»Hallo Mate«[G] redete er den Soldaten in breitem Irisch an, als er in

Sprachnähe etwa herangekommen -- »kein Boot gesehen hier, seit Du da

stehst und die Muskete spazieren trägst?«

[G] Kamerad.

»~Je ne comprends pas, camarade~« lachte der Franzose, mit dem Kopf

schüttelnd.

»Wer ist todt?« frug der Ire, mit komischem Ernst den Franzosen erstaunt

ansehend.

»~Je ne comprends pas -- rien du tout -- notting!~« erwiederte aber die

Wacht halb mürrisch über die wiederholte Frage, und das einzige

Englische Wort verunstaltend, das sie vielleicht konnte -- »geh hinunter

nach Papetee -- bis Du hinunter kommen kannst wird der Abendschuß

gefeuert, und nachher sitzest Du da.«

»Ahem« nickte der Ire, der nicht eine Sylbe von dem Allen verstand --

»er wird's wohl nicht haben ändern können. Aber verdammt, das ist

langweilige Arbeit, wenn der Bursche auch kein Wort Englisch versteht --

wie mach' ich ihm da begreiflich was ich will -- ist doch horndummes

Volk die Wi-Wis.«

»~Prenez garde!~« rief der Posten drohend, der die letzten nur zu gut

gekannten Sylben wohl verstanden hatte, und sich denken konnte daß der

Fremde ärgerlich darüber sei sich nicht ausdrücken zu können und für

sich schimpfe -- »wahr' Dich wie Du das Wort hier brauchst Kamerad.«

»Dann versteht Ihr vielleicht die Landessprache« rief Jim O'Flannagan,

denn er war es, jetzt rasch -- »auf Tahitisch wär' es wenigstens eine

Aushülfe.«

»Tahitisch nicht gerade« antwortete der Franzose ihm in einem anderen,

aber doch verständlichen Dialekt -- »ich bin fast ein Jahr auf den

Marquesas-Inseln gewesen, und es hat Aehnlichkeit -- aber was wollt

Ihr?«

»Mein Boot, Mate« brummte der Ire, »mein Kamerad hat versprochen mich

hier abzuholen, und jetzt läßt er mich sitzen.«

»Nebenan ist heute ein Canoe angefahren« sagte der Franzose.

»Hol' die Canoe's der Teufel« knurrte Jim -- »wenn man am festesten

sitzt, klappen sie um manchmal, wie die Taschenmesser -- nein eine

ordentliche reguläre Schiffsjölle mit rothem Segel -- nichts gesehn,

Kamerad?«

»Nicht die Probe.«

»Verflucht« brummte der Ire, »aber kommen _muß_ er noch, denn er darf

nicht ohne mich an Bord zurück -- Wollt Ihr mir einen Gefallen thun,

Kamerad?«

»Und der wäre?«

»Wollt Ihr mir erlauben mein klein Bündel hier einen Augenblick

herzulegen? ich traue dem rothen Gesindel nicht recht, ich habe Geld

d'rin.«

»Warum nimmst Du's nicht lieber mit?« frug der Posten.

»Ich muß doch hierher wieder zurück, wenigstens noch einmal nachzusehn

ob das Boot nicht kommt -- nachher geh' ich die Straße hinunter in die

Stadt.«

»Und kommst zu spät zum Abfahren.«

»Bin bekannt dort« lachte der Andere -- »im schlimmsten Fall find' ich

Nachtquartier -- ich bin gleich wieder unten,« und ohne eine halbe

Einwendung des Franzosen dagegen weiter zu hören, legte er sein Bündel

gleich neben den Stamm einer dicht am Strand stehenden Palme, deren

faserige Wurzeln von dem Wellenschlag vollkommen bloß gespült waren, und

schritt in das Gebüsch hinein, das dort allerdings der Straße zuführte.

»Diable« brummte aber auch seinerseits der Posten, »giebt einem da

Aufträge ohne weitere Umstände -- werde mich aber verwünscht wenig um

sein Tuch kümmern. Boot? -- ein Boot darf mir jetzt gar nicht mehr

landen nach Dunkelwerden; verdammt unverschämtes Volk diese Englischen

Matrosen.« Und wie den Aerger zu verjagen setzte er pfeifend wieder

seine Wandrung am Strande auf und nieder fort.

Jim war aber nicht nach der Straße hinaufgegangen, sondern mit jedem

Fußbreit Boden, den er den Tag über genau recognoscirt, vollkommen

vertraut, in den Büschen, zwischen dem Posten und der oben aufgestellten

Wache durchgeschlichen, und einer etwas weiter oben auslaufenden

Korallenspitze zugeeilt, wo man allerdings, der fast bis an die

Oberfläche reichenden Korallen wegen mit einem Boote nicht landen, die

schmale Durchfahrt aber innerhalb der Riffe, desto besser übersehen

konnte. Dort lag er, bis er vom Wasser aus das verabredete Zeichen der

vorbeitreibenden Fässer erhielt, deren dunkle Umrisse er von hier aus

kaum im Stande war zu unterscheiden. Unten, wo der Posten stand, trieben

sie so viel weiter vorüber, und eine Entdeckung war deshalb kaum zu

fürchten, sobald nur das Ausladen geräuschlos genug betrieben wurde.

Vollkommen befriedigt über das was er gesehn, lag er noch einige Minuten

still, das eigenthümliche Floß mit seinen dunklen Geleitern erst etwa in

einer Höhe mit der Schildwacht zu lassen, kroch dann den Weg den er

gekommen zurück, und ging nun, in den Büschen wieder angelangt, und

durch diese mit einigen halblauten, für das Ohr des Posten bestimmten

Flüchen durchbrechend, gerade wieder auf die Palme zu wo sein Bündel

lag.

»Kein Boot gekommen?« frug er hier, dicht bei dem Französischen Soldaten

stehn bleibend, nahm dabei eine Cigarre aus der Tasche, schlug mit Stein

und Stahl Feuer und zündete sie an.

»Nein« sagte der Soldat, dem der Tabacksqualm gut roch, der aber den

Engländer nicht deshalb anreden mochte -- »jetzt wär's auch zu spät, ich

dürft' es gar nicht mehr an's Ufer lassen.«

»So hol's der Böse, ich komme auch ohne es an Bord -- eine Cigarre

Kamerad?«

Er hielt ihm die Cigarren hin und horchte dabei nach dem Wasser hinüber;

sein scharfes Ohr hatte von dorther ein Geräusch entdeckt.

»Danke« sagte der Franzose, die Cigarre nehmend und an der des Iren

entzündend -- »Taback -- schmeckt -- prächtig -- wenn -- man --«

»Hat sie keine Luft?«

»Danke -- geht schon -- wenn man ihn lange nicht gehabt hat -- so,

danke.«

»Hm« sagte der Ire, sein Bündel wieder aufnehmend, er that dabei langsam

ein paar Schritte an der Wache vorbei und blieb dann wieder stehn.

»Gute Nacht Kamerad« sagte der Franzose.

»Gute Nacht -- hm, ja -- gute Nacht Mate« entgegnete Jim -- das Floß

hätte jetzt schon gut an Ort und Stelle sein können, und doch war's ihm

immer, als ob er ein verdächtiges Geräusch gerade gegenüber auf dem

Wasser höre; hinaushorchen durfte er aber auch nicht, sonst wäre der

Posten ebenfalls darauf aufmerksam geworden. Er _mußte_ noch einen

Augenblick zögern, und drückte sein Cigarrenfeuer zwischen den Fingern

aus, that dann ein paar Schritte, blieb stehn, zog wieder, und wollte

eben zurückgehn den Mann wieder um Feuer zu bitten, als dieser sagte:

»Da draußen wird Euer Boot kommen -- mir war als ob ich etwas auf dem

Wasser hörte.«

»Das wäre der Teufel« brummte Jim in Englisch, setzte dann aber sogleich

auf Tahitisch hinzu: »würden jetzt schwerlich glauben daß ich noch hier

bin -- wird wohl ein Fisch gewesen sein.«

Der Soldat horchte.

»Dürft' ich Euch jetzt noch einmal um Feuer bitten« sagte Jim wieder zu

ihm tretend.

»Gern -- wahrhaftig da war wieder etwas.«

»Es sind hier viel Purpoisen im Wasser und machen dann immer einen

merkwürdigen Spektakel.«

»Das war kaum ein Fisch« sagte der Soldat, jetzt vollständig alarmirt

und sich niederkauernd, besser über die Fläche sehn zu können, ob er

nicht doch vielleicht durch die Dunkelheit irgend etwas entdecke

-- »müßte mich sehr irren, wenn das nicht wie eine Menschenstimme klang.«

»Vielleicht Fischer die noch draußen sind« sagte der Ire, sich jetzt

ebenfalls niederkauernd, dem was man hörte Form abzugewinnen, in der

That aber dem Soldaten, falls dieser wirklich laut werden wollte, so nah

als möglich zu sein.

»Ruft doch einmal Euer Boot an« sagte jetzt der Soldat zu Jim, »da

werden wir gleich sehen wer draußen ist.«

Das war allerdings richtig, aber daran lag dem Iren Nichts hier Lärm,

und die Soldaten an der Straße nur ebenfalls aufmerksam zu machen.

»Es kann das Boot nicht mehr sein« brummte er kopfschüttelnd.

»Diable« murmelte der Franzose, »ich glaube wahrhaftig ich sehe dort

etwas auf dem Wasser -- ruf Kamerad, ich _muß_ wissen was da draußen

ist.«

Jim konnte sich nicht länger weigern und die Hände trichterförmig an den

Mund haltend, daß der Schall so wenig wie möglich rückwärts ginge, rief

er mit keineswegs lauter, dumpf klingender Stimme:

»Boot ahoy!«

Keine Antwort erfolgte.

»Lauter!« sagte der Soldat.

»Boot ahoy« rief Jim noch einmal, ohne daß sich von draußen irgend etwas

als Antwort hören ließ; ja es schien eher als ob der Laut das da drüben,

was es nun auch gewesen, zurückgescheucht habe in die Tiefe, aus der es

vielleicht gekommen.

»Du rufst gerade als wenn man in einen Topf spricht« brummte der Soldat

-- »das kann man ja nicht auf fünf Schritt hören.«

»Ich bin heiser« sagte Jim -- »aber es war auch jedenfalls ein Fisch --

jetzt ist Alles wieder todtenstill.«

»Vielleicht -- vielleicht auch nicht, -- da ist's wieder! ~qui vive!~«

rief er dann mit lautem, kurz abgestoßenem Ton über das Wasser hinüber,

»Teufel wenn Du mir da drüben nicht antwortest, schick' ich Dir eine

Kugel hinüber.«

Jim hatte die rechte Hand in seiner Tasche und stand lautlos nicht zwei

Schritt von dem Franzosen, er sah sich scheu und rasch um, und die linke

Hand faßte wie krampfhaft das Bündel das sie trug.

»Wenn Ihr denn da drüben nicht antworten wollt, so tragt auch die

Folgen« brummte der Soldat vor sich hin und spannte den Hahn -- Jim

stand dicht hinter ihm, seine rechte Hand hob sich und als er sie

senkte rasselte das Gewehr auf den Sand nieder, und der Körper des

unglücklichen Franzosen brach lautlos zusammen.

»Hast's nicht anders haben wollen« sagte der Mörder dumpf vor sich hin

und beugte sich zu seinem Opfer nieder. Unwillkürlich hatte er dabei in

seiner Tasche nach etwas gesucht -- er zog aber die Hand wieder zurück

und lächelte unheimlich: »er braucht keinen Knebel mehr; 's giebt doch

nichts besseres auf der Welt als solche Schlingenkugel für derlei Arbeit

-- was für einen sanften Tod der Schuft gestorben ist. Aber nun Kamerad,

Dein Gewehr und Patrontasche -- das Seitengewehr hilft Dir auch nichts

mehr, und hier oben können wir's vielleicht brauchen.«

Rasch hatte er dem Ermordeten die Waffen abgenommen, dann noch einen

Augenblick nach dem Wasser hinüberhorchend zog er die Leiche unter einen

Busch, wo sie wenigstens nicht vor Tag entdeckt werden konnte, griff

sein Tuch und die erbeuteten Waffen auf, und glitt am Strande hin der

Stelle zu wo der kleine Cutter vor Anker lag und das Floß mit den Waffen

ebenfalls anlegen sollte. Den Boden stampfte er aber vor Wuth, als noch

keine Spur von den versprochenen Fässern sichtbar war, und die kostbare

Zeit verfloß indeß in unverantwortlichem Warten. Schon wollte er wieder

zurück am Strande, ob er weiter oben Nichts erkennen könne, als ein

leiser leiser Pfiff, mehr wie das Zischen eines Seevogels, vom Wasser

herübertönte.

»Endlich« knurrte der Seemann, die Zähne fest zusammenbeißend und wie er

den Ruf kaum, eben so vorsichtig, beantwortet, kam auch schon im

Fahrwasser das lange Floß mit den Schwimmern heran. »Wo zum Teufel habt

Ihr so ewig lang gesteckt?« fluchte hier Jim ihnen entgegen, »glaubt Ihr

daß sie uns die ganze Nacht Raum zu unserer Arbeit geben werden?«

»Wir saßen da drüben auf einer Koralle und konnten nicht wieder

loskommen« sagte Einer der Eingebornen.

»Und habt einen Skandal gemacht, daß man's hätte in Papetee hören

können« zürnte der Ire.

»Hat die Schildwacht 'was gemerkt?«

»Euere Schuld wär's nicht, wenn sie's hätte -- aber jetzt fort, heran

hier mit dem Faß, und nicht länger geschwatzt -- habt Ihr die Säge mit?

-- so hier, nun sägt die Reifen vorsichtig durch -- halt ich will das

selber thun -- herauf mit dem Faß hier, und Du mein Bursche läufst über

den Weg hinauf und holst die Leute herunter die dort versteckt liegen --

Rasch mit Dir, sie sollen Alle kommen, wir müssen die Fracht in Zeit von

einer Stunde wenigstens im Busch drinn haben; dort bleibt uns dann die

ganze übrige Nacht, sie aus dem Weg zu schaffen.«

Der Insulaner schlich sich rasch am Haus hinauf und kehrte bald darauf

mit einer Anzahl seiner Landsleute zurück, die schon ungeduldig genug

darauf gewartet hatten abgerufen zu werden, Jim aber sägte indessen mit

einer seinen scharfen, besonders dazu hergerichteten Säge die hölzernen

Reifen der Fässer durch, diese zu öffnen, und reichte die schon in

tragbare Pakete eingeschnürten Gewehre, wie die kleinen Fäßchen Pulver

rasch hinter einander hinaus. Blei befand sich schon genug an Land, was

früher zu anderen Zwecken bestimmt gewesen. Vier Fässer waren solcher

Art in unglaublich kurzer Zeit aufs Trockene gewälzt, geöffnet und

geleert worden, und selbst von dem fünften hatte Jim schon die Reifen

herunter, die Dauben mit Hülfe von ein paar Insulanern sorgfältig

auseinander genommen, und angefangen die Pakete herauszureichen, mit

denen zwei augenblicklich nach oben liefen, als sie den zurückkehrenden

René über den freien Platz gleiten und in das Haus verschwinden sahen.

Einer der Indianer sprang rasch zurück, dem Iren die unwillkommene

Ankunft zu melden, dieser aber ließ sich nicht irre machen und betrieb

das Ausladen nur um so schärfer.

»Fort mit Euch -- fort.« flüsterte er rasch und leise -- »in zehn

Minuten können wir mit unserer ganzen Sache in Sicherheit sein und dann

mögen sie kommen und spioniren; in die Guiaven folgt uns doch so leicht

Keiner hinein. Hier meine Jungen, auf mit Euch und davon -- was steht

Ihr da? -- die Thür? -- fort mit Euch -- so lange das Zeichen nicht -- ha

Teufel!« unterbrach er sich rasch, als da Mitonares langgezogener

Warnungsruf zu ihm niederschallte, »da ist wirklich Noth an Mann.«

»Sollen wir noch gerad hinauf?« frug ihn Einer der Leute, der seine Last

schon auf den Schultern trug.

»Nein, hier rechts hinein« rief Jim rasch, »in des Franzosen Haus da

neben an ist auch Niemand daheim, und die Fenz hier unten am Wasser hab'

ich schon niedergebrochen. Dort hinüber und dann gerade hinauf in die

Guiaven. Hier noch ein Pack. Pest, wenn nur noch zwei Leute unten wären;

fort -- macht daß Ihr fortkommt -- um Euer Leben.«

Und die Warnung kam nicht zu spät, denn Jim O'Flannagans scharfes Ohr

hatte schon die herbeieilenden Soldaten entdeckt, die rasch und ziemlich

laut durch die Büsche traten, während zu gleicher Zeit René in seiner

Thür erschien. Nur noch zwei Pakete Waffen waren dabei übrig geblieben,

davon schob er das eine jetzt rasch auf das Deck des kleinen Cutters,

vielleicht vor anbrechendem Morgen noch einmal Gelegenheit zu bekommen

es von dort wieder durch irgend einen der Eingeborenen zu entfernen,

während er selber das andere auffaßte und damit, so rasch ihn seine Füße

trugen, den letztgegangenen Indianern folgte.

»Halt steh da!« schrieen ihm einzelne Stimmen nach, denn seine dunkle

Gestalt war von oben herab gegen den helleren Wasserspiegel sowohl als

den weißen, durch die Ebbe bloßgelegten Sand des Strandes entdeckt

worden, und drei Kugeln schwirrten zu gleicher Zeit nach ihm hinüber.

Eine davon traf das Paket das er trug, und warf ihn fast durch den

scharfen Druck zu Boden, die anderen beiden fehlten, und seine Last mit

dem linken Arm nur fester umspannend, während er das dem ermordeten

Posten abgenommene Gewehr in der rechten Hand trug, sprang er mit

wenigen Sätzen durch den Garten, brach die kleine und ziemlich schwache

Bambusthür nieder und erreichte eben die Guiaven-Dickung, als seine

Verfolger dicht unter dem Weg erschienen und den Hang hinanstürmten ihn

auch dort nicht aufzugeben. Jim aber feuerte hier, theils um sie zu

schrecken, theils sich vielleicht Eines der Verfolger zu entledigen, das

geladene Gewehr das er trug, ohne lang zu zielen, auf sie ab, und die

Kugel schlug mitten zwischen ihnen durch in einen jungen Baum. Das aber

zeigte ihnen auch welcher Gefahr sie sich hier, ohne die mindeste

Aussicht auf Erfolg aussetzten, denn bei Nacht war in einem solchen

Dickicht gar nicht daran zu denken die, noch dazu mit dem Terrain

vertrauten Indianer einzuholen, und die weitere Verfolgung wurde auf

morgen früh mit Tageslicht festgesetzt, bis wohin auch Verstärkung von

Papetee herbeigeholt, wie die vermißte Schildwacht aufgefunden werden

konnte, wenn sie nicht, wie man sie jetzt stark in Verdacht hatte,

gemeinsame Sache mit den Eingeborenen gemacht, und mit ihnen auch in die

Berge geflohen sei.

Capitel 7.

Consul Pritchards Gefangennahme.

Trommeln wirbelten und Patrouillen zogen in kleinen finsteren Trupps mit

raschen Schritten durch die von der Morgensonne freundlich beschienene

Stadt. Die Insulaner standen in kleinen Gruppen bestürzt beieinander,

und die Mädchen liefen neugierig herüber und hinüber, zu sehn und

horchen was geschehn, was vorgefallen sei, eine so plötzliche

auffallende Veränderung in dem Benehmen der Fremden zu rechtfertigen.

Keiner sprach, Keiner lachte mehr mit ihnen; barsch zurückgewiesen

wurden sie, sobald sie sich ihnen nur näherten, und von den

verschiedenen Schiffen landete Boot nach Boot, vollgedrängt von

Bewaffneten, die verschiedene am Strand gelegene und der Königin

gehörige Bambushäuser in Besitz nahmen, Wachen, ja Festungen daraus zu

bilden.

Dumpfe Gerüchte verbreiteten sich indeß auch unter den Bewohnern von

Papetee, die keine Ahnung irgend einer begonnenen Feindseligkeit haben

konnten. Eine Parthie Waffen war gestern Nacht in Mativai Bai auf

schlaue Weise an Land geschmuggelt; man hatte nicht allein einzelne

Stücken, ein Bayonnet und mehre andere Kleinigkeiten an der Straße,

sondern auch ein ganzes Paket mit Englischen Musketen in einem kleinen

Cutter der dort vor Anker lag, gefunden, und gegen Morgen noch, wo man

mit Fackeln nachgesucht, war der Leichnam der überfallenen und

ermordeten Französischen Schildwache, ebenfalls ihrer Waffen beraubt,

entdeckt worden. Viele Personen waren deshalb schon verhaftet, auf

anderen lag schwerer Verdacht, und die herbeigezogene Truppenmasse schon

allein genügte, die sorglose Stimmung der Eingebornen zu zerstören, und

ihnen einigermaßen das Verhältniß in seinem wahren und grellen Licht zu

zeigen, in dem sie zu den fremden Eindringlingen standen, und welche

Stellung diese, ihnen gegenüber, einzunehmen gedachten.

Was sollte geschehen, was wollten diese von ihnen, und weshalb eine

Armee in ihre Hütten werfen, die ihnen noch keinen Widerstand geboten,

und jetzt überall durch die fremden unwillkommenen Gäste unwohnlich und

beschränkt wurden. Die Häuptlinge traten zusammen und schickten Boten an

die Missionaire ab, diese um Verhaltungsmaßregeln zu ersuchen; die

geistlichen Herren fühlten aber daß ihr Regiment, für den Augenblick

wenigstens, hier ausgespielt sei, und der einzige von ihnen, Mr.

Pritchard, der sich durch die Flagge seiner Nation geschützt glaubte,

zürnte offen und frei wie vor gegen die förmliche und muthwillige

Eroberung, nein nicht einmal Eroberung, sondern einfache Besitznahme

eines vollkommen friedlichen Landes an, dessen Fürstin sich jetzt nur

gezwungen einer solchen Gewalt füge und wissen werde sich ihr Recht zu

wahren, wenn die Zeit dazu gekommen sei.

Die Franzosen kehrten sich aber wenig an Herrn Pritchard; ihre Flagge

wehte schon von fünf oder sechs occupirten Gebäuden, ihre Soldaten

durchzogen die Stadt nicht allein, sondern setzten sich an dem obern wie

untern Theil derselben fest, und Massen von ihnen, die Flinte und

Seitengewehr so lange ablegten und zu Spitzhacke und Schaufel griffen,

fingen nicht allein an auf der kleinen reizenden Insel Motuuta

Verschanzungen aufzuwerfen, sondern auch, zum unbegrenzten Erstaunen der

Bewohner von Papetee, Gräben zu ziehn und Erdwälle aufzubauen um die

Stadt selbst herum, als ob sie sich gegen die Berge und das benachbarte

Land vor einem Angriff sichern wollten, an den in der That noch wenige

der Insulaner gedacht, und der ihnen dadurch erst vor die Augen gerückt

und als möglich und ausführbar gestellt wurde.

Die Französische Regierung aber, oder vielmehr das Französische

Regiment, das recht gut fühlte wie es bei einem wirklichen Angriff _gut

bewaffneter_ Insulaner, hier dicht von den Bergen überall

eingeschlossen, mancher Gefahr ausgesetzt sein könne, suchte gleich im

Anfang mit durchgreifenden Maßregeln allen solchen Versuchen entgegen zu

arbeiten, und eine etwaige Empörung im Keim zu ersticken. Strenge schien

hierbei vor allen Dingen nöthig und den Befehlshabern war deshalb

besonders daran gelegen die Mörder des Franzosen heraus zu bekommen,

oder wenigstens ihre Spur zu finden, von der es schon ziemlich bestimmt

im Französischen Lager hieß daß sie in das Haus eines der

Protestantischen Missionaire, vielleicht gar des Englischen Consuls

führen würde. Mr. Pritchard mit seiner offnen und ungescheuten Predigt

gegen ihre Macht war ihnen überhaupt ein Dorn im Auge.

Zu den ersten Maßregeln des Französischen Kommandanten gehörte es aber

auch an diesem Morgen René Delavigne verhaften zu lassen, auf dessen

Grundstück -- ob mit seinem Vorwissen oder nicht mußte die Untersuchung

erst ergeben -- die Waffen ausgeladen waren und auf dessen, durch ihn

hingeführten und dort gehaltenen Cutter man noch ein frisch eingenähtes

Paket Waffen gefunden, das jedenfalls von Bord irgend eines der im Hafen

liegenden Englischen Schiffe hinüberbefördert und dann während der

Entdeckung und dem Angriff der Französischen Wache, dort zurückgelassen

war. Sein spätes Außensein und seine doch sichere Bekanntschaft mit der

dortigen Oertlichkeit wurde sogar mit der erschlagenen Wache in

Verbindung gebracht, wobei ihm das nicht einmal zur Rechtfertigung

dienen konnte, den Französischen Soldaten selber dorthin geführt zu

haben, wo sie die Schmuggler entdeckten -- jedenfalls waren die Vorräthe

zu der Zeit schon in Sicherheit gewesen und die Möglichkeit lag unter

jeder Bedingung vor, daß ein solcher Schritt, später gerechtfertigt

dazustehn, ausführbar, ja sogar klug gewesen wäre.

Den Cutter, an dessen Bord man die Waffen gefunden, nahm die Regierung

ebenfalls in Beschlag, ja er wurde sogar, nicht einmal blos vor der Hand

in Untersuchung gelegt, sondern gleich ohne Weiteres confiscirt und zum

Französischen Küstendienst requirirt -- an Wiederherausgeben war gar

kein Gedanke mehr.

Sadie erschrak, als an dem Morgen, an dem sie gehofft hatte dem wilden

stürmischen Tahiti den Rücken zu kehren und hinüber zu flüchten in ihr

friedliches, freundliches Atiu, Bewaffnete kamen ihren Gatten

fortzuführen; aber rasch gefaßt, und dem Unvermeidlichen sich fügend,

übersah sie auch bald daß René, vollkommen unschuldig an den Vorgängen

des letzten Abends, auch bald gerechtfertigt wieder dastehn und

natürlich freigegeben werden würde. Ernstlichere Folgen sah sie nicht

und konnte sie nicht eine in einer solchen Maßregel sehn. Aber sie

bezwang sich auch, dem Gatten gegenüber, noch weit gewaltiger, als ihr

eigentlich zu Sinn war; sie wollte ihn nicht mit schwerem Herzen

fortgehn lassen, wo er ja gerade Alles gethan hatte sie wieder froh und

glücklich zu machen, und wenn das nun für den Augenblick noch nicht

ging, so war das ja nicht seine Schuld sondern -- das Herz schlug ihr

doch laut und ängstlich wenn sie in diesem Augenblick daran dachte _wer_

die Hand zu dem Ganzen geboten, und nur das Bewußtsein vermochte sie

dabei vollständig zu trösten, daß Alles ja nur geschehn wäre ihr

Vaterland von den Unterdrückern desselben zu befreien, und den

Schwachen, Niedergeworfenen, gegen den starken und übermüthigen Feind zu

schützen.

Nicht allein René wurde aber an dem Morgen verhaftet, sondern auch der

kleine Mi-to-na-re, der allerdings schon mit Sonnenaufgang einen Versuch

gemacht hatte das, die ganze Nacht umstellte Haus zu verlassen, von den

Wachen aber verhindert war und nun mit nach Papetee abgeführt wurde.

»Armer Mitonare« sagte Sadie traurig, als er, aufgefordert der

Patrouille zu folgen, an jenem Morgen sein Gebetbuch wieder in die linke

Rocktasche hineinzwängte, und unverkennbar niedergeschlagen sich bereit

machte dem eben nicht freundlich gegebenen Befehl zu gehorsamen --

»armer Mitonare ist von seinem freundlichen Atiu hier herüber gerufen um

Sorge und Noth zu haben, um des Glaubens Willen.«

Bruder Ezra schüttelte aber mit dem Kopf und sagte, keineswegs zufrieden

mit der ganzen Begebenheit:

»Glauben? -- der Glauben hat wenig genug damit zu thun -- wir sollen

_glauben_, Pudenia, und die Wi-Wis wissen Alles gewiß. Glauben -- ja,

ist ein schönes Ding, aber ein bequemes Haus dabei, und viel Brodfrucht

-- nicht so in der Welt herumlaufen und das schwere Buch hinten in der

Tasche mitschleppen. Warum stecken sie Bodder Aue nicht ein?«

»Wer ist das?« sagte Einer der dabeistehenden Französischen Soldaten,

der eben genug von dem Tahitischen Dialekt verstand, den Sinn zu

begreifen, »wo ist der, den Du eben genannt hast?«

»Bodder Aue?« sagte Mitonare, und der ihm eigene Zug drollen Humors, der

ihn auch in diesem Augenblick nicht verließ, spielte ihm um die Lippen

-- »Bodder Aue ist sehr guter Freund von mir auf Atiu -- aber nicht hier

-- wenn wir ihn haben wollen können wir einen Brief schreiben; gehe

wieder hinüber, sobald die Feranis keine Brodfrucht mehr für mich

haben.«

»Fort denn, mein Bursche« sagte der Soldat ärgerlich, »wir haben lange

genug hier getrödelt,« und während man René noch Zeit ließ, ein paar

Briefe an Bertrand und Herrn Belard zu schreiben, die er augenblicklich

abgegeben zu haben wünschte, wurde der kleine braune Missionair, unter

den Spottreden und Witzen der Französischen Soldaten, die sich über

seine unsinnige eingezwängte und unpassende Kleidung nicht wenig

amüsirten, nach Papetee zu abmarschirt. Mitonare nahm aber die Sache

ungemein kaltblütig -- klemmte seinen linken Rockschoß wieder unter den

Arm, setzte seinen hohen Hut auf und schritt so ehrbar und ernst

zwischen den bärtigen Kindern eines andern Landes hin, und grüßte so

würdevoll die ihn begegnenden Insulaner, von denen ihn Viele kannten und

lieb hatten, daß sich der Spott der Soldaten endlich auch abstumpfte,

und sie ihn ungefährdet weiter in das Hauptquartier lieferten.

René blieb übrigens, wie er auch Sadie zu ihrer Beruhigung vorhergesagt,

nur wenige Stunden in Haft; leicht war es ihm durch seine Freunde zu

beweisen, wie er wirklich den ganzen vorigen Nachmittag in Papetee

zugebracht, und erst lange nach Dunkelwerden nach Hause aufgebrochen

sei. Dort selber hatte er den Französischen Soldaten mitnehmen wollen,

als sie die Schmuggler trafen; an eine Mitwissenschaft war nicht zu

denken. Schwieriger wurde es ihm zu beweisen, daß der kleine Cutter die

Waffen nicht an Bord gehabt, als er ihn dort bei sich vor Anker legte,

und daß er der Mission selber gehöre machte die ganze Sache nur noch

verwickelter. Es ließ sich kaum denken daß der junge, mit den Officieren

auf so freundlichem Fuß stehende Franzose etwas Derartiges gegen seine

Landsleute unternehmen, oder auch nur unterstützen würde, und dennoch

mochten die Französischen Behörden eine solche Gelegenheit, die Mission

selber in eine Untersuchung hineinzuziehen, nicht unbenutzt wieder

entschlüpfen lassen -- wer wußte ob nicht dann, wenn auch selbst nicht

über diesen Fall, doch manches Andere an den Tag kam. Gern wurde deshalb

auch die Bürgschaft der Herrn Belard und Brouard angenommen, René

Delavigne augenblicklich wieder auf freien Fuß zu lassen, mit der

Bedingung nur, Tahiti nicht zu verlassen, bis eben die Sache streng und

vollkommen untersucht sei, wozu man sowohl seiner Gegenwart wie seines

Zeugnisses glaubte benöthigt zu sein.

Nicht so leicht sollte dagegen Bruder Ezra davonkommen, und trotz dem

Protest der Missionaire, die es als einen Eingriff in ihre Religion

betrachtet haben wollten einen fungirenden Missionair auf nur flüchtigen

Verdacht hin seinem Amt zu entziehn, trotz der eben so ernsten

Reclamation des Englischen Consuls, der in dem Indianer, als aktivem

Mitglied einer Englischen Missionsgesellschaft, auch einen Englischen

Bürger zu sehen glaubte oder zu sehen behauptete, behielt man ihn im

Verwahrsam, und die Antwort die dem Englischen Consul wurde, war: sich

selber in Acht zu nehmen und von gefährlichen Demonstrationen fern zu

halten, wenn er nicht gleiches Schicksal -- vielleicht noch Schlimmeres,

gewärtigen wollte.

Solcher Art standen die Sachen mehrere Tage, die Französischen

Kriegsschiffe fuhren ab und zu, umsegelten die Insel Tahiti einige Male,

kreuzten nach Imeo hinüber, und Einzelne davon wurden sogar auf eine

regelmäßige Expedition beordert, die Französische Flagge nämlich auf der

Nachbargruppe der Gesellschafts-Inseln, auf Huaheine, Bola Bola, Raiatea

und den anderen aufzupflanzen, ja man sprach sogar schon davon auch die,

gerade unter dem Wind liegenden »Cooks-Inseln« zu denen Atiu gehörte, in

Besitz zu nehmen und hie und da Garnisonen zu lassen. Doch hatten die

Schiffe für jetzt eben mit der Gesellschaftsgruppe alle Hände voll zu

thun, und ließen die übrigen Inseln für eine spätere und günstigere

Zeit.

Indessen waren die Franzosen unendlich thätig in Papetee und der

Umgegend; feste Blockhäuser zu Kasernen und Gefängnissen wurden mit

einer Masse von Leuten in unglaublich kurzer Zeit gebaut, Laufgräben um

die eigentliche Stadt gezogen, ein tüchtiger Damm als Brustwehr

aufgeworfen, und Geschütze von den Schiffen an Land gebracht, diese,

sobald sie nöthig werden sollten gegen den Feind verwenden zu können.

Auch die kleine Insel im Eingang des Hafens, welche die Haupteinfahrt

allerdings vollkommen überwacht, wurde mit schwerem Geschütz versehn,

irgend einem doch vielleicht gefürchteten Angriff der Engländer zu

begegnen, und das gerade war es was den Insulanern, durch die Europäer

darauf aufmerksam gemacht, wieder neuen Muth gab, ihre Sache noch nicht

verzweifelt zu glauben. Beschäftigten ihre Freunde die Beretani's -- die

übrigens auch hätten etwas früher kommen können -- nur die Schiffe, so

wollten sie dann schon mit den am Lande befindlichen Wi-Wis -- mochten

das auch noch so viel sein, fertig werden.

Die Stimmung gegenseitig wurde ebenfalls eine feindlichere von Tag zu

Tag. Die Eingebornen mußten eine Masse Provisionen und Früchte in die

Stadt liefern, die man ihnen allerdings vollkommen gut bezahlte; aber

dies zwang sie zu einer ihnen fremden und unbequemen Thätigkeit, einer

Thätigkeit die sie nicht einmal gern für sich selber, viel weniger für

die erklärten Feinde ihres Glaubens und Landes anwenden wollten, und sie

erkundigten sich vor allen Dingen bei ihren Missionairen, ob sie dazu

verpflichtet wären den Französischen Soldaten Brodfrucht und Fleisch und

Früchte und Fische zu Markt zu bringen.

Welche Antwort sie dort erhielten ist nicht bekannt, aber sie weigerten

sich von da an die verlangten Provisionen einzuliefern, und eine

Proclamation des Gouverneurs erklärte sie für _Rebellen_.

»Rebellen?« bah, das war Unsinn -- das Wort das sie für Rebellion

hatten, bezog sich auf eine Empörung gegen ihren Landesherrn und

Gebieter, nicht gegen einen fremden Wi-Wi, der mit großen Schiffen kam

und ihnen das Land wegnahm; denn selbst daß Einzelne ihrer Häuptlinge

die Franzosen ersucht hatten sie zu _beschützen_ konnte ihrer Meinung

nach die Fremden nicht berechtigen ihre Königin abzusetzen, gegen die

sie ja gar keinen Schutz verlangt hatten, und ihnen Fremde zu Richtern

und Distriktsoberhäuptern zu geben. Daß die Wörter »Protektorat« und

»Besitznahme« dem Französischen Admiral ähnlich genug klangen sie zu

verwechseln, konnten sie nicht wissen.

Neue Forderungen des Kommandanten um Provision gingen indeß mit der

scharfen Drohung ein, die ernstesten Maßregeln ergreifen zu wollen, wenn

dem _Befehl_ nicht Folge geleistet würde, und besonders sollten die

Häuptlinge, als die Einzigen an die man sich möglicher Weise direkt

halten konnte, für das Betragen des Volks in diesem Fall verantwortlich

gemacht werden.

Auch den Missionairen wurde nochmals die, in nicht sanften Ausdrücken

abgefaßte Warnung gegeben, sich nicht im Mindesten um die politischen

Verhältnisse der Insel zu bekümmern, wenn sie sich nicht, im

entgegengesetzten Fall, den unangenehmsten Folgen selber aussetzen

wollten; ja es wurde ihnen sogar die auch bald darauf in einer

Proklamation veröffentlichte Drohung verschärft in's Gedächtniß

zurückgerufen, daß jeder Fremde, der gegen die jetzt bestehende

Regierung sprechen würde, augenblicklich, und ohne Einspruch von irgend

einer andern Seite zu gestatten, von der Insel verbannt werden würde.

Mehre der Missionaire, vielleicht ängstlicher als die Anderen, oder sich

auch möglicher Weise irgend einer Aeußerung bewußt die ihnen das

Mißfallen der jetzt mächtigen Franzosen zuziehen konnte, verließen

Papetee und gingen theils nach Imeo theils nach Bola-Bola oder Huaheina

hinüber; die meisten blieben aber auf ihrem Posten, fest entschlossen

dem fremden Einfluß unverdrossen, und so viel nur irgend in ihren

Kräften stand, entgegenzuarbeiten, mochten die Folgen dann ausfallen wie

sie wollten.

Der neue Aufruf an die Häuptlinge veranlaßte diese wieder sich an die

Königin zu wenden, und von ihr Verhaltungsmaßregeln einzuholen, was sie

thun, wie sie handeln sollten. Pomare aber, obgleich keineswegs gewillt

sich zu unterwerfen, war doch auch wieder durch die Flucht so vieler

Missionaire und die Warnungen der Uebrigen nicht zu weit zu gehn, ehe

sich England nicht entschieden hätte, zu sehr eingeschüchtert worden,

und gab ausweichende Antworten, ja verwies die an sie abgesandten

Häuptlinge sogar an den Consul Pritchard, und da dieser erklärte in

seiner Stellung -- was auch seine Privatmeinung sein möge -- der Königin

nicht officiell beitreten zu können, bis er Verhaltungsbefehle von

London habe, an den Missionair Rowe.

Diesen aber weigerten sich die Häuptlinge (wenigstens die Mehrzahl

derselben, denn Einzelne, mit Aonui an der Spitze, verlangten keinen

bessern Wegweiser für ihr Verhalten) als Führer anzunehmen; Fanue vor

allen Andern schwor, sie hätten lange genug unter dem Regiment der

Priester gestanden, und das gerade sei ihr Fluch gewesen von je her. Er

verlangte deshalb auch eine Zusammenkunft der Ersten des Volks, wo sie

die Befehle ihrer Königin einholen und das Beste des Landes, das jetzt

gerade ihr Zusammenstehn am Meisten fordere, berathen konnten.

Diese, den Interessen der Franzosen geradezu entgegenlaufende Maßregel

wurde vom Consul Pritchard auf das lebendigste unterstützt; er

behauptete das Volk habe ein Recht über sein eigenes Wohl zu sprechen,

das eine fremde Nation, sie möge es so gut mit ihm meinen wie sie wolle,

gar nicht verstehen könne, viel weniger die Französische und er redete

der Königin zu darein zu willigen, ja suchte sogar den Capitain des

kürzlich eingelaufenen Dampfers Cormorant dafür zu gewinnen, den

Häuptlingen den Schutz seines Dampfers zu einer freien Besprechung zu

gestatten, damit sie am Land nicht vielleicht durch überall

umherstreifende Truppen gestört, oder gar aufgehoben wurden.

Die Französischen Officiere bekamen noch an dem nämlichen Abend Kenntniß

von dieser Absicht, und trafen ihre Maßregeln den Feind, der ihnen

vielleicht gefährlich, jedenfalls aber höchst unbequem war, so rasch als

möglich unschädlich zu machen.

Am andern Morgen war ein Placat an den Ecken angeklebt, worin die

Eingebornen gewarnt wurden sich durch irgend Eines Rede gegen die einmal

bestehende Obrigkeit aufzulehnen, während man Alle mit den härtesten

Strafen bedrohte, die etwas Derartiges in, den Franzosen feindlichem

Interesse, unternehmen sollten. Namen waren nicht dabei genannt, aber

das Ganze so entschieden gehalten, daß selbst Bruder Rowe fühlte sie

seien, für jetzt wenigstens, an einer Grenze ihrer Thätigkeit angelangt,

und würden wohl thun sich entweder für eine Zeitlang von dem Schauplatz

Französischer Herrschaft zu entfernen, oder doch wenigstens die Sache,

die sie nicht mehr aufhalten konnten, ihren ungehinderten Gang gehn zu

lassen, damit sie nicht zu Schaden kämen.

Das Nähere darüber mit dem Consul Pritchard zu besprechen, suchte er

diesen auf, und fand ihn schon vollständig angezogen, mit auf dem Rücken

gekreuzten Armen mit großen Schritten in seinem Zimmer auf- und

abgehend; eine Einleitung wurde ihm übrigens schon durch dessen Anrede

erspart.

»Sie kommen mir zu erzählen, daß die Franzosen freundlich unserer an den

Straßenecken gedacht haben?« sagte er, mit einem eigenthümlichen Lächeln

um die feingeschnittenen Lippen vor ihm stehen bleibend.

»Allerdings Bruder Pritchard« erwiederte Mr. Rowe mit in die Höhe

gezogenen Augenbrauen und gefalteten Händen, »die Sache wird bedenklich,

und diesen tollen Papisten gegenüber, die nun einmal keine andere

Autorität auf und über der Erde anerkennen, als ihre Waffen, wäre es

allerdings an der Zeit auf einen anständigen Rückzug zu denken. Ich

fürchte besonders daß gerade Sie dabei gefährdet sind.«

»Bah, bah« sagte der frühere Geistliche, den die Missionaire noch gerne

»Bruder« nannten, verächtlich -- »was können, was _dürfen_ sie mir thun?

-- ich habe keinen offenen Aufruhr gepredigt, ich habe nur das gesagt was

ich, nicht allein als Consul ihrer Britannischen Majestät, nein auch

als Mensch verantworten konnte, und sie mögen sich ärgern darüber, aber

sie dürfen nicht wirklich etwas anderes gegen mich unternehmen, als

vielleicht -- was wahrscheinlich geschehen wird -- von meiner Regierung

verlangen daß sie mich abberuft; statt dem Befehle kommt dann vielleicht

eine Flotte.«

Mr. Rowe schüttelte bedenklich mit dem Kopf.

»Ich habe mich selber« sagte er, »früher solchen phantastischen Träumen

hingegeben, und auch mein Möglichstes, selbst bis noch auf die neueste

Zeit gethan, diesen Glauben bei den Insulanern aufrecht zu erhalten, muß

aber doch gestehn daß ich jetzt anfange mißtrauisch gegen meine eigenen

Prophezeihungen zu werden, die unsere Regierung keineswegs, nicht einmal

mehr durch eine einfache Demonstration zu unterstützen scheint. Seit der

würdige Capitain des Talbot diese Ufer verlassen hat thun diese

nichtswürdigen Feranis vollkommen ungehindert was ihnen eben gut dünkt,

und einzelne Kriegsschiffe unserer Nation, von denen wir immer

gesprochen, kommen, sehen sich die Sache an, hören auch, geduldig oder

ungeduldig was wir ihnen zu klagen haben und -- segeln einfach wieder

aus der Bai, ohne selbst einmal Joranna zu sagen. Ich kann wohl gestehn

daß die Bibel von Alt-England hier zum ersten Mal auf eine höchst

befremdende Weise im Stich gelassen wird, während es uns selber in die

größte Verlegenheit bringt, einestheils die zu unserer eigenen Erhaltung

nöthigen Schritte zu thun, und andrerseits auch wieder unserem Grundsatz

treu zu bleiben, und uns nicht in die politischen Verhältnisse des

Staates in dem wir freundlich aufgenommen wurden, zu mischen.«

»Da kommen wir auf den faulen Fleck« sagte der Consul finster, seine

Hände ineinander reibend und seinen Spaziergang im Zimmer wieder

beginnend, in dem er nur manchmal bei der Bestärkung irgend eines

Satzes, vor dem Missionair stehen blieb und ihn auch wohl leise bei

einem Knopf faßte -- »es ist das alte Sprichwort: »wasch mich und mach'

mich nicht naß -- wir haben stets etwas darin gesucht mit etwas zu

prahlen, das an und für sich ein Unding ist, und Sie werden mir bezeugen

können wie ich selber mich von je dagegen aufgelehnt. Als Missionair bei

einem vollkommen uncivilisirten Volke _muß_ ich mich auch mit den

politischen Verhältnissen desselben beschäftigen, ich muß sie ordnen und

sichten, ich muß die bestehenden Gesetze, so weit sie mit dem

Christenthum vereinbar sind, diesem anpassen; ich muß die Strafen in dem

Verhältniß bestimmen, wie es uns von der Heiligen Schrift angegeben

wurde, und das ist die Stelle wo die Religion in die Politik eines

Landes, in dem ich eine Gleichstellung vor dem Gesetz fordere,

hineingreift und hineingreifen muß, wenn unsere ganze Arbeit nicht eben

eine vergebene soll gewesen sein. Dabei ist es hier nicht wie in einem

civilisirten Staat, wo die Gesetze nur brauchen gegeben zu werden um in

Kraft zu treten durch die bestimmten Executoren derselben, wir müssen

sie hier auch in Kraft _halten_, und das können wir nur wenn der Einfluß

nicht nachläßt, den wir, _durch_ unsere Stellung gerade als Lehrer und

Gesetzgeber, auf die Häuptlinge ausüben. Wir sind nun einmal ihnen an

Geist überlegene Geschöpfe, denen die Regierung zusteht, ob wir hier auf

diesem Boden geboren sind und ihre Farbe haben oder nicht.«

»Damit kommen wir aber nicht durch« sagte Mr. Rowe kopfschüttelnd --

»sobald wir das offen bekennen schreien sie Zeter über uns, und nennen

es einen Mißbrauch den wir mit der Heiligen Schrift, irdischen Ehrgeizes

und Gewinns wegen trieben. Selbst andere Nationen würden sich dann in

das Missionswesen mischen, und gleich von vornherein protestiren oder

gar störend dazwischen treten, wo fromme Männer das Kreuz hintrugen und

das Gesetzbuch aufschlugen.«

»Fremde Nationen mischen sich doch hinein« sagte der Consul, »wie wir

den Beweis hier haben, und wer weiß ob Frankreich je so entschieden

gegen diese Indianische Königin auftreten dürfte, hätten wir die Sache

gleich von vornherein in die Hand genommen als Gesetzgeber und Richter.

Von uns konnten sie wenigstens einen Schadenersatz für die papistischen

Priester nie erpressen, und das Land wäre dann nicht verantwortlich

dafür gewesen. Doch sei dem wie ihm sei,« fuhr er rascher fort, »das ist

vorbei, und jetzt bleibt uns Nichts weiter zu thun übrig, als die Sache

auch ernst und männlich durchzuführen.«

»Wie aber, wo wir nicht die Gewalt in Händen haben?« frug Mr. Rowe, »der

Cormorant liegt wieder da draußen, als ob er blos hergeschickt wäre eine

Ladung Perlmutterschaalen und Cocosnußöl abzuholen, keineswegs aber, als

ob hier die Interessen Englischer Bürger und die Rechte der Heiligen

Schrift unter die Füße getreten würden, und uns selber sind die Hände

total gebunden.«

»Ich hoffe viel von der möglichen Einigkeit der Häuptlinge« sagte der

Consul, »wenn zu keinem anderen Zweck, imponirt es den Franzosen und wir

gewinnen Zeit. Graf Aberdeen hat mir für einen solchen Gewaltschritt des

Feindes feste Hülfe zugesagt und versprochen -- er wird uns, _kann_ uns

nicht im Stich lassen.«

»Und willigt der Capitain des Cormorant ein, die Versammlung der

Häuptlinge an seinem Bord zu halten?«

»Ich habe schon die halbe Zusage, und will eben hinüberfahren die Zeit

genau zu besprechen.«

»Nehmen Sie sich in Acht, Bruder Pritchard« sagte aber der Missionair

ernst, »daß Ihnen der Franzose nicht doch noch, trotz aller Autorität,

einen Stein in den Weg legt; das Anheften der Plakate hat auf mich einen

höchst ungünstigen, niederstimmenden Eindruck gemacht; ich kann mich

irren, aber es kam mir vor wie eine Vorausentschuldigung gegen einen Akt

der Gewalt; die Leute sind wirklich zu Allem fähig.«

»Aber klug genug zu wissen wie weit sie gehn dürfen, England gegenüber.«

»Wie weit?« sagte Bruder Rowe achselzuckend, »das ist eine sehr

unbestimmte Größe, auf die ich mich, für meine eigene Person, gerade

nicht verlassen möchte; aber Sie sind gewarnt, und werden am Besten

wissen was Sie zu thun haben. Apropos, haben Sie Nichts von Bruder Ezra

gehört und was über ihn beschlossen ist? Ich habe mir die größte Mühe

gegeben, zu ihm zu gelangen, bin aber immer hartnäckig abgewiesen.«

»Mir ist auf meine förmliche Protestation gar keine Antwort gegeben«

erwiederte der Consul, »es scheint übrigens daß Bruder Ezra klug genug

gewesen ist, trotz seiner Bibel in der Tasche hartnäckig zu leugnen, und

wenn ich recht unterrichtet bin, hält man ihn jetzt nur noch zurück, um

ihn mit dem nächsten nach Atiu segelnden Kriegsschiff dort hinüber aus

dem Weg zu schicken.«

»Sie möchten uns Alle lieber gern auf ein Kriegsschiff packen und nach

irgend einer entlegenen Insel schicken« sagte Bruder Rowe; »die

Katholischen Priester würden dann wenigstens für ihre unausgesetzten

Bemühungen doch auch auf eigenen Erfolg rechnen können.«

»Wir werden sehr umsichtig jetzt zu wachen haben, daß der in, von

Bayonnetten aufgewühlten Boden gestreute Unglaube, nicht um sich greift

und bleibende Wurzel schlägt,« sagte der Consul.

»Wir sind allerdings da in nicht unbedeutender Gefahr« erwiederte Mr.

Rowe seufzend, »und _eine_ Familie hier besonders ist es, die mir große

Sorge macht, und gerade in diesem Augenblick meine ganze Thätigkeit in

Anspruch nimmt; -- aber Sie wollen ausgehn, wie ich sehe?«

Mr. Pritchard hatte seinen Hut aufgegriffen und seine Handschuh genommen

und sagte:

»Ja, nur an Bord des Cormorant, dort das Nähere zu besprechen.«

»Haben Sie schon ein Boot?«

»Es liegt an der Landung und wartet auf mich; wollen Sie mich

begleiten?«

»Ich danke herzlich« erwiederte der Missionair, »aber mich rufen gerade

in diesem Augenblick heilige Pflichten, die ich nicht versäumen darf --

ich habe einen höchst interessanten Fall mit einem alten bis jetzt

verstockten Häuptling, dessen Herz erst seit wenig Tagen von dem Licht

unserer Kirche erleuchtet ist, und der jetzt zu seinem Entsetzen, aber

hoffentlich noch nicht zu spät, den Abgrund erkannt, der vor seinen

Füßen gähnt, und auf den ich ihn aufmerksam gemacht habe. Wie das aber

wohl oft in solchen Fällen geschieht, gehen diese Unglücklichen da

leicht von einem Extrem zum andern über, und ich habe jetzt die größte

Mühe ihn an einem Verbrechen zu verhindern, das er begehen will seine

unsterbliche Seele zu retten; er behauptet nämlich sein Kopf sei so

lange verstockt gewesen, seine Ohren zu hören, seine Augen zu sehen,

seine Zunge zu sprechen, daß er ihn sich abschneiden müsse, auf Gottes

Altar die Sünde damit zu sühnen, denn wie er endlich die Strenge und

Furchtbarkeit Gottes begriffen hat, zweifelt er an dessen Liebe und

Allbarmherzigkeit.«

»Möge ihn der Herr erleuchten« erwiederte Mr. Pritchard mit einem

frommen Blick nach oben, und wandte sich dabei das Haus zu verlassen --

»so thun Sie Ihre Pflicht, lieber Rowe, _ich_ gehe indessen an ein

weniger erfreuliches Werk!« und dem von ihm Abschied nehmenden

Geistlichen, der ihn unten an seiner Verandah verließ, freundlich mit

der Hand winkend, schritt er durch den Garten oder vielmehr Hofraum, der

von einer Reihe niederer stumpfer Pallisaden umgeben wurde, nach der

kleinen Ausgangsthür zu, öffnete diese und schritt dann quer über den,

vielleicht achtzig oder hundert Fuß breiten Strand hinüber, einem

kleinen in See hinausgebauten Werft zu, dort das für ihn liegende Boot

zu besteigen, und an Bord hinüberzufahren, als er rasche Schritte hinter

sich hörte. -- Er wandte den Kopf danach um und sah zu seinem Erstaunen

einen Französischen Beamten, der, von einigen Soldaten gefolgt, rasch

auf ihn zusprang.

»Halt!« rief ihm der Erstere, noch eine Strecke von ihm entfernt, schon

entgegen -- »halt Monsieur!«

»Was wollen Sie?« sagte der Consul, zwar erstaunt aber doch ruhig stehen

bleibend und den Franzosen mit zusammengezogenen Brauen erwartend -- »was

wünschen Sie von mir?«

»Sie sind mein Gefangener, im Namen des Königs!« rief der Polizeibeamte

und deutete auf die ihm folgenden Soldaten.

»Ich verstehe Sie nicht« sagte der Consul gleichgültig, und wollte sich

abdrehen; der Franzose aber ergriff seinen Arm und den Soldaten winkend,

die den Gefangenen an beiden Seiten umgaben, zog er den entrüsteten

Mann, der gegen solche Willkür einem Englischen Consul gegenüber,

protestiren wollte, rücksichtslos und ohne Weiteres fort mit sich, in

das Wach- und Polizeilokal, von wo der Consul, ohne weitere Rücksicht

auf sein Amt oder seine Stellung zu nehmen, bald darauf nach einem,

schon allem Anschein nach für ihn bereit gehaltenen Gefängniß abgeführt

wurde.

Und Papetee blieb ruhig. Die Bedeutung, die der Consul einer

Europäischen Macht im Ausland haben sollte, ja gewissermaßen auch seine

Unverletzlichkeit, verstanden die Insulaner nicht; der Gefangene war

ihnen auch immer mehr als Missionair wie als Consul wichtig und lieb

gewesen, denn Nutzen hatte er ihnen in letzterer Eigenschaft doch nicht

gebracht, noch sie gegen die Uebergriffe und Forderungen der Franzosen

schützen können. Daß aber die Feranis es wagten einen Mitonare

einzustecken, überstieg ihre Begriffe, und jetzt zum ersten Mal

fürchteten die Häuptlinge für ihre eigene Sicherheit.

Die Missionaire selber erwarteten, nachdem selbst die Consulnwürde von

den Eroberern nicht geachtet wurde, das Aeußerste, und wandten sich nun

in ihrer Rathlosigkeit an die arme, selbst unmächtige Königin, wandten

sich an das Volk, sie zu schützen und nicht zu gestatten daß die Feranis

mit ihnen machten was sie wollten.

Aber die Geduld des Volkes war noch lange nicht erschöpft, oder

wenigstens seine Gleichgültigkeit, wie sein Widerwillen gegen irgend

eine außergewöhnliche Anstrengung noch nicht besiegt, und zu der gehörte

jedenfalls ein Krieg, zu dem sie noch immer keine richtige Veranlassung

sahen. Man hatte einen Französischen Soldaten ermordet, und darüber

waren die Feranis böse, schickten eine Menge Soldaten an Land, die aber

für Alles bezahlten was sie verzehrten, und sperrten einen rothen

Mitonare, der in Verdacht stand an dem Mord betheiligt zu sein, wie

einen weißen, der besonders auf sie geschimpft hatte, ein. Das war

vielleicht unrecht in ihren Augen, aber immer noch keine Ursache einen

ordentlichen Krieg anzufangen; ja die Insulaner beschlossen jetzt

ernstlicher als je mit der ganzen Sache nichts weiter zu thun zu haben,

und wenn auch einzelne feurige Köpfe, wie besonders Fanue und

ähnliche, einen Angriff auf die »Feinde ihres Vaterlandes« offen

predigten, so verhielten sich doch die einflußreicheren, wie Tati und

Utami, noch immer ruhig, ja Paofai und Hitoti verkehrten sogar

öffentlich und auf höchst freundschaftliche Art mit den Feranis, und

beschlossen deshalb auch einen günstigern Zeitpunkt, das heißt eine

wirkliche Ursache abzuwarten, die Feindseligkeiten zu beginnen, und

Gewalt mit Gewalt zu vertreiben -- bis dahin aber sich vollkommen ruhig

zu verhalten und ebensowenig die Waffen zu ergreifen, als den

Eindringlingen auch noch Proviant zu liefern, ihnen das Leben hier auf

der Insel so angenehm als möglich zu machen.

Lieutenant Hunt, der Befehlshaber des kleinen Kriegsschiffes Basilisk

sowohl, wie der Capitain des Cormorant hatten allerdings augenblicklich

gegen die an dem Englischen Consul verübte Gewaltsmaßregel protestirt,

konnten aber weder seine Befreiung erwirken noch etwas an seiner Lage

bessern, und Monsieur ~d'Aubigny~ erließ ein Plakat, worin Mr.

Pritchard, wenigstens indirekt, der Mord der Schildwache zugesprochen,

und er ebenfalls als die Ursache des trotzigen Betragens der

Eingeborenen, die er täglich und täglich wieder aufgereizt habe,

angesehen wurde. Seine Gefangennahme sei aus dem Grunde geschehn und

er selber solle für alle weiteren Folgen verantwortlich gehalten werden.

Mit vieler Mühe gelang es endlich dem Capitain des Cormorant die

Freiheit des Gefangenen, aber auch nur unter der Bedingung zu erwirken,

daß er ihn an Bord seines eigenen Dampfers von Tahiti fortnahm, und sich

dabei verbindlich machte ihn an keiner Insel dieser oder der

Nachbargruppe wieder an Land zu setzen. Die Franzosen betrachteten

diesen Mann als die einzige Ursache der nicht unbedingten und

augenblicklichen Unterwerfung der Indianer, und glaubten und hofften

durch seine Entfernung jedes weitere Hinderniß ihrer Festsetzung und

unbestrittenen Oberherrschaft auf den Inseln, vollständig beseitigt zu

haben.

Capitel 8.

Pomare's Flucht.

René's kleiner Haushalt befand sich indeß in wilder ungemüthlicher

Verfassung; Alles war gepackt gewesen, und nur gezwungen hatten sie im

Anfang das Nothdürftigste wieder herausgenommen, immer noch hoffend daß

sich die unangenehme Sache freundlich erledigen würde; aber Tag nach Tag

verging ohne daß eine Entscheidung kam, und René seines Wortes, Tahiti

nicht zu verlassen, entbunden worden wäre. Er war selber mehrmals bei

Mons. Bruat, dem jetzt ernannten Gouverneur und wurde von ihm artig

empfangen; dieser behauptete aber die Untersuchung unter keiner

Bedingung aufgeben zu können, bis er zu einem Resultat gekommen sei, und

René stände als Eigenthümer des Grundstücks wo die Waffen geschmuggelt

wären, ja als zeitweiliger Eigenthümer sogar des Schooners, der Sache zu

nah, sein Zeugniß, falls etwas auftauchen sollte was Licht darin geben

könnte, zu entbehren. »Augenscheinlich« setzte er dann zwar höflich aber

ziemlich bestimmt hinzu, »wisse er auch mehr über die Waffen, als er für

gut finde, vielleicht durch seine enge Verwandtschaft mit den

Eingebornen dazu veranlaßt, auszusagen, und wenn es seinem bekannten

Charakter nach auch nicht wahrscheinlich wäre, daß er selber irgend

etwas Feindseliges gegen seine eigenen Landsleute unternehmen, oder auch

nur dulden würde, so lange er es eben verhindern könnte, sei die ganze

Verhandlung noch keineswegs klar genug, so rasch und vollkommen wieder

aufgegeben zu werden; das aber müsse in der That geschehn, wenn er ihn

jetzt seines Wortes entbinden wolle.« Uebrigens bot auch Gouverneur

Bruat, wie vor ihm der Kommandant ~d'Aubigny~ dem jungen Mann an in

Französische Dienste zu treten, wodurch er ihm besonders zu beweisen

hoffte, daß gegen seine Person nicht der mindeste Verdacht vorliege. Zu

gleicher Zeit machte er ihn besonders darauf aufmerksam, welch

wohlthätigen vermittelnden Einfluß er da oft werde im Stande sein auf

einzelne Verhältnisse auszuüben: René erklärte aber bestimmt, hier in

Tahiti nie einen Degen gegen die Eingebornen führen zu wollen, und das

sei am Ende bei einem Ausbruch der Insulaner, sobald er wirklich

eingetreten wäre, nicht zu vermeiden, lehnte deshalb auch das Anerbieten

zwar dankbar, aber doch bestimmt ab.

Das Belard'sche Haus hatte er aber noch nicht wieder betreten -- ja

sogar auf das Aengstlichste vermieden nach Papetee zu kommen. Er fühlte

welche Gefahr dort für ihn lag, die er jetzt nicht einmal mehr vor sich

selber verbergen konnte; ja auch Susanna mußte durch seinen Abschied,

und die Worte die er in der furchtbaren Erregung des Augenblicks

gesprochen, gesehen haben welchen Eindruck sie auf ihn gemacht, und wie

ihre Nähe den Frieden seines Hauses, seines Lebens zu stören, zu

untergraben drohe, wenn er nicht mit fester männlicher Kraft dagegen

ankämpfe, und die Leidenschaft niederhalte, die zwei Wesen zu verderben

drohte. Monsieur Belard hatte ihn allerdings schon mehrmals auf der

Straße getroffen, wo ihn Geschäfte in das Gouvernements-Gebäude riefen,

er erklärte aber jeden Augenblick die Erlaubniß zu erwarten Tahiti zu

verlassen, und wolle den Abschied von ihm so lieb gewordenen Freunden

nicht zum zweiten Male durchleben, da er einmal überstanden. Mons.

Belard lachte dazu, und meinte er spreche von einem solchen Abschied

als ob er auf's Schaffot solle, und nicht nach einer nur wenige Meilen

entfernten Insel überzusiedeln gedenke, hatte aber immer zu viel

Geschäfte dabei im Kopf, lange auf dem Thema zu verweilen, und kam bald,

von René rasch dabei unterstützt, auf irgend etwas Anderes,

Gleichgültigeres zu reden.

Recht wilde trübe Zeiten waren das für ihn, und mehr und mehr drängte es

ihn dann nach Hause zurück, wo Sadie, sein liebes treues Weib mit

unermüdlicher Liebe schaffte und sorgte, ihm wenigstens daheim das Alles

vergessen zu machen, was ihm die Menschen draußen weh gethan. Das,

glaubte sie auch, drücke ihm das Herz, er wäre ja sonst nicht immer so

traurig und verstimmt zu Haus gekommen und bleich und schwermüthig

geworden, gar nicht in seiner Art, wo ihm ja doch das Liebste wohnte was

er sein nannte auf dieser Welt. Aber sie scheuchte auch die Wolken von

seiner Stirn und rief das Lächeln wieder auf seine Lippen, wie in alter

Zeit; und wenn die Kleine dann auf seinem Schoos spielte und sie sich an

ihn schmiegte, plauderte sie ihm von Atiu und den lieben Plätzen die sie

dort wieder besuchen würden; von dem stillen Sitz an dem Palmenhang; von

dem Ihiamoea oben im Dickicht, wo er die böse Nacht verbracht; von der

kleinen Veste auf der Hügelspitze wo er sie zuerst gesehn und sie ihn

fortgeführt hatte in das friedliche Missionshaus an der Bai -- und von

den seligen, seligen Stunden die sie da verlebt.

René lauschte, das glückliche Weib an seinem Herzen, wie in einem Traum,

der all die lieben Bilder wieder heraufbeschwor vor sein inneres Auge;

aber immer und immer wieder mußte er sich zwingen dazu, das Alles

_keinen_ Traum zu nennen, wo der Wiedergewinn ja fast im Bereiche seines

Armes lag, und doch ein Schatten aufstieg zwischen dem Bild und seinem

Herz. Und daß er das fühlte, daß er das erkannte machte ihn unglücklich.

»Du sündigst« flüsterte es in seiner Brust mit rastlosem, nimmer

endendem Klang, »Du sündigst« sprach jeder Liebesblick aus den Augen

seiner Sadie, »Du sündigst« drängte ihm vorwurfsvoll das unschuldliebe

Lächeln seines Kindes entgegen, »Du sündigst« donnerte die Brandung, die

ihn einst in Schlaf gesungen, in Liebe und Glück.

Wie um vor sich selbst zu flüchten, hatte er den Vater Conet wieder

aufgesucht, der in zarter Rücksicht bis dahin sein Haus lange Zeit nicht

betreten, weil er fürchtete daß seine Stellung zu den Protestantischen

Geistlichen Uneinigkeit säen könne in stilles häusliches Glück; er

forderte ihn jetzt selber auf sie zu besuchen, oft zu besuchen, so lange

er noch auf Tahiti sei, und er hoffte Trost in dem Umgang des

freundlichen verständigen Mannes zu finden. Aber der Muth gebrach ihm

wirklich dem Freunde, der sogar nach seiner Religion berechtigt war eine

solche Offenheit zu fordern, das zu gestehen was ihm das Herz erfüllte,

was es quäle, und Alles das trug er fest in sich verschlossen und

allein, und kämpfte still und männlich dagegen an. Es war ein Kampf der

Verzweiflung Fuß an Fuß, und in der Gefahr nur wuchs ihm erst die Kraft.

Auch Bertrand hatte ihn in der letzten Zeit häufiger besucht, aber fast

nur ihm zuzureden der Einladung des Gouverneurs zu folgen, und wieder in

eine Stellung im Leben einzutreten, die seinem Geist und Herzen doch

auch mehr bot als eine bloße Existenz, die ihm eine Aussicht auf spätere

Zeiten bahnte, ehrenvollere Stellung einzunehmen auf dieser Welt, als

eben nur das Bewußtsein zu haben daß man ist und athmet. Auch Vater

Conet stimmte darin dem jungen Officier vollkommen bei, René sei, wie

gar keinem Zweifel unterliege, noch viel zu jung, auch nur daran denken

zu können sich von der Welt ganz zurückzuziehn, die ebenfalls ihre

Forderung an _ihn_ habe und sich ihr Recht dann doch einmal über kurz

oder lang zu wahren wisse. Beide bestritten ebenfalls, daß ihm das Leben

der Inseln auf die Länge der Zeit genügen würde und könne, und wie

sich _alle_ seine Landsleute für später solche Aussicht offen gelassen

-- eine Aussicht die bei Allen fast, mit nur sehr wenigen Ausnahmen eine

_Hoffnung_ wurde -- so werde auch er einmal den Drang wieder in sich

fühlen nach Frankreich zurückzukehren, an dessen weit geselligeres Leben

sich dann auch Sadie, schon jetzt mit den Sitten, der Sprache des

fremden Volkes bekannt und befreundet, leicht und gern gewöhnen würde.

Sadie schüttelte bei solchen Reden recht ernst und ängstlich mit dem

Kopf; sie hatte genug von Französischem Leben hier auf Tahiti gesehn,

sich nicht weiter da hineinzusehnen, und in einem Lande zu leben wo sie

weiter gar Nichts mehr sehen sollte als fremde unbekannte Gestalten, wo

ihr die lieben Palmen fehlten und das fröhliche Lachen der fröhlichen

Kinder ihres sonnigen Vaterlands? -- Nein, nein, dahinein paßte sie

nicht, und sie würde und müßte vergehen dort, in Sehnsucht und Heimweh.

Auch René hatte dagegen seine heimlichen Bedenken, Gedanken die in ihm

laut wurden und Form gewannen, er mochte sich dagegen stemmen und wehren

so viel er wollte.

Mata Oti, der Bursche, war ebenfalls mit Bruder Ezra von den

Französischen Behörden eingezogen worden, etwas mehr aus ihm

herauszubringen über jene Nacht, als ein bloßes ~aita vau i ite~ --

ich weiß es nicht -- und Sadie hatte dafür ein Mädchen zu sich genommen,

die ihr die Dienste des Knaben ersetzen sollte. Nai Nai war über die

Blüthe der Jahre hinaus, wenn auch noch gar nicht so alt, und obgleich

sie vor sechs oder acht Jahren noch ein recht hübsches Mädchen gewesen

sein sollte, doch jetzt abgefallen, mager und selbst häßlich geworden.

Eine eigene Wuth die sie dabei hatte Europäische Kleider und besonders

Hüte zu tragen, zeigte sich nicht im Stande ihre Reize zu erhöhen, und

Sadie lachte darüber, aber auf René machte es einen peinlichen Eindruck,

so peinlich daß er zuletzt Sadie bat sie wieder fortzuschicken, wenn er

ihr auch keinen Grund dafür anzugeben vermochte. Sadie versagte ihm nie

einen Wunsch, wenn es in ihren Kräften stand ihn auszuführen, und Nai

Nai wurde wieder hinüber nach Imeo geschickt, von wo sie gekommen, und

von einem hübschen jungen Mädchen ersetzt.

Wenige Wochen waren solcher Art nach den im vorigen Capitel

beschriebenen Vorgängen verflossen, und wenn sich auch die Insulaner

schon ziemlich über den Verlust ihres Missionairs und Consuls beruhigt

hatten, sollte bald wieder ein Gewaltstreich der Fremden diesem

scheinbaren Frieden ein Ende machen.

Die ~Reine blanche~ war wieder gesegelt und Monsieur Bruat hatte Alles

versucht die Eingebornen in Güte dazu zu bringen, ihnen die nöthigen

Provisionen zu liefern, aber umsonst. Wie die Franzosen behaupteten, von

den Missionairen aufgereizt, jedenfalls auf den Befehl ihrer eigenen

Häuptlinge, hielten sich die Insulaner in ihren Wohnungen und brachten

nicht eine Brodfrucht mehr zu Markte, ja das Gerücht verbreitete sich

sogar, sie seien gesonnen Alles was sie nicht von Früchten und überhaupt

Lebensmitteln nothwendig selber brauchten, in die Berge und den Feranis

aus dem Weg zu schaffen.

Dem zu begegnen schritt der Französische Kommandant zu einem

Gewaltstreich, lockte vier der einflußreichsten Häuptlinge, unter ihnen

Terate, Avei und Nane ini an Bord eines Schiffes, wo er sie gefangen

hielt, und hätte sich fast auch noch eines andern Trupps bemächtigt,

wäre diesem nicht noch zeitige Warnung geworden, daß er in die Berge

fliehen konnte.

Bald darauf erschien eine Proclamation vom Gouverneur Bruat

unterzeichnet, die im Namen des Königs von Frankreich und als Gouverneur

der Französischen Besitzungen, dem Volke von Tahiti erklärte daß die

vier Häuptlinge Taaniri, Raheahu, Potowai und Teraitane, da sie auf das

Wort des Friedens nicht hatten hören wollen, für Rebellen erklärt und

ihr Eigenthum mit Beschlag belegt werden sollte.

»Acht Tage« hieß die Proclamation weiter -- »sind ihnen noch gegeben sich

zu unterwerfen. Der Distrikt der ihnen Schutz giebt soll, nach seiner

Wichtigkeit, unter eine entsprechende Contribution gelegt werden. -- Die

dem Frieden und dem Gesetz freundlich gestimmten Personen bleiben ruhig

unter dem Protectorat Frankreichs -- die Strenge der Gesetze soll die

Schuldigen treffen.

Bruat.«

Jetzt zum ersten Mal schien das Volk zu fühlen daß es wirklich

unterjocht werden sollte, da man sich nicht allein begnügte die

Englischen Missionaire feindlich zu behandeln, sondern auch sogar Hand

an ihre eigenen Häuptlinge legte, und ein wilder Schrei des Zorns und

der Entrüstung ging durch das ganze Land.

Pomare war zu gleicher Zeit von den Missionairen feste Hülfe von England

versprochen, und selbst alle dort lebenden Engländer bestätigten das, da

Britanien nie dulden werde, daß Einer seiner Consuln auf solche Weise

behandelt werde; nur verzögern mußte sie einen Ausbruch des Volks, damit

der Franzose nicht neuen Grund bekam zu neuen Uebergriffen, und sich

indeß ihr Recht wahren, als souveraine Königin.

Dem Sinne folgend schrieb sie einen Brief[H] an die Häuptlinge, worin

sie dieselben zum treuen und geduldigen Ausharren ermahnte, aber sie

auch zugleich indirekt darin aufforderte in ihrer Widersetzlichkeit

gegen die Feranis standhaft zu bleiben, und dieser Brief wurde, wie es

heißt, von Gouverneur Bruat so aufgefaßt, als ob er die Eingeborenen in

der »Rebellion gegen ihre gesetzmäßige Regierung« bestärken und

bekräftigen solle.

[H] Pomare's Brief lautete wörtlich: »Gesundheit Euch Allen; ich

mache Euch bekannt daß unser Kriegsschiff uns bald verlassen wird;

der Admiral verlangt es nach Oahu zurück. Ein kleines Kriegsschiff

liegt hier, über uns zu wachen, ein anderes wird kommen. Horcht

nicht auf die Männer die Euch entmuthigen wollen mit der Nachricht

daß wir nicht unterstützt würden. Britanien wird uns nicht

verlassen. Laßt uns uns gut betragen, bis die Depeschen eintreffen.

Dies ist mein Wort an Euch -- laßt unter keiner Bedingung etwas

Unrechtes geschehen, behandelt ja nicht die Feranis schlecht; habt

große Geduld. Nehmt mich zum Muster und folgt mir, und laßt uns Alle

brünstig zu Gott flehen, daß er uns von unserer Prüfung befreien

möge, wie einst Hezekiah. Frieden sei mit Euch.

Pomare.«

Der ehrwürdige Mr. Rowe bekam, wahrscheinlich selbst von Französischer

Seite, einen Wink, daß der Königin in Folge dieses Briefes Gefahr für

ihre persönliche Sicherheit drohe, und verlor, durch Mr. Pritchards

Gefangennehmung überdies noch aufgeregt und eingeschüchtert, dermaßen

den Kopf, daß er auf der Stelle zu ihr zu eilen beschloß, sie auf das

Dringendste zur Flucht zu mahnen.

Pomare war allein, als ihr der Missionair gemeldet wurde, und Bruder

Rowe mußte lange draußen warten ehe er vorgelassen werden konnte. Selbst

ihre Einanas hatte die Königin von sich entfernt; die Mädchen saßen und

lagen draußen auf der Verandah herum und flüsterten leise miteinander --

sie wagten nicht laut zu reden. Nur eine von ihnen ging hinein die

Gebieterin von der Ankunft des Geistlichen zu benachrichtigen, und kam

dann zu den Uebrigen zurück, denen sie mit halblauter Stimme etwas

zuflüsterte.

»Hast Du Pomare meinen Namen genannt, Waihine?« frug der Geistliche

endlich, dem der Boden anfing unter den Füßen zu brennen -- »_weiß_ sie

daß ich hier bin und sie sprechen muß?«

»Ja, Mitonare!« lautete die leise Antwort.

»Und was hat sie gesagt?«

»Mitonare soll warten« -- das Gespräch war wieder abgebrochen.

»Mitonare soll warten« -- und die Zeit verfloß indeß, die ihr vielleicht

noch geblieben, und _mit_ der Königin waren auch alle ihre Rathgeber

gefährdet -- wer weiß was sie vielleicht in ihrem weibischen Trotz

Alles aussagte und -- gestand.

Der Missionair ging mit raschen ungeduldigen Schritten wieder draußen

auf und ab.

»Sie muß mich vergessen haben« rief er aber endlich, nicht länger im

Stande seinen Unmuth zu verbergen, indem er wieder vor der Einana stehen

blieb -- »fort mit Dir, Waihine -- sage noch einmal daß ich da bin, und

Pomare sprechen _muß_, denn ich hätte ihr Wichtiges -- sehr Wichtiges

mitzutheilen.«

»Pomare hat gesagt Mitonare soll warten,« sagte aber das Mädchen, und

Bruder Rowe sah sie erstaunt und mißtrauisch an -- so hatten die Einanas

noch nie gewagt mit ihm, oder einem aus seiner frommen Schaar zu

sprechen -- »und kam diese Sinnesänderung von oben herab?«

Er sollte aber nicht länger Zeit zum Ueberlegen behalten; die Königin,

ob sie die ungeduldige Stimme des Missionairs gehört, oder selber es für

Zeit fand ihn hereinzulassen, rief, ein paar von den Mädchen sprangen

auf, den Besuch zu geleiten, und Bruder Rowe betrat wenige Minuten

später das kleine Gemach, in dem Pomare auf einer ausgebreiteten Matte

auf der Erde saß.

Sie hatte sich in das einfachste Zimmer ihres Hauses zurückgezogen;

weder Tisch noch Stuhl stand in dem leeren Raum, vor dessen Fenster, das

einzige Zeichen des neueingeführten Luxus, weiße gemusterte Gardinen

hingen und in dem Zug der offnen Flügel hin und herwehten. Nur Matten,

nebst einigen mit roher Pflanzenwolle gestopften Kissen lagen im Zimmer

zerstreut umher, eben so viele Sitze bildend, und ein an der Wand

befestigtes Seitenbret trug drei oder vier Bücher, eine reich vergoldete

Obertasse mit abgebrochenem Henkel, und eine gewöhnliche Cocos

Poe-Schale.

Der ehrwürdige Mann blickte etwas erstaunt umher, denn gerade in der

letzten Zeit hatte Pomare weit eher gesucht sich mit Europäischem Glanz

zu umgeben, als sich solcher Art in ihre Einsamkeit zurückzuziehn; aber

die Königin selber zog seine Aufmerksamkeit bald auf sich allein, denn

sie sah bleich und abgehärmt aus, und die Spuren frischer Thränen waren

noch in ihren Augen.

»Was bringst Du mir?« sagte sie mit halb abgewandtem Antlitz, als ob sie

sich dieses Zeichens von Schwäche schäme -- »was wollt Ihr von _mir_?

ich habe Nichts mehr zu befehlen hier auf Tahiti -- meine Sonne ist

untergegangen und meine Nacht bricht an -- Ihr müßt von jetzt an für

Euch selber sorgen -- Pomare Waihine hat kaum noch den einzigen

Brodfruchtbaum behalten, der vor ihrer Thüre steht.«

»Und doch bist Du noch frei, Pomare,« sagte der Missionair mit

traurigem, mitleidigem Blick -- »hast noch Dein Volk um Dich und den

blauen Himmel über Dir --«

»Und wer kann mir das nehmen?« rief Pomare schnell, und ihr

mißtrauischer Blick haftete forschend an dem Auge des Priesters.

»Der Feind hat jetzt die Macht« entgegnete finster der Missionair, »und

seine Bosheit ist groß.«

Pomare erwiederte Nichts und sah den Unglücksboten nur ruhig und sinnend

an, dann langsam aufstehend trat sie zu ihm, legte ihre Hand auf seinen

Arm und sagte leise:

»Was ist vorgefallen, Bruder Rowe? -- sag es mir gleich heraus und leg

Dich nicht erst in den Hinterhalt -- Du thust mir weh damit.«

»Es ist auch keine Zeit mehr zu verlieren, Pomare,« erwiederte der

Priester ernst -- »Du weißt was die Feranis mit Piritati gemacht haben.«

»Piritati war ein Beretani« rief die Königin schnell -- »er gehörte

nicht in dieses Land -- sie konnten das wagen -- sie dürfen nicht Hand

an Pomare legen.«

»_Dürfen_?« sagte Mr. Rowe achselzuckend -- »wir sind ein friedliches

Volk und können uns nicht zur Wehr setzen.«

»Und wessen Schuld ist das?« frug die Königin rasch und mit einem

Zornesblick im Auge -- »wer anders als Ihr, die Ihr uns von England die

Religion gebracht habt, die Ihr eine Religion der Liebe nennt, und die

jetzt Haß und Tod unter mein Volk bringt, wer anders hat den Bewohnern

dieser Inseln ihre alten Kriegsspiele verboten, und die Führung der

Waffen für sündhaft erklärt? wer eiferte früher dagegen, daß meine

jungen Leute ihr Cocosöl und ihre Perlmutterschalen gegen Gewehre und

Pulver eintauschen sollten wie es mein und ihr Wunsch war, und erklärte

es gegen Gottes Gebote, während Ihr Oel und Muscheln für Eure eigenen

Zwecke sammeltet und nach Beretani schicktet?«

»Es geschah das um Gottes Wort auch auf andern Inseln zu verbreiten --

auch andern Völkern den Segen der christlichen Religion zu bringen«

sagte mit milder freundlicher Stimme der Geistliche.

»Ich habe das gute Buch durchgelesen von Anfang bis Ende« erwiederte die

Königin finster -- »und nirgends darin gefunden daß Jesus Christus

_gesammelt_ hat für andere Völker.«

»Damals war es noch nicht nöthig, Pomare« erwiederte Mr. Rowe, etwas

verlegen -- »und nicht wohl ist es gethan, das Schwert zu nehmen, denn

Jesus selber hat gesagt, »wer das Schwert nimmt, der soll durch's

Schwert umkommen.«

»Geh, geh!« sagte aber Pomare traurig mit dem Kopf schüttelnd -- »Du

hast für Alles einen Vers aus Deinem Buch und die Beretanis, die Du

sagst daß sie gute Christen wären fahren eben so mit Kriegs-Canoes auf

der See herum wie die Feranis, sie nehmen das Schwert und sie kommen

nicht um, und ich habe das Schwert nicht genommen und verliere mein

Reich -- Was willst Du jetzt von mir? -- was soll ich thun? -- gehe

zurück zu Deinen Landsleuten und sage ihnen daß ich Euch hier nicht mehr

schützen kann. Ich danke ihnen daß sie mir die Bibel gesandt, aber mein

Volk ist zerstreut, meine Macht ist gebrochen -- wenn ich wieder Königin

bin, will ich Euch wieder in mein Land nehmen.«

»Nicht meinethalben kam ich hierher, Pomare« sagte aber der Geistliche

ernst, »nicht für mich Schutz oder Hülfe zu erbitten von Dir, Du

schwergeprüfte Königin, sondern Dich selber wollt' ich warnen, Dich

einer Gefahr zu entziehn, die über Deinem Haupte schwebt, und Dich in

der nächsten Stunde schon vielleicht erreichen kann.«

»So sprich!« rief Pomare, »schon seit Du das Zimmer betreten, sehe ich

Dein Unheilkündendes Gesicht, und mein Herz ist von Angst erfüllt --

was ist es?«

»Vor einer Stunde etwa« nahm der Geistliche wieder das Wort, »bin ich

gewarnt worden, daß die Feranis, böse über Deinen Brief den Du an die

Häuptlinge geschrieben, Dich ebenso wollten gefangen nehmen und in

Gewahrsam halten, wie Terate und die Andern, damit Du die Eingebornen

nicht aufwiegeln könntest gegen sie. Die wahnsinnigen Menschen behaupten

jetzt die rechtmäßigen Eigenthümer Tahitis zu sein, und erklären uns

selber für _Rebellen_ wenn wir gegen sie reden.«

Ein zorniges Lächeln flog über Pomares Züge, als sie die Worte hörte und

sie antwortete finster:

»Mich gefangen nehmen? und wo bleiben jetzt Euere Schiffe? wo die

Kanonen die Ihr mir zu meinem Schutz verspracht? -- Euere Kriegsschiffe

haben, ein kleines Schiff ausgenommen, die Bai verlassen, Euer Consul

ist gefangen, Euere Fahne verschwunden -- wo bleiben Euere Predigten,

Euere Worte? Als ich Sandelholz hatte und Cocosöl, da war ich Königin,

da kamen die Capitaine und sprachen schöne Worte und brachten Geschenke

-- jetzt da ich arm und verlassen bin, kommt Niemand mich zu

unterstützen. Und wohin soll ich fliehen?«

»Es liegt ein Englisches Kriegsschiff im Hafen das Dich aufnehmen

wird, und unter Englischer Flagge bist Du sicher« rief der Missionair.

»An Bord eines fremden Schiffes? nie« -- zürnte die Königin, »wär' ich

nicht dort Gefangene wie da?«

»Und doch ist es das Einzige« seufzte der Missionair -- »dorthin reicht

der Arm der Feranis nicht, und wer weiß ob Du heut Abend selbst noch zu

dem Schritt Raum und Zeit behältst.«

»Ich kann mich nicht allein in den Schutz der fremden Männer geben«

sagte Pomare, doch jetzt unruhig werdend über den besorgten Ernst des

sonst ihr so freundlich gesinnten Mannes -- »ich kann nicht allein an

Bord eines Kriegsschiffs fliehn.«

»Dein Gatte und zwei Deiner Einanas müssen Dich begleiten« sagte Mr.

Rowe, »Pomare Tane[I] ist ja von Imeo zurückgekehrt, und wird sich nicht

weigern Dir an Bord zu folgen.«

[I] Der Gemahl Pomare's geht unter dem Titel »Pomare's Mann.«

»Weigern?« sagte die Königin zürnend, und ein verächtliches Lächeln

spielte um ihre Lippen -- »aber meine Kinder? -- was würde aus denen?«

»Wohin die Mutter geht, gehn sie auch, und Capitain Hunt ist ein

Gentleman, der sich glücklich schätzen wird einer armen verrathenen

Frau und Königin Schutz mit den ihren zu gewähren.«

Pomare ging, die Hände krampfhaft gefaltet, das Haupt gesenkt, mit

raschen Schritten im Zimmer auf und ab, als draußen Stimmen laut wurden

und gleich darauf Eine der Einanas den Häuptling Tati meldete, der

Pomare dringend zu sprechen wünsche.

»Tati?« rief Pomare, erstaunt vor dem Mädchen stehn bleibend -- »Tati?

was will er von _mir_ in jetziger Zeit? oder haben ihn die Feranis

geschickt, seine Königin abzuholen ins Gefängniß -- send' ihn fort, er

gehört zum Feind; Pomare will ihn nicht sprechen.«

»Wenn der Feind Dein Vaterland ist, Pomare, dann hast Du recht« sprach

in diesem Augenblick die tiefe klangvolle Stimme des Häuptlings, der dem

Mädchen auf dem Fuß gefolgt, und auf der Schwelle stehn geblieben war,

bis seine Ankunft gemeldet worden -- »schicke mich nicht noch einmal

fort von Dir, denn ich bringe ein Freundeswort.«

»Schickt Dich der Ferani?« frug die Königin, ihn mit einem finstern

Blick betrachtend -- »haben sie Dir wieder neue Versprechungen gemacht,

oder soll ich vielleicht noch einen Vertrag unterzeichnen, der mir auch

die Füße bindet, wie der erste die Hände, und mich hier hält in ihren

bewaffneten Häusern, als Geißel für die Unterwürfigkeit meines armen

Volkes?«

Tati zog die Brauen finster zusammen und sein Blick suchte den

Missionair, als ob er dort den Grund solcher harten Anklage vermuthe,

aber das gute Element in ihm gewann die Oberhand und mit ruhiger fast

herzlicher Stimme sagte er:

»Du hast Grund uns zu zürnen, Pomare, denn wenn auch absichtslos, gaben

wir dem Ferani den Halt an dieses Land, den er jetzt benutzt, es zum

Abgrund niederzureißen, aber vielleicht bin ich im Stande Dir heute zu

beweisen daß es Tati redlich mit Tahiti, redlich mit Dir meint, und

kleinliche Eifersucht seinem Herzen fremd ist, in der Stunde der Noth.

Du bist in Gefahr und mußt Papetee verlassen.«

»Ich weiß es, ich weiß es« rief Pomare schnell -- »der ehrwürdige Mann

hier hat mich schon gewarnt, und das Schiff der Beretanis wird mich und

die Meinen aufnehmen, ehe ich mich den Feranis gefangen gebe.«

»Das Schiff der Beretanis?« rief Tati, fast ebenso sehr erschreckt als

erstaunt -- »und was hast Du bei den Beretanis zu thun? sind sie nicht

Fremde, so gut als Jene? O Pomare, wann wirst Du aufhören Dich auf

Fremde zu verlassen?«

»Der Häuptling Tati spricht, als ob unsere Nation dem Tahitischen Stamme

je noch feindlich gewesen wäre« sagte der Missionair, »ich dächte wir

hätten bewiesen, daß wir unsere Tahitischen Brüder lieben.«

»Genug -- genug« sagte der Häuptling abwehrend -- »nicht um mit Worten

zu streiten bin ich hierhergekommen; die Zeit zum Handeln ist gekommen,

und Du, Pomare, sollst jetzt beweisen, ob Du würdig bist das Tahitische

Volk zu regieren, wo dann Tati und alle Andern sich freudig Deiner

Herrschaft beugen werden.«

»Und soll ich mit meiner Flucht solchen Beweis beginnen?« frug die

Königin bitter.

»Allerdings« rief Tati rasch, »aber nicht wenn Dich die Bahn nach einem

fremden Schiffe führt.«

»Und wohin denn? -- wo hast Du Schutz für mich?«

»Bei Deinem Volk, Pomare!« rief der Häuptling rasch und während die

Königin finster und wehmüthig mit dem Kopfe schüttelte, fuhr er von

seiner Sache begeisterter, wärmer werdend, fort -- »schüttle nicht so

zweifelnd das Haupt, die Führer fast aller Partheien, die sich vereinigt

haben in der gemeinsamen Noth des Landes senden mich, und rufen, ja

fordern Dich auf, ihrem Schutze Dich anzuvertrauen und mit ihnen in

die Berge zu ziehn. Dort pflanzen wir die eigene Fahne auf, und Tod den

Feinden, wenn sie es wagen sollten uns dorthin zu folgen, wo wir uns

fest und freudig um Dich geschaart.«

»Nur bei dem Versuch in die Berge zu entkommen« warf hier kopfschüttelnd

der Geistliche ein -- »wäre Pomare fast der gewissen Gefahr ausgesetzt,

von den Feranis angehalten und gefangen zu werden. Sie würden es nimmer

dulden etwas geschehn zu lassen, was ihnen die Eingebornen zu so viel

gefährlicheren Feinden machen müßte.«

»_Gefahr_ und _Dulden_!« rief der Häuptling, mit dem Fuße stampfend,

»ein einzig Zeichen durch die Stadt von mir und fast drei Viertel der

Bewohner schaaren sich mit einem Jubelschrei um ihre Königin. Laßt das

Volk wissen daß Tati und Utami, Hitoti und Paraita mit Pomaren sind, und

kein Arm der noch einen Bogen spannen und einen Speer schleudern kann,

bleibt daheim, das Ende schmachvoll abzuwarten. Nein Pomare, nicht

Furcht jetzt, nicht Gefahr, darf Dich abhalten davon, Dich an die Spitze

Deines Volks zu stellen. Die Fremden haben jetzt deutlich genug gezeigt

_was_ ihre Absicht ist, und uns bleibt keine andere Wahl, als

Unterwerfung oder Kampf.«

»Uns bleibt die Wahl Britischen Schutz zu suchen« rief der Missionair,

neben Pomare tretend, »uns bleibt der Schutz der Bibel und wenn auch

spät, die Hülfe bleibt nicht aus; so langsam sie kommt, so sicher wird

sie kommen.«

Tati wollte heftig gegen den Priester auffahren; aber er bezwang sich,

er fühlte die Wichtigkeit dieser Stunde und sagte ernst und ruhig:

»Pomare, der Augenblick ist gekommen, wo Du zu wählen hast zwischen

Deinem Volk und den Fremden, zwischen Deiner eigenen Herrschaft oder

der, Beretanischer oder Feranischer Priester; -- gieb Dich wieder in

ihre Hände, und Deine Macht ist gebrochen für ewige Zeiten -- wirf sie

von Dir, und wir erkämpfen Dir die Freiheit oder uns Allen einen

ehrenvollen Tod. Sieh, daß die Häuptlinge _mich_ senden, mag Dir ein

Beweis sein wie wir denken -- jeder Partheistreit sei vergessen, jeder

kleinliche Gedanke an Eigennutz zerstört, das Vaterland ist in Gefahr

und wie der fremde Ferani schlau und tückisch seinen Vortheil zog aus

dem Zwiespalt der Partheien, so pflanze die _eine_ Macht jetzt siegreich

ihr Banner auf in den Bergen.«

Die Königin stand unschlüssig; das Herz schlug ihr heftig und ihr Blick

flog ängstlich von den schönen belebten Zügen des Häuptlings nach dem

bleichen Antlitz des Priesters hinüber.

»Und was wird aus Pomare Tane?« frug sie leise.

Tahiti: Roman aus der Südsee. Dritter Band. · 第 5 / 8 题