Diese Familie enthält eine Gruppe wiederkäuerähnlicher Geschöpfe, die
auf das Oligocän und Miocän (selten im Loup Fork) von Nordamerika
beschränkt sind (vielleicht auch in Europa und Indien vorkommend),
durch ihre überaus reiche Entwickelung aber zu einer der wichtigsten
Säugethiergruppen des mittleren Tertiär in jenem Erdtheil gehören.
Abgesehen von der Bildung ihrer M besitzen sie übrigens wenige
Wiederkäuermerkmale.
Obere J sind vorhanden, aber der untere C ist schneidezahnähnlich,
und der P₁ hat oft die Gestalt eines Eckzahnes; das Gebiss ist
meist lückenlos wie das der Anoplotheriidae; Fussknochen sind nicht
verwachsen, auch Radius und Ulna, sowie Tibia und Fibula bleiben
getrennt. Im Carpus wird das Lunare nicht vom Magnum getragen. Es sind
vier, vorn mitunter selbst noch alle fünf Zehen wohlentwickelt.
Vorläufer der Oreodontidae mit fünfhöckerigen oberen Molaren
(Protoreodon Scott and Osborne, ein Xiphodontide?) sind bereits in
der Uintaperiode gefunden. Die ursprünglichsten Formen der Familie
sind Oreodon und Agriochoerus im White River-Oligocän; die meisten
übrigen Gattungen bilden eine zusammenhängende Entwickelungsreihe,
die von Oreodon ihren Ausgang nimmt: Eucrotaphus entsteht daraus,
indem die Bullae osseae aufgebläht werden; bei Merycochoerus sind die
Intermaxillaria mit einander verwachsen; bei Merychyus sind kleine
Gesichtslücken vorhanden, die bei Leptauchenia bereits sehr bedeutend
sind, unter gleichzeitiger Verkümmerung der Nasenbeine; bei Cyclopidius
fehlen aber mehrere J, und bei Pithecistes auch ein unterer P.
[Illustration: Fig. 1011. Oreodon Culbertsoni Leidy. White
River-Oligocän von Nebraska. Schädel von der Seite. ang =
Unterkieferwinkel; co = Condyli occipitales; f = Frontale; im =
Intermaxillare; j = Jugale; l = Lacrymale (mit Thränengrube); mx =
Maxillare; n = Nasale; o = Ohröffnung; o.l = Exoccipitalia; os =
Supraoccipitale; pa = Parietale; pm = Processus paramastoidens; t =
Temporale mit dem Processus zygomaticus (E); i = Schneidezähne; c =
Eckzähne; p = Prämolaren; m = Molaren.]
Agriochoerus Leidy. Orbitalrand hinten offen; der P₄ oben mit zwei
äusseren Halbmonden, unten den M ähnlich. White River- und John
Day-Epoche.
A. antiquus Leidy. White River-Oligocän von Nebraska und Dakota.
A. Guyoti Cope. John Day-Miocän von Oregon.
(Dichodon cuspidatus Owen gehört vielleicht in die Nähe von
Agriochoerus. Unteroligocän von Europa.)
Oreodon Leidy (Fig. 1011). Orbitalrand vollständig; Bezahnung
vollzählig, lückenlos; der obere P₄ mit einem äusseren und einem
inneren Halbmond, der untere P₁ eckzahnartig; 5/4 Zehen. White
River-Oligocän.
O. gracilis Leidy, O. Culbertsoni Leidy (Fig. 1011), O. minor Cope.
Häufig im White River-Oligocän von Dakota, Nebraska, Colorado und
Wyoming.
Eucrotaphus Leidy. 4/4 Zehen. White River- und John Day-Epoche.
E. Jacksoni Leidy. White River- und John Day-Epoche.
E. pacificus Cope. John Day-Miocän von Oregon.
Merycochoerus Leidy. White River- bis Loup Fork-Epoche. Hierher
gehören die grössten Arten der Familie.
M. superbus Leidy, M. macrostegus Cope. John Day-Epoche von Oregon.
M. montanus Cope. Ticholeptus-beds von Montana.
Merychyus Leidy (= Ticholeptus Cope), mit einer Lücke zwischen
Thränen-, Oberkiefer- und Nasenbein. Ticholeptus-beds.
M. arenarum Cope. Wyoming.
Cyclopidius Cope, mit auffallend grossen Gesichtslücken. 0/2
Schneidezähne. Ticholeptus-beds. Wahrscheinlich Wasserthiere.
C. simus Cope. Zahlreich in Montana.
C. emydinus Cope. Ticholeptus-beds von Oregon.