12. Fam. Bovidae.

In den Bovidae erreicht die Ordnung der Artiodactyla ihre höchste

Entwickelung. In fast allen Punkten können sie eine extremere

Ausbildung erreichen als die primitiver gebliebenen Cervidae.

Ihre Zahnformel ist (0 · 0 · 3 · 3)/(3 · 1 · 3 · 3). Die Backzähne

sind zwar oft noch brachyodont, werden aber in vielen Gruppen

ausgezeichnet säulenförmig. Ihre Krone ist an der Basis meist nicht

breiter als oben, die Oberfläche des Schmelzes ist gewöhnlich glatt;

Basalwärzchen zeigen sich nur noch selten. Die Halbmonde zeigen

Neigung mit ihren Enden zu verschmelzen. An den oberen P ist stets

ein äusserer und ein innerer Halbmond wohl entwickelt, an den unteren

sehr kräftige Innenfalten. Obere C sind nur ganz ausnahmsweise noch

in rudimentärem Zustande vorhanden. Thränengruben und Gesichtslücken

kommen am Schädel manchmal vor. Stets sind die Männchen mit Hörnern

versehen, meist auch die Weibchen. Die Hornzapfen sind fast stets

einfach, oft hohl und stehen dann mit Stirnhöhlen in Verbindung, die

mitunter eine sehr grosse Ausdehnung haben. Während ursprünglich die

Hörner sehr nahe bei einander, in nächster Nähe der Augenhöhlen, fast

parallel zu einander, aufrecht auf dem Schädeldach stehen, können sie

immer weiter nach hinten und weiter aus einander rücken, bis sie bei

den extremsten Formen (Fig. 1030) weit entfernt von der Mittellinie

sowie von den Augen entspringen, und in fast wagerechter Richtung

aus einander streben. Im Zusammenhange damit vergrössern sich die

Frontalia in ganz ausserordentlichem Masse auf Kosten der Parietalia

und können Dimensionen annehmen, wie sie nicht entfernt in irgend einer

anderen Säugethiergruppe erreicht werden. Die mittleren Metapodien

sind stets verschmolzen, von den äusseren Zehen sind nur selten noch

Rudimente vorhanden. Die ältesten Bovidae sind Antilopen, die sich im

oberen Miocän von Europa und Indien finden. Im unteren Pliocän von

Südeuropa und Indien sind Bovidae sehr reich entwickelt und haben in

der Gegenwart wohl ihre höchste Blüthe erreicht, was Mannigfaltigkeit

der Formen, Zahl der Arten und Individuen, sowie Körpergrösse betrifft.

Weitaus die Mehrzahl der lebenden Hufthiere gehört hierher. Es ist

eine durchaus altweltliche Gruppe, die erst in jüngster Zeit in

ganz vereinzelten Arten nach Nordamerika gelangte, während sie bis

Südamerika niemals kamen.

Unter der ausserordentlichen Fülle mannigfacher Bovidenformen lassen

sich eine Anzahl von natürlichen Gruppen aufstellen, die aber

keineswegs sehr scharf von einander geschieden werden können, sondern

durch mancherlei Uebergangsformen z. Th. aufs innigste mit einander

verknüpft sind. Sie sind hauptsächlich zu unterscheiden durch die

Ausbildung der Frontalia, sowie durch den Bau, die Gestalt und Stellung

der Hornzapfen.

I. Hörner schlank, meist wenig divergirend, steil auf dem Schädeldach

stehend, meist von rundlichem Querschnitt.

Antilopen.

A. Kleine Stirnhöhlen; Hornzapfen dicht, auf dem Orbitalrande

stehend.

a. Hornzapfen nicht spiralig gedreht.

1. Gazellinae.

b. Hornzapfen spiralig gedreht, mit einer Kante.

2. Strepsicerinae.

B. Grosse Stirnhöhlen; Hornzapfen hohl.

a. Hörner von mässiger Grösse, entspringen nahe bei einander,

zwischen oder dicht hinter den Augen.

3. Traginae.

b. Hörner lang, entspringen meist nahe bei einander, dicht hinter

den Augen.

4. Orycinae.

c. Hörner klein, drehrund, weit von einander entfernt, entspringen

mehr oder weniger weit hinter den Augen.

5. Cephalophinae.

II. Hörner (beim ♂) kräftig, oft sehr dick, entspringen nahe der

Mittellinie dicht hinter den Augen, mit kantigen Hornzapfen. Die

grossen Stirnhöhlen setzen sich in die Hornzapfen fort.

Ziegen und Schafe.

a. Hörner steil stehend, meist wenig divergirend, in der

Sagittalebene stark abgeplattet, mit vorderer Kante.

6. Caprinae.

b. Hörner mehr oder weniger stark nach aussen geneigt; Hornzapfen

dreikantig, oft stark abwärts gebogen.

7. Ovinae.

III. Hörner meist kräftig, entspringen weit von einander an den Seiten

der Stirn, hinter den Augen, nach rückwärts oder auswärts

gerichtet, ihre Längsrichtung erhebt sich selten über die

Stirnbeine. Die sehr grossen Stirnhöhlen setzen sich in die

Hornzapfen fort.

Rinder.

a. Stirn stark gewölbt, niedrig und schmal; Hörner und Hornzapfen

mit flachen Seiten, etwas kantig.

8. Bubalinae.

b. Stirn ziemlich flach oder concav, meist sehr breit oder sehr

hoch; Hörner meist mit rundem Querschnitt.

9. Bovinae.

Die gegenseitigen Beziehungen dieser Gruppen zu einander dürften sich

folgendermassen verhalten:

Strepsicerinae

|

{Gazellinae

{-{ | {Caprinae--Ovinae--Ovibos

Palaeomeryx { {Traginae---{

{ | {

{ Orycinae {Cephalophinae {Bubalinae

{ | {

{Antilocapra Portax { {Bison

{Leptobos -- Bibos{

{Bos

Elemente der Paläontologie · 第 544 / 606 题