Litteratur über Xiphosura und Gigantostraca.
Hall, James. Natural History of New-York. Palaeontology vol. III 1859.
Packard, A. S. The Anatomy, Histology and Embryology of Limulus
polyphemus. Anniversary Memoirs of the Boston Soc. of nat. hist. 1880.
Schmidt, Fr. Miscellanea Silurica III. Die Crustaceenfauna der
Eurypterusschichten von Rootziküll auf Oesel. Mém. de l’Acad. impér. de
St. Pétersbourg. 7ᵉ sér. Vol. XXXI 1883.
Woodward, H. A. Monograph of British fossil Crustacea belonging to the
order Merostomata. Palaeontographical Society Part I-V 1866-1878.
Der Panzer der Xiphosuren lässt sowohl der Länge wie der Quere nach
eine Dreitheilung erkennen. Das Kopfschild ist sehr gross und zumeist
breiter als der übrige Körper, der Rumpf besteht aus einer geringen
Zahl (5 oder 6) beweglicher Segmente, die bei den jüngeren Formen mit 2
Segmenten des Schwanzschildes zu einem Brustschwanzschilde verschmolzen
sind. Das letzte oder die letzten Glieder des Schwanzschildes sind
zu einem beweglichen Stachel umgewandelt. Gesichtsnaht zuweilen
vorhanden. Ausser den grossen, seitlichen Trilobitenaugen zuweilen
kleine, mediane Nebenaugen vorhanden. Die paläozoischen Vertreter der
Xiphosuren schliessen sich enge an gewisse Trilobiten, z. B. an die
untersilurische Gattung Trinucleus (Fig. 578) an. Als Beispiel hierfür
möge die Gattung
Belinurus Koen. (Fig. 592) erwähnt werden. Das breite Kopfschild
(k) zeigt einen breiten Randsaum, Wangenstacheln (st) und deutliche
Dreitheilung, wie dasjenige von Trinucleus. Eine hart innerhalb der
Trilobiten-Augen (a) auftretende Kante entspricht vielleicht der
Gesichtsnaht. Rumpf (r) aus 5 beweglichen Segmenten bestehend. Spindel
(sp) deutlich von den gefurchten und in Spitzen verlängerten Pleuren
abgesetzt. Schwanzschild (s) aus 3 verwachsenen Segmenten und einem
beweglichen, langen Endstachel (Telson -- t) bestehend. Mehrere Arten
im Devon Grossbritanniens und im Carbon Grossbritanniens, Belgiens und
Oberschlesiens.
B. reginae Bail. (Fig. 592). Carbon. Irland.
Eine Anzahl verwandter Gattungen sind vom Obersilur an bis zur
Steinkohlenformation bekannt. Sie vermitteln z. Th. den Uebergang von
den Trilobiten zu der im Mesozoicum und Känozoicum verbreiteten Gattung.
[Illustration: Fig. 592. Belinurus reginae Bail. Carbon. Irland.]
[Illustration: Fig. 593. A Limulus Walchi Desm. Oberer Malm.
Solenhofen, Franken. Links: von der Unterseite. Rechts: von der
Oberseite. [NB. Es sind anstatt 6 beweglicher Stacheln des Mittelleibes
irrthümlich 5 und 7 gezeichnet!] B Limulus polyphemus Latr. Larve im
Trilobiten-Stadium.
Bezeichnungen: k = Kopfschild; r = Rumpf; s = Schwanzschild; gl =
Glabella; a = Auge; o = Nebenaugen; w = Wange; l = Randsaum; l’ =
Lippe; x = Umschlag der Unterseite; st = Wangenstachel; f = Füsse; sp =
Spindel: pl = Pleuren; sl’ = Pleurenstacheln; t = Endstachel (Telson).]
Limulus Müll. (Fig, 593). Der Panzer zerfällt der Länge nach in ein
Kopfschild (k), ein Brustschild (r) und einen Schwanzstachel (s).
Das grosse, breite Kopfschild bildet einen breiten Umschlag auf der
Unterseite (x, l’); die gewölbte Glabella (gl) ist durch 2 Furchen
seitlich begrenzt. Eine Kante, an deren äusserer Abdachung die
Trilobiten-Augen (a) liegen, theilt die Wangen (w) in 2 Theile. Am
Vorderrande der Glabella 2 kleine Nebenaugen (Ocelli -- B o). Die
Anhänge des Kopfschildes bestehen aus einem kleinen, präoralen, in
Scheeren endigenden Fühlerpaar. Darauf folgen 5 Paare, ebenfalls
in Scheeren endigender Füsse (f), deren Coxalglieder zumeist zu
Kauwerkzeugen umgestaltet sind. Das fünfte besitzt einen äusseren
Anhang (Exopodit). Ein siebentes Anhangspaar (Deckel) ist zu
einer gegliederten Platte verwachsen, welche die Blattanhänge des
Mittelleibes bedeckt. Die Mittelleibsplatte (Brustschwanz) enthält die
bei Belinurus und im Larvenstadium von Limulus (B) noch geschiedenen
Segmente des Rumpfes und z. Th. (2) des Schwanzschildes. 5, aus
verwachsenen Gliedmaassenpaaren gebildete Blattfüsse und 6 Paar
beweglicher Stacheln (st’) vorhanden. Eine Theilung in Spindel (sp)
und Pleuren (pl) bei der Larve (B), aber auch im ausgewachsenen
Zustande noch deutlich. Die besonders durch die Verschmelzung der
Rumpfsegmente unter einander und zweier Schwanzschildsegmente zu einem
Telson gekennzeichnete Gattung ist von der Trias an bekannt. Lebend im
Seichtwasser im atlantischen und pacifischen Ocean.
L. Bronni Schpr. Oberer Buntsandstein. Elsass.
L. Walchi Desm. (Fig. 593 A). Oberer Malm. Franken.
L. Syriacus Woodw. Obere Kreide. Libanon.
L. polyphemus L. (Fig. 593 B). Lebend. Ostküste Nordamerikas, Japan,
Sundainseln, Molukken.
Die Xiphosura stellen sich als ein kleiner Zweig des Trilobitenstammes
dar, dessen lebender Vertreter noch zahlreiche Trilobitenmerkmale, die
Dreitheilung des Panzers der Länge nach, die Lage und Beschaffenheit
der Augen, die gleichartige Ausbildung der Kopfschildanhänge, den
Umschlag des Kopfschildes und die geringe Entwickelung der präoralen
Anhänge bewahrt hat. Die Zahl der Fusspaare und das Auftreten von
Nebenaugen theilen die Xiphosura mit den Gigantostraca.