10. Ordnung Saurura.

Litteratur über Saurura.

Dames, W. Ueber Archaeopteryx. Palaeont. Abhandl. II. Bd. 1884.

Owen, R. On the Archaeopteryx of von Meyer etc. Phil. Trans. London

1863.

Diese »gefiederten Reptilien« oder »eidechsenschwänzigen Vögel« (Fig.

822) aus der Jurazeit stellen unzweifelhaft das Bindeglied zwischen den

echten Vögeln und den primitiveren Reptilienformen dar. Wenn auch die

einzige bisher bekannte Art nicht die directe Stammform der modernen

Vögel sein mag, so ist es doch unzweifelhaft, dass Archaeopteryx der

wirklichen Stammform sehr nahe steht. Die wichtigsten Charaktere

der Ordnung sind: Wirbel biconcav, Schwanzwirbelsäule länger als

Rumpfwirbelsäule. Kiefer bezahnt. Drei Mittelhandknochen, frei, mit

2, 3, 4 Phalangen. Von den vier Metatarsalia sind drei verschmolzen;

mit 2, 3, 4, 5 Phalangen. Beckenknochen nicht verschmolzen.

Scleroticalring, Bauchrippen und Federn. Sie bilden mit den Aves eine

Unterklasse der Sauropsida, die sich am nächsten an die Dinosauria

anschliesst.

Archaeopteryx (H. v. M.) Owen (Fig. 822). Von dieser merkwürdigen

Thierform ist nur eine einzige Art bekannt:

A. macrura Owen (= lithographica Cuv., Fig. 822), von der nur zwei

besser erhaltene Exemplare aus dem lithographischen Schiefer von

Solnhofen existiren, die einander gegenseitig ergänzen; das eine 1861

gefundene befindet sich in London, das andere vollständigere ist

seit 1877 bekannt und wird in Berlin aufbewahrt. Schädel durchaus

vogelähnlich, mit Thränengruben, trägt aber feine Zähne, und einen

Scleroticalring in der Augenhöhle. Wirbel biconcav mit dünnen

Halsrippen und schmalen Rumpfrippen, an denen Processus uncinati nicht

bemerkbar sind. Sacrum aus etwa sechs Wirbeln verwachsen; der lange

Schwanz besteht aus 20 nicht mit einander verwachsenen Wirbeln. Das

Brustbein ist nicht bekannt, von dem Coracoid (co) nur Spuren, die

Claviculae (cl) waren wahrscheinlich zu einer Furcula vereinigt; die

Scapula (sc) ist schmal und lang, und ebenso wie der Humerus (h) sehr

vogelähnlich. Radius (r) und Ulna (u) gleich lang und nicht

verwachsen; der Carpus (c) besteht wahrscheinlich nur aus zwei

Knöchelchen. Die drei Metacarpalia sind getrennt, das erste sehr

kurz; die mit kräftigen Krallen versehenen Finger (I-III) zeigen

2, 3, 4 Phalangen. Becken klein, Beckenknochen getrennt, Tibia und

Fibula gleich lang, frei; die Metatarsen sind zu einem langen Laufe

verwachsen, mit vier bekrallten Zehen (I-IV), die 2, 3, 4, 5 Phalangen

zeigen. Tarsalia sind mit den benachbarten Knochen verschmolzen.

Bauchrippen wohlentwickelt, aber nicht zahlreich. Der Körper war

vollständig befiedert, die Vorderfüsse mit kräftigen Schwungfedern

versehen, welche Flügel darstellen. Sämmtliche Federn mit kräftigem

Kiele. Von den zweizeilig angeordneten starken Steuerfedern des

Schwanzes trug jeder Wirbel ein Paar. Archaeopteryx dürfte ein

Kletterthier gewesen sein, das seine Schwungfedern eher als Fallschirm

zur Ausführung weiter Sprünge, denn zum eigentlichen Fliegen benutzt

hat.

[Illustration: Fig. 822. Archaeopteryx macrura Owen. Lithographischer

Schiefer von Solnhofen. Restaurirt in der Stellung des Berliner

Exemplars. c = Carpus; cl = Clavicula?; co = Coracoid; h = Humerus; r =

Radius; sc = Scapula; u = Ulna; I-IV = 1.-4. Finger bez. Zehe.]

Elemente der Paläontologie · 第 418 / 606 题