Insektenfresser gehören zu den ursprünglichsten Säugethierformen und
zeigen vielfach noch sehr primitive Merkmale. Hirn klein und glatt;
am Schädel ist die Gesichtspartie meist sehr verlängert; Nasenöffnung
klein; Schädelprofil ungefähr geradlinig; Jochbogen meist schwach oder
ganz fehlend. Lücken im Gaumen öfter vorhanden, wie bei Marsupialia.
Claviculae fast stets wohl entwickelt. Humerus meist mit Foramen, Femur
oft mit drittem Trochanter. Tibia und Fibula häufig distal verwachsen.
Carpus meist ohne freies Centrale, Scaphoid und Lunare nur selten
verschmolzen. J oft von kegelförmiger Gestalt, selten dicht beisammen
stehend; die mittleren sind häufig vergrössert; C meist klein und nicht
verlängert, mitunter lang, ein- oder zweiwurzelig; M trigonodont oder
tetragonodont, mit spitzen Höckern. Die M sind, mit Ausnahme des oft
verkümmerten letzten, einander gleich. Zahnwechsel findet meist vor
der Geburt statt. Die hierher gehörigen Formen haben alle geringe, oft
sehr geringe Körpergrösse; sie finden sich in zahlreichen Arten lebend,
besonders in der alten Welt, wo sie auch fossil seit dem Oligocän nicht
sehr selten sind; in Südamerika und Australien fehlen sie ganz.
Nach der Ausbildung der oberen M lassen sich drei Gruppen unter den
Insectivoren annehmen.
1. Gruppe. M trigonodont, die oberen meist viel breiter als lang,
jeder ein einfaches V bildend (vielleicht entsprechen dieselben
einem einzigen V-förmig ausgebildeten Haupthöcker); letzter P
ähnelt den M (Fig. 863 u. 864). Anhang der unteren M sehr klein.
Die älteste hierher gehörige Form ist wohl Adapisorex Lémoine aus dem
unteren Eocän von Reims.
Fam. Ictopsidae.
Jochbogen vollständig. J kegelförmig, von einander getrennt.
Wasatch-Eocän bis Oligocän von Nordamerika.
Leptictis Leidy (Fig. 863). Zahnformel (2· 1· 4· 3)/?. Oligocän.
L. Haydeni Leidy (Fig. 863). White River-Oligocän von Nebraska.
Auf diese Familie lassen sich vielleicht eine Anzahl isolirt
stehender recenter Formen zurückführen, denen sämmtlich ein
Jochbogen fehlt, nämlich die Centetidae von Madagascar mit Centetes
madagascariensis (Fig. 864), die Potamogalidae von Madagascar und
Westafrika, die Chrysochloridae von Südafrika und die Solenodontidae
von Westindien.
[Illustration: Fig. 864. Centetes madagascariensis. Recent. Madagascar.
A Schädel von unten. C = Choanen; co = Hinterhauptsgelenke; im =
Intermaxillare; mx = Maxillare; ob = Basioccipitale; pe = Petrosum;
pl = Palatinum; pm = Processus paramastoideus; sb = Basisphenoid; t =
Temporale. B dritter Prämolar, C Molar des Unterkiefers, von innen.]
2. Gruppe. M trigonodont; von den beiden Aussenhöckern der oberen
M ist jeder V-förmig ausgebildet (ähnlich Fig. 862); letzter P
einfacher als die M. Ein d-Höcker ist meist angedeutet; es finden
sich Uebergänge zur nächsten Gruppe.
Amphidozotherium Filh. ist der älteste Vertreter der Talpidae; aus
den Phosphoriten von Quercy.
A. Cayluxi Filh. Phosphorite von Quercy.
Talpa L. (Maulwurf) erscheint zuerst im unteren Miocän von Europa.
T. brachychir H. v. M. Untermiocän von Deutschland.
Parasorex H. v. M., aus dem oberen Miocän, verbindet die
afrikanischen Macroscelididae mit den indischen Tupajidae.
P. socialis H. v. M. Miocän von Steinheim.
Sorex Wagl. (Spitzmaus) existirt bereits im unteren Miocän von
Europa.
S. Neumayri Schloss. Untermiocän von Weissenau.
3. Gruppe. M tetragonodont; oben sind die Aussenhöcker nur undeutlich
V-förmig; letzter P ähnelt mitunter den M.
Neurogymnurus Filh. aus den Phosphoriten dürfte die Stammform von
Erinaceus sein.
N. Cayluxi Filh. Phosphorite von Caylux.
Erinaceus L. (Igel) findet sich bereits im Untermiocän von Europa.
E. priscus H. v. M. Miocän von Weissenau.