Backzähne (2-4·1)/(1-4·1-2). Die Katzen sind die extremsten Vertreter
des Raubthiertypus; das Gebiss (Fig. 883) ist fast nur zum Zerschneiden
von Fleisch geeignet. Die R übertreffen die übrigen Zähne weitaus an
Grösse und stellen lange, scharfe und dazu sehr schmale Klingen dar;
an den oberen ist der Innenhöcker rudimentär und liegt weit nach vorn;
an den unteren fehlt der Innenhöcker meist ganz, und der Anhang ist
nur rudimentär oder fehlt. Höckerzähne fehlen ganz oder sind winzig,
Lückzähne in verschiedener Anzahl vorhanden, bei den extremsten Formen
bleibt nur der letzte übrig; immer sind sie sehr stark comprimirt.
Während die primitiveren Katzen noch plantigrad waren, sind die
moderneren Formen digitigrad mit verhältnissmässig langen Beinen
und mächtigen, scharfen und zurückziehbaren Krallen. In Folge der
meist grossen Reduction der Backzähne werden die Kiefer sehr kurz,
in Folge der mächtig entwickelten Kaumuskeln die Jochbogen sehr weit
ausgebuchtet, so dass der Schädel auffallend kugelig wird.
Die primitivsten plantigraden Formen mit zahlreicheren Backzähnen
schliessen sich sehr nahe an die ältesten Canidae oder Viverridae an.
Katzenartige Raubthiere finden sich bereits in den Phosphoriten von
Europa, ebenso im Oligocän von Nordamerika, wo die Nimravinae sehr
reich entwickelt sind.
a. Cryptoproctinae.
Plantigrad, fünfzehig; Zahnzahl wenig reducirt; am unteren R ist die
Innenspitze und der Anhang noch vorhanden. Endphalangen einfach.
Oligocän und Miocän von Europa und Nordamerika. Lebend auf Madagaskar;
es ist die primitivste Gruppe der katzenähnlichen Thiere, von denen
sowohl die Felinae wie die Nimravinae herstammen dürften.
[Illustration: Fig. 882. Dinictis cyclops Cope. Miocän vom John Day
River, Oregon. Schädel.]
Aelurogale Filh. Backzähne (3·1)/(3-4·1-2); Oligocän; diese Gattung
steht der auf Madagaskar noch lebenden Viverriden-ähnlichen
Cryptoprocta ferox sehr nahe.
A. minor Filh. (= Pseudaelurus Edwardsi Filh.). Phosphorite von
Quercy.
Archaelurus debilis Cope mit (4·1)/(3·2) Backzähnen. John
Day-Miocän. Oregon.
Dinictis Leidy (Fig. 882). Backzähne (3·1)/(3·2); die
Unterkiefersymphyse etwas nach unten gezogen. Oligocän und Miocän von
Nordamerika.
D. felina Leidy. Oligocän von Nebraska und Colorado.
D. cyclops Leidy (Fig. 882) von Luchsgrösse. John Day-Miocän von
Oregon.
b. Felinae.
Digitigrad, Endphalangen mit Basalkragen; unten höchstens zwei
Lückzähne, unterer R ohne Anhang und Innenhöcker, oberer mit grossem
a’-Höcker; C nicht auffallend lang; J sind schneidend; Unterrand des
Unterkiefers geht allmählich in den Vorderrand über. Vom oberen Miocän
an in Europa; fehlt heute nur in Australien.
[Illustration: Fig. 883. Felis spelaea Goldf. Diluvium. Gebiss A des
Oberkiefers von der Kaufläche, B des Oberkiefers, C des Unterkiefers
von aussen.]
Felis L. (Fig. 883). Backzähne (3·1)/(2·1).
F. attica Wagn. Pliocän von Pikermi.
F. spelaea Goldf. (Fig. 883). Höhlenlöwe. Eine dem afrikanischen
Löwen ähnliche oder mit ihm identische Katze aus dem europäischen
Diluvium.
Lynx Geoffr. (Luchs) hat nur (2·1)/(2·1) Backzähne.
c. Nimravinae.
Digitigrad; Endphalangen mit Basalkragen. Unterrand des Unterkiefers
von dem Vorderrande durch einen ausgesprochenen Winkel oder einen
herabgezogenen Fortsatz getrennt. Sie schliessen sich unmittelbar
an gewisse Cryptoproctinae (Dinictis) an. Oberer R ohne a’-Höcker,
unterer mit Anhang, meist ohne Innenspitze. Der obere C ist stets
auffallend vergrössert, bei manchen Formen ganz ausserordentlich lang,
dabei sehr stark comprimirt, also messer- oder säbelähnlich, mit
gezähnelter Schneide; der untere C wird dafür kleiner, die J werden
kegelförmig und die Lückzähne an Zahl immer mehr reducirt; zur Stütze
der Säbelzähne ist die Unterkiefersymphyse oft in einen langen Fortsatz
(w) herabgezogen. Die »falschen Säbeltiger« waren zahlreich im Oligocän
und Miocän von Nordamerika, Eusmilus findet sich in den Phosphoriten
von Frankreich.
[Illustration: Fig. 884. Machairodus (Smilodon) neogaeus Lund.
Schädel. Pampasablagerungen von Argentinien. w = Fortsatz der
Unterkiefersymphyse.]
Pogonodon Cope. Backzähne (3·1)/(3·1); Unterkiefersymphyse nach
unten gezogen. Dahin gehören die gewaltigsten Nimravinae von
Nordamerika. Miocän.
P. platycopis Cope, von Tigergrösse. John Day-Miocän. Oregon.
Hoplophoneus Cope. Backzähne (2-3·1)/(2·1); Unterkiefersymphyse
abwärts gezogen. Oligocän und Miocän von Nordamerika.
H. primaevus Leidy, von Luchsgrösse. White River-Oligocän von
Nebraska.
Eusmilus bidentatus Filh. mit /1·1 Backzähnen. Phosphorite. Quercy.
d. Machairodinae.
Diese furchtbaren Katzen, die »echten Säbeltiger« (Fig. 884),
übertreffen noch in der enormen Entwickelung der oberen C die
Nimravinae, deren Nachkommen sie sein dürften; sie gleichen den Felinae
darin, dass der obere R einen sehr grossen a’-Höcker zeigt, während der
Anhang des unteren R fehlt. Einzige Gattung
Machairodus Kaup (= Drepanodon Auct., Fig. 884). Backzähne
(2·1)/(1-2·1). Obermiocän bis Diluvium von Europa, Indien, Nord- und
Südamerika.
M. leoninus Roth und Wagn. Pliocän und Postpliocän von Europa.
M. cultridens Cuv., M. ogygius Kaup. Pliocän von Europa.
M. sivalensis Falc. and Cautl. Obere Siwaliks von Indien.
M. (Smilodon) fatalis Leidy. Pliocän von Nordamerika.
M. (Smilodon) neogaeus Lund (Fig. 884). Höhlen von Brasilien und
obere Pampasablagerungen; ein gewaltiges Thier von Tigergrösse.