6. Fam. Suidae.

Die Schweine haben den bunodonten Charakter der Molaren am reinsten

bewahrt und weiter entwickelt (Fig. 1002 u. 1003). Bei den primitivsten

Formen sind die vier Haupthöcker noch gross und kegelförmig (Fig.

1002); diese Höcker werden dann bei den Suinae allmählich runzelig,

niedrig, und zwischen ihnen entstehen kleine Nebenwarzen in immer

grösserer Zahl (Fig. 1007). Der M₃ kann sich allmählich bedeutend

vergrössern (Fig. 1007), bis er endlich bei Phacochoerus auch

säulenförmig wird und fast allein die ganze Function der Backzahnreihe

versieht, indess die übrigen Backzähne verkümmern und grösstentheils

verschwinden. Die C sind stets sehr stark entwickelt und werden bei

Suinae oft zu gewaltigen, aufwärts gebogenen Hauern. Die unteren J

sind griffelförmig, dicht aneinander liegend, von den oberen werden

die mittleren mehr und mehr keilförmig (Fig. 1005); sie können auch

ganz fehlen. Manchmal bilden die Höcker auf den M Querjoche. Die

Extremitäten zeigen vier Zehen (Fig. 1004), von denen die äusseren

meist nicht sehr stark reducirt sind; nur bei manchen Dicotylinae

werden sie rudimentär, und die mittleren Metapodien können sogar

theilweise verschmelzen; die Füsse sind adaptiv reducirt, doch ohne

Verwachsung der Carpalia und Tarsalia.

[Illustration: Fig. 1004. Hyotherium. Linker Vorderfuss. m = Magnum; t

= Trapezoid; u = Unciforme.]

[Illustration: Fig. 1005. Hyotherium Waterhousei Pom. Miocän von

Allier. A Gebiss des Oberkiefers. B Gebiss des Unterkiefers.]

Die ältesten Suidae finden sich im oberen Oligocän von Europa; sie

sind vielleicht von Cebochoerus abzuleiten. Suidae sind in der alten

Welt sehr formenreich; sie finden sich hier noch lebend, ebenso in

Nordamerika, von wo sie auch nach Südamerika gelangt sind.

[Illustration: Fig. 1006. Hyotherium Waterhousei Pom. Miocän von

Allier. Schädel.]

a. Suinae, auf die alte Welt beschränkt.

Hyotherium H. v. Meyer (Fig. 1002-1006, = Palaeochoerus Pomel). Gebiss

mit 44 Zähnen. Die C sind mässig und von normaler Richtung: die M

zeigen grosse Haupthöcker, bei manchen Arten auch kleine Nebenwarzen;

M₃ kaum vergrössert. Oligocän und Miocän von Europa und Indien. Es ist

die primitivste Form der Suidae.

H. typus Pomel (Fig. 1002 = H. Meissneri H. v. M.). Oberoligocän bis

Untermiocän. Europa.

H. Waterhousei Pom. (Fig. 1005 u. 1006). Untermiocän von Frankreich.

H. Soemmeringi H. v. Meyer, nähert sich Sus. Miocän von Europa.

[Illustration: Fig. 1007. Sus erymanthius Roth u. Wagn. Pliocän von

Pikermi. Obere Backzähne der rechten Seite.]

Sus L. (Fig. 830, 838, 1007). M mit niedrigen Höckern und zahlreichen

Nebenwarzen; der M₃ zeigt das Bestreben, sich zu vergrössern. Die

oberen C biegen sich aufwärts. In Europa seit dem Obermiocän, häufiger

erst seit dem Pliocän; besonders reich in den Siwaliks von Indien

entwickelt; lebend in der alten Welt; ist bis Celebes und Neuguinea

gedrungen.

S. antiquus Kaup. Miocän von Süddeutschland und Frankreich.

S. erymanthius Roth und Wagn. (= S. major Gerv., Fig. 1007), von

riesiger Grösse, weit verbreitet im Pliocän von Europa, besonders in

Pikermi.

S. giganteus Falc. und Cautl. Siwaliks von Indien.

S. palustris Rütim. Postpliocän von Europa.

Listriodon H. v. M., eine eigenthümliche Suidenform, an deren M die

Höcker sich zu Querjochen vereinigen (Tapir-ähnlich), mit grossen

hauerartigen C. Miocän von Europa und Siwaliks von Indien.

L. splendens H. v. M. Miocän von Süd- und Mitteleuropa.

Phacochoerus Cuv. ist die extremste Form der altweltlichen Suidae,

mit riesigen aufwärts gekrümmten Hauern, im Alter ohne J und P; der M₃

mächtig entwickelt, säulenförmig. Lebt in Afrika.

b. Dicotylinae, auf Amerika beschränkt.

Bothrolabis Cope. C gross; vor den oberen C ein tiefer Ausschnitt

für die unteren; sonst Hyotherium ähnlich. John Day-Miocän. Oregon.

B. subaequans Cope. Miocän. Oregon.

Dicotyles Cuv. (Fig. 982 C, 984, 1003), wie Bothrolabis, aber drei

P; P₄ den M ähnlich; 4/3 Zehen; Metatarsen in der proximalen Hälfte

verschmolzen. Pliocän und recent in Nord- und Südamerika.

D. torquatus Cuv. (Fig. 982 C, 984, 1003). Diluvial und lebend in

Nord- und Südamerika.

Platygonus Lec. Höcker der M bilden Querjoche. Pliocän. Nordamerika.

P. striatus Marsh. Pliocän von Nordamerika.

Zeitliche und örtliche Verbreitung der Suidae.

+ -------+------------+-----------+------------+-------------+-----------+

| | Afrika | Indien | Europa | Nordamerika | Südamerika|

+========+============+===========+============+=============+===========+

| |Phacochoerus| Babirusa | Sus | Dicotyles-|--Dicotyles|

|Quartär | | | | | | | | |

| | Sus-----|---Sus | | | | | |

+--------+------------+----|------+-------|----+-----------|-+-----------+

| | | Sus-----|-------Sus |Platygonus | | |

|Pliocän | | | | | | | | |

| | |Listriodon | | | Dicotyles| |

+--------+------------+----|------+---------|--+-----|-------+-----------+

| | | | | Sus| | | |

| | | | | ||Bothrolabis | |

|Miocän | |Listriodon-|-Listriodon|| | | |

| | | | | || | | |

| | |Hyotherium-|--Hyotherium| | | |

+--------+------------+-----------+-----|------+-----|-------+-----------+

| | | | | | | | |

| | | |Hyotherium--|-Hyotherium ?| |

|Oligocän| | | | | | |

| | | |Cebochoerus | | |

+--------+------------+-----------+------------+-------------+-----------+

Elemente der Paläontologie · 第 537 / 606 题