Dp, der Mutterkuchen in Verbindung mit dem Uterus[332].]

Dann folgen die Krebse, von *Aristoteles* Weichschalige genannt. Die

dritte Gruppe bilden die Kerbtiere. *Aristoteles* begreift darunter

sämtliche Tiere mit geringeltem Körper, also nicht nur die Insekten,

sondern auch die Spinnen, die Tausendfüßler und die Gliederwürmer.

Er hebt hervor, daß der Körper aller Insekten in drei Abschnitte

zerfällt, den Kopf, den Körperteil, welcher Magen und Darm enthält, und

drittens den dazwischen liegenden Abschnitt, dem bei anderen Tieren

Brust und Rücken entsprechen. »Außer den Augen«, fährt *Aristoteles*

fort, »haben die Insekten kein deutliches Sinnesorgan. Manche besitzen

einen Stachel, der sich entweder innerhalb des Körpers befindet, wie

bei den Bienen und Wespen, oder außerhalb, wie beim Skorpion[333].

Letzterer ist allein unter allen Insekten lang geschwänzt; ferner

besitzt er Scheren. Einige Insekten haben über den Augen Fühler, z. B.

die Schmetterlinge und die Käfer. Im Innern findet sich ein Darm, der

in der Regel bis zum After gerade verläuft, mitunter aber auch gewunden

ist.«

Bei den Insekten fesseln *Aristoteles* besonders der Bau und die

Lebensweise der Honigbiene. Er erwähnt, daß sie das Bienenbrot an den

Schenkeln einträgt und den Honig in ihre Zellen speit. Er erzählt

von dem Bau der Waben, den Maden und Puppen und kennt die Herkunft,

sowie die Rolle, die das sogenannte Vorwachs besitzt, so daß wir vor

*Swammerdam*, welcher durch die Anwendung des Mikroskops und durch

die Befolgung der Grundsätze der neueren Naturforschung zu einem weit

tieferen Einblick befähigt war, kaum eine gleich gute Schilderung

dieses wichtigen Insektes antreffen.

Die vierte Gruppe, ausgezeichnet durch harte Schalen, die einen

weichen ungegliederten Körper umschließen, bilden die Schnecken und

die Muscheln, die von *Aristoteles* als Schaltiere zusammengefaßt

werden. Der fünften und letzten Gruppe, den Seewalzen, Seesternen und

Schwämmen, wird eine vermittelnde Stellung zwischen dem Tier- und

Pflanzenreiche zugewiesen.

Viele Betrachtungen, die *Aristoteles* in seinen zoologischen Schriften

anstellt, lassen erkennen, daß er, wenn auch vom teleologischen

Standpunkt, doch schon von dem Gedanken geleitet wird, den die neuere

Biologie als Erhaltungsmäßigkeit bezeichnet. Das Wort soll ausdrücken,

daß Lebensweise, Aufenthaltsort und Einrichtung eines Tieres einander

entsprechen. Nicht minder stehen aber die einzelnen Organe zueinander

und zum Gesamtbau in einem gewissen Verhältnis, das *Cuvier*, der

größte Zoologe der Neuzeit, als die Korrelation der Organe bezeichnet

hat. In welchem Maße *Cuvier* und die neuere Biologie hierin mit

*Aristoteles* übereinstimmen, lassen z. B. dessen Betrachtungen über

die Zähne erkennen. Sie lauten[334]: »Die Zähne haben die Tiere

im allgemeinen zur Zerkleinerung der Nahrung, dann aber auch als

Waffen zu Angriff und Abwehr. Von denen, die sie zu Schutz und Trutz

besitzen, haben einige Hauer wie der Eber, andere scharf ineinander

greifende Zähne. Die Stärke dieser Tiere beruht auf ihren Zähnen.

Diese müssen also scharf sein und zweckmäßig ineinander greifen, damit

sie sich nicht durch gegenseitige Reibung abstumpfen. Ferner haben

die spitzzähnigen ein weit geschlitztes Maul. Da nämlich ihre Wehr im

Beißen besteht, haben sie ein weites Maul nötig, denn sie werden mit um

so mehr Zähnen und um so stärker beißen, je weiter das Maul geschlitzt

ist[335].«

Auch über die Ernährung der Tiere wie über diejenige der Pflanzen

hatte sich *Aristoteles* schon Vorstellungen gebildet, die viel

Zutreffendes enthalten. Sämtliche Bestandteile des Körpers läßt er

durch die Umwandlung der aufgenommenen Nahrungsmittel entstehen[336].

Für einzelne Substanzen wie das Fett, die Galle usw. gebe es

wahrscheinlich auch bestimmte Nährstoffe. Diese sollen aus dem Blute

durch die Wandungen der Adern hindurchsickern und auf diese Weise an

den Ort gelangen, wo sie abgeschieden werden. Das Fett entstehe aus

mehliger und süßer Nahrung, die sich leicht in Fett umwandele. Als die

wichtigste Ausscheidung des Blutes betrachtet *Aristoteles* den Samen.

Er enthalte neben Wasser und Erde vor allem den warmen, lebenerregenden

Luftgeist, das Pneuma (s. S. 102). Wie sich die Erde in ein Mineral

verwandeln könne, so verwandele die im Samen enthaltene Erde sich in

einen Menschen. Tiere mit starken Knochen läßt *Aristoteles* aus einem

besonders erdhaltigen Samen hervorgehen. Seele und Körper der Lebewesen

bilden nach ihm eine Einheit, allerdings nur in dem Sinne, daß der

Körper das Organ der Seele ist[337]. Dafür spreche auch, daß manche

Tiere, die man zerschneide, in jedem ihrer Teile weiterleben.

Aristoteles über die Pflanzen.

In seinem Bestreben, das gesamte Wissen seiner Zeit vom Standpunkte des

Philosophen zu sammeln, zu prüfen und systematisch zu gliedern, konnte

*Aristoteles* auch an der Pflanzenwelt nicht achtlos vorübergehen.

Leider ist indessen seine diesem Gegenstande gewidmete »Theorie der

Pflanzen« verloren gegangen. Was wir an Ansichten des *Aristoteles*

über die Natur der Pflanzen kennen, sind vereinzelte, aber immerhin

zahlreiche Äußerungen des Philosophen, die sich in seinen übrigen

Werken zerstreut finden[338]. Von besonderem Interesse ist, was

*Aristoteles* über die Verwandtschaft der Tiere mit den Pflanzen

sagt[339]. Die Natur geht allmählich vom Unbeseelten zum Beseelten

über. Auf die unbeseelten Dinge läßt sie zunächst die Pflanzen folgen.

Unter diesen unterscheide sich die eine von der anderen darin, daß sie

teils mehr, teils weniger Anteil am Leben zeige. Vergleiche man die

Pflanzen mit den leblosen Dingen, so seien erstere wie beseelt, dagegen

erscheine die Pflanze im Vergleich zum Tiere wie unbeseelt. Und doch

sei der Übergang zwischen Pflanze und Tier ununterbrochen. Denn bei

einigen Wesen des Meeres könne man zweifeln, ob sie Tiere oder Pflanzen

seien. Auch über die Teilbarkeit der Pflanzen und der Tiere stellt

*Aristoteles* Betrachtungen an[340]. »Nimmt man von einer Zahl«, sagt

er, »eine Zahl weg, so bleibt eine andere Zahl. Die Pflanzen dagegen

und viele Tiere bleiben bestehen, wenn man sie teilt.« Die niederen

Tiere und die Pflanzen stimmen, wie *Aristoteles* richtig hervorhebt,

eben darin überein, daß ihnen die Einheit der Organisation fehlt.

Infolgedessen können abgetrennte Teile des Organismus fortleben und

sich zu selbständigen Wesen entwickeln[341]. Auch darin seien sie

einander ähnlich, daß bei beiden der Hauptzweck die Fortpflanzung sei

und alle Einrichtungen sich auf diesen Zweck zurückführen ließen.

Auch über die Ernährung der Pflanzen hat *Aristoteles* nachgedacht.

Die Wurzeln nennt er ein Analogon des Mundes, da beide die Nahrung

einnehmen[342]. Die Erde enthalte eine für die Pflanze zubereitete

Nahrung und diene ihr sozusagen als Bauch, während die Tiere gleichsam

die Erde als Inhalt des Darms in sich trügen, aus dem sie, wie die

Pflanzen mit den Wurzeln, mit etwas Ähnlichem die Nahrung aufnehmen

müßten[343]. Wem fällt bei dieser originellen, im Grunde aber richtigen

Auffassung des Philosophen nicht die so treffende Benennung der

Darmzotten als innere Wurzeln des Tieres ein? Ein ähnliches Verhältnis,

wie für die Ernährung von Tier und Pflanze, nimmt *Aristoteles* für

die Entwicklung an. Er sagt nämlich: »Wie sich die Gewächse des Bodens

bedienen, so bedienen sich die Embryonen des Uterus«[344].

Was die Entstehung anbetrifft, so wird auch für die Pflanzen

angenommen, daß sie entweder aus Samen oder von selbst entständen.

Letzteres geschehe, wenn die Erde oder Pflanzenteile faulten. Was

endlich die Sexualität anlangt, so meint *Aristoteles*, bei den

Pflanzen sei das Männliche und das Weibliche nicht getrennt; sie

zeugten daher aus sich selbst. Das Gleiche finde gewissermaßen bei den

Tieren statt. Denn wenn sie zeugen wollten, so werde sozusagen ein

Tier aus zweien. Die Tiere seien somit gleichsam Pflanzen, in denen

das Männliche und das Weibliche voneinander geschieden sei. Aus den

zerstreuten Bemerkungen des *Aristoteles* erkennen wir somit, daß das

Nachdenken über botanische Dinge rege geworden war und manche wertvolle

Beobachtung und Verallgemeinerung vorlag. Der erste, dem wir ein

zusammenhängendes Werk über die Pflanzen verdanken, ist denn auch ein

Schüler des großen Philosophen, *Theophrast*. Dieser nimmt der Botanik

gegenüber eine ähnliche Bedeutung ein, wie sie *Aristoteles* für die

Zoologie besitzt.

Theophrast begründet die Botanik.

Über das Leben des *Theophrast* sind wir besonders durch *Diogenes

Laertios* und durch *Plutarch* unterrichtet. Doch sind seine

Lebensumstände wenig bekannt und durch Sagen und Übertreibungen

verdunkelt. *Theophrast* wurde 371 v. Chr. zu Eresos auf der Insel

Lesbos geboren. Er widmete sich der Philosophie. Und zwar schloß

er sich zuerst an die Atomisten (*Leukipp*), dann an *Platon* und

schließlich an *Aristoteles* an. *Theophrast* nannte man ihn seiner

Beredsamkeit wegen[345].

Nach dem Tode des *Aristoteles*, dessen Lieblingsschüler und

langjähriger Freund er war, übernahm *Theophrast* die Führung der

von *Aristoteles* in Athen gegründeten Philosophenschule, die er zur

höchsten Blüte brachte. *Theophrast* genoß in Athen das größte Ansehen.

Sein Ruhm drang auch ins Ausland, so daß *Ptolemäos der Lagide* ihn

nach Alexandrien zu ziehen suchte. Wie sehr man *Theophrast* in

seinem Vaterlande schätzte, geht auch aus folgender Erzählung hervor.

*Theophrast* wurde des Mangels an Religion beschuldigt. Man gab

indessen dieser Klage nicht nur keine Folge, sondern es fehlte nicht

viel, daß der Kläger selbst in den Anklagezustand gesetzt wurde[346].

War *Theophrast* auch nicht an schöpferischer Kraft mit *Aristoteles*

zu vergleichen, so überragte er ihn durch den Umfang seiner

naturwissenschaftlichen Einzelkenntnisse. Auf die Beobachtung

zahlreicher Einzelfälle, wodurch man allein zur Bildung richtiger

Begriffe gelangen könne, legte er den größten Wert. Wo *Theophrast*

nur fremde Beobachtungen zu Gebote stehen, verhält er sich durchaus

kritisch und macht aus etwaigem Zweifel kein Hehl. Sein Fleiß war

unermüdlich und begleitete ihn bis ins höchste Alter. Sterbend klagte

er noch im Hinblick auf das Aufhören seiner wissenschaftlichen

Tätigkeit über die Kürze des menschlichen Lebens[347]. Das Altertum

pries auch seine Umgangsformen. *Cicero* läßt ihn sagen, die rauhe

Tugend allein mache keineswegs die Glückseligkeit aus. Er galt ferner

als einer der bedeutendsten Redner, der vortrefflich und wohlberechnet

seine Worte mit seinen Gebärden und seinem Mienenspiel in Einklang zu

bringen wußte.

Von einem ganz ungewöhnlichen Fleiße legt auch die Zahl seiner

Schriften Zeugnis ab[348]. Leider sind die wichtigsten verloren

gegangen. Sie erstreckten sich auf Mathematik, Astronomie, Botanik,

Mineralogie und alle Teile des von *Aristoteles* gegründeten

philosophischen Systems. *Theophrast* starb 286 v. Chr. Er ist also

85 Jahre alt geworden. Seiner Schule soll er einen Pflanzengarten und

eine Halle, in welcher der Unterricht stattfinden sollte, vermacht

haben[349].

Außer dem botanischen Hauptwerk, dessen neun Bücher vollständig auf

uns gekommen sind, und mit dessen Inhalt wir uns im nachfolgenden

in der Hauptsache bekannt machen wollen, verfaßte *Theophrast* noch

eine Schrift »Von den Ursachen der Pflanzen«. Sie ist leider nur

unvollständig vorhanden. Die Schrift von den Ursachen der Pflanzen

(περὶ φυτῶν αἰτίαι) verhielt sich zur Geschichte der Pflanzen ähnlich

wie die mehr philosophischen zu den beschreibenden Büchern, die

*Aristoteles* über die Tierkunde verfaßt hatte[350].

Vor *Aristoteles* hatte man sich den Gewächsen, soweit sie nicht dem

unmittelbaren Unterhalt von Mensch und Tier dienten, vorzugsweise

aus medizinischem Interesse zugewandt. Das Sammeln der Pflanzen und

ihre Verarbeitung zu heilkräftigen Säften wurde berufsmäßig von den

schon erwähnten Rhizotomen (Wurzelschneidern) betrieben. Es waren dies

die Vorläufer unserer heutigen Pharmazeuten. Jetzt wandte sich das

wissenschaftliche Interesse neben der Tierwelt auch dem Pflanzenreiche

zu. Wenn wir von der verloren gegangenen Schrift des *Aristoteles*

über die Theorie der Pflanzen absehen, lieferte *Theophrast* die

erste, eingehende Bearbeitung der den Griechen bekannten Gewächse

unter Berücksichtigung ihrer Lebensbedingungen, sowie der allgemeinen

Morphologie. Die Schrift, auf die wir jetzt näher eingehen wollen,

führt den Titel: Naturgeschichte der Gewächse[351].

Was beim Lesen dieses Buches zunächst auffällt, ist das Fehlen

genauer Beschreibungen, die erst später in immer höherem Grade

als das nächstliegende Ziel der botanischen Wissenschaft erkannt

wurden. Oft fehlt eine Beschreibung der zur Besprechung gelangenden

Pflanze ganz, da *Theophrast* sie als den Lesern hinreichend

bekannt voraussetzt. In anderen Fällen beschränkt er sich darauf,

augenfällige Eigentümlichkeiten hervorzuheben, so daß es später oft

schwer, ja manchmal unmöglich gewesen ist, selbst nachdem man die

Flora Griechenlands genauer kennen gelernt hatte, die Identität

der einzelnen Pflanzen festzustellen. Als gegen den Ausgang des

Mittelalters die Botanik eine Weiterentwicklung erfuhr, war man

zunächst in der Vorstellung befangen, alle Pflanzen, über welche die

Alten, insbesondere der später zu erwähnende *Dioskurides* geschrieben,

seien auch im westlichen Europa zu finden. Erst nachdem man sich

lange in dieser Richtung abgemüht und nur in wenigen Fällen etwas

erreicht hatte, weil man der geographischen Verbreitung der Gewächse

noch nicht die gebührende Beachtung schenkte, ging man zur möglichst

genauen Beschreibung der Pflanzen über. So entstanden die Kräuterbücher

der ersten neueren Botaniker. Die Schwierigkeit, die von den Alten

beschriebenen Pflanzen zu identifizieren, wurde noch durch den Umstand

vergrößert, daß sich die Flora der in Betracht kommenden Länder im

Laufe der Jahrtausende durch Wanderungen, durch klimatische Änderungen

und ganz besonders durch die Einwirkung des Menschen geändert

hatte[352].

Das den Griechen zur Zeit des *Theophrast* floristisch bekannt

gewordene Gebiet war ein sehr beträchtliches. War man doch durch die

Züge *Alexanders* des Großen auch mit Persien, Baktrien und Indien

bekannt geworden, während man schon vorher über die in Vorderasien und

Ägypten vorkommenden Pflanzen vieles erfahren hatte. Allerdings lernten

die Griechen auf ihren Eroberungszügen die Naturkörper zunächst mehr im

Vorübergehen kennen und achteten fast nur auf das, was auf den fremden

Märkten ihr Erstaunen hervorrief[353].

Ein neues Licht haben die Untersuchungen *Bretzls* auf die botanischen

Ergebnisse des Alexanderzuges geworfen[354]. Das griechische Heer

wurde von Gelehrten begleitet. Ihre Aufzeichnungen bildeten einen Teil

dessen, was man heute das »Generalstabswerk« über den indischen Feldzug

nennen würde. Dieses Werk ist leider verloren, doch sind Auszüge in

*Theophrasts* Geschichte der Pflanzen[355] übergegangen. Von den

fremden Vegetationsbildern, welche *Theophrast* genauer schildert und

mit der Vegetation der Länder des östlichen Mittelmeeres vergleicht,

ist vor allem die Mangroveformation des persischen Golfes zu nennen.

*Theophrast* gibt eine genaue Beschreibung der eigenartigen Pflanzen

jener Formation. Er schildert die Lebensweise der Mangrovegewächse,

die auf Stelzenwurzeln weit über das Meeresufer hinauswachsen, so

richtig, daß neuere Reisende, wie *Schweinfurth*, seine Angaben nur

bestätigen konnten. Einen »Glanzpunkt« nennt *Bretzl* die Beschreibung,

welche *Theophrast* vom indischen Feigenbaum gegeben, der mit seinen,

von den Ästen her in die Erde eindringenden, Stützwurzeln einem Walde

gleicht. Daß es sich bei den Stützen, welche die fast horizontal sich

ausbreitenden Äste in den Boden hinabsenden, um eigentliche Wurzeln

handelt, erkannte schon *Theophrast*, wie er auch das Bambusrohr als

eine Schilfart erkennt und das vom Rande her einreißende Blatt der

Banane sehr zutreffend mit den Schwungfedern eines Vogels vergleicht.

Wahrscheinlich sind die Griechen auch mit der Baumwolle erst nach den

Zügen *Alexanders* genauer bekannt geworden, während in Ägypten die

Baumwollweberei schon früh anzutreffen war. Durch die Beobachtungen,

die man auf dem Alexanderzuge anstellte, wurden die Griechen auch mit

der Tatsache vertraut, daß gewisse Pflanzen Bewegungen ausführen,

wie man sie bisher nur bei den Tieren kannte. Es handelt sich um die

periodischen Bewegungen der Blattfiedern von Tamarindus indica. Diese

Bewegungen werden in ihren einzelnen Stadien so genau beschrieben,

daß sie bis zum Beginn der neueren physiologischen Untersuchungen

über diesen Gegenstand die beste Schilderung sind, die wir über

den Pflanzenschlaf besitzen. Die betreffende Stelle lautet bei

*Theophrast*[356]: »Der Baum besitzt zahlreiche Fiederblättchen. Sie

legen sich während der Nacht leise zusammen. Bei Sonnenaufgang öffnen

sie sich, und um Mittag entfaltet sich der Baum völlig. Am Nachmittage

ziehen sich die Blättchen allmählich wieder zusammen und in der Nacht

schließt sich die Pflanze wieder. Man sagt dort zu Lande, sie schlafe.«

Dadurch, daß die Griechen die Pflanzenwelt vom Mittelmeerbecken bis

in die tropischen Gebiete Asiens kennen lernten, wurden sie nicht nur

mit gewissen Grundtatsachen der Pflanzengeographie, sondern auch schon

mit einigen wichtigen, pflanzengeographischen Gesetzen bekannt, so

daß es nicht ganz zutreffend ist, die Anfänge dieser Wissenschaft auf

*A. v. Humboldt* zurückzuführen. Die Erscheinung, daß die Flora ihren

Charakter mit der Erhebung des Bodens über das Meer ändert, hatten die

Griechen schon in ihrer Heimat beobachtet. Sie hatten dort bemerkt, daß

sich an die Mittelmeerflora mit ihren immergrünen Gewächsen zunächst

eine Laubwaldregion, darüber Nadelholzwälder und noch höher hinauf

eine Region anschloß, die wir heute als alpin bezeichnen würden. Die

gleiche Erscheinung nahmen sie noch deutlicher wahr, als sie an den Fuß

der Berge gelangten, die Indien vom Rumpf des asiatischen Kontinentes

trennen. Dort herrschte noch die tropische Flora mit ihren Palmen und

Bananen in reicher Fülle. Unmittelbar darüber erblickten die Griechen

Pflanzen, die sie an diejenigen der Mittelmeerländer erinnerten. Dann

folgten wieder Laubhölzer, Nadelhölzer und alpine Pflanzen. Einen

ähnlichen Wechsel der Flora nahmen sie wahr, als sie die Pflanzen

nördlicher Landstriche mit denen südlicher verglichen. Dieser Vergleich

drängte sich ihnen nicht nur in Europa, sondern auch in Asien auf.

Auch hier fanden sie in den nördlicher gelegenen Teilen die mächtigen

dunklen Nadelholzwaldungen wieder, die sie als charakteristisch für das

mittlere Europa betrachtet hatten.

In *Theophrasts* »Geschichte der Pflanzen« überwiegt das praktische

Interesse häufig das wissenschaftliche. Die Beschreibung gewisser

technischer Verrichtungen, wie der Gewinnung von Holzkohle, Pech, Harz

und Spezereien, ferner der Verwendung der Holzarten, insbesondere

aber der Wirkung von Pflanzen auf den menschlichen Körper, nehmen

dementsprechend einen breiten Raum ein[357]. Aber auch von der

geographischen Verbreitung, den Krankheiten, der Lebensdauer, dem

Einfluß des Klimas, sowie der Ernährung der Pflanzen ist die Rede. Daß

dabei zu einer Zeit, in der man kaum beobachten, geschweige denn mit

Pflanzen experimentieren gelernt hatte, manche irrtümliche Ansicht

ausgesprochen wird, ist leicht begreiflich. So führt *Theophrast*

die Erscheinung, daß die Bäume, wenn sie dicht gedrängt stehen,

keinen kräftigen Wuchs aufweisen, sondern dünn und lang werden,

nicht auf den Einfluß des Lichtes, sondern auf Mangel an Nahrung

zurück. An Krankheiten der Pflanzen erwähnt er den Wurmstich, den

Rost des Getreides und den Honigtau. Letzteren leitet er aus einem

zu großen Feuchtigkeitsgehalt der Pflanzen ab, während es sich in

der Tat um Ausscheidungen von Blattläusen handelt. Als eine Wirkung

des Klimas betrachtet *Theophrast* die Erscheinung, daß in heißen

Ländern der jährliche Laubfall bei Pflanzen unterbleibt, die in den

Mittelmeerländern ihr Laub im Winter verlieren. Dies sei z. B. bei dem

Feigenbaum und dem Weinstock der Fall[358].

Als Ernährungsorgane werden nicht nur die Wurzeln, sondern auch die

Blätter betrachtet. Die Ernährung soll auf beiden Flächen durch

Einsaugung vor sich gehen. Das Wachstum der Blätter und das Ansetzen

der Früchte stehen, wie *Theophrast* sehr richtig bemerkt, in solchem

Verhältnis, daß, wenn der eine Vorgang stattfindet, der andere

zurückgehalten wird[359]. Auch die Möglichkeit, daß sich die eine

Pflanzenart in eine andere umwandele, ein häufig wiederkehrender

Irrtum, wird bei *Theophrast* erörtert. So sagt er: »Die wilde

Minze soll sich in Gartenminze umändern, auch soll sich der Weizen

in Lolch verwandeln.« Von der Sexualität der Pflanzen vermochte er

sich ebensowenig wie das übrige Altertum eine klare Vorstellung zu

machen. Doch erwähnt er, daß man bei den Dattelpalmen das Ansetzen von

Früchten dadurch fördere, daß man die stauberzeugenden Zweige über die

fruchttragenden hänge:

»Manche Bäume«, sagt er, »werfen ihre Früchte vor der Reife ab, wogegen

man auch Anstalten trifft. Bei den Datteln besteht das Hilfsmittel

darin, daß man die männliche Blüte der weiblichen nähert, denn jene

macht, daß die Früchte dauern und reif werden. Es geschieht dies aber

auf folgende Weise: Blüht die männliche Pflanze, so schneidet man die

Blütenscheide ab und schüttelt sie mit dem Staube auf die weibliche

Frucht. Wird diese so behandelt, so dauert sie aus und fällt nicht ab.«

Anknüpfend an diese und ähnliche Beobachtungen der Alten begründete

in der neueren Zeit *Camerarius* die Lehre von der Sexualität der

Pflanzen.

Ein Verdienst erwarb sich *Theophrast* auch durch die begriffliche

Bestimmung, sowie die Morphologie der wichtigsten Pflanzenorgane. Z.

B. begegnet uns bei ihm der Begriff des gefiederten Blattes, das man

bis dahin für einen Zweig gehalten hatte. Dagegen gelang es ihm nicht,

eine naturgemäße Einteilung des Pflanzenreichs zu schaffen und damit

das zu leisten, was *Aristoteles* für die Zoologie getan. *Theophrast*

unterscheidet Bäume, Sträucher, Stauden und Kräuter und spricht

innerhalb dieser vier Gruppen wieder von zahmen und wilden Pflanzen. So

überschreibt er z. B. ein Kapitel: »Von den wilden Bäumen«, während er

ein anderes mit den Worten beginnt: »Jetzt soll von den Gewächsen der

Flüsse, Sümpfe und Teiche die Rede sein.« Immerhin werden bei seiner

Einteilung der Kräuter mitunter natürliche Gruppen angedeutet. Endlich

verdanken wir dem *Theophrast* auch eine Reihe wertvoller Mitteilungen

über den Bau und die Entwicklung der Pflanzen. Sie erscheinen ihm

als lebende Wesen, welche als Voraussetzungen des Lebens Wärme und

Feuchtigkeit in sich bergen. Daher ist er auch bemüht, eine Ähnlichkeit

im Bau der Pflanzen und der Tiere nachzuweisen. Als innere Teile der

Pflanzen unterscheidet er Rinde, Holz und Mark. Diese Teile seien aus

Fasern, Adern, Fleisch und Saft gebildet. Das Fleisch entspricht dem,

was wir heute als Parenchym oder Grundgewebe bezeichnen. Die Fasern

sind dagegen die Gefäßbündel. *Theophrast* bemerkt sogar, daß sie

mitunter regelmäßig angeordnet, bei anderen Pflanzen, wie den Gräsern

und Palmen, dagegen unregelmäßig im Fleisch (Grundgewebe) zerstreut

seien.

Auch über die Entwicklung der Pflanzen finden sich bei *Theophrast*

einige Beobachtungen. Er weist darauf hin, daß der Keim sowohl

Wurzel als Stamm enthält[360], und daß die Wurzel zuerst aus dem

Samen hervorbricht. Darauf entwickle sich der Stamm, dessen erste

Blätter durch einfachere Gestalt von den späteren abwichen. Treffend

wird ferner bemerkt, daß das Winklige und die Gliederung mit dem

Fortschreiten der Entwicklung zunehmen[361]. Daß uns die Botanik

bei *Theophrast* sofort als eine ziemlich entwickelte Wissenschaft

entgegentritt, darf uns nicht in Erstaunen setzen, denn ohne Zweifel

konnte *Theophrast* auf Vorgänger fußen, die er zum Teil auch

erwähnt[362]. Neben *Theophrast* wären zwar noch einige Mitglieder

der peripatetischen Schule zu nennen, die sich mit Botanik beschäftigt

haben. Da sich aber nicht viel mehr als ihre Namen und die Titel ihrer

Schriften erhielten, wollen wir uns mit dem weiteren Schicksal der

botanischen Wissenschaft erst wieder befassen, wenn sie uns bei den

Römern von neuem begegnen wird.

Wie für die Tiere so sahen die Griechen auch für die Pflanzen, als

eine besondere Art der Vermehrung, die Urzeugung an. Man nahm sie

nicht nur für kleinere Pflanzen, sondern mitunter selbst für Bäume

in Anspruch. *Theophrast* war dieser Ansicht gegenüber indes schon

skeptisch. Er suchte angebliche Fälle von Urzeugung auf die Verbreitung

der Samen durch Regengüsse, Vögel, Überschwemmungen oder durch den

Wind zurückzuführen. Auch darauf weist er hin, daß manche Samen ihrer

geringen Größe wegen leicht übersehen werden. Die Fortpflanzung durch

Samen erklärt er für die gewöhnliche. Der Pflanzensamen sei dem

tierischen Ei zu vergleichen. Beide enthielten die erste Nahrung des

Keimes in sich. Daß aber Urzeugung insbesondere bei kleineren Pflanzen

vorkomme, stellt er nicht in Abrede. Er nimmt vielmehr an, daß Pflanzen

sowohl wie Tiere bei der Zersetzung von Stoffen unter dem Einfluß von

Feuchtigkeit und Wärme entstehen können.

Theophrast als der Begründer der Mineralogie.

Auch die dritte der beschreibenden Naturwissenschaften, die

Mineralogie, fand ihre erste Bearbeitung in demselben Zeitalter,

in welchem die Zoologie und die Botanik ins Leben gerufen wurden.

Dies geschah gleichfalls durch *Theophrast*, und zwar in seinem

Werke »Über die Steine«[363]. Jedoch handelt es sich hier in noch

höherem Grade wie in der Botanik um eine Zusammenstellung von

chemischen und mineralogischen Einzelkenntnissen, in deren Besitz

man durch die Ausübung hüttenmännischer Prozesse gelangt war. Mit

dem Eisen war man schon in der mykenischen Zeit bekannt. Obgleich

Griechenland reich an Eisenerz war, benutzte man das Metall anfangs

nur zu Schmuckgegenständen (z. B. zu Ringen). Nachdem man es härten

gelernt hatte, diente es auch zur Herstellung von Waffen. Bei *Homer*

ist meist von Bronze die Rede, doch wird das Eisen auch öfters

erwähnt[364]. Auch das Silbererz des Laurions wurde seit recht frühen

Zeiten abgebaut. Die dortigen Bergwerke besaßen ausgedehnte Schächte

und Stollen mit Holzzimmerung. Ihre reichen Erträgnisse ermöglichten

es Athen, zur Abwehr der Perser, Rüstungen von einem Umfange zu

betreiben, wie sie sich ein solch kleiner Staat sonst schwerlich

hätte auferlegen können. Es handelte sich am Laurion um silberhaltige

Bleierze, aus denen man zunächst, wie es noch heute geschieht, durch

Rösten und darauffolgendes Niederschmelzen das rohe Blei gewann. Ein

der Treibarbeit entsprechendes Verfahren lieferte dann, infolge der

Oxydation des Bleies zu Glätte, das Silber[365].

*Theophrast* hebt bei der Besprechung der Mineralien hervor, daß sie

sich besonders in der Farbe und im Gewichte unterscheiden. Zu den

Mineralien rechnet er auch die Korallen, die im Meere entständen.

Ferner erwähnt er ein Mineral, das wie der Bernstein Holz, indessen

auch Erz und Eisen anziehe. *Theophrast* nennt es Lynkurion. Es

ist nicht aufgeklärt, welchen Stoff er damit gemeint hat. Manchen

Mineralien wurden auch heilkräftige Wirkungen zugeschrieben. So wurde

der Rauch von Gagat, einer sehr bituminösen Braunkohle, eingeatmet, um

epileptische Anfälle zu bekämpfen. Malachitpulver diente als Mittel

gegen gewisse Erkrankungen der Augen usw.[366].

Als dasjenige Volk, das als erstes in den Mittelmeerländern Bergbau

betrieben haben soll, werden seit alters die Phönizier bezeichnet.

Sie waren es, die in dem an Erzen reichsten Lande des alten Europas,

in Spanien, den Metallreichtum durch Betriebe größeren Umfangs

aufschlossen. In der griechischen Literatur ist von Bergwerken zuerst

bei *Herodot* die Rede. Bei *Homer* findet sich jedenfalls noch keine

Andeutung[367].

Genauere Kenntnis über den Bergbau im Altertum hat man erhalten,

seitdem man den Betrieb verlassener alter Bergwerke in Spanien und

am Laurion wieder aufnahm. Es geschah dies um die Mitte des 19.

Jahrhunderts. Am Laurion hat man zahlreiche Tagebaue und Stollen, sowie

an 2000 Schächte wieder aufgedeckt. Man fand auch die Geräte, welche

die Alten beim Bergbau benutzten, z. B. Grubenlampen, eiserne Hämmer,

Meißel, Brechstangen usw. Die Schächte gehen bis über hundert Meter in

die Tiefe. Ein weiteres Eindringen wird die Ansammlung von Grubenwasser

verhindert haben. Auch in Ton geformte Nachbildungen, die sich auf den

Betrieb beziehen, hat man ausgegraben. Diese archäologischen Funde

ergänzen die erhaltene Literatur in solchem Maße, daß wir uns von dem

bis in das 7. vorchristliche Jahrhundert zurückreichenden Bergbau und

Hüttenbetrieb der Athener ein zutreffendes und deutliches Bild machen

können[368].

Einfluß und Dauer des aristotelischen Lehrgebäudes.

Wir haben uns in diesem Abschnitt insbesondere ein Bild von den

Leistungen des *Aristoteles* und desjenigen, der vor allem auf

dem Gebiete der Naturwissenschaften in seine Fußtapfen trat, des

*Theophrast*, gemacht. Bevor wir uns dem alexandrinischen Zeitalter

zuwenden, sei noch ein Wort über die Bedeutung des *Aristoteles*

gesagt. Sein Einfluß hat sich auf 2000 Jahre erstreckt, und jedes

Zeitalter hat, wenn auch in sehr verschiedener Weise, zu ihm, wie

zu der griechischen Philosophie und Naturwissenschaft überhaupt,

Stellung nehmen müssen. Die Schätzung, welche sie gefunden haben,

ist eine recht wechselnde gewesen, je nach dem Standpunkt, den die

Beurteiler einnahmen. Während des größten Teiles des Mittelalters

galt *Aristoteles* als unanfechtbare Autorität. Noch *Dante* erkennt

ihn voll an und nennt ihn »il maestro di color che sanno«[369]. Der

Ansturm, der sich zu Beginn der neueren Zeit gegen *Aristoteles* erhob,

betraf weniger ihn selbst als seine mittelalterlichen Anhänger und

Ausleger, die manchen eigenen Irrtum durch seine Autorität zu decken

suchten.

Ein scharfer Gegensatz zu *Aristoteles* entstand erst mit dem

immer konsequenter werdenden Bemühen, die Natur aus mechanischen

Prinzipien zu erklären, unter Beseitigung des Zweckbegriffs, der

in der aristotelischen Philosophie dasjenige ist, um das sich alles

dreht. Aufs Schärfste verurteilt wurde demgemäß *Aristoteles* im

Jahrhundert der Aufklärung, der Zeit der französischen Materialisten

und des l'homme machine. Es gehörte damals zum guten Ton, von den

nutzlosen Hirngespinsten des *Aristoteles* zu reden, ohne seine

Schriften gelesen zu haben. Eine Ausnahme bildete damals *Cuvier*,

der ihm für seine Leistungen auf zoologischem Gebiete geradezu

Bewunderung zollte. Mit der Überwindung des reinen Materialismus durch

das erneute Emporblühen der Philosophie stellte sich ein Rückschlag

ein. Es war vor allem *Hegel*[370], der den großen Stagiriten wieder

anerkannte: »*Aristoteles* ist,« sagt *Hegel*, »in die ganze Masse des

realen Universums eingedrungen und hat ihre Zerstreuung dem Begriffe

untergeordnet.« Ziehen wir von diesem Ausspruch *Hegels* soviel ab,

daß wir für die Tat das Wollen setzen, so ist die Bedeutung des

*Aristoteles* richtig erfaßt. In ihm begegnet uns ein Mensch, der sich

die Erklärung des Weltganzen und der Natur im einzelnen zum Ziele

machte und diese Aufgabe in umfassender Weise zu lösen suchte. Ihn

dabei an dem Maßstabe des modernen Naturforschers zu messen, wie es in

England[371] geschehen, ist nicht gerecht.

Durch *Aristoteles* wurde zum ersten Male ein Lehrgebäude errichtet,

das die Ergebnisse der Beobachtung und der Erfahrung, zwar unter allzu

starker Hervorhebung bloßer Denkbegriffe, indes unter Vermeidung

religiöser, mystischer und nationaler Vorurteile, umfaßt. In diesem

allgemein wissenschaftlichen Grundzug liegt die Bedeutung und die

treibende Kraft seiner Lehre. Das war es, was *Aristoteles* die Wirkung

für alle Zeiten und auf alle Völker sicherte.

Ganz abgesehen von dieser allgemeinen Bedeutung des *Aristoteles*

wird man zugeben müssen, daß in seinen Werken eine Menge von

Einzelkenntnissen zusammengestellt und gesichtet sind. Mit Recht

nennen daher die Herausgeber[372] der Tierkunde des *Aristoteles*

dieses bedeutendste naturwissenschaftliche Werk des Altertums eine

»Biologie der gesamten Tierwelt, gegründet auf eine große Menge von

Einzelkenntnissen, belebt durch den großartigen Gedanken, alles

tierische Leben als einen Teil des Weltalls in allen seinen unendlichen

Abwandlungen zu einem einheitlichen Gemälde zusammenzufassen, und

erfüllt von der Weltanschauung, für die Gesetze des natürlichen

Geschehens einen vernünftigen Endzweck vorauszusetzen.«

Auch für die Entstehung der Geschichte der Wissenschaften als einer

besonderen Disziplin ist *Aristoteles* grundlegend gewesen. Er war es,

der z. B. *Eudemos* zur Abfassung seiner Geschichte der Mathematik

anregte (s. S. 81) und andere seiner Schüler veranlaßte, dasselbe für

die Heilkunde und die Physik zu unternehmen.

Die Naturwissenschaften in ihrer Entwicklung und in ihrem Zusammenhange, I. Band Von den Anfängen bis zum Wiederaufleben der Wissenschaften · 第 24 / 58 题