18. Ordnung Perissodactyla.

Echte Unpaarhufer treten in Nordamerika zuerst im mittleren Eocän

(Wasatch) auf, ebenso in etwa gleichaltrigen Schichten von Europa, und

erreichen bereits im Eocän und Oligocän eine sehr reiche Entwicklung.

Besonders ergiebig an fossilen Perissodactyla ist Nordamerika, und

dies Land scheint für die meisten hervorragenderen Gruppen der

Unpaarhufer das Mutterland gewesen zu sein. Von dort scheint sich

auch die alte Welt mit Unpaarhufern versorgt zu haben; nur wenige

haben sich in derselben selbständig weiterentwickelt, so vielleicht

die Palaeotherien, vor allem aber die gehörnten Rhinoceroten; nach

Südamerika wanderten erst in spätester Zeit einzelne Formen ein. In

der Gegenwart treten Perissodactyla sehr zurück unter den Hufthieren;

sie sind jetzt fast alle auf die alte Welt beschränkt, nur die Gattung

Tapirus findet sich auch noch in Südamerika. Nordamerika aber, die

Wiege der Perissodactyla, besitzt heutigen Tages keine eingeborenen

Arten mehr.

[Illustration: Fig. 942. Linker Vorderfuss von A Phenacodus primaevus

Cope. Wasatch-Eocän von Wyoming; B Hyracotherium venticolum Cope ibid.;

C Palaeotherium medium Cuv. Oligocäner Gyps von Paris; D Anchitherium

aurelianense Blainv. Miocän; E Hippotherium gracile Kaup. Pliocän; F

Equus caballus L. Recent. k = Kiel am Metapodialgelenk; l = Lunare; m =

Magnum; p = Pyramidale; s = Scaphoid; t = Trapezoid; tz (= 1) = Trapez;

u (= 4) = Unciforme; I-V = erster bis fünfter Finger oder Metacarpale

(= mc).]

[Illustration: Fig. 943. Equus caballus L. Diluvium des Oberelsass.

Linker Astragalus von vorn. c = Gelenkfläche für Cuboid; n = flache

Gelenkfläche für Naviculare; t = rollenartige Gelenkfläche für die

Tibia.]

Perissodactyla sind von Phenacodontidae abzuleiten.

Die Ordnung ist ausgezeichnet durch den eigenthümlichen Fussbau; sie

haben die vollkommen alternirende Anordnung der Carpalia und Tarsalia

(Fig. 942 und 952), ebenso das kopfförmig abgesetzte und rollenartige

Tibialgelenk des Astragalus, dessen distales Naviculargelenk stets

eben, nie rollenförmig ist (Fig. 943 n). Sie zeigen ferner am Femur

noch den dritten Trochanter, der oft mächtig entwickelt ist (Fig. 944);

Calcaneus ist ohne Fibulargelenk. Eine erste Zehe fehlt stets. Der Fuss

ist unguligrad, indem die Metapodien dicht aneinander liegen und nur

noch die Endphalangen den Boden berühren (Fig. 942 B-F). Von den noch

vorhandenen Zehen ist die dritte stets am kräftigsten und längsten

und überflügelt im Laufe der Stammesentwicklung die übrigen derart,

dass zuerst am Hinterfusse, bald auch am Vorderfusse die fünfte Zehe

ebenfalls verloren geht, und bei den extremsten Formen selbst noch die

zweite und vierte Zehe, die sonst mehr oder weniger stark entwickelt

sind (Fig. 942). Ulna und Fibula sind bei den extremeren Formen

rudimentär und verwachsen. Die Halswirbel werden oft opisthocöl, der

Zahnfortsatz des Epistropheus oft rinnenförmig.

Das Gebiss zeigt ursprünglich noch (3·1·4·3)/(3·1·4·3) Zähne (Fig.

947); bei den modernsten Formen fehlt meist nur der P₁, bei einigen

gehen auch die J und C verloren; letztere sind bei den älteren Formen

durchgehends kräftig entwickelt. Die M sind stets tetragonodont und

waren wohl ursprünglich alle bunodont; die oberen sind es noch bei

den primitivsten Formen; bei diesen treten vier isolirte Haupthöcker

auf, neben denen Zwischenhöcker entwickelt sind (Fig. 948). Das Gebiss

dieser Formen ähnelt noch ausserordentlich dem von Phenacodus. In den

meisten Fällen verbinden sich aber an den oberen M die Aussenhöcker

a und c mit einander zu einer Aussenwand, welche entweder einfach

sein kann (Fig. 949 A) oder dadurch, dass jeder der beiden Höcker

V-förmig ausgebildet ist, W-förmig geknickt wird (Fig. 958 A) und

daher eine Längskante in der Mitte zeigt (Fig. 975 c). Auch jeder der

beiden Innenhöcker b und d, sowie die Zwischenhöcker b’ b’’ d’ können

leistenförmig werden und gerade oder gebogene Querjoche bilden (Fig.

973 B). Die unteren M sind nie mehr ganz bunodont; entweder verbindet

sich in jeder Zahnhälfte der Aussenhöcker mit dem Innenhöcker zu

einem einfachen Querjoche (Fig. 949 B); oder es zieht sich von dem

Aussenhöcker ausserdem auch noch nach vorn eine kräftige Leiste in der

Art, dass nunmehr der ganze Zahn aus zwei nach innen geöffneten, hinter

einander liegenden Halbmonden besteht (M-förmig oder symborodont Fig.

958 u. 968 B).

[Illustration: Fig. 944. Rhinoceros pachygnathus Wagn. Pliocän von

Pikermi. Rechter Femur von vorn, mit mächtig entwickeltem dritten (=3)

Trochanter.]

Die P sind bei den primitiveren Formen stets viel einfacher gebaut

als die M, oben höchstens trigonodont (Fig. 949); im Laufe der

Stammesentwicklung kann (Fig. 969) erst der P₄, dann P₃ und endlich

auch der P₂ den M gleich werden, während der P₁ rudimentär wird. Der

untere M₃ besitzt ursprünglich stets einen dritten Lobus (Fig. 949 δ),

der aber bei vielen modernen Formen verschwindet.

Die ursprünglich brachyodonten Backzähne werden bei den extremsten und

modernsten Formen ausgezeichnete Säulenzähne (Fig. 975).

Uebersicht der fünf Familien und der wichtigsten Gattungen der

Perissodactyla.

A. Die beiden Aussenhöcker der oberen M sind kegelförmig, von einander

noch vollständig getrennt, ebenso von den Zwischenhöckern. Obere P

einfacher als M. (Fig. 948 A). 4/3 Zehen.

1. Fam. Hyracotheriidae.

1. Hinter dem P₁ eine Lücke. Hyracotherium.

2. Hinter dem P₁ keine Lücke. Systemodon.

B. Obere M mit einer einfachen Aussenwand, ohne mittlere Kante; die

Innen- (+ Zwischen-)höcker bilden fast gerade Querjoche, welche

senkrecht oder schräg auf der Aussenwand stehen, mit der sie innig

verbunden sind. Untere M mit zwei geraden oder etwas gebogenen

Querjochen, deren vorderes allein ∧-förmig werden kann.

I. 3 J und C vorhanden, normal; die oberen M (Fig. 949 A) mit zwei

einfachen, schräg oder senkrecht auf der Aussenwand stehenden

geraden Querjochen; die unteren M zeigen nur zwei fast gerade

Querjoche. 4/3 Zehen.

2. Fam. Tapiridae.

1. 3 J wohlentwickelt. Ein grosser Sagittalkamm vorhanden.

a. Unterer M₃ mit drittem Lobus; obere P einfacher als die M.

Helaletes. Lophiodon.

b. Unterer M₃ nur mit zwei Querjochen.

α. Alle oberen P einfacher als die M. Protapirus. Hyrachyus.

β. Oberer P₄ ähnelt den M. Tapiravus.

γ. Wenigstens die beiden letzten P ähneln den M. Tapirus.

2. 3 J rudimentär; mehrere P ähneln den M. Hyracodontinae.

α. J klein, C wohlentwickelt. Ein Sagittalkamm. Amynodon.

β. J und C klein, einander ähnlich. Kein Sagittalkamm.

Hyracodon.

II. Obere C fehlen; weniger als 3 J; die oberen M (Fig. 951) mit zwei

schräg auf die Aussenwand stossenden, ziemlich geraden Querjochen,

deren hinteres meist einen nach vorn gerichteten Sporn zeigt; das

vordere Querjoch der unteren M ist fast ∧-förmig, das hintere nur

wenig gebogen. Kein Sagittalkamm.

3. Fam. Rhinocerotidae.

a. Ohne Hörner. Aceratherium.

α. Obere P einfacher als die M. 4/3 Zehen. [Caenopus.

Ronzotherium.]

β. Obere P gleichen den M. 2/1 J, 0/1 C. 4/3 Zehen.

[Aceratherium.]

γ. Obere P ähnlich den M. (0-1)/1 J, 0/1 C. 3/3 Zehen.

[Aphelops. Peraceras.]

b. Mit kleinen paarigen Hörnern; 3/3 Zehen; 1/1 J, 0/1 C.

Diceratherium.

c. Mit unpaaren Hörnern. 3/3 Zehen. Zähne mit Wurzeln. Rhinoceros.

α. Obere P einfacher als die M. 2/1 J, 0/1 C. [Dihoplus.]

β. Obere P gleichen den M. 1/1 J, 0/1 C. [Ceratorhinus.]

γ. Obere P gleichen den M; J und C fehlen ganz.

1. Nasenscheidewand nicht verknöchert. [Atelodus.]

2. Nasenscheidewand verknöchert. [Coelodonta.]

d. Ein unpaares Stirnhorn. Nasenscheidewand verknöchert; Zähne

wurzellos, sehr hohe Säulen. J und C fehlen ganz.

Elasmotherium.

C. Obere M mit einer W-förmigen Aussenwand, die daher eine mittlere

Längskante zeigt; untere M M-förmig (Fig. 968).

I. An den oberen M fehlen die Zwischenhöcker fast ganz; wenigstens

der b-Höcker bleibt kegelförmig und selbständig und übertrifft den

d-Höcker an Grösse (Fig. 958 A). 4/3 Zehen.

4. Fam. Chalicotheriidae.

a. Beide Innenhöcker der oberen M kegelförmig.

α. Ohne Hörner. C wohl entwickelt. Palaeosyopinae.

1. Obere P alle einfacher als M. Palaeosyops. Limnohyus.

2. Obere P₄ den M ähnlich. Diplacodon.

β. Alle P den M ähnlich; mit Hörnern. C rudimentär.

Brontotheriinae.

1. Untere J vorhanden. Menodus.

2. Untere J fehlend. Symborodon.

? b. Der d-Höcker der oberen M eine schräge Leiste bildend.

Chalicotherium.

II. An den oberen M sind b- und d-Höcker etwa gleich gross;

Zwischenhöcker sind sehr gut entwickelt, meist leistenförmig, mit

den Innenhöckern oft innig, mit der Aussenwand nur locker

verbunden.

5. Fam. Equidae.

a. Zahnkrone sehr niedrig; alle Höcker sehr dick; meist alle

oberen P einfacher als die M; 4/3 Zehen.

Pachynolophinae.

Hierher Pachynolophus, Epihippus.

b. Zahnkrone niedrig, mit dachförmigen Leisten und mit Thälern,

die nicht durch Cement ausgefüllt sind; die oberen P ähneln

meist den M. 3/3 Zehen, die alle den Boden berühren.

Palaeotheriinae.

α. Vorderer Halbmond der unteren Molaren endet hinten mit

einfacher Spitze β´ (Fig. 968). Paloplotherium.

Palaeotherium.

β. Vorderer Halbmond der unteren Molaren endet hinten mit

Doppelspitze β´ (Fig. 974 A).

1. Unterer M₃ mit drittem Lobus, P₁ zweiwurzelig.

Anchilophus. Mesohippus.

2. Unterer M₃ mit rudimentärem dritten Lobus, P₁

einwurzelig. Anchitherium.

c. Backzähne prismatisch mit ebener Kaufläche, die Thäler ganz von

Cement ausgefüllt; die Leisten der oberen M B-förmig vereinigt

(Fig. 973 D, E); die Doppelspitze β’ der unteren M zu einer

Doppelschleife vergrössert (Fig. 974 B, C). P den M ähnlich.

Equinae.

α. b-Höcker der oberen M bildet ein ganz isolirtes

Innensäulchen von rundem Querschnitte; an den unteren M

liegen die beiden Hälften der Doppelschleife in der

Längsrichtung des Zahnes. 3/3 Zehen. Hippotherium.

β. b-Höcker der oberen M nicht isolirt, verbreitert; die beiden

Hälften der Doppelschleife an den unteren M bilden einen

Winkel mit der Längsrichtung des Zahnes.

1. 3/3 Zehen. Merychippus. Protohippus.

2. 1/1 Zehe. Equus, Hippidium.

Elemente der Paläontologie · 第 523 / 606 题