Bezeichnungen siehe Fig. 580, 581.]

Asaphus Brgt. (Fig. 585). Mässig grosse bis sehr grosse, breite und

platte Schalen mit meist grossem Kopf- (k) und etwa gleich grossem

Schwanzschilde (s). Rumpf (r) aus 8 Segmenten bestehend. Kopfschild

gerundet oder vorn und an den Hinterecken zugespitzt. Glabella (gl)

oft wenig scharf getrennt, vorn verbreitert, meist ohne Seitenfurche.

Augen (a) gross. Gesichtsnähte (n) am Hinterrand beginnend, nach den

Augen zu convergirend, dann auseinander weichend. Pleuren (pl) mit

schräg nach hinten gerichteter Furche (f). Die Gliederung des aus

zahlreichen Segmenten bestehenden Schwanzschildes oft nur auf der

Achse (ax), zuweilen auch dort nicht deutlich. Umschlag der Unterseite

breit. Oberflächenverzierung in der Form von Streifen (s’) oder Falten

und feinen Gruben. Hypostom mit tiefem Ausschnitt am Hinterrande.

Zahlreiche Untergattungen. Selten im Cambrium, sehr häufig im

Untersilur (Europa, Nordamerika).

A. tyrannus Murch. (Leth. pal., t. 7, Fig. 1). Untersilur. England.

A. gigas Dek. Untersilur. England, Nordamerika.

A. expansus L. sp. (Fig. 585). Leitfossil für die Orthoceren-

(»Expansus-«)Schichten in Skandinavien und den russischen

Ostseeprovinzen. Als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.

A. palpebrosus Ang. }

} Untersilur. Skandinavien, Ostseeprovinzen.

A. angustifrons Dalm. }

Nahe verwandte Gattungen:

Ogygia Brgt. Glabella mit 4 Paar kurzen Seitenfurchen. Spindel und

Achse relativ schmal. Schwanzschild aus zahlreichen, durch Rippen

deutlich bezeichneten Segmenten zusammengesetzt. Nur im Untersilur

Europas.

O. Buchi Brgt. (Leth. pal., t. 8, Fig. 6). Llandeilo flags.

Grossbritannien.

O. desiderata Barr. Untersilur. Böhmen.

Nileus Dalm. Glabella, Spindel und Achse sehr breit. Nur der Rumpf

deutlich segmentirt. Habituell der nächsten Gattung sehr ähnlich, aber

mit gefurchten Pleuren. Untersilur (Skandinavien, Russland).

N. armadillo Dalm. (Leth. pal., t. 8, Fig. 3).

[Illustration: Fig. 585. Asaphus expansus Lin. sp. Untersilur.

Christiania.]

[Illustration: Fig. 586. A Illaenus angustifrons Holm. Untersilurisches

Diluvialgeschiebe. Sadewitz, Schlesien. B Ill. (Bumastes) insignis

Hall. Obersilur. England. Die eingerollte Schale hat nur 9

Rumpfsegmente.

Bezeichnungen: k = Kopfschild; r = Rumpf; s =

Schwanzschild; gl = Glabella; a = Augen; n = Gesichtsnaht; pf =

Palpebralflügel; sp = Spindel; pl = Pleuren; f = Furche derselben; ax =

Achse; sl = Seitenlappen; s’ = Streifung auf dem Steinkern.]

Illaenus Dalm. (Fig. 586). Grosse Schalen mit breitem,

halbkreisförmigem, glattem Kopf- (k) und Schwanzschilde (s), auf

welchen die Seitenfurchen nur schwach angedeutet oder fehlend. Augen

(a) zur Seite gerückt. Gesichtsnaht vor denselben den Vorderrand

überschreitend. Spindel breit. 10 oder 9, seltener 8 Rumpfsegmente mit

glatten Pleuren (pl). Oberfläche mit Streifen und Punkten verziert.

Hypostom mit gerundetem Hinterrande. Selten im Cambrium, häufig im

Untersilur, weniger häufig im Obersilur (Europa, Nordamerika).

I. Bowmanni Salt. Untersilur. England.

I. angustifrons Holm. (Fig. 586 A). }

I. Roemeri Volb. } Untersilur. Skandinavien,

I. crassicauda Dalm. } Russland.

I. Katzeri Barr. }

} Untersilur. Böhmen.

I. Panderi Barr. }

Spindel viel breiter als die Pleuren. Achse fehlt. Augen dem

Aussenrande nahe -- Bumastes.

I. (Bum.) Barriensis Murch. Obersilur. England, Skandinavien,

Nordamerika.

I. (Bum.) insignis Hall. (Fig. 586 B). Obersilur. Nordamerika,

Grossbritannien.

Phacops Emmr. (Fig. 587, 588). Der regelmässig dreilappige Körper

besitzt stets 11 Rumpfsegmente und eine wechselnde, aber im Allgemeinen

erhebliche Zahl von Schwanzsegmenten. Oberfläche häufig gekörnelt.

Glabella (gl) meist deutlich von den Wangen getrennt, vorn verbreitert,

mit einer wechselnden Zahl von Seitenfurchen (sf). Gesichtsnähte (n) am

Seitenrand beginnend, vor der Glabella sich bogenförmig vereinigend.

Augen gross, höckerig (Fig. 587 B); Linsen (l) die Hornhaut (h)

durchbrechend. Pleuren mit gebogener Furche. Schwanzschild gerundet,

in einen Stachel (st) ausgezogen oder gekerbt; die letzten Furchen der

Seitenlappen fast parallel der Achse gestellt. Mehrere Untergattungen,

wie Chasmops, Dalmania, Cryphaeus etc. Untersilur -- Oberdevon.

Zahlreiche Arten über die ganze Erde verbreitet.

Ph. (Dalm.) socialis Barr. Untersilur. Böhmen.

Ph. (Chasm.) macrura Ang. Leitend für den untersilurischen

Backstein- oder Chasmops-Kalk. Häufig als Diluvialgeschiebe in

Norddeutschland.

Ph. (Chasm.) conicophthalmus S. & B. sp. Untersilur. Skandinavien

(Diluvialgeschiebe).

Ph. fecundus Barr. Obersilur und Unterdevon. Europa, Australien.

Ph. (Dalm.) caudatus Brünn sp. (Fig. 588). Obersilur. Europa,

Nordamerika, Australien.

Ph. (Dalm.) Hausmanni Brgt. Devon (Silur G.) Böhmen.

Ph. (Cryph.) stellifer Burm. Unter- und Mitteldevon. Europa.

Ph. (Cryph.) laciniatus Rö. (Leth. pal., t. 25, Fig. 10).

Unterdevon. Rheinisches Schiefergebirge, Harz.

Ph. (Cryph.) calliteles Green. Unterdevon. Europa, Nordamerika

(Hamilton Gr.).

Ph. latifrons Br. (Fig. 587). Devon. Europa.

Ph. bufo Green. Devon. Nordamerika.

Ph. cryptophthalmus Emmr. (Leth. pal., t. 35, Fig. 18). Oberdevon.

Europa.

[Illustration: Fig. 587. A Phacops latifrons Br. Mitteldevon. Eifel.

B-D Auge von Phacops. (Vgl. Fig. 573).]

[Illustration: Fig. 588. Phacops (Dalmania) caudatus Brünn. sp.

Obersilur. Dudley, England.

Bezeichnungen: k = Kopfschild; r = Rumpf; s = Schwanzschild; gl =

Glabella; sf = Seitenfurchen; n = Gesichtsnaht; l = Randsaum des

Kopfschildes, l’ = des Schwanzschildes; pf = Palpebralflügel; sf =

Sehfläche; st = Wangenstachel; sp = Spindel; ax = Achse; h = Hornhaut.]

Cheirurus Beyr. (= Ceraurus -- Fig. 589). Anzahl der Rumpfsegmente

(meist 11) und Verlauf der Gesichtsnähte wie bei der vorigen Gattung.

Glabella den Stirnrand überragend. Schwanzschild klein, aus nur 4

Segmenten bestehend. 3 Paare von Seitenfurchen, deren letzteres gegen

innen nach rückwärts gebogen einen ovalen Seitenlappen abschnürt.

Pleuren in Spitzen ausgezogen, Schwanzschild gelappt. Vom Cambrium bis

ins Mitteldevon in Europa, Nordamerika, Asien, Australien.

Ch. clavifrons Dalm. sp. Untersilur. Skandinavien, Russland.

Ch. exsul Beyr. Untersilur. Skandinavien, Russland.

Ch. claviger Beyr. Untersilur. Böhmen.

Ch. insignis Beyr. (Leth. pal., t. 17, Fig. 10). Obersilur. Böhmen,

Schweden, England.

Ch. Sternbergi Boeck. Obersilur und Devon. Böhmen.

Ch. gibbus Beyr. (Fig. 589). Devon (Silur F, G). Böhmen.

Sphaerexochus Beyr. unterscheidet sich durch sehr stark gewölbtes

Kopfschild, breite Glabella und schmale Wangen. 10 Rumpfsegmente.

Silur.

Sph. mirus Beyr. Obersilur. Böhmen, England.

[Illustration: Fig. 589. Cheirurus gibbus Beyr. Devon (Silur G).

Böhmen. ²⁄₁.]

Proëtus Stein. (Leth. pal., t. 31, Fig. 3). Kleine, ovale Formen mit

eiförmiger oder vorn verschmälerter Glabella, Seitenfurchen schwach

oder fehlend. Gesichtsnaht am Hinterrand beginnend und den Stirnrand

überschreitend, wie bei Phillipsia (Fig. 590). 8-10 Rumpfsegmente.

Grosse, halbmondförmige Augen. Schwanzschild aus 13 Segmenten

bestehend. Untersilur -- Subcarbon, hauptsächlich im Devon (Europa,

Nordamerika, Australien).

Pr. elegantulus Ang. Obersilur. Skandinavien.

Pr. latifrons M’Coy sp. Obersilur. England.

Pr. Stockesi Murch. Obersilur. England, Nordamerika.

Pr. Cuvieri Stein. Mitteldevon. Eifel.

Pr. bufo M. & W. Devon (Hamilton Gr.). Nordamerika.

Phillipsia (Fig. 590). Von der vorigen Gattung durch die zahlreichen

(12-18) Segmente des Schwanzschildes (s) und durch die abgeschnürten

Hinterlappen der Glabella (x) unterschieden. 9-10 Rumpfsegmente.

Oberfläche meist gekörnelt. Devon -- Perm, hauptsächlich im Subcarbon.

(Europa, Ural, Nordamerika).

Ph. Verneuili Barr. Mitteldevon. Rheinisches Schiefergebirge,

Böhmen, Ural.

Ph. globiceps Phill. sp. }

Ph. gemmulifera Phill. sp. (Fig. 590). } Subcarbon. Europa.

Ph. Derbiensis Mart. sp. }

Bronteus Gf. (Fig. 591). Kopfschild wenig kleiner als der aus 10

Segmenten bestehende Rumpf, letzterer kleiner als das parabolische

Schwanzschild. Vorderer Theil der Glabella stark erweitert.

Seitenfurchen undeutlich. Augen gross. Gesichtsnähte am Hinterrand

beginnend, auf der Unterseite sich vereinigend. Pleuren wulstförmig.

Von der sehr kurzen, meist unsegmentirten Achse strahlen 7-9

Furchenpaare in radialer Richtung aus. Untersilur -- Oberdevon,

hauptsächlich im Devon.

Br. planus Corda (Fig. 591). Obersilur. Böhmen.

Br. palifer Beyr. }

} Devon (Silur F-H). Böhmen.

Br. campanifer Beyr. }

Br. thysanopeltis Barr. Devon. Böhmen, Mitteldeutschland.

Br. flabellifer Gf. (Leth. pal., t. 31, Fig. 5). Mitteldevon.

Eifel, England.

[Illustration: Fig. 590. Phillipsia gemmulifera Phill. sp. Subcarbon.

Kildare. Irland.]

[Illustration: Fig. 591. Bronteus planus Cord. Obersilur. Böhmen. ⅔.

Bezeichnungen: s = Schwanzschild; ax = Achse; sp = Spindel; gl =

Glabella; sf₁-sf₃ = Seitenfurchen; x = hinterer Seitenlappen; n =

Gesichtsnaht; a = Auge; l = Randsaum; st = Wangenstachel.]

Lichas Dalm. Kopfschild breit und wenig hoch, kleiner als der aus 9

oder 10 Segmenten bestehende Rumpf. Seitenfurchen der Glabella sehr

unregelmässig, meist nach rückwärts verlaufend, mehrere ovale oder

kreisrunde Lappen von einander sondernd. Schwanzschild nach hinten

verschmälert. Achse kurz, mit wenig Gliedern. Seitentheile mit radialen

Furchen. Silur, seltener im Devon (Europa, Nordamerika).

L. coelorhin Ang. Untersilur. Skandinavien, Russland.

L. laxata M’Coy sp. Obersilur. Skandinavien, Russland,

Grossbritannien.

L. scabra Beyr. (Leth, pal., t. 17. Fig. 6). }

} Obersilur. Böhmen.

L. palmata Barr. }

L. Boltoni Bigsb. sp. Obersilur. Nordamerika.

Geologische Verbreitung der Trilobitae.

Die Trilobiten gehören mit zu den ältesten bisher bekannt gewordenen

Fossilien. Bereits im Cambrium treffen wir auf eine grosse Anzahl (ca.

50) verschiedener Formenkreise, die z. Th. eine sehr weite horizontale

Verbreitung besitzen (Agnostus, Olenus, Paradoxides) und für die

Gliederung dieser Formation als brauchbare Leitfossilien Verwendung

finden. Ein grosser Theil der silurischen Gattungen ist bereits im

Cambrium vorhanden, aber erst zur Zeit des Untersilur erreichen die

Trilobiten ihre hauptsächlichste Entwickelung, wie namentlich in den

formenreichen Gattungen Calymene, Asaphus, Illaenus, Lichas, Cheirurus,

Phacops. Im Obersilur sind manche Formenkreise bereits ausgestorben,

andere wie Phacops, Bronteus, Proëtus, Harpes erlangen hier und z.

Th. auch im Devon ihre grösste Entwickelung. Die Zahl der devonischen

Formen ist gering gegenüber den älteren und nur einige Gattungen,

wie Proëtus, Phillipsia erreichen die Steinkohlenformation, z. Th.

(Phillipsia) sogar das Perm. Manche Gattungen verschwinden in Europa,

wie es scheint, früher als in Nordamerika, z. B. Calymene, Lichas.

Zur bequemeren Uebersicht der geologischen Verbreitung der wichtigsten

Gattungen möge nachstehende Tabelle dienen:

+---------------+----------+------------+-----------+---------+----------------------+--------+

| Gattung | Cambrium | Untersilur | Obersilur | Devon | Steinkohlenformation | Perm |

+---------------+----------+------------+-----------+---------+----------------------+--------+

| Agnostus | ---- | .... | | | | |

| Trinucleus | | ---- | | | | |

| Olenus | ---- | | | | | |

| Paradoxides | ---- | | | | | |

| Conocephalus | ---- | .... | | | | |

| Calymene | | ---- | ---- | .... | | |

| Homalonotus | | .... | ---- | ---- | | |

| Asaphus | | ---- | | | | |

| Ogygia | | ---- | | | | |

| Illaenus | | ---- | .... | | | |

| Phacops | | .... | ---- | ---- | | |

| Cheirurus | | ---- | ---- | .... | | |

| Proëtus | | .... | ---- | ---- | .... | |

| Phillipsia | | | | .... | ---- | .... |

| Bronteus | | .... | ---- | ---- | | |

| Lichas | | ---- | ---- | | | |

+---------------+----------+------------+-----------+---------+----------------------+--------+

Nach allem, was wir über die Trilobiten wissen, müssen wir annehmen,

dass sie eine sehr einfach organisirte und noch wenig entwickelte

Abtheilung der Crustaceen gewesen sind. Ihr Verschwinden ist z. Th.

wohl nur ein scheinbares, denn wir treffen bei verschiedenen jetzt noch

lebenden Crustaceen-Abtheilungen gewisse Trilobiten-Merkmale wieder,

welche kaum anders als durch Vererbung erklärt werden können. Mit den

Xiphosura und manchen Isopoda haben die Trilobiten die Dreitheilung des

Körpers der Länge nach, sowie die Beschaffenheit der Augen gemeinsam.

Die wechselnde Anzahl der beweglichen Segmente und eine dem Hypostom

der Trilobiten entsprechende Oberlippe kennt man von den lebenden

Phyllopoden, deren Panzer aber mehr nach Art gewisser Euostraca und

Entomostraca gebaut ist. Ausgezeichnete Uebergangsformen kennen wir bis

jetzt nur zu den Xiphosura, welche jedenfalls als die nächsten, weil

am wenigsten modificirten Verwandten der Trilobiten angesehen werden

müssen.

Elemente der Paläontologie · 第 235 / 606 题