Mit freundlichem Gruß

Ihr Fickler usw.

Das komischste an der ganzen Sache ist und bleibt die unendliche

Anstrengung des Ruge und seiner Clique, sich mit stets neuen

Kombinationen dem Publikum aufzudrängen. Geht es nicht als Abcdef, so

geht es sicher als Fedcba. Rechne einmal aus, wieviel Variationen und

Permutationen der Art noch möglich sind. Hat es je eine ohnmächtig

lächerlich-anspruchsvollere Clique gegeben?

Dein K. M.

Apropos, die 5 Pfund erhalten. Sie kommen wie ein _deus ex machina_,

denn die _circumstances_[7] sind „öklich“ und schwer zu sehen, wie

herauszukommen. Schreibe _direkt_ an den Klose (6 Upper Ruppertstreet,

near Princeßstreet, Soho), da der Tropf sonst glaubt, sein an Dich

gerichteter Brief, Du erinnerst Dich wegen der 10 Pfund, sei nicht an

Dich gelangt.

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[1] Erstens.

[2] Im Grunde.

[3] Mehr oder weniger.

[4] Licht.

[5] Was sagst Du dazu?

[6] Aber schließlich handelt jeder auf seine Weise.

[7] Umstände.

94

Manchester, 17. Juli 1851.

Lieber Marx!

Dem Klose wird heute noch geschrieben – es ist gut, daß Du seine Adresse

beigefügt, da ich sie nicht hatte. – Daß Du arg in der Klemme bist,

glaube ich gern, und um so ärgerlicher ist es mir, daß ich bis Anfang

nächsten Monats über keinen Centime mehr zu disponieren habe. Wenn Du

bis dahin nicht warten kannst, wäre es nicht einzurichten, daß Weerth

Dir bis dahin einiges pumpte? Ich kann am 1. August 5 Pfund und am 1.

September wieder 5 Pfund zurückzahlen, und das ist so sicher wie bar

Geld.

Die Zeitungsabonnements sind hier endlich wieder in Ordnung, und so habe

ich denn endlich unser altes Aktenstück in der Kölnischen Zeitung zu

Gesicht bekommen. Die Augsburger erzählt übrigens in einem sonst

anscheinend gut unterrichteten Artikel Dresden, man habe den Nothjung

endlich durch schikanöse Verhöre breitgeschlagen, und dieser habe die

umfassendsten Geständnisse gemacht. Ich halte es allerdings für leicht

möglich, daß geschickte Inquirenten ihn bald in die Enge treiben und in

die tollsten Widersprüche verwickeln können. Ein preußischer Beamter

soll hingegangen sein, um noch mehr aus ihm herauszuquetschen. Der König

von Hannover soll sich geweigert haben, die Verfolgungen in seinen

Staaten zu betreiben, wenigstens in der _cruden_[1] Weise, wie dies in

Preußen, Hamburg usw. geschieht. Der Brief Miquels scheint dies zu

bestätigen. Daß Martens in Hamburg verhaftet ist, weißt Du. Die Dummheit

der Preußen geht übrigens aus nichts mehr hervor als aus der Haussuchung

bei „Karl am Rhein“, den man ebenfalls im Verdacht hatte, im

komm[unistischen] Bund zu sein, und bei dem man nur Briefe von Raveaux

fand!

Das alte Aktenstück kann nur durch die eine Stelle über die „Exzesse“

den Verhafteten schädlich sein, alle übrigen Stellen gehen gegen die

Demokraten, und würden nur in dem Fall ihre Position erschweren, wenn

sie vor eine halbdemokr[atische] Jury kämen; wie es aber den Anschein

hat, wird man sie vor eine exquisite Spezial- oder Bundesjury stellen,

wenn man sie überhaupt davor stellt. Und selbst diese Sachen waren schon

in dem Bürgersschen Dokument, das gleich anfangs gefaßt war, großenteils

wieder verarbeitet. Dagegen ist es in jeder anderen Beziehung von

enormem Vorteil, daß das Ding publiziert und durch alle Blätter gegangen

ist. Die einzelnen stillen Cliquen von angehenden Kommunisten, die man

gar nicht kennt und die nach den bisherigen Erfahrungen in allen Teilen

Deutschlands sitzen müssen, werden daran einen famosen Halt bekommen,

und selbst dem Artikel der Augsburger sieht man an, daß das Ding sie

ganz anders affiziert hat als die ersten Entdeckungen. Ihre

Zusammenstellung des Inhaltes zeigt, daß sie den „Wahnsinn“ nur zu gut

verstanden hat – _en effet il n’y avait pas moyen de s’y méprendre_.[2]

Dabei galoppiert die feudale Reaktion so toll und blindlings darauf los,

daß der ganze Schreckschuß bei der Bourgeoisie nicht den mindesten

Effekt macht. Es ist zu heiter, zu sehen, wie die Kölnische Zeitung

jetzt täglich das _il faut passer par la mer rouge_[3] predigt und alle

Fehler der Konstitutionellen von 1848 eingesteht. Aber freilich, wenn

man einen Kleist-Retzow zum Oberpräsidenten nach Koblenz bekommt, und

wenn die unverschämte Kreuzzeitung in ihren platten Possen und

Knittelversen immer injuriöser wird, was soll da die gebildete und

gesetzliche konstitutionelle Opposition anfangen! Es ist schade, daß wir

die Kreuzzeitung nicht hier haben. Ich sehe allerlei Auszüge draus. Von

dieser hundsordinären, gassenbubenhaften, stinkenddummpreußischen

Manier, mit der das Blättchen jetzt über die anständigen, wohlhabenden

und respektablen konstitutionellen Größen herfällt, hat man keine

Vorstellung. Wenn man Kerlen wie Beckerath und Konsorten noch ein

bißchen Taktgefühl und Widerstandsfähigkeit zutrauen könnte, sie müßten

die Mißhandlungen und Schimpfereien eines Père Duchesne in

Rheinschürgermanier und die ganze _terreur rouge_[4] einer Behandlung

vorziehen, wie sie sie jetzt von den Junkern und der Kreuzzeitung

täglich zu genießen haben.

„Und weiter sprach der Esel:

Da ist auch der Gemeinderat von Wesel.

Wenn ich nicht wär ein Eselein,

So möchte ich wohl Gemeinderat von Wesel sein“ –

In solchen witzigen Reimen bepißt die Kreuzzeitung jetzt der Reihe nach

sämtliche konstitutionelle Koryphäen, und die Kerle lassen sich das

ruhig gefallen. Es ist aber den Hunden recht, die die besten Artikel der

Neuen Rheinischen Zeitung als „gemeine Schimpfereien“ verschrien, daß

sie jetzt auf ihren eigenen feigen Buckel den Unterschied angefuchtelt

bekommen. Sie werden sich zurücksehnen nach den hiergegen unendlich

attischen Verhöhnungen der Neuen Rheinischen Zeitung.

Aus der Geschichte mit Fickler werde ich nicht recht klug. Warum lief

Lupus auch gleich zu Fickler hin und ließ nicht erst den Liebknecht

sondieren, _puisque celui-ci n’aurait compromis que lui-même_?[5] Es

sieht aus, als habe man Fickler keilen wollen. Und dann, nachdem er

dagewesen, war der Brief von Lupus zu sackgrob. Entweder war der Fickler

überhaupt nicht der Mühe wert, oder – nachdem in der Unterhaltung selbst

von Fickler und Goegg Ruge als eine Art Lumen schon hingestellt war,

reichte es hin, daß man mit ihm abbrach, ohne gerade ganz grob mit ihm

zu brechen. Es war ein gemeiner Streich von Fickler, _c’est clair_.[6]

Indes mußte man nicht dergleichen von süddeutschen Biedermännern von

vornherein als möglich voraussetzen? Und er hatte ja aus seinem Respekt

vor Ruge kein Geheimnis gemacht. Die Zudringlichkeit des Ruge ist

freilich namenlos. Aber gerade diese ewig neuen Variationen sind Beweis

genug, daß keine auch nur im geringsten ziehen will, und daß das

„_comité allemand_“,[7] an das Mazzini seine Römerbriefe schreibt, noch

immer nur im Kopfe von Ruge existiert.

Sorge ja dafür, daß Weerth hierherkommt, und schreibe bald wieder.

Dein F. E.

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[1] Roh, ungeschlacht.

[2] Wirklich, es war gar nicht möglich, es nicht zu verstehen.

[3] Es muß durch das rote Meer gegangen werden.

[4] Rote Schrecken.

[5] Da der nur sich allein bloßgestellt hätte.

[6] Das ist klar.

[7] Deutsches Komitee.

95

[Undatiert.] 28 Deanstreet, Soho, [Mitte] Juli 1851.

Lieber Engels!

Sei so gut und gib den einliegenden Brief an Schulz sofort auf die Post

in Manchester.

Du erhältst einliegend den Brief Freiligraths an Ruge, den ich

zurückzuschicken bitte, und den Brief von Bermbach an mich. Auch einen

Brief von Miquel.

Ein gewisser „Ulmer“, Schuster, war bei den letzten Haussuchungen aus

Köln entflohen. Er gab einem Straubinger bei „Schärttner“ einen Brief an

seine Verwandten mit. Dieser Straubinger wurde sofort mit den Briefen an

der holländischen Grenze abgefaßt. Kompromittiert sind dadurch nur die

Leute, die ihn befreit haben. So gut ist die Polizei im Schärttnerschen

Lokal organisiert.

Weydemeyer hat sich über die Grenze gemacht. Wir erwarten ihn hier.

Die elenden Heinzen-Ruge lassen sich allerlei dummen Klatsch über die

Kölner Vorfälle, angeblich aus Deutschland, schreiben. Der ganze falsche

Inhalt zeigt, daß sie ihre eigenen Korrespondenten sind.

Laß bald von Dir hören.

Dein K. M.

_P. S._ Es fällt mir eben ein, daß es besser ist, wenn Du selbst den

Brief an Bermbach schickst. Nämlich auswendig: Louis Schulz, 2

Schildergasse, Köln. Inwendig den verschlossenen Brief an Bermbach. Du

richtest es natürlich so ein, daß man keine inwendige Adresse sieht, und

machst den Brief kaufmännisch zu.

96

[Undatiert. Offenbar zweite Hälfte Juli 1851.]

Lieber Marx!

Inliegend die Dokumente zurück. Der Brief von Miquel gefällt mir. Der

Kerl denkt wenigstens und würde gewiß sehr gut werden, wenn er einige

Zeit ins Ausland käme. Seine Befürchtungen wegen der nachteiligen

Einwirkung unseres jetzt publizierten Aktenstücks auf die Demokraten

sind für seine Gegend gewiß sehr richtig; diese niedersächsische,

naturwüchsige Mittelbauerndemokratie, der die Kölnische Zeitung neulich

in den Hintern kroch und ihr die Allianz anbot, ist aber auch danach und

steht weit unter der spießbürgerlichen Demokratie der größeren Städte,

von der sie doch beherrscht wird. Und diese kleinbürgerliche

Normaldemokratie, obwohl schwer pikiert offenbar durch dies Aktenstück,

ist selbst viel zu geklemmt und gedrückt, als daß sie nicht, mit der

großen Bourgeoisie, viel eher auf die Notwendigkeit des _passer par la

mer rouge_[1] käme. Die Kerle werden sich mehr und mehr in die

Notwendigkeit einer momentanen terroristischen Herrschaft des

Proletariats ergeben – das kann ja doch nicht von langer Dauer sein,

denn der positive Inhalt des Aktenstücks ist ja so unsinnig, daß von

permanenter Herrschaft solcher Leute und endlicher Durchführung solcher

Prinzipien keine Rede sein kann! Dagegen der hannoverische große und

Mittelbauer, der nichts hat als seinen Boden, dessen Haus, Hof

und Scheune usw. usw. bei dem vorauszusehenden Ruin aller

Assekuranzkompanien allen Gefahren ausgesetzt sind, der ohnehin seit

Ernst August alle Süßigkeiten des gesetzlichen Widerstandes

durchgekostet hat – dieser deutsche _sturdy yeoman_[2] wird sich hüten,

eher als er muß ins rote Meer zu gehen.

Nach Beckers Brief wäre Haupt der Verräter – was ich nicht glauben kann.

Die Geschichte müßte übrigens jedenfalls ergründet werden. Verdächtig

kann allerdings scheinen, daß, soviel ich weiß, Haupt noch auf freien

Füßen ist. An eine Reise nach Hamburg von Göttingen oder Köln aus wird

nicht zu denken sein. Was und wann man aus den Prozeßakten oder

Verhandlungen darüber für Aufklärung erhält, ist nicht zu sagen. __S’il

y a trahison__,[3] darf man es nicht vergessen, und ein Exempel bei

passender Gelegenheit wäre sehr gut.

Ich hoffe, Daniels wird bald freigelassen, __après tout c’est la seule

tête politique, qu’il y ait dans Cologne__,[4] und er würde trotz aller

polizeilichen Überwachung doch imstande sein, die Geschichte im rechten

Geleise zu erhalten.

Um noch einmal auf den Effekt unseres Aktenstücks auf die Demokraten

zurückzukommen: Miquel sollte doch bedenken, daß wir die Herren

fortwährend und ununterbrochen in Schriften verfolgt haben, die mehr

oder weniger doch Parteimanifeste waren. Woher also nun das Geschrei

über ein Programm, das bloß das schon längst Gedruckte in sehr ruhiger

und besonders ganz unpersönlicher Weise resümiert? Hatten uns unsere

kontinentalen Jünger denn verleugnet, hatten sie sich tiefer, als die

Parteipolitik und Parteiehre zuließen, mit den Demokraten eingelassen?

Wenn die Demokraten eben aus Gegensatzlosigkeit so revolutionär schrien,

wer machte sie gegensatzlos, doch nicht wir, sondern höchstens die

deutschen Kommunisten in Deutschland. Da scheint allerdings der Haken zu

liegen. Jeder irgendwie intelligente Demokrat mußte von vornherein

wissen, was er von unserer Partei zu erwarten hatte – das Aktenstück

konnte ihm nicht viel Neues bringen. Alliierten sie sich _pro tempore_

mit den Kommunisten, so waren sie über Bedingung und Dauer der Allianz

vollständig instruiert, und es kann bloß hannoverischen Mittelbauern und

Advokaten eingefallen sein zu glauben, die Kommunisten hätten sich seit

1850 von den Prinzipien und der Politik der Neuen Rheinischen Zeitung

bekehrt. Waldeck und Jacoby haben sich das gewiß nie träumen lassen. In

jedem Falle werden alle derartigen Veröffentlichungen auf die Dauer

weder gegen „die Natur der Dinge“ noch gegen „den Begriff des

Verhältnisses“, um mit Stirner zu sprechen, etwas ausrichten, und die

demokratische Schreierei und Wühlhuberei wird bald wieder in voller

Blüte stehen und mit den Kommunisten Hand in Hand gehen. Und daß uns die

Kerle den _lendemain_[5] der Bewegung doch schlechte Streiche spielen

werden, wissen wir längst und wird durch keine Diplomatie verhindert.

Dagegen, daß sich überall, wie ich voraussetzte, kleine kommunistische

Cliquen auf Grundlage des Manifestes bilden, hat mich sehr gefreut. Das

fehlte uns gerade bei der Schwachheit des bisherigen Generalstabs. Die

Soldaten finden sich von selbst, wenn die Verhältnisse so weit

sind, aber die Aussicht auf einen Generalstab, der nicht aus

Straubingerelementen besteht und größere Auswahl zuläßt als der

bisherige von 25 Mann, die irgendwelche Bildung besitzen, ist sehr

angenehm. Gut wäre eine allgemeine Empfehlung, überall unter den Kommis

Propaganda zu machen. Für den Fall, daß man eine Verwaltung organisieren

müßte, sind die Kerls unentbehrlich – sie sind ans Schanzen und an

übersichtliche Buchführung gewöhnt, und der Commerce ist die einzig

praktische Schule für brauchbare Bureauschreiber. Unsere Juristen usw.

taugen dazu nicht. Kommis für die Buchführung und Komptabilität,

talentvolle Studierte für Redaktion von Depeschen, Briefen,

Aktenstücken, _voilà ce qu’il faut_.[6] Mit 6 Kommis organisiere ich

einen Verwaltungzweig tausendmal einfacher, übersichtlicher und

praktischer als mit 60 Regierungsräten und Kameralisten. Diese letzteren

können ja nicht einmal leserlich schreiben und versauen einem alle

Bücher, so daß kein Teufel draus klug wird. Da man doch mehr und mehr

gezwungen wird, auf diese Eventualität sich einzurichten, so wäre die

Sache nicht ohne Wichtigkeit. Ohnehin sind diese Kommis an anhaltende

mechanische Tätigkeit gewöhnt, weniger anspruchsvoll, leichter vom

Bummeln abzubekommen und bei Unbrauchbarkeit leichter zu beseitigen.

Der Brief nach Köln ist fort – sehr schön besorgt; wenn der nicht

richtig ankommt, weiß ich’s nicht. Sonst ist die Adresse von Schulz

nicht sehr empfehlenswert – Ex-Cogerant!

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[1] Das rote Meer passieren.

[2] Handfester Freisasse.

[3] Wenn Verrat vorliegt.

[4] Schließlich ist er der einzige politische Kopf in Köln.

[5] Der folgende Tag.

[6] Das ist’s, was wir brauchen.

97

Der Briefwechsel zwischen Friedrich Engels und Karl Marx 1844 bis 1883, Erster Band · 第 52 / 196 题