8. Fam. Oreodontidae.

Diese Familie enthält eine Gruppe wiederkäuerähnlicher Geschöpfe, die

auf das Oligocän und Miocän (selten im Loup Fork) von Nordamerika

beschränkt sind (vielleicht auch in Europa und Indien vorkommend),

durch ihre überaus reiche Entwickelung aber zu einer der wichtigsten

Säugethiergruppen des mittleren Tertiär in jenem Erdtheil gehören.

Abgesehen von der Bildung ihrer M besitzen sie übrigens wenige

Wiederkäuermerkmale.

Obere J sind vorhanden, aber der untere C ist schneidezahnähnlich,

und der P₁ hat oft die Gestalt eines Eckzahnes; das Gebiss ist

meist lückenlos wie das der Anoplotheriidae; Fussknochen sind nicht

verwachsen, auch Radius und Ulna, sowie Tibia und Fibula bleiben

getrennt. Im Carpus wird das Lunare nicht vom Magnum getragen. Es sind

vier, vorn mitunter selbst noch alle fünf Zehen wohlentwickelt.

Vorläufer der Oreodontidae mit fünfhöckerigen oberen Molaren

(Protoreodon Scott and Osborne, ein Xiphodontide?) sind bereits in

der Uintaperiode gefunden. Die ursprünglichsten Formen der Familie

sind Oreodon und Agriochoerus im White River-Oligocän; die meisten

übrigen Gattungen bilden eine zusammenhängende Entwickelungsreihe,

die von Oreodon ihren Ausgang nimmt: Eucrotaphus entsteht daraus,

indem die Bullae osseae aufgebläht werden; bei Merycochoerus sind die

Intermaxillaria mit einander verwachsen; bei Merychyus sind kleine

Gesichtslücken vorhanden, die bei Leptauchenia bereits sehr bedeutend

sind, unter gleichzeitiger Verkümmerung der Nasenbeine; bei Cyclopidius

fehlen aber mehrere J, und bei Pithecistes auch ein unterer P.

[Illustration: Fig. 1011. Oreodon Culbertsoni Leidy. White

River-Oligocän von Nebraska. Schädel von der Seite. ang =

Unterkieferwinkel; co = Condyli occipitales; f = Frontale; im =

Intermaxillare; j = Jugale; l = Lacrymale (mit Thränengrube); mx =

Maxillare; n = Nasale; o = Ohröffnung; o.l = Exoccipitalia; os =

Supraoccipitale; pa = Parietale; pm = Processus paramastoidens; t =

Temporale mit dem Processus zygomaticus (E); i = Schneidezähne; c =

Eckzähne; p = Prämolaren; m = Molaren.]

Agriochoerus Leidy. Orbitalrand hinten offen; der P₄ oben mit zwei

äusseren Halbmonden, unten den M ähnlich. White River- und John

Day-Epoche.

A. antiquus Leidy. White River-Oligocän von Nebraska und Dakota.

A. Guyoti Cope. John Day-Miocän von Oregon.

(Dichodon cuspidatus Owen gehört vielleicht in die Nähe von

Agriochoerus. Unteroligocän von Europa.)

Oreodon Leidy (Fig. 1011). Orbitalrand vollständig; Bezahnung

vollzählig, lückenlos; der obere P₄ mit einem äusseren und einem

inneren Halbmond, der untere P₁ eckzahnartig; 5/4 Zehen. White

River-Oligocän.

O. gracilis Leidy, O. Culbertsoni Leidy (Fig. 1011), O. minor Cope.

Häufig im White River-Oligocän von Dakota, Nebraska, Colorado und

Wyoming.

Eucrotaphus Leidy. 4/4 Zehen. White River- und John Day-Epoche.

E. Jacksoni Leidy. White River- und John Day-Epoche.

E. pacificus Cope. John Day-Miocän von Oregon.

Merycochoerus Leidy. White River- bis Loup Fork-Epoche. Hierher

gehören die grössten Arten der Familie.

M. superbus Leidy, M. macrostegus Cope. John Day-Epoche von Oregon.

M. montanus Cope. Ticholeptus-beds von Montana.

Merychyus Leidy (= Ticholeptus Cope), mit einer Lücke zwischen

Thränen-, Oberkiefer- und Nasenbein. Ticholeptus-beds.

M. arenarum Cope. Wyoming.

Cyclopidius Cope, mit auffallend grossen Gesichtslücken. 0/2

Schneidezähne. Ticholeptus-beds. Wahrscheinlich Wasserthiere.

C. simus Cope. Zahlreich in Montana.

C. emydinus Cope. Ticholeptus-beds von Oregon.

Elemente der Paläontologie · 第 539 / 606 题