Die Hörner der Antilopen sind stets sehr schlank, stehen mehr oder
weniger steil auf dem Schädeldach und divergiren gewöhnlich wenig von
einander. Die Parietalzone ist hier noch meist von bedeutender Grösse,
die Frontalzone am kleinsten unter den Bovidae.
a. Gazellinae.
Frontalzone sehr kurz, ohne Stirnhöhlen; Hornzapfen dicht, auf
dem Orbitaldach sitzend, oft von ovalem Querschnitt; Zähne meist
säulenförmig und scharfkantig. Gazellen sind in der Gegenwart reich
vertreten in den Ebenen von Afrika und Asien. Fossil finden sie sich im
Pliocän von Europa und Indien.
Gazella brevicornis Gaudry (Fig. 1027 u. Fig. 983) aus dem unteren
Pliocän von Pikermi und Wien.
G. deperdita Gerv. aus dem unteren Pliocän von Pikermi, Italien und
Frankreich.
Saiga tatarica Forst. ist eine Steppenform von Centralasien und
Osteuropa, die im Diluvium bis Frankreich verbreitet ist.
In die Nähe dieser Gruppe gehört die merkwürdige lebende Antilocapra
von Nordamerika, deren gegabelte Hörner eine abwerfbare Hornscheide
tragen. Stammt wohl von Cosoryx.
[Illustration: Fig. 1027. Gazella brevicornis Gaudry. Pliocän von
Pikermi. Schädel.]
b. Strepsicerinae.
Frontalzone ist sehr kurz, ohne Stirnhöhlen; Hornzapfen dicht, zum
Theil auf dem Orbitaldach sitzend, spiralig gedreht und mit einer Kante
versehen; Gebiss sehr brachyodont, hirschähnlich. Diese heute ganz
auf Afrika beschränkte Gruppe, zu der die grössten Antilopen gehören,
findet sich im Pliocän auch in Südeuropa und in Indien.
Palaeoreas Lindermayeri Gaudry. Pliocän von Pikermi und Mt. Lébéron.
c. Traginae.
Frontalregion kurz, mit grossen Stirnhöhlen, die sich in die drehrunden
kurzen Hornzapfen fortsetzen; dieselben stehen nahe bei einander und
nahe der Augenhöhle. Molaren klein, aber oft säulenförmig. Die Gemsen
sind Antilopen von massiger Grösse, in der Gegenwart auf die hohen
Gebirge von Europa, Asien und Nordamerika beschränkt. Die ältesten
Antilopen aus dem Miocän von Sansan sind brachyodont, dürften aber
hierher gehören.
Antilope clavata und sansaniensis Lartet. Miocän von Sansan.
d. Orycinae.
Dieselben unterscheiden sich von der vorigen Gruppe eigentlich nur
durch ihre bedeutende Körpergrösse und ihre umfangreichen, fast stets
prismatischen Zähne, die oft auffallend denen der Bovinae ähneln;
sie haben das höchst entwickelte Gebiss unter den Antilopen. Es sind
durchgehends grosse Thiere mit meist langen Hörnern, die heute ganz auf
die Ebenen Afrikas beschränkt sind. Fossil finden sie sich im Pliocän
von Europa und Indien.
Tragoceros amaltheus Gaudry (Fig. 979 D). Pliocän von Pikermi, Wien
und Mt. Lébéron.
Palaeoryx Pallasi Gaudry. Pliocän von Pikermi.
Alcelaphus palaeindicus Falc. Siwaliks von Indien.
e. Cephalophinae.
Die Frontalzone ist hier am grössten unter den Antilopen, mit
Stirnhöhlen, die sich in die kleinen aufrechten Hornzapfen fortsetzen;
dieselben stehen oft ziemlich weit hinter den Augenhöhlen. Molaren mit
niedriger Krone. Hierher gehören zahlreiche kleine lebende Arten aus
den afrikanischen Ebenen; nur wenige von bedeutenderer Grösse leben in
Indien. Die grösste noch in Indien lebende Gattung
Portax H. Smith kann als Stammform der Rinder angesehen werden. Sie
findet sich fossil in den Siwaliks und Narbadda von Indien.
P. namadicus Rütim. Narbadda von Indien.