Berichtigungen zum ersten Band

Seite 93 Zeile 5 von unten: Hinter dieser Zeile ist folgendes

Satzstück einzuschalten:

Schreibe auch ein paar Zeilen an M. Bricourt, _membre de la Chambre

des Représentants_, der sehr gut für Dich in der Kammer aufgetreten

ist und den Minister auf Maynz’ Ansuchen scharf interpelliert und

die Enquete wegen der Geschichte durchgesetzt hat. Er ist

Repräsentant für Charleroi und nach Castiau der beste. Castiau war

gerade in Paris.

Seite 95 Zeile 8 von oben statt Sous ist zu setzen: Sou.

- 117 - 6 - - - Combaux - Combreur.

- 117 - 7 - - - Ganon - Favon.

- 222 - 8 - unten - _personel_ - _personnel_.

Erster Abschnitt

Die ersten Jahre des Bundes

1844 bis 1849

Vorbemerkung.

Der Freundschaftsbund zwischen Engels und Marx wurde im Jahre 1844

geschlossen, nachdem seine geistige Grundlage, die Übereinstimmung der

Ideen über den Zusammenhang der sozialistischen Bewegung mit der

Entwicklung der Produktionsverhältnisse und den Klassenkämpfen der

Epoche, sowie die gleiche Stellung zur Bewegung selbst sich in ihren

Beiträgen zu den Deutsch-Französischen Jahrbüchern deutlich angezeigt

und in mündlicher Unterhaltung, die im Sommer 1844 in Paris stattfand,

Bekräftigung gefunden hatte. Es ist äußerst charakteristisch, daß kein

Mitarbeiter der Deutsch-Französischen Jahrbücher sich den darin von Marx

geschichtsphilosophisch niedergelegten Ideen so nahe zeigt als der in

Manchester kommerziell beschäftigte Fabrikantensohn aus Barmen, in dem

Marx anderthalb Jahre vorher einen simplen Radikalen vom Kaliber der

Berliner „Freien“ vermutet hatte. Der Wissensdrang, der bei Engels kaum

weniger stark war als bei Marx, sowie Verbindungen mit der in England

schon eingewurzelten Arbeiterbewegung hatten in Engels den Blick für die

Unzulänglichkeiten des spekulativen Radikalismus geschärft, der sich als

die Krönung der idealistischen deutschen Philosophie gebärdete. Marx

hatte jenen Radikalismus früher durchschaut, und nachdem er in

Frankreich den dortigen Kommunismus und Sozialismus gründlich studiert

hatte, war er praktisch zu fast der gleichen Stellung zur

kommunistischen Arbeiterbewegung gelangt wie Engels. Beide betrachteten

und bezeichneten sich als Kommunisten, weil sie die großen Ziele jener

Bewegung anerkannten und für sie zu wirken sich zur Aufgabe gestellt

hatten. Aber beide konnten es nicht über sich gewinnen, sich einer der

bestehenden Gruppen oder Schulen des Kommunismus anzuschließen, die alle

noch im Fahrwasser der Sektiererei oder der unbestimmten

Menschheitsbeglückung segelten. Die Bewegung aus dem Sektenstadium

herauszubringen erschien als das dringendste Erfordernis, und da in

Deutschland für eine politische Partei die Vorbedingungen fehlten, mußte

der Kampf hier zunächst literarisch-propagandistisch geführt werden.

Darüber waren sich Marx und Engels einig geworden, als dieser im

Spätsommer 1844 Marx in Paris besucht hatte, und mit dem ersten Briefe,

den Engels nach jenem Besuch an Marx geschrieben hat, beginnt unsere

Sammlung. Er ist aus Barmen datiert, wohin Engels sich begeben hatte,

offenbar, um sich mit dem Vater über sein ferneres Leben

auseinanderzusetzen, da er keine Lust hatte, es am Kontortisch

zuzubringen. Der Brief zeigt den Feuergeist des jungen Engels, er wirft

aber auch ein interessantes Streiflicht auf die Verfassung des

öffentlichen Geistes in Deutschland am Vorabend der bürgerlichen

Revolution. Überall stößt der Jünger des Kommunismus in der bürgerlichen

Welt auf Gesinnungsgenossen, überall auf „Kommunisten“, man sollte

meinen, das Evangelium der Menschenverbrüderung wolle Deutschland im

Sturme erobern. Es sollte sich indes zeigen, daß der Kommunismus der

meisten dieser Leichtgewonnenen nur Frucht unbestimmten

Oppositionsdranges war und, als es die Probe zu bestehen galt, ebenso

leicht wieder verflog.

Zu jener Zeit war Marx in Paris Mitarbeiter an der radikalen Zeitschrift

„Vorwärts“, die der Journalist Heinrich Börnstein herausgab. Bald darauf

wurde er mit anderen Mitarbeitern des „Vorwärts“ auf Betreiben der

preußischen Regierung aus Paris ausgewiesen und siedelte nach Brüssel

über. Nach Paris noch ist der folgende Brief von Engels gerichtet, der

das Datum des 19. November 1844 trägt. Er atmet denselben frisch-naiven

Geist wie der erste, ist aber ungleich interessanter. Er zeigt, daß

Marx-Engels sich zwar schon des Unterschieds zwischen ihnen und anderen

deutschen Sozialisten der Epoche bewußt waren, sich aber noch nicht von

letzteren getrennt hatten; daß sie wohl mit ihnen diskutierten, aber

nicht gegen sie polemisierten, sondern zunächst gemeinsam mit ihnen die

Geschosse gegen die unfruchtbare Überkritik der Gebrüder Bauer und

Genossen richteten. Die erste von Marx und Engels gemeinsam gezeichnete

Kampfschrift „Die heilige Familie zu Charlottenburg“ ward eine

Abrechnung mit den Bauers, und hier sehen wir, wie, noch ehe dies Buch

erschien, schon das den Radikalismus der Bauer weit überbietende Produkt

jener Richtung, Stirner-Schmidts „Der Einzige und sein Eigentum“, auf

die Bühne tritt und neue Kritik herausfordert. Engels’ Bemerkungen über

das Buch sind als Merkmale seiner selbständigen Entwicklung

außerordentlich interessant und ebenso, was er über die Stellung des

Moses Heß zu dem Buche sagt. Heß, den Jahren nach und als Sozialist der

ältere, wird noch sehr zart angefaßt, aber seine Methode und Auffassung

werden doch schon entschieden als falsch gekennzeichnet. Allerdings sind

auch Marx-Engels mit der Ausarbeitung ihrer Theorie noch nicht fertig,

spricht doch Engels selbst noch stark die Sprache der von ihnen

bekämpften Philosophenschule. Aber der Sache nach sind seine paar Sätze

über Stirner ungleich schlagender als die breite Polemik, die dann Heß

gegen diesen veröffentlichte.

Auch darin zeichnet sich der zweite Brief vor dem ersten aus, als die

geradezu phänomenale Arbeitslust und Arbeitskraft Engels’ hier viel

drastischer sich kundgibt wie dort. Wohl nimmt es der junge Engels mit

dem zu verarbeitenden Stoff noch verhältnismäßig leicht, aber das bloße

Konstruieren aus dem Kopfe war doch auch damals nicht seine Sache. Und

so kann man nur staunen, wieviel schriftstellerische Arbeit er überzeugt

ist in kürzester Zeit fertigstellen zu können, während er nebenbei hin

und her reist, agitiert und organisiert. Es braucht kaum bemerkt zu

werden, daß der Jung, von dem im Briefe die Rede ist, der spätere

demokratische und schließlich nationalliberale Georg Jung war, und der

List, gegen den Engels eine Broschüre zu schreiben erklärt, der

Schutzzollanwalt Friedrich List war, der damals viel von sich reden

machte.

Einige Briefe aus den ersten Monaten des Jahres 1845 schildern den

Fortgang der Engelsschen Arbeiten, seine literarischen Unternehmungen

und Projekte; die Propaganda in öffentlichen Versammlungen und ihren

Ausgang, sowie die Widerstände, auf die Engels mit seinen Ideen und

Plänen im elterlichen Hause stieß. Im Frühjahr 1845 übersiedelte Engels

nach Brüssel, und der Briefwechsel mit Marx wird damit überflüssig. Im

persönlichen Verkehr arbeiten die Freunde nun ihre Theorie vollständig

aus. Sie verfechten sie kritisch-polemisch gegen den immer mehr ins

Sektiererische verfallenden Kommunismus Weitlings und den halb

polternden und halb sentimentalen Sozialismus einer Reihe von Ganz- oder

Halbakademikern, der im wesentlichen auf radikaler Stimmung und gutem

Willen beruhte, dessen Vertreter aber sich um die materiellen

Vorbedingungen ihrer Umwälzungsideen wenig kümmerten. Marx-Engels selbst

aber standen mit den revolutionären Chartisten Englands und

sozialistischen Demokraten Frankreichs in Verbindung, traten in immer

lebhafteren Verkehr mit führenden Mitgliedern des kommunistischen

Geheimbundes der Gerechten, die sich über die Unzulänglichkeiten von

Weitlings Ideen und Plänen nicht mehr täuschen ließen, sammelten einen

Kreis überzeugter Anhänger um sich und bildeten mit einigen von ihnen in

Brüssel ein freies Komitee zur Verfechtung der gewonnenen Erkenntnis.

Teils an Marx selbst und teils an jenes Komitee, an dessen Spitze Marx

stand, sind die nächsten der hier vorliegenden Briefe gerichtet. In

Paris, dem Stammsitz des Bundes der Gerechten, hatte Karl Grün, wohl der

schriftstellerisch gewandteste Vertreter des oben geschilderten

Gefühlssozialismus, unter den dortigen deutschen Arbeitern Einfluß

gewonnen, so daß zu gewärtigen war, daß der Bruch mit Weitling für einen

Teil der Mitglieder des Bundes der Gerechten nur einen Wechsel vom Regen

der Utopisterei unter die Traufe eines kompaßlosen Radikalismus bedeuten

werde. Dieser Gefahr entgegenzuwirken, war Engels im Juli 1846 nach

Paris gegangen, und wie er sich erfolgreich seiner Mission entledigte,

schildern unter anderem drei Briefe, die er selbst mit dem Bemerken

Komiteebrief I, II und III versehen hat.

Die Briefe geben ein bezeichnendes Bild davon, in welch kleinen Kreisen

sich damals die Bewegung abspielte, und erklären so, warum allerhand

kleinliche Dinge in ihr einen unverhältnismäßig großen Platz in Anspruch

nehmen konnten. Aus den Mitteilungen über die Gruppierung und die

Zusammenkünfte der deutschen Arbeiter in Paris ersieht man unter

anderem, wie das in den Briefen von Engels und später auch von Marx

häufig für Arbeiter gebrauchte Wort „Straubinger“ zu verstehen ist,

nämlich als Bezeichnung für entweder noch stark zünftlerisch denkende

Handwerksgesellen oder für solche Arbeiter, die jedes größeren geistigen

Weitblicks entbehrten und nur Männer der schwieligen Faust als ihnen

zugehörig anerkannten. Die „Barriere“ ist die Zollmauer von Paris; in

den vor ihr gelegenen Wirtschaften hatten schon in den vierziger Jahren

große Gewerksversammlungen französischer Arbeiter stattgefunden.

Hinsichtlich der Personen, die Engels in den Briefen erwähnt, konnte

leider nicht ermittelt werden, wer der intelligente Gesinnungsgenosse

„Junge“ war, der erst nur mit dem Anfangsbuchstaben bezeichnet wird. Der

Russe Tolstoi war in der Tat ein Agent der russischen Regierung. Ein

ehemaliges Mitglied des Geheimbundes der Dekabristen und Freund des

berühmten Dichters Puschkin, hatte er sich insgeheim der Regierung

verkauft, während er in revolutionären Kreisen noch volles Vertrauen

genoß. Er ist mit dem russischen Steppengutsbesitzer identisch, von dem

dessen Landsmann Annenkow 1883 in seinem Artikel über Marx erzählt hat,

daß er diesem 1846 in Brüssel die feierlichsten Angelobungen gemacht,

nach Rußland zurückgekehrt aber alles schnell vergessen und sein Leben

als feuriger Junggeselle bis zu seinem Ende fortgesetzt habe. Über die

Persönlichkeiten des Brüsseler Kreises berichtet Franz Mehring in der

Vorbemerkung zum siebenten Abschnitt seiner Veröffentlichung „Aus dem

literarischen Nachlaß von Karl Marx, Friedrich Engels und Ferdinand

Lassalle“. Ergänzungen wie auch sonstige Personalnotizen findet der

Leser im Register zu diesen Briefen. Die Mitteilungen über Heinrich

Heine und über die Polemiken der Franzosen sprechen für sich selbst.

Im übrigen geht aus diesen Berichten und einigen in dieselbe Zeit

entfallenden Briefen von Engels an Marx hervor, daß die beiden und ihre

Gesinnungsfreunde schon stark daran waren, die Grundlagen für die

Organisation einer eigenen Partei zu schaffen und als Mittel dazu die

Erweiterung der von ihnen zwanglos herausgegebenen lithographierten

Zirkulare zu einer regelmäßigen Korrespondenz planten, für die an den

verschiedenen Orten kleine, nur aus ganz zuverlässigen Personen

zusammengesetzte Komitees tätig sein sollten.

Wir glauben bei den Lesern dieses Briefwechsels Kenntnis der

vorerwähnten Mehringschen Veröffentlichung voraussetzen und deshalb von

einer Wiederholung der dort zu findenden Angaben über den deutschen

Sozialismus der vierziger Jahre absehen zu dürfen. Es versteht sich von

selbst, daß die scharfen Äußerungen, die in diesen Briefen gelegentlich

über Leute wie Otto Lüning, Hermann Püttmann, Joseph Weydemeyer usw.

fallen, nicht allzu wörtlich oder als endgültige Urteile aufzufassen

sind. So geht es Weydemeyer hier recht schlecht, später aber wird er

einer der treuesten Kampfgenossen von Marx-Engels, wenngleich auch dann

in ihren Briefen manchmal über ihn gewettert wird. Er war, scheint es,

eine etwas schwerfällige Natur, einer jener Menschen, die Zeit brauchen,

sich in eine neue Auffassung hineinzuleben und in einer neuen Situation

sich zurechtzufinden. Bei ihm wie bei seinen engeren Landsleuten Kriege,

Lüning usw. kommt noch die Rückwirkung einer wirtschaftlich sehr

unentwickelten Umgebung hinzu. Fast allen deutschen Sozialisten der

Epoche außer Marx-Engels passierte es, daß, wenn sie sich

literarisch-propagandistisch an ein größeres Publikum wandten, die

proletarische Auffassung in die Brüche ging, weil das Proletariat, dem

sie gepaßt hätte, entweder gar nicht oder nur in sehr schwachen Anfängen

existierte. Es war eben dann unvermeidlich, daß die einen mehr, die

anderen weniger, die einen unversehens, die anderen mit Berechnung die

sozialistische Lehre anderen Gesellschaftsschichten mundgerecht zu

machen suchten und dadurch genötigt waren, ihr einen verschwommenen

Charakter zu geben. Das mußte aber Marx-Engels um so verwerflicher

erscheinen, als sie wiederum zwar sich bewußt waren, daß ein

Proletariat, wie es ihre Theorie voraussetzte, in Deutschland erst als

Ausnahme existierte, aber doch auch für hier eine raschere Entwicklung

der Dinge annahmen, als sie tatsächlich ausfiel. Selbst in England und

Frankreich, die ihnen als historische Wegweiser galten, war die

Arbeiterklasse in Wirklichkeit viel weniger entwickelt, als wie sie

damals ihnen und anderen erschien. Kurz, es bewirkten Unterschiede in

der Schärfe des Denkens mit solchen der Anschauung der Dinge zusammen,

daß den beiden Freunden der Gegensatz zwischen ihrer Auffassung und der

der bezeichneten deutschen Sozialisten stärker erschien als jenen, und

sie sogar für deren Bereitwilligkeit, von ihnen zu lernen, manchmal nur

Spott hatten.

Noch ein Wort über die wegwerfende Behandlung, die Moses Heß in den

Berichten und den nun folgenden Briefen von Engels erfährt. Heß war zwar

als Sozialist älter als Marx-Engels und hatte sogar zeitweise in Brüssel

sich an ihren Arbeiten gegen Feuerbach, Stirner usw. beteiligt, aber

gerade dabei hatte sich immer deutlicher gezeigt, daß seine Art zu

philosophieren und argumentieren ganz und gar nicht die ihrige war, daß

es ihm nicht möglich war, sich aus den Schlingen einer recht sterilen

Begriffsspekulation völlig herauszuarbeiten. Er merkte nicht einmal, daß

die Ausfälle von Marx-Engels über diese Philosophie auch gegen ihn

gingen. So sank er denn immer tiefer in ihrem Ansehen, und da sie ihm

das nicht vorenthielten, ward seine Empfindlichkeit schwer gereizt. Er

war ein Gemisch von Eigensinn und Gutmütigkeit, in seinen

sozialistischen Gesinnungen fest, aber launenhaft in seiner

Betätigungsweise, und so gab es, wie damals zwischen ihm und seiner

Braut und späteren Frau, auch zwischen ihm und Marx-Engels abwechselnd

Krieg und Waffenstillstand. Für immer aber war er ihnen, wie dies aus

Engels’ Bemerkungen hervorgeht, eine wesentlich komische Figur geworden.

In die Zeit der Abfassung der Briefe an das Komitee entfällt auch ein

undatierter Brief von Engels an Marx, der Ende September oder Anfang

Oktober 1846 geschrieben wurde. Er eröffnet mit charakteristischen

kritischen Bemerkungen über Feuerbachs in dem Sammelwerk „Die Epigonen“

erschienene Abhandlung „Das Wesen der Religion“. Es handelt sich um die

Frage, ob diese Schrift noch in dem Werk über die nachhegelsche deutsche

Philosophie, das Marx und Engels in Brüssel zusammen verfaßt hatten,

berücksichtigt werden müsse, und die Bestimmtheit, mit der Engels dies

verneint, sowie die Begründung seines Urteils lassen den Gegensatz ihrer

Geschichtsphilosophie zur Feuerbachschen aufs schärfste hervortreten.

Des weiteren ersieht man aus diesem Brief und aus entsprechenden Stellen

späterer Briefe, wie viel Mühe Marx und Engels es sich kosten ließen,

einen Verleger für ihre philosophische Arbeit zu finden, und auf welche

Hindernisse die Versuche stießen, das nach ihrer Schätzung fünfzig

Druckbogen umfassende Manuskript unterzubringen. Die Ratschläge, die

Engels mit Bezug hierauf dem Freunde gibt, lassen große geschäftliche

Umsicht erkennen. Andere Bemerkungen beziehen sich auf die Polemik mit

dem von Feuerbach her zum Sozialismus gekommenen Hermann Kriege, der

nach Amerika gegangen war, in New York ein Blatt, „Der Volkstribun“,

herausgab, worin er einen verschwommenen Liebeskommunismus predigte,

und, kaum daß Marx-Engels und Freunde ein Rundschreiben gegen seine

Verfaselung des Sozialismus erlassen hatten, in Wilhelm Weitling einen

Verbündeten gegen jene fand. Der von Engels so ironisch behandelte

„große Mäurer“ (das „Zigarrenmännlein“) ist der Dr. German Mäurer, eines

der ältesten Mitglieder der Pariser Emigration.

Zu den Briefen dieser Epoche gehört ferner ein undatiertes

Brieffragment, das sich dem Datum nach genau nicht einordnen ließ, und

von dem auch nicht mit Sicherheit festgestellt werden konnte, wer die

Urheber des darin kritisierten Projekts einer Verlagsgenossenschaft

waren. Man wird es wohl in die Zeit zu verlegen haben, wo Engels

wiederholt sich in Paris aufhielt und Marx in Brüssel wohnte, also

zwischen August 1846 und Ende 1847. Und klar ist, daß es sich um einen

Verlag für radikal-demokratische und sozialistische Publikationen

handelte.

Engels’ Brief an Marx vom 23. Oktober 1846 rekapituliert und ergänzt im

wesentlichen nur kurz die Mitteilungen des dritten Briefes an das

Komitee. Die vom 2. November 1846 datierte Anschrift an einen Brief des

C. Fr. Bernays an Marx handelt von zwei verschiedenen Manuskripten. Das

eine scheint das Manuskript irgend einer Abhandlung des Bernays gewesen

zu sein, die Marx vielleicht durchgesehen hatte, mit dem anderen ist das

Manuskript der Kritik der Nachhegelianer gemeint. Jenny war ein

Verlagsbuchhändler in Bern. Den Brief des Bernays an Marx mit

abzudrucken lag kein Anlaß vor. Der Inhalt ist völlig interesselos und

läßt den Schreiber durchaus als das erkennen, als was ihn Engels später

charakterisiert, nämlich als ein Gemisch von Sentimentalität und

Berechnung. Der undatierte, aber offenbar von Ende 1846 herrührende

Brief erklärt sich im wesentlichen selbst. Mit „die Londoner“ waren

zweifellos führende Mitglieder des Londoner deutschen kommunistischen

Arbeitervereins gemeint, die wohl irgend eine Absage oder die Androhung

einer solchen nach Brüssel hatten gelangen lassen. Auch der Brief vom

15. Januar 1847 bedarf keiner besonderen Erläuterung; es geht aus ihm

hervor, daß Marx um jene Zeit einen Besuch in Paris plante. Aus der

Broschüre gegen Proudhon, die Engels erwartete, wurde, wie man weiß, das

Buch „_La Misère de la Philosophie_“; die Briefe von Engels zeigen, wie

sehr diese Streitschrift durch die Agitationen veranlaßt war, die Karl

Grün unter deutschen Arbeitern für Proudhon entfaltete. Wir werden noch

sehen, daß Marx es keineswegs bei der französischen Ausgabe bewenden

lassen wollte. Wenn er mit ihr den Anfang machte, so wird wohl der

Umstand mitbestimmend gewesen sein, daß selbst für das Manuskript gegen

Stirner und Genossen ein Verleger noch nicht gefunden war. Daß es sich

aber bei diesen Schriften nicht nur um literarische Kämpfe handelte,

sondern um unmittelbare Zwecke der praktischen Agitation, zeigt der nun

folgende, vom 9. März 1847 datierte Brief. Es galt nicht nur,

Widersacher aller Art zu entwaffnen, es war auch der schriftstellerische

Tatendrang von Leuten abzuwehren, die sich für Parteigänger hielten oder

ausgaben. Was aus den zwei Broschüren geworden ist, die Engels laut

diesem Brief damals abgefaßt hat, war nicht zu ermitteln. Ebenso bleibt

es Sache der Vermutung, auf welche dieser Broschüren sich die Bemerkung

von Marx in dessen Brief vom 15. Mai 1847 bezog.

Einen neuen Abwehrkampf schildert der nächste Engelssche Brief. Es ist

mehr als ein halbes Jahr verflossen, in London hat die Konferenz des

Bundes der Gerechten stattgefunden, auf der eine Umgestaltung der

Organisation und, als Wahrzeichen der Preisgabe des utopistischen

Grundzugs der alten Doktrin des Bundes, die Umwandlung von dessen Namen

in Bund der Kommunisten beschlossen worden war. Marx ist zur Abwicklung

einer Geldangelegenheit nach Deutschland gereist, und in seiner

Abwesenheit versuchen in Brüssel lebende deutsche Arbeiter und

Sozialisten, die mit dem Verlauf der Dinge unzufrieden waren oder sich

zurückgesetzt fühlten, einen Gegenschlag zu führen. Es ist von geringem

Belang, ob ihre Absichten genau auf das hinausgingen, was der für die

Zeit der Abwesenheit von Marx nach Brüssel übersiedelte Engels auf Grund

der ihm erstatteten Berichte und von Ausplaudereien der Beteiligten

folgerte. Jedenfalls lag ein Versuch vor, den Einfluß ihrer Richtung in

der Arbeiterschaft und bei den belgischen Sozialisten und Demokraten

zurückzudrängen. Das aber mußte schon im Hinblick auf den bevorstehenden

Bundeskongreß, der die endgültige Entscheidung bringen sollte, um jeden

Preis verhindert werden, und es ist interessant, zu vernehmen, mit

welcher Energie Engels sich ins Zeug legt und wie begeistert er vom Sieg

und der Haltung „unsrer Jungens“ spricht, worunter zweifelsohne die

Brüsseler Mitgliedschaft des Bundes der Kommunisten gemeint ist.

Die Gesellschaft, die damals in Brüssel gegründet wurde, nannte sich

„Demokratischer Bund“ – _Association Démocratique_ – und ward von den

Beteiligten durchaus ernst genommen. Marx, für dessen Wahl in den

Vorstand Engels so energisch gesorgt hatte, nahm diese Wahl an und ward

im November 1847 vom Bund als dessen Vertreter zum Internationalen

Meeting der Londoner _Fraternal Democrats_ abgesandt, welche Reise mit

der zum Kongreß des Bundes der Kommunisten zusammenfiel. Engels nennt

einen gewissen Tedesco als Begleiter von Marx, und auch in einigen

späteren Briefen begegnen wir diesem Namen. Es sei daher bemerkt, daß

Viktor Tedesco ein junger Lütticher Anwalt sehr entschieden

sozialistisch-demokratischer Gesinnung war, für die er dann fünf Jahre

in Gefangenschaft zubrachte. Nach seinem Wiedereintritt in die Freiheit

ist er später der liberalen Partei Belgiens beigetreten und einer ihrer

Hauptführer geworden. Aus seiner Feder existiert ein „Katechismus des

Proletariers“. Adolf Bartels, Jakob Kats, L. Jottrand, Jan Pellering

waren belgische Sozialisten, die in der Geschichte der Sozialdemokratie

ihres Landes ehrenvolle Plätze einnehmen. Maynz, Professor an der

Brüsseler Universität, Breyer, Arzt, und Viktor Faider, Advokat, waren

Mitglieder des Demokratischen Bundes; der neben Bricourt als Mitglied

der Deputiertenkammer genannte Castiau war ein ungewöhnlich

charaktervoller und begabter Demokrat, der 1848, als er sich in der

Kammer isoliert sah, der parlamentarischen Laufbahn Valet sagte, und

Philipp Gigot, Beamter im städtischen Archiv, war seit 1846 schon

Mitglied des Kommunistenbundes. Imbert war ein französischer Flüchtling,

der in Marseille ein radikalsozialistisches Blatt herausgegeben hatte.

Von den Personen, die Engels in diesen Briefen sonst noch nennt, sind

die meisten aus der Geschichte der deutschen Sozialdemokratie bekannt.

Bornstedt war der Herausgeber der Deutschen Brüsseler Zeitung, an der

Marx-Engels und Freunde auf Grund eines Vertrags regelmäßig

mitarbeiteten, und daß dadurch sie ihr den Charakter gaben und nicht er,

mochte seinem Selbstgefühl schon wehe tun. Auch mögen schon damals

Ansätze des Wahnsinns bei ihm vorhanden gewesen sein, dem er 1852 erlag.

Sein schwankendes Verhalten erinnert an das von Moses Heß, der nun auch

wieder in Brüssel ist und dort darin einwilligt, daß die führende

Stellung Marx eingeräumt wird. Heilberg, Schriftsteller und Lehrer, war

ein aus Schlesien gebürtiger Sozialist und Demokrat, der im

Revolutionsjahr 1848 in Deutschland wirkte, dann vor den Verfolgungen

der Reaktion wieder ins Ausland mußte und im Winter 1851/52 in London in

sehr bedrängten Verhältnissen starb. Er war von einem Omnibus überfahren

worden, und Freiligrath sammelte Geld, um des Verunglückten Frau und

Kind nach Deutschland zurückzubefördern. Der Wallau, von dem Engels

schreibt, war damals Schriftsetzer an der Brüsseler Zeitung und hat

später als Oberbürgermeister von Mainz geendet, der mit „B.“ bezeichnete

Bundesgenosse war zweifellos der Schriftsetzer Stephan Born. Von ihm ist

in einem vier Wochen später – etwa am 10. November 1847 – wieder aus

Paris datierten Briefe die Rede. Auf Born setzt Engels für den

bevorstehenden Kommunistenkongreß besondere Hoffnungen, die Born auch

nicht Lügen gestraft hat. Die in französischer Sprache geschriebene

Bemerkung am Schlusse des Briefes zielt auf Artikel von Moses Heß in der

Brüsseler Zeitung hin. Mit der „Drecklawine“ Karl Heinzens ist dessen

Pamphlet „Die teutschen Kommunisten“ gemeint. Die im Anfang des Briefes

geschilderte Verhandlung mit den Leuten von der Réforme und vom Atelier

lassen eine ganze Internationale im Werden ersehen. Das günstige Urteil,

das Engels dort über Louis Blanc fällt, erfährt sehr bald eine Abtönung.

Der in Engels’ Brief vom 15. November 1847 erwähnte Frank war der

Pariser Verleger von Marx’ mittlerweile herausgekommener Schrift

„_Misère de la Philosophie_“, und wie dieser Biedermann durch sein

schlaues Geldmanöver es erreicht hatte, daß das Buch von der Pariser

Presse ignoriert wurde, muß für Marx eine ebenso erbauliche Kunde

gewesen sein, wie die Mitteilung von den Bedenken des guten Flocon gegen

seinen Artikel über die Freihandelsfrage. Die Deputiertenwahl, von der

im Briefe die Rede ist, war die Wahl eines Delegierten für den Londoner

Kommunistenkongreß durch die Pariser Mitgliedschaft des

Kommunistenbundes. Wenn Engels schreibt, er habe „diesmal gar nicht

intrigiert“ und auch keinen Anlaß dazu gehabt, so weicht das von der

Schilderung ab, die Stephan Born in seinen Erinnerungen von dieser Wahl

gibt. Aber man wird Engels, der sich Marx gegenüber stets mit

rückhaltloser Offenheit über seine taktischen Manöver äußerte und im

Augenblick des Vorganges schrieb, unbedingt mehr zu glauben haben als

Born, der fünfzig Jahre später darüber schrieb und einem Groll gegen

Engels Genugtuung verschaffen wollte. Daß Engels sonst bereit war, im

Notfall den Dingen etwas nachzuhelfen, lassen die Briefe zur Genüge

erkennen; wo so Wichtiges auf dem Spiele stand, wäre es auch höchst

doktrinär gewesen, die vertretene Sache der Laune des Zufalls

anheimzugeben. Aus dem nächsten, kurz vor der Fahrt zum

Kommunistenkongreß abgefaßten Brief ist am bedeutendsten die Stelle, die

sich auf die abzufassende Programmschrift des Kommunistenbundes bezieht.

Wir ersehen daraus, daß ein erster Entwurf des Kommunistischen

Manifestes von Friedrich Engels verfaßt wurde und auch der Name auf ihn

zurückgeht. Sonst zeigen dieser Brief und die nächsten Briefe, auf

welche Schwierigkeiten Engels in Paris mit seinen Bemühungen für eine

anständige Besprechung der „_Misère de la Philosophie_“ selbst dort

stieß, wo man am ehesten auf Entgegenkommen hätte rechnen dürfen. Die

Briefe der Freunde aus dem Monat März 1848 beziehen sich hauptsächlich

auf die Ausweisung von Marx und Wilhelm Wolff aus Belgien und die

sonstigen Polizeibrutalitäten, welche die belgische Regierung nach der

Februarrevolution im Interesse der Aufrechterhaltung ihrer Ordnung bei

sich zu Hause ins Werk setzte; auch geben sie ein kleines Stimmungsbild

aus der Zeit zwischen dem Siege der Februarrevolution in Paris und der

Erhebung vom 18. März 1848 in Berlin. Ein sehr charakteristisches

Situationsbild gibt auch Engels’ vom 25. April 1848 datierter Brief aus

Barmen. Er handelt von dem Versuch, für die von Marx-Engels und Freunden

geplante radikal-demokratische Zeitung großen Stils – die dann den Titel

Neue Rheinische Zeitung erhielt – Aktionäre auszutreiben, und zeigt, wie

schnell nun, wo die Dinge ernst zu werden anfingen, jene Sympathien mit

dem Kommunismus sich verflüchtigten, denen Engels vier Jahre vorher in

Barmen-Elberfeld auf Schritt und Tritt begegnet war. Es dauert zwei

Wochen, bis im nächsten Brief Engels die Zeichnung von vierzehn Aktien

melden kann.

Immerhin, die Neue Rheinische Zeitung trat ins Leben, und ihr

Erscheinungsort Köln ward das Zentrum der radikalen Demokratie

Deutschlands. Zugleich aber regnete es bald Verfolgungen über ihre

Redakteure und Parteigänger. Unter anderem ward im September 1848

Verhaftungsbefehl gegen Engels erlassen, und da gleichzeitig der

Belagerungszustand über Köln verhängt wurde, zog es Engels vor, sich

einstweilen durch Weggang ins Ausland der Verhaftung zu entziehen. Er

wandte sich nach Belgien, ging dann über Frankreich in die Schweiz und

arbeitete von dort, wohin ihm Marx Geld und Weisungen schickt, wieder an

der Neuen Rheinischen Zeitung mit. Anfang 1849 kehrt Engels nach Köln

zurück und findet eine ziemlich veränderte Situation vor. Durch Austritt

eines Teils der bürgerlichen Aktionäre gestaltet sich trotz steigender

Verbreitung die finanzielle Lage der Neuen Rheinischen Zeitung recht

schwierig. Es fehlt an Betriebsmitteln, und um solche zu beschaffen

tritt Marx eine Reise zu auswärtigen Gesinnungsfreunden an, worüber wir

etwas aus Marx’ Brief vom 23. April 1849 ersehen. Als im Mai 1849 die

preußische Behörde durch Ausweisung von Marx aus Preußen und Androhung

von Ausweisung und Verhaftung anderer Redakteure der Neuen Rheinischen

Zeitung den Lebensfaden abschnitt, ging Engels bekanntlich

zunächst in die Pfalz und dann nach Baden, um an der dortigen

Reichsverfassungskampagne teilzunehmen. Davon handelt der nächste dieser

Epoche angehörige Brief. Er ist aus Vevey in der Schweiz vom 25. Juli

1849 an Frau Marx gerichtet und zeigt den liebenswürdigen Charakter

Engels’, die rührende Zurücksetzung seiner Person, wo Marx in Betracht

kam, wieder von der schönsten Seite. Wie mit Bezug hierauf spricht auch

sonst dieser Brief im besten Sinne des Wortes für sich selbst. Ebenso

läßt Marx’ Brief an Engels vom 7. Juni 1849 ausgestandene Sorge um den

Freund erkennen. Marx’ aus Paris datierte Briefe berichten von seiner

Drangsalierung durch die französische Regierung, seinen literarischen

Projekten und politischen Hoffnungen. Mit dem Brief Marx’ vom 23. August

1849, der die unmittelbare Übersiedlung nach London anzeigt, endet der

Briefwechsel dieser Epoche. Es beginnen die Jahre des Londoner Exils.

Der Briefwechsel zwischen Friedrich Engels und Karl Marx 1844 bis 1883, Erster Band · 第 4 / 196 题