Auch die Camelidae bilden eine Familie von Wiederkäuern, deren
Entstehung und Hauptentwickelung in Nordamerika stattfand. Besonders
im jüngeren Tertiär sind sie daselbst sehr zahlreich und höchst
charakteristisch, und liefern mit den Equidae die bezeichnendsten
Formen zur Unterscheidung der einzelnen geologischen Epochen. Ihre
ältesten Vertreter, den Tragulidae sehr nahe stehend, finden sich
im Oligocän; sie verschwinden in Nordamerika mit dem Beginn der
Diluvialzeit. Im jüngeren Pliocän scheinen sie nach Südamerika und
Asien gewandert zu sein, wo sie noch gegenwärtig leben.
Sie sind ausgezeichnet unter den Wiederkäuern durch das Fehlen des
Foramen transversarium an den Halswirbeln. Ihre Carpalia und Tarsalia
verschmelzen nie, dagegen verschmelzen die beiden mittleren Metapodien
bei ihnen sehr bald, indess die Seitenzehen gänzlich verschwinden.
Der mediane Kiel an dem distalen Metapodialgelenke fehlt an der
Vorderseite. Im Gebiss bleibt wenigstens ein oberer J stets erhalten
und die P zeigen eine weitergehende Reduction als bei irgend einer
anderen Familie der Artiodactyla. Die M zeigen stets eine niedrige
Krone mit langen Wurzeln. Sie stammen wohl direct von Pantolestes
ab. Die Entwickelung der Familie ist aus folgender Uebersicht der
wichtigsten Gattungen zu entnehmen:
A. Aeussere Metapodien rudimentär; Gebiss mit 44 Zähnen.
a. Metapodien getrennt; Ulna und Radius getrennt.
Leptotragulus.
b. Metapodien getrennt. Ulna und Radius verschmolzen.
1. Oberer P₁ zweiwurzelig, gross.
Poëbrotherium.
2. Oberer P₁ einwurzelig, klein.
Gomphotherium.
c. Metapodien verschmolzen. J₃, C, P fangzahnähnlich.
Protolabis.
B. Aeussere Metapodien fehlend, mittlere verschmolzen; nur ein oberer J
(J₃). Oben J, C, meist auch der vorderste P isolirt, fangzahnartig.
a. Oben und unten vier P.
Procamelus.
b. Oben vier, unten drei P.
Pliauchenia.
c. Oben drei, unten zwei P.
1. Unterer P₄ besteht aus zwei Halbmonden.
Palauchenia.
2. Unterer P₄ mit zwei Halbmonden und zwei hinteren Höckern.
Protauchenia.
3. Unterer P₄ dreieckig.
Camelus.
d. Oben zwei, unten ein bis zwei P; unterer P₄ dreieckig.
Auchenia.
e. Oben und unten nur noch ein P.
1. Oberer P₄ besteht aus zwei Halbmonden.
Holomeniscus.
2. Oberer P₄ kegelförmig.
Eschatius.
Zeitliche und örtliche Verbreitung der Camelidae.
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| | Asien | Nordamerika | Südamerika |
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| Recent und Diluvium | Camelus | | Auchenia |
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| | | | Auchenia |
| Oberes Pliocän: Equus-beds | Camelus | Eschatius | Protauchenia |
| | | Holomeniscus | Palauchenia |
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| | | Pliauchenia | |
| Unteres Pliocän: Loup-Fork | | Procamelus | |
| | | Protolabis | |
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| Ticholeptus-Miocän | | Protolabis | |
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| John-Day-Miocän | | Gomphotherium | |
| | | | |
| White River-Oligocän | | Poëbrotherium | |
| | | | |
| Uinta-beds | | Leptotragulus | |
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| Wasatch- u. Bridger-Eocän | | Pantolestes | |
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Leptotragulus proavus Scott u. Osborn. Den Tragulidae ähnlich. Utah.
Poëbrotherium Vilsoni Leidy. Gazellenähnlich. Nebraska, Dakota.
Protolabis transmontanus Cope (Fig. 1012). Oregon. Damhirschgrösse.
Procamelus occidentalis Leidy. Hirschgrösse. Neu-Mexico bis Dakota.
P. robustus Leidy. Kameelgrösse. Kansas, Colorado.
Holomeniscus Vitakeri Cope. Lamagrösse. Oregon.
H. hesternus Leidy. Kameelgrösse. Oregon, Californien, Mexico.
Palauchenia Weddelli Gerv. Pampasformation. Argentinien.
Protauchenia Reissi Branco. Pampasformation. Ecuador.
Auchenia III. Obere Pampasformation und recent in Südamerika.
A. intermedia Gerv. Pampasformation von Argentinien.
Camelus L. Siwaliks von Indien und wild lebend in Centralasien.