Die Anthracotheriiden bilden eine wichtige, vielgestaltige Gruppe
alterthümlicher Paarhufer, die sehr reich im ganzen Oligocän von Europa
vertreten sind, und deren letzte Glieder noch spärlich im Miocän der
alten Welt vorkommen; einige Formen finden sich auch im Oligocän und
Miocän von Nordamerika.
[Illustration: Fig. 996. Cebochoerus minor Gerv. Phosphorite von
Quercy. Untere Backzähne.]
[Illustration: Fig. 997. Choeropotamus parisiensis Cuv. Gyps von Paris.
Obere Backzähne.]
[Illustration: Fig. 998. Anthracotherium alsaticum Cuv. A
Oberkiefergebiss. Phosphorite von Quercy. B Unterkiefergebiss. Lignite
von Rott.]
Sie haben meist vier wohlentwickelte Zehen, die äusseren sind mitunter
schwächer als die inneren, nur in einer extremen Gattung sind die
äusseren Zehen rudimentär; die Reduction ist »inadaptiv«. Von den fünf
Höckern der oberen M gehören drei der vorderen Zahnhälfte an; sie
zeigen alle Stufen von der streng kegelförmigen bis zur auffallend
halbmondförmigen Ausbildung; an den unteren M sind wenigstens die
beiden Innenhöcker immer als Kegel entwickelt. Stets sind kräftige C
vorhanden, ebenso Lücken im Gebiss; J oft noch auffallend kegelförmig
(Fig. 998). Vielleicht gehört Achaenodon Cope aus den Bridger-beds von
Wyoming hierher.
Cebochoerus Gerv. (Fig. 996). An den M sind alle Höcker kegelförmig,
der Zwischenhöcker der oberen M klein. Es ist eine sehr primitive Form,
wohl Stammform der Suidae. Oligocän von Europa.
C. minor Gerv. (Fig. 996). Phosphorite von Quercy,
C. lacustris Gerv. und C. anceps Gerv. Oligocän von Frankreich und
Elsass.
Choeropotamus Cuv. (Fig. 997). Die Haupthöcker der M sind kantig, aber
fast noch kegelförmig zu nennen, von zahlreichen kleinen Nebenwarzen
begleitet. Die C sind gross. 4/3 P, oben ist P₁ durch eine Lücke
getrennt von den übrigen P. Unteroligocän von Europa.
Ch. parisiensis Cuv. (Fig. 997) von Wildschweingrösse. Unteres
Oligocän von Frankreich.
Entelodon Aym. (= Elotherium Pom.), eine sehr aberrante Form. Die
Höcker der M stellen auffallend abgerundete Kegel dar, mit
rudimentären Zwischenhöckern. Die P sind als einfache grosse, dicke
Kegel ausgebildet und durch Lücken von einander getrennt. J und C
riesig. Von den Seitenzehen sind nur noch stummelförmige Metapodien
vorhanden. Oligocän von Europa; Miocän und Oligocän von Nordamerika.
E. magnum Pom. kleiner als Rhinoceros. Oligocän von Europa.
E. Mortoni Leidy, ebenso gross. White River-Oligocän von
Nordamerika.
E. imperator Leidy. John Day-Miocän. Oregon. Rhinocerosgrösse.
Anthracotherium Cuv. (Fig. 998, 999), das Kohlenthier; an den oberen
M sind die Höcker etwas halbmondförmig, doch noch sehr dick; oben ist
der d-Höcker noch rein kegelförmig, die anderen sind etwas verlängert;
unten bilden die Innenhöcker spitze Kegel. Die Backzahnreihe zeigt
keine grossen Lücken; die J und C sind ansehnlich, letztere kegelförmig.
[Illustration: Fig. 999. A Anthracotherium alsaticum Cuv. Oligocän von
Villebramar. Oberer Molar. B Anthracotherium magnum Cuv. Oligocän von
Cadibona. Unterer Molar.]
[Illustration: Fig. 1000. Hyopotamus velaunus Cuv. Oligocän von Ronzon.
A oberer, B unterer Molar. C Gebiss des Oberkiefers.]
Die grösseren Arten mit breitem, niedergedrücktem Schädel, deren
Seitenzehen nicht reducirt sind, dürften die Lebensweise der
Nilpferde gehabt haben; ihre Reste finden sich besonders viel in
Braunkohlenlagern; andere Arten, die kleiner sind, haben stark
reducirte Seitenzehen. Sehr verbreitet im Oligocän von Europa; auch im
Miocän vorhanden.
A. magnum Cuv. (Fig. 999 B) von Nilpferdgrösse; Seitenzehen nicht
reducirt. Oligocän von Europa.
A. alsaticum Cuv. (Fig. 999 A) ist kleiner. Oligocän.
A. Gresslyi H. v. Meyer, die kleinste Art, von Rehgrösse. Oligocän
von Württemberg und der Schweiz.
Hyopotamus Owen (Fig. 1000, 1001). An den oberen M sind alle fünf
Höcker ausgesprochen halbmondförmig; die Kiefer sind verlängert,
und es entstehen grosse Lücken, auch zwischen den vorderen P. Die C
scheinen nur beim Männchen von besonderer Grösse gewesen zu sein. Die
Seitenzehen sind reducirt; diese Gattung ist mit der vorigen durch
unmerkliche Uebergänge eng verknüpft. Oligocän von Europa und Indien;
eine Art auch in Nordamerika.
H. velaunus Cuv. (Fig. 1000). Oligocän von Ronzon, Hempstead,
Elsass.
H. bovinus Owen von Stiergrösse; ebendaher.
H. americanus Leidy. White River-Oligocän von Nordamerika.
[Illustration: Fig. 1001. Hyopotamus Cuv. Oligocän. Linker Vorderfuss.
l = Lunare; m = Magnum; p = Pyramidale; s = Scaphoid; t = Trapezoid; tz
= Trapez; u = Unciforme; II-V = 2. bis 5. Metacarpale.]
[Illustration: Fig. 1002. Hyotherium (Palaeochoerus) typus Pom.
Süsswasserkalk von Billy (Allier). Oberkiefer.]
[Illustration: Fig. 1003. Molar von Dicotyles. Recent. (¹⁄₁.)]