2. Fam. Elephantidae.

Hierher gehören diejenigen Proboscidier, bei welchen nie mehr als drei

Backzähne zu gleicher Zeit in Gebrauch sind, und deren M₁ die gleiche

oder eine geringere Anzahl von Querleisten hat als der folgende M. Oben

und unten ursprünglich 1 J, 0 C, 3 (4?) D, 2 (3?) P, 3 M.

Die primitivsten Formen der Familie sind Mastodon angustidens und M.

turicensis; die J derselben bilden im Ober- und Unterkiefer mässig

lange Stosszähne (Fig. 923).

Es treten hier drei D auf (Fig. 925), von denen wenigstens die beiden

hinteren durch P ersetzt werden; an die Stelle dieser vorderen

Backzähne treten nun ganz allmählich die M, indem dieselben bei ihrem

Entstehen langsam nach vorn rücken und die vor ihnen stehenden Zähne

dabei nach vorn drängen, bis sie ausfallen; stets sind drei Backzähne

gleichzeitig in Gebrauch auf jeder Seite, bei alten Thieren sind

es die drei M. Diese Backzähne (Fig. 924 A u. 926) besitzen eine

niedrige Krone mit langen geschlossenen Wurzeln; die Krone zeigt eine

Anzahl von Höckern, die mit einer sehr dicken Schmelzschicht bedeckt

sind. Dieselben bilden entweder gerade, regelmässige, vielgipflige,

vollkommen getrennte Querleisten (Tapiroider Typus, Fig. 927), oder die

Querleisten sind nicht gerade, aus ungleich grossen Höckern gebildet

und unvollkommen getrennt, da sich in den Thälern accessorische Höcker

finden (Mastoider Typus, Fig. 926). Die Zahl der Querleisten beträgt

für die drei D: 1·2·3, für die drei M: 3·3·4.

[Illustration: Fig. 923. Mastodon angustidens Cuv. Miocän von Simorre.

Schädel.]

Von diesen primitiven Formen bis zu den extremsten Arten findet nun

eine ganz allmähliche Veränderung des Gebisses statt, die durch

zahlreiche Zwischenstufen vertreten ist und etwa in folgender Weise vor

sich geht:

1. Die unteren Stosszähne werden immer kleiner, fehlen erst den

Weibchen, dann allen erwachsenen Individuen und finden sich

zuletzt überhaupt nicht mehr entwickelt. Dafür werden die oberen

Stosszähne immer mächtiger und können zuletzt überaus gross und stark

gekrümmt werden (Fig. 929). Ursprünglich zeigen die Stosszähne noch

Schmelzbänder, die den späteren Formen verloren gehen.

2. Die P kommen nach und nach gar nicht mehr zur Entwicklung, so dass

überhaupt nur noch sechs Backzähne jederseits entstehen, von welchen

die drei ersten als D anzusehen sind.

3. Die Zahl der Querleisten wird bei den tapiroiden Formen allmählich

immer grösser, und zwar nimmt sie an den hinteren Backzähnen rascher zu

als an den vorderen. Dies Anwachsen der Leistenzahl an den drei D und

den drei M veranschaulicht die folgende Reihe, welche die wichtigsten

Typen der Familie darstellt:

Trilophodon: D 1 · 2 · 3 M 3 3 · 4.

Tetralophodon: D 2 · 3 · 4 M 4 4 · 5.

Stegodon Clifti: D 2 · 4 · 5 M 6 6 · 7.

Stegodon insignis: D 2 · 5 · 7 M 7 7 · 10.

Loxodon africanus: D 3 · 6 · 7 M 7 8 · 10.

Loxodon meridionalis: D 3 · 6 · 8 M 8-9 · 9-11 · 13-14.

Elephas antiquus: D 2-3 · 5-7 · 8-10 M 9-12 · 12-13 · 15-20.

Elephas indicus: D 4 · 7-9 · 11-13 M 12-14 · 16-18 · 18-24.

Elephas primigenius: D 3-4 · 6-9 · 9-12 M 9-15 · 14-16 · 18-27.

Mastoide Formen kommen über das tetralophodonte Stadium nicht hinaus.

4. Die Zahnkrone wird immer höher, die Wurzeln schliessen sich immer

später; die Thäler zwischen den Leisten werden immer tiefer und füllen

sich erst in der Tiefe, dann ganz mit Cement aus (Säulenzähne mit

ebener Kaufläche), wobei der Schmelz immer dünner wird, bis zuletzt

(Mammuth) der Backzahn aus zahlreichen sehr schmalen, mit dünnem

Schmelz bekleideten Dentinplatten oder -Lamellen besteht, welche durch

dicke Cementschichten mit einander verklebt sind (Fig. 924 A-C).

5. Während schon die Backzähne der primitiveren Formen von

beträchtlicher Grösse sind, zeigen die extremeren Formen (Fig. 933)

einen so ausserordentlichen Umfang, dass kein Backzahn eines anderen

Säugethieres auch nur entfernt mit dem der Elephanten sich an Grösse

messen kann.

Während von den verhältnissmässig kleineren Backzähnen der primitiveren

Formen noch drei gleichzeitig in einem Kiefer Platz finden, bietet

derselbe bei den extremeren Formen nur noch für einen oder höchstens

zwei der kolossalen Zähne den nöthigen Raum. Der in Gebrauch stehende

Zahn wird nun von vorn nach hinten abgekaut, während er von dem hinter

ihm entstehenden nächsten Zahne langsam nach vorwärts geschoben wird,

bis dieser vollständig an seine Stelle getreten ist, um seinerseits

wieder allmählich dem folgenden Platz zu machen. Dabei kann der vordere

Theil eines Zahnes schon lange in Thätigkeit, bez. stark abgekaut sein,

während der hintere Theil sich noch in der Entwicklung befindet (Fig.

932 u. 933) und von der Alveole umschlossen ist. Die Entwicklung der

hinteren Backzähne wird dadurch sehr lange zurückgehalten, so dass beim

Elephanten der letzte Zahn erst durchbricht, wenn das Thier bereits ein

sehr hohes Lebensalter erreicht hat.

Die hier aufgeführten Gattungen und Untergattungen, die aber keineswegs

scharf von einander zu trennen sind, bilden eine genetische Reihe

(Trilophodon-Tetralophodon-Stegodon-Loxodon-Euelephas).

[Illustration: Fig. 924. Längsschnitte durch die Krone der Backzähne

von A Mastodon angustidens Cuv.; B Stegodon ganesa Falc. u. Cautl.; C

Elephas meridionalis Nesti. D = Dentin; S = Schmelz; C = Cement; v =

Vorderrand.]

Mastodon Cuv. Primitivere mastoide oder tapiroide Formen mit drei

gleichzeitig im Kiefer stehenden Backzähnen, deren Krone niedrig ist,

deren Thäler kein Cement zeigen und deren mittlere Backzähne (D₄ M₁ M₂)

nur drei oder vier Höckerreihen, bez. Querleisten besitzen. Grossen

unteren Stosszähnen entspricht eine verlängerte Unterkiefersymphyse;

je grösser die oberen Stosszähne werden, je höher wird der Schädel.

Obermiocän bis Pliocän in der alten Welt, bis Pleistocän in Amerika.

Untergattung Trilophodon (Fig. 923, 924 A, 925-927). D₄, M₁, M₂ mit je

drei Querreihen von Höckern, bez. Querleisten, M₃ besitzt vier.

[Illustration: Fig. 925. Mastodon angustidens Cuv. Miocän von Sansan.

Obere Milchbackzähne.]

[Illustration: Fig. 926. Mastodon angustidens Cuv. Letzter oberer

Backzahn. v = Vorderrand.]

[Illustration: Fig. 927. Mastodon turicensis Schinz. Miocän von

Simorre. Letzter unterer Backzahn von der Seite. v = Vorderrand.]

a. Arten mit unteren Stosszähnen und verlängertem Unterkiefer.

M. angustidens Cuv. (Fig. 923, 924 A, 925, 926). Oberes Miocän von

Europa, untere Siwaliks von Indien, Loup Fork-Epoche von Nordamerika.

Mastoid. Die dicken zitzenartigen Höcker der M stehen etwas

alternirend, mit accessorischen Höckern in den Thälern. Untere

Stosszähne lang.

M. turicensis Schinz (Fig. 927); oberes Miocän von Europa; Backzähne

mit sehr deutlichen Querjochen, ohne accessorische Höcker in den

Thälern (tapiroid).

M. Pandionis Falc. Obere Siwaliks von Indien.

M. productus Cope. Loup Fork-Epoche des Südwestens von Nordamerika.

M. Andium Cuv. Pliocän (? Pleistocän) von Südamerika und Mexico.

b. Arten ohne untere Stosszähne, mit kurzem Unterkiefer. Schädel hoch.

M. americanus Cuv. Das riesige »Ohiothier« aus dem Diluvium von

Nordamerika zeigt mitunter noch einen rudimentären unteren Stosszahn.

Tapiroid; M mit hohen Querjochen. Lebte bis kurz vor Anbruch der

Neuzeit.

M. Shepardi Leidy. Pliocän von Californien und Mexico.

M. Humboldti Cuv. Pampasformation. Südamerika.

M. Borsoni Hays. Pliocän von Europa, manchmal mit rudimentären

unteren Stosszähnen; Tapiroid.

Untergattung Tetralophodon Falc. D₄, M₁, M₂ mit vier Querreihen von

Höckern (bez. Querleisten), M₃ mit fünf.

a. Arten mit unteren Stosszähnen und verlängerter Unterkiefersymphyse.

M. longirostris Kaup. Unteres Pliocän. Europa (bes. Eppelsheim).

Mastoid.

b. Arten ohne untere Stosszähne, mit kurzem Unterkiefer; Schädel hoch.

M. arvernensis Croiz. et Job. Unteres und oberes Pliocän. Europa.

Mastoid.

M. sivalensis Cautl. Obere Siwaliks von Indien. Mastoid.

M. mirificus Leidy. Loup Fork-Epoche von Nordamerika.

M. latidens Clift. Obere Siwaliks. Indien, Birma, Borneo. Tapiroid.

Stegodon Falc. (Fig. 924 B, 928). Es sind tapiroide Mastodonten, deren

D₄, M₁, M₂ fünf bis acht Querleisten zeigen, und in deren Thälern sich

etwas Cement ablagert. Die Querleisten sind noch dachförmig. Keine

unteren Stosszähne, Schädel sehr hoch. Es sind Uebergangsformen zu

Elephas. Siwaliks von Indien, sowie in China und Japan.

St. Clifti Falc. u. Cautl. (Fig. 928) und St. insignis Falc. u.

Cautl. Siwaliks von Indien, auch in Birma, China und Japan.

St. ganesa Falc. u. Cautl. (Fig. 924 B). Pliocän und Pleistocän von

Indien.

[Illustration: Fig. 928. Stegodon Clifti Falc. and Cautl. Irawadi.

Oberer Molar. D = Dentin; S = Schmelz: v = Vorderrand.]

[Illustration: Fig. 929. Elephas primigenius Blum. Pleistocän.

(Reconstruirt.)]

Elephas L. Bei den Elephanten sind die Zähne höher als bei Stegodonten,

die Querleisten zahlreicher, die Thäler vollständig mit Cement

ausgefüllt, das dann den ganzen Zahn umhüllt, so dass eine ebene

Kaufläche vorhanden ist. Es sind nur ein bis zwei Backzähne auf einmal

in jeder Kieferhälfte in Gebrauch, und untere Stosszähne treten nie

mehr auf. Schädel ist stets sehr hoch. Die Gattung findet sich zuerst

in den oberen Siwaliks von Indien, erscheint dann auch im oberen

Pliocän von Europa und wandert im Diluvium nach Amerika; lebend findet

sie sich noch in Indien und Afrika.

Die Kaufläche der oberen M ist von vorn nach hinten etwas convex, der

Zahn innen höher als aussen, da er etwas schräg abgekaut wird; die

Kaufläche der unteren M ist dagegen von vorn nach hinten etwas concav,

der Zahn aussen höher als innen. Die beiden Untergattungen sind nicht

sehr natürlich.

Untergattung Loxodon. Die Zähne sind noch verhältnissmässig niedrig,

die Querleisten aber schon plattenförmig, ihre Zahl noch nicht sehr

gross, und ihr Querschnitt auf der Kaufläche öfter von rautenförmiger

Gestalt. Cement ist sehr reichlich vorhanden. Sie finden sich nur in

der alten Welt.

E. planifrons Falc. u. Cautl. Obere Siwaliks von Indien; vielleicht

identisch mit E. meridionalis.

E. meridionalis Nesti (Fig. 924 C u. 930) lebte im obersten Pliocän

von Europa, besonders häufig in Südeuropa. Die Krone der Backzähne ist

verhältnissmässig breit zu ihrer Länge, dabei aber ziemlich niedrig;

die Schmelzwände sind dick, selten etwas gefältelt; Querleisten nicht

sehr zahlreich (p. 757), ziemlich dick, mit meist parallelen Wänden,

durch Cementschichten weit von einander getrennt; wird über 15 Fuss

hoch.

E. africanus Blum. Lebt gegenwärtig noch in Afrika. Die Querleisten

der Backzähne erscheinen auf der Kaufläche auffallend rautenförmig.

[Illustration: Fig. 930. Elephas meridionalis Nesti. Norfolk-Küste.

Letzter oberer Backzahn von der Kaufläche. v = Vorderrand.]

[Illustration: Fig. 931. Elephas antiquus Falc. Essex. Letzter oberer

Backzahn von der Kaufläche. C = Cement; D = Dentin; S = Schmelz; v =

Vorderrand.]

Untergattung Euelephas. Hierher gehören die extremsten Formen mit

Backzähnen von sehr hoher Krone und zahlreichen schmalen Querleisten,

deren Wände parallel laufen. Tritt zuerst in den oberen Siwaliks von

Indien auf, kommt im Pleistocän (? Oberpliocän) nach Europa und geht

auch nach Amerika hinüber; lebend in Indien.

E. hydsuricus Falc u. Cautl. Obere Siwaliks von Indien.

E. namadicus Falc u. Cautl. Pleistocän von Indien, Birma, China und

Japan.

E. indicus L. (Fig. 918-919). Recent in Indien und Sumatra.

E. antiquus Falc. (Fig. 931) ist sehr bezeichnend für das ältere

Diluvium von Europa; soll die grösste der europäischen Elephantenarten

gewesen sein.

Die Krone der Backzähne ist sehr hoch, aber schmal im Vergleich zur

Länge. Der Schmelz ist mässig dick, sehr auffallend und stark

gefältelt; die Querleisten sind mässig dick, manchmal etwas

rautenförmig, meist sehr weit von einander getrennt durch Cement (s.

p. 757).

E. melitensis Falc., Zwergrasse von E. antiquus, von nur 3 bis 5

Fuss Schulterhöhe, aus diluvialen Höhlen und Spalten von Malta, ist

weitaus die kleinste Elephantenart.

E. primigenius Blum. (Fig. 920, 929, 932, 933). Das Mammuth ist eine

der bezeichnendsten Diluvialformen. Es findet sich durch das ganze

Diluvium in Europa, auch südlich von den Alpen und dem Kaukasus, in

Nordasien, und in Nordamerika bis Mexiko. In grösster Menge findet man

seine Reste in Sibirien, mitunter selbst wohlerhaltene Leichen im Eise

eingefroren, die mit dichtem rothbraunen Haare bedeckt sind. Seine

gewaltigen, überaus stark gekrümmten Stosszähne liefern einen grossen

Theil des in den Handel gebrachten Elfenbeines.

Die Krone der Backzähne ist sehr hoch, auch sehr breit im Vergleich

zur Länge. Der Schmelz ist sehr dünn und wenig gefältelt. Die

zahlreichen Querleisten sind sehr schmal und liegen sehr nahe bei

einander (s. p. 757).

E. columbi Falc. Diluvium von Mexico und Texas.

[Illustration: Fig. 932. Elephas primigenius Blum. Leicestershire.

Letzter oberer Backzahn von der Kaufläche. v = Vorderrand; h = hinterer

noch in der Alveole steckender unausgebildeter Theil.]

[Illustration: Fig. 933. Elephas primigenius Blum. Vorletzter oberer

Molar von der Seite. v = Vorderrand; h = hinterer unausgebildeter, noch

in der Alveole steckender Theil; w = ausgebildete Wurzel im vorderen

Theil des Zahnes.]

Umstehende Tabelle zeigt die zeitliche und räumliche Verbreitung der

Proboscidea.

+-----------+------------+---------------+--------------+--------------+---------+

| | | Nordamerika | Europa | | |

| |Südamerika |(incl. Central-| und | Indien | Afrika |

| | | amerika) | Nordasien | | |

+===========+============+===============+==============+==============+=========+

| Recent | | | | Euelephas | Loxodon |

+-----------+------------+---------------+--------------+--------------+---------+

| Diluvium | | Euelephas | Euelephas | Euelephas | Loxodon |

| | | Trilophodon | | Stegodon | |

+-----------+------------+---------------+--------------+--------------+---------+

| | | | Euelephas | Euelephas | |

| | | | Loxodon | Loxodon | |

| Pliocän | | | | Stegodon | |

| |Trilophodon |Tetralophodon |Tetralophodon |Tetralophodon | |

| | | Trilophodon | Trilophodon | Trilophodon | |

| | | | Dinotherium | Dinotherium | |

+-----------+------------+---------------+--------------+--------------+---------+

| Miocän | |(Trilophodon) | Trilophodon | Trilophodon | |

| | | | Dinotherium | Dinotherium | |

+-----------+------------+---------------+--------------+--------------+---------+

Elemente der Paläontologie · 第 518 / 606 题