15. Ordnung Toxodontia.

Unter dem Namen Toxodontia werden gewöhnlich eine Anzahl höchst

eigenthümlicher fossiler Hufthiere aus Südamerika zusammengefasst,

deren bestgekannte Formen zu den Gattungen Toxodon, Typotherium und

Nesodon gehören. Von manchen Autoren wird Nesodon mit der Gattung

Macrauchenia zusammengestellt, ebenfalls einem südamerikanischen

fossilen Hufthiere, das auf Grund oberflächlicher Analogien im Gebiss

und im Fussbau meist zu den Perissodactyla gerechnet wird, von denen

es jedenfalls weit zu trennen ist. Es ist nun wahrscheinlich, dass

diese vier unter einander sehr differirenden Gattungen, denen noch eine

grössere Anzahl neuentdeckter, aber ungenügend bekannter Formen an

die Seite gestellt wird, zu einer natürlichen Gruppe vereinigt werden

müssen, die eine selbständige Ordnung der Hufthiere bildet.

Diese Toxodontia im weiteren Sinne sind beschränkt auf Südamerika, wo

sie in allen tertiären und diluvialen Ablagerungen gefunden werden, und

sind für diese Region ungemein charakteristisch. Sie dürften direct auf

Condylarthra zurückgeführt werden und finden ihre nächsten Verwandten

unter den Hyracoidea und den Proboscidea. Wie diese besitzen sie noch

einen sehr primitiven Fussbau; die Carpalia und Tarsalia sind nicht

alternirend angeordnet; am Tarsus articulirt der Astragalus distal nur

mit dem Naviculare, das Cuboid proximal nur mit dem Calcaneus, der

noch eine Gelenkfläche für die Fibula besitzt. Manche Formen besitzen

noch einen fast plantigraden Fuss mit 5/5 Zehen, andere haben nur noch

3/3 funktionirende Zehen und sind unguligrad (Macrauchenia). Am Gebiss

(Fig. 915-917) sind die C nicht verlängert und können ganz fehlen; J

schaufelförmig, oft stark gekrümmt, die mittleren oft auf Kosten der

äusseren vergrössert und mit offener Pulpahöhle versehen. Die Backzähne

können brachyodont oder hypselodont sein, im letzteren Fall mit sehr

kleiner Kaufläche und einfachem Bau; sie sind bei den verschiedenen

Gattungen sehr verschieden ausgebildet, lassen aber einen gemeinsamen

Typus nicht verkennen, der bei den P oft sehr hervortritt (vergl. Fig.

916 A und 917). Die oberen M zeigen eine sehr verlängerte Aussenwand

mit mehreren schräg darauf stehenden Querleisten. Sie erinnern, ebenso

wie die unteren M-förmigen M an Zähne von Hyrax oder Rhinoceros.

Manche Formen erreichen eine ausserordentliche Grösse. Jede der vier

Hauptgattungen kann als Typus einer besonderen Familie angesehen werden.

Nesodon Owen (Fig. 915) ist eine der ursprünglicheren Gattungen mit

(3 · 1 · 4 · 3)/(3 · 1 · 4 · 3) Zähnen, welche an die der Hyracoidea

erinnern. Schneide- und Backzähne besitzen Wurzeln, die mittleren J

sind viel grösser als die rudimentären äusseren; obere Backzähne sind

etwas nach hinten verschmälert, mit mehreren Innenleisten.

N. ovinus Owen (Fig. 915), von der Grösse der Vicuña. Tertiär von

Patagonien.

[Illustration: Fig. 915. Nesodon ovinus Owen. Tertiär von Patagonien.

Milchgebiss und Molaren des Oberkiefers.]

[Illustration: Fig. 916. Toxodon Burmeisteri Gieb. Pampasformation von

Argentinien. A Schädel von unten. B Unterkiefer. ¹⁄₁₂.]

[Illustration: Fig. 917. Macrauchenia patagonica Owen. Pampasformation

von Argentinien. Gebiss des Oberkiefers.]

Toxodon Owen (Fig. 916) mit (2 · 0 · 4 · 3)/(3 · 1 · 3 · 3) Zähnen;

alle Zähne wurzellos, hypselodont, die Krone stark gekrümmt; die

unteren C sind rudimentär. Die oberen Backzähne sind dreiseitig und

stellen einen vereinfachten Typus der Zähne von Nesodon dar; der

Schmelz, an ihrem Vorderrand sehr dick, ist am Hinterrand sehr schwach.

Femur ohne dritten Trochanter. Füsse plantigrad, fünf- oder vierzehig.

T. platensis Owen, etwa von Nilpferdgrösse. Pampasformation von

Argentinien.

T. Burmeisteri Gieb. (Fig. 916). Ebenda.

Typotherium Brav. mit (1 · 0 · 2 · 3)/(2 · 0 · 1 · 3) Zähnen; J₁

sehr gross und nagezahnartig; Backzähne ähneln denen von Toxodon und

Nesodon; alle Zähne wurzellos und stark gekrümmt; Femur mit drittem

Trochanter; Humerus mit Foramen epicondylare; Schlüsselbeine

vorhanden. Füsse plantigrad, fünf-oder vierzehig; einige Endphalangen

sind gespalten.

T. cristatum Serres. Pampasformation von Argentinien.

Macrauchenia Owen (Fig. 917). Füsse mit 3/3 functionirenden Zehen,

unguligrad, Rudimente von äusseren Zehen wahrscheinlich vorhanden.

Femur mit drittem Trochanter. Die Halswirbel ähneln denen der

Camelidae in der Abwesenheit des Foramen transversarium. Nasenöffnung

ausserordentlich weit. Sie besitzen (3 · 1 · 4 · 3)/(3 · 1 · 4 · 3)

Zähne in fast ununterbrochener Reihe, alle wohl entwickelt, mit Wurzeln

versehen. Die M sind complicirt gebaut und ähneln einigermassen denen

von Palaeotherium und Rhinoceros, lassen aber nahe Beziehungen zu denen

von Nesodon erkennen.

M. patagonica Owen (Fig. 917), von Kamelgrösse. Argentinien und

Patagonien.

Elemente der Paläontologie · 第 515 / 606 题