Hundeartige Thiere finden sich unter den ältesten bekannten
Raubthieren; zu ihnen gehören auch die einzigen Raubthiere, die noch
die ursprüngliche Zahnformel (3 · 1 · 4 · 3)/(3 · 1 · 4 · 3(4)) zeigen;
gewöhnlich besitzen sie aber nur noch (4 · 2)/(4 · 3) Backzähne. Das
Gebiss der ursprünglichsten Formen (Cynodictis) steht dem der Miacidae
noch ausserordentlich nahe; die Fortschritte innerhalb der Familie,
deren entwickeltste Form die Gattung Canis ist (Fig. 875), bestehen
in beträchtlicher Vergrösserung der R auf Kosten der hintersten
Höckerzähne, die zuletzt sogar ganz verschwinden können, und in ihrer
Ausbildung zu schmalen schneidenden Klingen, wobei oben der b-Höcker
und unten der β’-Höcker rudimentär werden; ferner in der Ausbildung
von hohen Laufbeinen an Stelle der kurzen plantigraden Beine der
älteren Formen. Die P sind immer wohlentwickelt, ebenso der obere M₁,
der dreihöckerig ist mit grossem inneren Basalwulst. Schwanz immer
wohlentwickelt. Zahlreich seit dem Oligocän in Europa und Nordamerika.
Die ältesten Formen schliessen sich sehr nahe an die Viverridae und
Mustelidae an, es finden sich unter den Canidae aber auch die Vorfahren
der Ursidae.
Cynodictis Brav. u. Pomel. Füsse ⁵⁄₅-zehig, fast plantigrad. M noch
deutlich trigonodont; oberer und unterer R verhältnissmässig klein,
noch mit sehr gut entwickelten Innenhöckern b und β’, unterer mit
grubigem Anhang. Zahnformel (3 · 1 · 4 · 2)/(3 · 1 · 4 · 3); durch
Verlust des unteren M₃ wird das Gebiss vollständig Viverridae-ähnlich.
Oligocän. Europa (? Nordamerika).
C. lacustris P. Gerv., C. compressidens Filh. Phosphorite von
Frankreich.
Temnocyon Cope, verbindet Cynodictis mit Canis. Miocän. Nordamerika.
T. altigenis, T. coryphaeus Cope. John-Day-beds. Oregon.
Cynodon Aym. ist nahe mit Cynodictis verwandt. Oligocän. Europa.
C. gracilis Filh. Phosphorite von Quercy, Bohnerze bei Ulm.
C. leptorhynchus Filh. Phosphorite von Quercy.
C. velaunus Aym. Oligocän von Ronzon.
Amphicyon Lartet (Fig. 874). Zahnformel (3 · 1 · 4 · 3)/(3 · 1 · 4 ·
3(4)). Thiere von Fuchs- bis Bärengrösse, deren Gebiss dem der Gattung
Canis im wesentlichen ähnelt, die aber wenigstens oben einen Backzahn
mehr besitzen, und deren auffallend plantigrade Füsse denen der Bären
ähnlich sind; Höckerzähne sind sehr kräftig entwickelt; Lückzähne
ziemlich klein; Schwanz sehr lang. Sie vermitteln den Uebergang zur
Familie der Bären. Miocän von Europa; obere Siwaliks von Indien und
China; auch im White River-Oligocän von Nordamerika.
A. lemanensis Pom. Von Wolfgrösse. Untermiocän. Weissenau, Ulm,
Allier.
A. steinheimensis Fraas. Von Bärengrösse. Obermiocän von
Süddeutschland und Frankreich.
A. Hartshorni Cope (Fig. 874). White River-Oligocän von Colorado.
Cephalogale Jourdan. Zahnformel (3 · 1 · 4 · 2)/(3 · 1 · 4 · 3);
Schädel kurz und breit, sonst Amphicyon ziemlich ähnlich. Oligocän und
Miocän von Europa.
C. Geoffroyi Jourd. Untermiocän. Allier, Weissenau.
C. minor Filh. Phosphorite von Quercy und Untermiocän von Allier.
[Illustration: Fig. 874. Amphicyon Hartshorni Cope. White
River-Oligocän von Colorado. Gebiss des Oberkiefers von der Kaufläche.]
Canis L. (Fig. 875). Zahnformel (3 · 1 · 4 · 2)/(3 · 1 · 4 · 3(2)).
Lange digitigrade Laufbeine. R sehr gross mit rudimentärem Innenhöcker,
der am oberen weit nach vorn, am unteren weit nach hinten gerückt ist.
Vom Oberpliocän an fast kosmopolitisch.
C. etruscus F. Mayor. Oberes Pliocän. Val d’Arno.
C. lupus L. (Fig. 875). Der Wolf ist häufig im Diluvium von Europa
und findet sich noch gegenwärtig durch Europa, Asien und Nordamerika
verbreitet.
[Illustration: Fig. 875. Canis lupus L. Recent. Gebiss. A Oberkiefer
von der Kaufläche. B Unterkiefer von aussen. C unterer Reisszahn von
innen.]