3. Unterordnung Gigantostraca (Riesenkrebse).

Nur aus paläozoischen Schichten bekannte, bis 1,5 m grosse Krebse

mit langgestrecktem Körper. Kopfschild klein, nicht segmentirt, mit

6 Anhangspaaren, 2 grossen Trilobitenaugen und 2 kleinen Nebenaugen.

Rumpf aus 6 beweglichen Segmenten, deren kurze Anhänge als Kiemen

fungiren. Hinterleib aus 6 beweglichen, anhangslosen Segmenten und

einem abweichend gestalteten, beweglichen Endgliede bestehend. Vom

Untersilur bis ins Carbon verbreitet. Häufig sind besonders die 2

folgenden Gattungen:

Eurypterus Dek. (Fig. 594). Kopfschild (k) flach gewölbt, vierseitig,

mit abgerundeten Vorderecken, auf der Unterseite einen breiten Umschlag

bildend (B). Zwei grosse, nierenförmige, unfacettirte, dem Aussenrande

genäherte Augen (a) und ein Paar kleinere, mediane Punktaugen (o).

Ein sehr kleines, präorales Antennenpaar (auf der Zeichnung nicht

angegeben) vor dem spaltförmigen Munde. Um denselben herum 5, den

Körper z. Th. weit überragende, gegliederte Fusspaare (f₂-f₆). Ihre

Coxalglieder dienen als Kauorgane; diejenigen des letzten Fusspaares

sind zu breiten Platten (k’) umgestaltet und schliessen eine einfache

Mittelplatte (Metastoma -- m) ein. 6 Segmente (1-6) mit kurzem

Bauchumschlag bedecken den Rumpf (r) auf der Rückenseite, während auf

der Bauchseite 5 Paare von Blattfüssen auftreten, welche in ähnlicher

Weise wie bei Limulus dachziegelförmig übereinander greifen und die

Kiemen bedecken. Das erste Paar (B b₁-b₂) (»Deckel«) entspricht seiner

Lage nach den beiden ersten Rückensegmenten (1, 2); es wird durch eine

Quernaht in 2 Stücke (b₁, b₂) getheilt. Kleinere Zwischenplatten (z)

bedecken die Mittelspalte. Der Hinterleib (s) wird von 6 Panzerringen

umschlossen und endigt in einen langen Endstachel (t). Rumpf und

Hinterleib zeigen eine schwache Dreitheilung der Länge nach. Die

Körperoberfläche ist z. Th. fein beschuppt.

[Illustration: Fig. 594. Eurypterus Fischeri Eichw. Obersilur. Oesel. A

von der Oberseite. B Kopf von der Unterseite.]

[Illustration: Fig. 595. A Pterygotus anglicus Ag. Devon. Schottland.

Ansicht der Rückenseite. B Pt. osiliensis Schm. Obersilur. Oesel. Kopf

von der Unterseite.

Bezeichnungen: k = Kopfschild; r = Rumpf; s = Schwanz; a = Augen;

o = Nebenaugen; f₁-f₆ = Anhänge des Kopfschildes; s, s’ =

Scheerenglieder; 1-6 = Brustglieder; 7-13 = Schwanzglieder; t =

Endglied; ep = Epistom; k’ = Kauplatte des sechsten Fusspaares; m =

Metastom; b₁-b₂ = Deckel; z = Zwischenplatten; n = Mittelnaht.]

Diese Gattung kommt in zahlreichen Arten vom Obersilur bis ins

Carbon vor. Besonders reich haben sich die obersten Silurschichten

der russischen Ostseeprovinzen, Englands und Nordamerikas, sowie die

Steinkohlenformation in Europa und Nordamerika erwiesen.

E. Fischeri Eichw. (Fig. 595). Obersilur. Russische Ostseeprovinzen,

Gotland.

E. remipes Dck. Obersilur. (Waterlime Gr.). Nordamerika.

E. punctatus Salt. sp. Obersilur. Grossbritannien.

E. Scouleri Hibb. Steinkohlenformation. Schottland, Niederschlesien.

Pterygotus Ag. (Fig. 595) unterscheidet sich hauptsächlich durch die

Facettirung und randliche Lage der Augen (a), die starke Entwickelung

des (scheerentragenden s’) Antennenpaares (f₁), die flossenartige

Gestalt des Endgliedes (t), ferner durch gröbere Beschuppung und

beträchtlichere Grösse. Der Stirnumschlag hebt sich als getrennte

Platte (Epistom -- B ep) ab. Untersilur -- Devon in Europa und

Nordamerika; hauptsächlich im Obersilur.

Pt. osiliensis Schm. (Fig. 595 B). Obersilur. Russische

Ostseeprovinzen.

Pt. anglicus Ag. (Fig. 595 A). Devon (Old red). Schottland.

* * * * *

Wie aus der vorhergehenden Darstellung ersichtlich ist, bestehen

beträchtliche Uebereinstimmungen zwischen Limulus und den

Gigantostraca, namentlich in Zahl und Gestalt der Anhänge und z. Th.

des Endgliedes. Andrerseits erinnert die ganze Gliederung des Körpers,

die Scheerenform der Fühler bei Pterygotus und der Endstachel bei

Eurypterus auffallend an die Scorpione, deren paläozoische Vertreter

Wasserbewohner waren.

B. Euostraca.

4. Unterordnung Phyllopoda und 5. Unterordnung Leptostraca

(Phyllocarida).

Litteratur über Phyllopoda und Leptostraca.

Beecher, Ch. Ceratiocaridae from the Chemung and Waverly Groups. Rep.

of Progress P. P. P., sec. geol. Survey of Pennsylvania. 1884.

Clarke, J. M. American journ. of Science 1882 3. ser. vol. XXIII p. 476

u. 1883 vol. XXV p. 120.

Jones, Rup. A Monograph of the fossil Estheriae. Palaeont. Soc. 1862.

Packard, A. S. A Monograph of the Phyllopod Crustacea of N. America,

with remarks on the order Phyllocarida. 12ᵗʰ Ann. Rep. of the U. S.

geol. and geogr. Surv. of the Territories. Part. I 1883.

Salter, J. Memoirs of the Geological Survey of Great Britain. 1886 vol.

III.

Bezeichnend für diese beiden Unterordnungen ist neben der schwankenden

Zahl der Körpersegmente das häufige Auftreten eines nicht segmentirten

Kopfrumpfschildes, welches einfach oder in der Rückenlinie getheilt

ist, und den Kopf und einen Theil des Rumpfes oder (selten) den

ganzen Körper einschliesst. Dazu gesellt sich oft noch ein vorderes

bewegliches Stück (Rostrum). Die fossilen Reste sind wenig zahlreich

und z. Th. nicht mit Sicherheit zu deuten; sie werden schon in

cambrischen Ablagerungen gefunden. Unter der Bezeichnung

Elemente der Paläontologie · 第 237 / 606 题