Diese Familie umfasst eine eigenthümlich specialisirte Gruppe von
Paarhufern, die im unteren Oligocän von Europa reich entwickelt ist,
gegen das Ende dieser Periode aber erlischt. Besonders eigenthümlich
ist der Fussbau, indem ausser den beiden stark entwickelten Mittelzehen
wenigstens bei einigen Arten noch die zweite Zehe vollständig
ausgebildet ist (Fig. 993); dieselbe ist kleiner als die mittleren
und bildet mit denselben einen auffallend grossen Winkel, so dass es
möglich ist, dass sie zum Spannen einer Schwimmhaut dienlich war. Der
Fuss ist inadaptiv reducirt (Fig. 992). Schwanz sehr lang, mit unteren
Bögen.
[Illustration: Fig. 991. Anoplotherium commune Cuv. Oligocäner Gyps von
Paris. Schädel.]
[Illustration: Fig. 992. Anoplotherium commune Cuv. Gyps von Paris.
Linker Vorderfuss. l = Lunare; m = Magnum; p = Pyramidale; s =
Scaphoid; t = Trapezoid; tz = Trapez; u = Unciforme; II-V = 2. bis 5.
Metacarpale.]
An den oberen M (Fig. 994) sind die beiden Aussenhöcker und der
d-Höcker halbmondförmig, der b-Höcker ist kegelförmig, und von ihm
zieht sich der leistenartig verlängerte Zwischenhöcker b’ gegen
die Aussenwand. An den unteren M (Fig. 995 A, B) sind die beiden
Aussenhöcker ∧- bis halbmondförmig; es sind drei kegelförmige
Innenhöcker vorhanden. Der α-Höcker und β’-Höcker sind einander mehr
oder weniger genähert (Fig. 995 A-C) und schliessen die Oeffnung des
vorderen Halbmonds, während die des hinteren durch den γ’-Höcker
geschlossen ist. Gebiss vollzählig, mit 44 Zähnen, und durchaus
lückenlos, die C nicht verlängert.
[Illustration: Fig. 993. Anoplotherium latipes Gerv. Lignite der
Débruge. Linker Hinterfuss. a = Astragalus; c = Cuboid; ca = Calcaneus;
n = Naviculare; 1, 2, 3 = Cuneiforme; II-IV = 2. bis 4. Metacarpale.]
[Illustration: Fig. 994. Diplobune (Anoplotherium) secundaria Cuv.
Phosphorite von Quercy. Oberer Molar. (¾)]
[Illustration: Fig. 995. Untere Molaren von A Anoplotherium laticeps
Gerv.; B Diplobune modica Filh.; C D. minor Filh.; D Xiphodon.
Phosphorite von Quercy.]
Anoplotherium Cuv. (Fig. 842 B, 991-995, = Eurytherium Gerv.) ist
eine im europäischen Unteroligocän weitverbreitete und höchst
charakteristische Gattung. An den unteren M sind die Höcker α und β’
ganz getrennt.
A. commune Cuv. (Fig 842 B, 991, 992), die grösste Art, und A.
latipes Gerv. (Fig. 993, 995 A) häufig im Unteroligocän.
Diplobune Rütim., α- und β’-Höcker nur mit getrennter Spitze.
Unteroligocän.
D. secundaria Filh. (Fig. 994), D. modica Filh. (Fig. 995 B), D.
minor Filh. (Fig. 995 C), D. bavarica Fraas; Oligocän von
Mitteleuropa.