Lieber Marx!
Ich wundere mich, seit vierzehn Tagen nichts von Dir gehört zu haben.
Unsere Voraussetzung in der letzten Revue wegen der enormen Ausdehnung
der ozeanischen Dampfschiffahrt hat sich schon jetzt bestätigt.
Abgesehen von einzelnen kleinen Linien gehen jetzt schon zwei höchst
wichtige neue große Linien: 1. die Schraubenschiffe von Liverpool nach
Philadelphia, alle vierzehn Tage vier Schiffe auf der Linie; 2. die
Dampfer zwischen Liverpool, Rio de Janeiro und Valparaiso usw. usw.,
alle sieben Wochen vier Schiffe auf der Linie. Dazu kommen in ein bis
zwei Monaten die regelmäßigen Überlandfahrten nach Kalifornien – New
York, nach San Juan, von dort per Steamer nach dem Nicaraguasee, über
Land nach Leon, von da direkt nach San Franzisko – in Gang, die Reise
nach Kalifornien wenigstens acht Tage abgekürzt.
Nächsten Monat kommt ein Zug in Gang zwischen London und Aberdeen, 550
englische Meilen oder 8 Breitegrade, in einem Tage.
Von Leeds nach London und zurück fährt man jetzt für 5 Schillinge auf
einer, für 4 Schillinge und 6 Pence auf einer anderen Eisenbahn.
Nächsten Samstag sollen auch hier die Fahrten herabgesetzt werden. Wenn
sie ebenso niedrig kommen, gehe ich wenigstens alle vierzehn Tage einmal
nach London.
Wenn in den nächsten sechs Wochen nichts Besonderes passiert, so wird
die Baumwollernte dieses Jahr 3 000 000 Ballen oder 1200 Millionen Pfund
bis 1350 Millionen Pfund stark. _Jamais on n’a vu la plante aussi
florissante._[1] Dazu Symptome eines abnehmenden Geschäftes: Ostindien
ist überladen und schreit nach Stoppage der Einfuhr in Baumwollwaren,
der hiesige Markt für Garn und Gewebe noch immer derangiert durch die
schwankenden Baumwollpreise – wenn der Crash[2] im Markt mit einer
solchen Riesenernte zusammentrifft, so wird er heiter. Peter Ermen macht
schon jetzt in die Hosen, wenn er daran denkt, und der kleine Laubfrosch
ist ein ganz gutes Barometer.
_Voilà_ ein industrielles Potpourri für heute.
Dein F. E.
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[1] Nie hat man die Pflanze so blühen gesehen.
[2] Krach.
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