Die Rüsselthiere (Fig. 929) sind fast durchgehends Formen von so
gewaltiger Körpergrösse, dass sie den riesigsten Gestalten unter den
anderen Landsäugethieren nicht nur nicht nachstehen, sondern dieselben
zum Theil noch übertreffen. Ihr erstes ganz unvermitteltes Erscheinen
fällt in das obere Miocän, und zwar treten sie zuerst in der alten Welt
auf, wandern dann aber auch nach Nord- und selbst bis nach Südamerika,
wo sie erst im Diluvium aussterben; am formenreichsten zeigen sie
sich aber stets in der alten Welt (bes. Indien), die auch noch zwei
lebende Arten aufzuweisen hat. Ihre Abstammung ist noch ganz dunkel.
Die Füsse sind stets fünfzehig und wenig digitigrad. Die Vorderfüsse
zeigen ziemlich gut noch den ursprünglichen Bau der Condylarthra mit
mehr oder minder deutlicher serialer Anordnung der Carpalia (Fig.
918). Der Tarsus (Fig. 919) aber ist sehr eigenthümlich gebaut, indem
das Naviculare sich so verbreitert, dass es Cuboid und Astragalus
vollständig trennt und eine distale Gelenkfläche für das Cuboid erhält.
Der Astragalus (Fig. 920) ist niedrig und ganz flach, mit einfach
convexem Tibialgelenk. Femur ohne dritten Trochanter. Centrale ist bei
jungen Thieren noch frei und verwächst später mit dem Scaphoid (Fig.
918). Die ältesten Formen waren verhältnissmässig kurzbeiniger als die
jüngeren. An dem gewaltigen Schädel ist die Nasenöffnung, an welcher
der mächtige Rüssel entspringt, ungewöhnlich weit, die Nasenbeine
sind sehr klein. Meist sind ausserordentlich ausgedehnte Stirnhöhlen
entwickelt. Unterkiefergelenk ohne Processus postglenoideus, der
Unterkiefer bewegt sich nach vorn und hinten. Hirn gross und gefurcht.
C zeigen sich nie mehr entwickelt, von den J ist auch bei den ältesten
Formen (Fig. 923) nur noch in jedem Kiefer ein Paar entwickelt, diese
aber zu gewaltigen Stosszähnen ausgebildet; den jüngeren Formen fehlen
auch die unteren Stosszähne ganz. Das definitive Gebiss besitzt
höchstens noch fünf Backzähne neben einander (Fig. 921), denen aber
noch drei Milchbackzähne vorausgehen können. Die ursprüngliche
Zahnformel der Proboscidier ist (1·0·3·3)/(1·0·3·3).
[Illustration: Fig. 918. Elephas indicus L. juv. Linker Vorderfuss. c =
Centrale (verschmilzt beim Erwachsenen mit dem Scaphoid); l = Lunare; m
= Magnum; p = Pyramidale; pi = Pisiforme; s = Scaphoid; t = Trapezoid;
tz = Trapez; u = Unciforme.]
Die Backzähne sind ursprünglich wahrscheinlich bunodont; selten sind
isolirte dicke Warzen vorhanden (Fig. 926); meist sind die Höcker
zu Querleisten verbunden (Fig. 928) oder wenigstens vermehrt und in
Querreihen angeordnet (Fig. 927), deren ursprünglich wohl nur zwei
vorhanden waren (Fig. 921 A). Die Zahnkrone zeigt aber das Bestreben,
am Hinterrande weitere Höcker bez. Querleisten anzusetzen und so die
Kaufläche immer mehr zu vergrössern; bei den extremsten Formen kann der
letzte Backzahn es auf die ausserordentliche Zahl von 27 Querleisten
bringen. Nur zwei Familien sind bekannt.
[Illustration: Fig. 919. Elephas indicus L. Linker Hinterfuss. a =
Astragalus; c = Calcaneus; cb = Cuboid; n = Naviculare; 1, 2, 3 = 1.-3.
Cuneiforme.]
[Illustration: Fig. 920. Elephas primigenius Blum. Diluvium von
Vögtlinshofen, Oberelsass. Astragalus von oben.]