Lieber Engels!
Während Du Kriegsgeschichte treibst, führe ich einen kleinen Krieg, in
dem ich _by and by_[1] zu unterliegen drohe, und woraus weder Napoleon
noch selbst Willich – der kommunistische Cromwell – einen Ausweg
gefunden haben würden.
Du weißt, daß ich am 23. März 31 Pfund 10 Schilling an den alten
Bamberger und am 16. 10 Pfund an den Juden Stiebel zu zahlen hatte,
alles auf kursierende Wechsel. Ich hatte erst bei meiner Schwiegermutter
durch Jenny direkt anfragen lassen. Die Antwort darauf war, daß Edgar
mit dem Rest von _Jennys Geld_ wieder nach Mexiko expediert worden ist
und ich _keinen Centime_ herausbekommen konnte.
Dem Stiebel zahlte ich am 16. März seine 10 Pfund durch Hilfe von
Pieper.
Dem alten Bamberger gegenüber blieb mir nichts übrig, als ihm zwei
Wechsel auszustellen, einen auf ihn für London, vier Wochen nach dem 24.
März, den anderen auf drei Wochen nach Trier auf meine Mutter, um den
ersten zu decken. Sie erklärt mir positivement, daß sie jeden von mir
auf sie gezogenen Wechsel protestiert.
So habe ich also für den 21. April das Äußerste von dem wütend
gewordenen alten Simon Bamberger zu gewärtigen.
Gleichzeitig ist meine Frau niedergekommen am 28. März. Die Entbindung
war leicht, dagegen liegt sie jetzt sehr krank da, mehr aus bürgerlichen
als physischen Gründen. Dabei habe ich _verbalement_[2] keinen
_Farthing_[3] im Hause, um so mehr Rechnungen dagegen von dem kleinen
_commerce_, Metzger, Bäcker und so fort.
Du wirst zugeben, daß diese Gesamtsauce passablement angenehm ist und
daß ich bis an die Wirbelspitze meines Schädels im kleinbürgerlichen
Dreck stecke. Und dabei hat man noch die Arbeiter exploitiert![4] Und
strebt nach der Diktatur! _Quelle horreur._[5]
_Mais ce n’est pas tout._[6] Der Fabrikant, der mir in Brüssel Geld lieh
von Trier aus, tritt mich und verlangt es zurück, weil seine Eisenhütte
schlecht gehe. _Tant pis pour lui._[7] Dem kann ich nicht gerecht
werden.
Aber endlich, um der Sache eine tragikomische Spitze zu geben, kommt
noch ein _Mystère_[8] hinzu, das ich Dir jetzt _en très peu de mots_[9]
enthüllen werde. Doch eben werde ich gestört und muß zu meiner Frau zur
Krankenleistung. Also das andere, worin Du auch eine Rolle spielst, das
nächste Mal.
Dein K. M.
_Apropos._ Wie berechnen Kaufleute, Fabrikanten usw. den Teil ihres
Einkommens, den sie selbst verzehren? Wird dieses Geld auch vom _banker_
geholt oder wie wird es damit gehalten? Darüber erbitte ich Antwort.
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[1] Mit der Zeit.
[2] Wörtlich.
[3] Heller.
[4] Ausgebeutet.
[5] Wie scheußlich.
[6] Aber das ist nicht alles.
[7] Um so schlimmer für ihn.
[8] Geheimnisvolle Sache.
[9] In sehr wenig Worten.
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