Frankfurt geschrieben. Karstens [Leßner] sitzt in
Mainz. Er hatte einen vergeblichen Fluchtversuch gemacht.
_Vale faveque._
Dein K. M.
Du wirst übrigens sehr wohltun, wenn Du womöglich mit Namensunterschrift
einen Aufsatz für Jones machst. Er geht fort in seinem Blatte, er lernt.
_Ce n’est pas un Harney._[9] Die _Notes to the People_[10] kommen daher
auf, während der Friend of the People kaputt geht.
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[1] Gestempeltes Papier.
[2] Unmöglich.
[3] Langweilen, quälen.
[4] Im Grunde.
[5] Die Erwerbstätigkeit muß wirklich produktiver sein als die Ehe.
[6] Sehr wenig geduldig.
[7] Ein wenig hart.
[8] Ohne es zu wollen.
[9] Der ist kein Harney.
[10] Notizen für das Volk [Titel einer damals von Ernest Jones
herausgegebenen Wochenschrift].
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Undatiert. [Anfang August] 1851.
Lieber Marx!
Inliegend die zweite Hälfte der Fünfpfundnote.
Weydemeyer will also nach Amerika und sehen, daß er die New Yorker
Arbeiterzeitung, die Fenner v. Fenneberg jetzt hat, in seine Hände
bekommt. Kann er sich in New York halten, so ist er uns dort jedenfalls
nützlicher als in London, wo der _embarras_[1] nur vermehrt würde. Ein
solider Bursche wie er hat uns in New York gerade gefehlt, und am Ende
ist New York auch nicht aus der Welt, und bei Weydemeyer ist man sicher,
daß er _le cas échéant_[2] doch gleich bei der Hand ist.
Der Plan mit der lithographischen Korrespondenz ist ganz gut. Nur müßt
Ihr das Dings ganz geheim halten – der kleine Bamberger und andere,
einmal die Idee gegeben, würden Euch sofort das Prävenire spielen. Ich
würde an Deiner Stelle das Ding, sobald die ersten Einrichtungen
getroffen, in den deutsch-amerikanischen Blättern annoncieren lassen,
und zwar selbst als Direktor mich unterzeichnen, um das Ding ziehen zu
machen. Geht das Ding so auf Deine Verantwortlichkeit und glaubst Du,
daß es irgendwie nützlich sei, mich als Mitarbeiter zu nennen, so steht
Dir das natürlich frei. Willst Du Deinen Namen indes aus dem Geschäfte
heraushalten, wofür ich die Notwendigkeit durchaus nicht einsehe, _car
enfin_,[3] warum solltest Du nicht auch das Recht haben, eine
industrielle Firma zu bilden und die Neue Rheinische Zeitung
lithographiert fortzusetzen – so müßte Lupus die Firma bilden.
Weydemeyer könnte Euch in New York hierfür vom größten Nutzen sein,
besonders bei Eintreibung der Gelder, was die Hauptsache ist. Ich bin
überzeugt, das Ding wird enorm ziehen, und die vielen amerikanischen
Korrespondenten in London usw. werden es sehr bald fühlen.
Was ist das für eine neue Schrift von Proudhon, von der Du sprichst?
Ich werde dem Jones einen Artikel mit meiner Unterschrift machen, ich
wollte nur, Jones schickte mir ein möglichst vollständiges Exemplar
seiner „Notes“, das hier nicht aufzutreiben ist. Wie ist seine Adresse,
ich habe sie vergessen.
Auch von Amerika lauten die Berichte über das Baumwollwarengeschäft
schlecht. Die Märkte sind _overstocked_,[4] und die Yankees selbst
fabrizieren für den jetzigen Stand des Marktes zu viel.
Schreibe bald wieder, ich ennuyiere mich hier tödlich.
Dein F. E.
_NB._ Halte Deine Papiere nur immer gut aus dem Hause, ich werde seit
einiger Zeit hier sehr scharf beobachtet und kann keinen Schritt tun,
ohne zwei bis drei Informers [Spitzel] an den Fersen zu haben. Herr
Bunsen wird die Gelegenheit nicht haben unbenutzt passieren lassen, um
der englischen Regierung neue und wichtige Aufschlüsse über unsere
Gefährlichkeit zu geben.
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[1] Verlegenheit.
[2] Im Bedarfsfall.
[3] Denn schließlich.
[4] Überfüllt.
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