Litteratur über Trilobitae.
Angelin, N. P. Palaeontologia Scandinavica. 1. Crustacea formationis
transitionis. Lund 1853-54. 4⁰ mit 46 Tafeln. 2. Ausgabe: Trilobitae,
mit 42 Tafeln. Stockholm 1878.
Barrande, J. Système silurien du centre de la Bohème. Vol. I. Prag
1852. Supplem. 1874.
Beyrich, E. Ueber einige böhmische Trilobiten. Berlin 1845.
Untersuchungen über Trilobiten. 2. Stück. Berlin 1846.
Brögger, W. C. Die silurischen Etagen 2 u. 3 im Christiania-Gebiet.
Christiania 1882.
Burmeister, H. Die Organisation der Trilobiten. Berlin 1843.
Hall, J. Palaeontology of New-York. Vol. I. II. Albany 1847-1852.
Salter, J. W., and H. Woodward. A Monograph of British Trilobites.
Palaeont. Society 1867-84.
Schmidt, Fr. und Holm, G. Revision der ostbaltischen silurischen
Trilobiten. I. Phacopiden, Cheiruriden und Encrinuriden. Mém.
de l’acad. imp. de St. Pétersbourg. 1881 sér. VII. Tome 30. II.
Acidaspiden und Lichiden. ibid. 1885 sér. III. Tome 33. III.
Illaeniden. ibid. 1886 sér. III. Tome 33.
Walcott, C. D. The Trilobite. New and old evidence relating to its
organisation. Mus. Compar. Zoology 1881. Vol. VIII No. 10.
Der fast allein bekannte Panzer der Trilobiten bedeckt den Rücken und
als Umschlag den randlichen Theil der Bauchseite des Thieres. Die
aus parallelen Lagen von kohlen- und phosphorsaurem Kalk mit Chitin
bestehende Schale besitzt stets nur geringe Dicke.
[Illustration: Fig. 571. Eine vollständige Trilobitenschale gegen die
Rückenseite gesehen (Calymene Blumenbachi Bgt. Obersilur. England). k =
Kopfschild; r = Rumpf; s = Schwanzschild; gl = Glabella; wa = Wangen;
w = sog. beweglicher (innerer), w’ = sog. unbeweglicher (äusserer)
Theil derselben; n = Gesichtsnaht; l = Randsaum; a = Auge; st = Stirn;
sf = Seitenfurchen; nf = Nackenfurche; of = Occipitalfurche; nr =
Nackenring; or = Occipitalring; rf = Rückenfurche; rf’ = Randfurche; sp
= Spindel; pl = Pleuren; a, ax = Achse; s’, sl = Seitenlappen; 1-13 =
die 13 Rumpfsegmente.]
Vom Rücken her betrachtet (Fig. 571) zerfällt die Schale der Länge nach
in 3 deutlich gesonderte Regionen: 1) das Kopfschild (k), 2) den Rumpf
oder Thorax (r) und 3) das Schwanzschild oder Pygidium (s). Zwei, der
Längsachse der Schale parallel laufende Rückenfurchen (rf) sondern
eine mittlere (axiale -- a) Partie von den beiden seitlichen (s’). Auf
dem Kopfschilde heisst der mittlere Theil Glabella (gl), die beiden
seitlichen werden Wangen (Genae -- wa) genannt. Der Rumpf zerfällt in
die Spindel (sp) und die Seitentheile (oder Pleuren -- pl), während
die Fortsetzung der Spindel auf dem Schwanzschilde als Achse (ax),
die seitlichen Theile als Seitenlappen (sl) bezeichnet werden. Nur
die Segmente des Rumpfes sind stets scharf von einander getrennt und
konnten gegen einander bewegt werden, während die oft nur undeutlich
oder gar nicht geschiedenen Segmente des Kopf- und Schwanzschildes fest
mit einander verbunden waren.
[Illustration: Fig. 572. Paradoxides Bohemicus Barr. Cambrium. Böhmen.
A Schale gegen die Rückenseite gesehen. st = Wangenstachel; sp’ =
Spitzen der Pleuren; f = Furchen derselben. B Stirn von der Unterseite.
l = Stirnumschlag; hy = Hypostom. Die übrigen Bezeichnungen wie in Fig.
571.]
Das Kopfschild (Fig. 571 k) besitzt einen gebogenen Vorder- oder
Aussenrand und einen geraden Hinterrand; an letzteren schliesst
sich der Rumpf an. In der Regel ist die Glabella (gl) durch tiefe
Rückenfurchen (rf) von den Wangen (wa) abgesetzt; zuweilen aber
eine solche Trennung kaum angedeutet (Fig. 586). Ebenso fehlt eine
Segmentirung zuweilen vollständig (Fig. 586), häufiger trennt eine dem
Hinterrande parallele Nackenfurche (Fig. 571 -- nf) auf der Glabella
einen Nackenring (nr), ihre seitliche Fortsetzung auf den Wangen
als Occipitalfurche (of) einen Occipitalring (or) ab. Im weiteren,
dem Aussenrande parallelen Verlaufe führt die Furche den Namen
Randfurche (rf’) und der durch sie von den Wangen und der Glabella
abgetheilte, flache oder wulstige Randsaum heisst Limbus (l). Während
eine eigentliche Segmentirung den Wangen abgeht, wird die Glabella
häufig durch 1-4 quere Furchen -- Seitenfurchen (sf) --, die sich
gegen aussen meist stark vertiefen, in Lappen zerlegt. Der vorderste,
vor der ersten Seitenfurche gelegene Theil der Glabella wird als
Stirn (st) bezeichnet. Nur selten besteht das Kopfschild aus einem
einzigen Stück; in der Regel verläuft jederseits über die Wangen eine
Naht -- Gesichtsnaht (n) --, welche vielleicht eine jedenfalls ganz
unbedeutende Beweglichkeit des äusseren Wangentheils (w’) gegen den
inneren (w) ermöglichte. Bei der Fossilisation hat sich wenigstens
nicht selten der äussere Theil für sich abgelöst. Die hinteren
Ecken der Wangen verlängern sich nicht selten zu Wangenstacheln
(Fig. 572 st). Die Gesichtsnaht (n) beginnt jederseits entweder am
Hinterrande (Fig. 572) oder an den Hinterecken (Fig. 571) oder am
Aussenrande des Kopfschildes (Fig. 588), umfasst im bogigen Verlaufe
die (selten fehlenden) Augen (a) und läuft gegen den Vorderrand zu.
Die beiden Aeste vereinigen sich entweder schon auf der Oberseite,
indem sie die Glabella umkreisen (Fig. 584) oder sie überschreiten
getrennt den Vorderrand (Fig. 572) und vereinigen sich erst auf der
Unterseite am Hinterrande des Umschlags oder schon früher in einer
sog. Schnauzennaht (Fig. 574 sn). Durch die Gesichtsnähte zerfällt das
Kopfschild in ein sog. Mittelschild (Glabella + unbeweglicher Theil der
Wangen) und 2 seitliche, die Augen tragende Randschilder (beweglicher
Theil der Wangen).
Die Augen (a) fehlen zuweilen; sind sie ausgebildet, so liegen sie
hart an der Gesichtsnaht ausserhalb derselben. In der Regel besitzt
die Sehfläche (Fig. 573 sf) eine sichelförmige, nach den Seiten
convexe Gestalt und liegt auf oder an einem mehr oder minder hohen,
aus der Fläche des Randschildes oft steil emporsteigenden, zuweilen
stielartigen Augenwulste; der dem Augenwulste anliegende Theil des
Mittelschildes wölbt sich nicht selten, durch die Gesichtsnaht (B
n) von dem Augenwulste getrennt, als sog. Palpebralflügel (B pf)
empor; zwischen ihm und dem Auge (B sf) verläuft die Gesichtsnaht (B
n). Die Augen sind fast ausnahmslos zusammengesetzt, nur bei einer
Gattung -- Harpes -- treffen wir auf Augen, die aus 2 oder 3 einfachen
Höckern (Punktaugen) bestehen. Die Zahl der Linsen (Facetten) in den
zusammengesetzten Augen schwankt zwischen 14 und etwa 15,000. Meist
werden die Linsen von einer gemeinsamen glatten Hornhaut überzogen,
bei einer Gattung (Phacops -- Fig. 573 C, D) durchbrechen die Linsen
(l, l’) dieselbe (h), so dass die Oberfläche höckerig erscheint. Im
Allgemeinen zeigen die Augen die Tendenz, sich mit ihrer Sehfläche
geneigt zu der Oberfläche des Kopfschildes zu stellen, um ein
seitliches Sehen zu ermöglichen. Blinde Formen stehen sehenden oft
in allen andern Kennzeichen sehr nahe, tragen auch häufig noch einen
Augenwulst (Fig. 572 a).
[Illustration: Fig. 573. Phacops latifrons Br. Mitteldevon. Eifel.
A eine vollständig eingerollte Schale von der Seite gesehen. B-D
Auge von Phacops, B von der Seite. C vergrösserte Oberfläche. D
Querschnitt durch einige Linsen. s = Schwanzschild; gl = Glabella;
n = Gesichtsnaht; sf = Sehfläche (Auge); pf = Palpebralflügel; h =
Hornhaut; l’ = Linsen mit vollständig erhaltener, l = mit abgewitterter
Oberfläche.]
[Illustration: Fig. 574. Calymene tuberculosa Salt. Obersilur.
England. Eingerollte Schale von vorn gesehen, mit dem Hypostom (hy)
in natürlicher Lage; dasselbe ist durch die Hypostomalnaht von
dem Schnauzenschilde (ss) des Umschlages getrennt. Die Aeste der
Gesichtsnaht (n) werden durch eine Schnauzennaht (sn) vereinigt. Die
übrigen Bezeichnungen wie in Fig. 571.]
Der Rumpf setzt sich stets aus einer geringeren oder grösseren
Anzahl untereinander beweglicher Segmente zusammen, welche durch die
Rückenfurchen (Fig. 571 rf) in 3 fest mit einander verbundene Theile,
den Spindelring (sp) und die beiden Seitentheile oder Pleuren (pl)
zerlegt werden. Der Vorderrand des Spindelrings ist mit einem breiten,
gerundeten Fortsatze versehen, welcher sich im ausgestreckten Zustande
unter den vorhergehenden Spindelring schiebt. Beim Einrollen der Schale
gleitet der Spindelring auf der Gleitfläche des vorhergehenden. An der
Unterseite befindet sich (? immer) auf der Grenze zwischen Spindelring
und Pleuren jederseits ein Gelenkknopf am Hinterrande und eine
Gelenkpfanne am Vorderrande des Segmentes, welche die Articulation der
Segmente vermitteln. Die Pleuren verschmälern sich häufig nach aussen
und biegen nach rückwärts; ihre Oberfläche ist selten eben (Fig. 586),
meist wird sie von einer schräg nach hinten laufenden Furche (Fig. 572
f) durchzogen, weniger häufig findet sich statt ihrer eine Leiste oder
ein Wulst (Fig. 589). Ihre Enden laufen nicht selten in Spitzen aus
(Fig. 572 sp’).
Die Segmente des Schwanzschildes sind unbeweglich mit einander
verwachsen, ja häufig gar nicht mehr erkennbar (Fig. 586), in welchem
Falle das Schwanzschild vom Rumpfe scharf abgesetzt erscheint. Oft
tritt die Segmentirung nur auf der Achse deutlich hervor (Fig. 585
ax), während sie auf den Seitenlappen (sl) nur durch Streifen oder gar
nicht angedeutet ist. Die Zahl der Segmente, aus deren Verschmelzung
das Schwanzschild entstanden ist, schwankt zwischen 2 und 28. Die Achse
reicht bald bis ans Ende des Pygidiums (Fig. 581), bald erscheint
sie stark reducirt (Fig. 591); dazwischen finden sich alle möglichen
Uebergänge.
Die Unterseite lässt bei guter Erhaltung stets einen Umschlag der
Schale erkennen, der am Kopf- und Schwanzschilde zuweilen eine
beträchtliche Breite erreicht. Der Umschlag des Mittelschildes (Fig.
574 ss) wird bisweilen durch 2 quere Verbindungsnähte, welche von
der Schnauzennaht (sn) nach dem Rande des Umschlages verlaufen, von
dem Umschlage der Randschilder getrennt; oft findet sich nur eine
unpaare, mediane Verbindungsnaht. Sehr häufig ist an den Hinterrand
des Stirnumschlages, aber von demselben durch eine Naht getrennt, ein
Oberlippenstück oder Hypostom (hy) befestigt, eine im Allgemeinen
convexe, aber in sehr verschiedener Weise mit Furchen, Vertiefungen,
Höckern oder einer hinteren Ausbuchtung versehene, am Hinterrande und
an den Seiten freie Platte, welche vielleicht einer geringen Bewegung
fähig war. Erst hinter derselben lag der Mund.
Die Anhänge der Bauchseite der Trilobiten sind bisher nur unvollständig
bekannt geworden. Jedenfalls war die Bauchseite, soweit sie nicht vom
Umschlage des Rückenschildes und vom Hypostom bedeckt wurde, von einer
weichhäutigen, fossil nicht erhaltbaren Membran bekleidet. Die paarigen
Anhänge inserirten unterhalb der Rückenfurche zu beiden Seiten einer
mittleren Reihe von schmalen, unter der Spindel und Achse gelegenen
Bauchplatten (Fig. 575 b). Unter dem Kopfschilde befanden sich hinter
dem Hypostom zu beiden Seiten des Mundes im Ganzen 4 Gliedmaassenpaare,
von denen das letzte (hinterste) wegen seiner bedeutenden Grösse als
Kieferfuss (Fig. 576 A kf) angesprochen wird. Sie dienten wohl z.
Th. als Kauorgane. Die Rumpfsegmente und bei manchen Gattungen auch
diejenigen des Schwanzschildes trugen ebenfalls gegliederte, aber in 2
Aeste gespaltene Anhänge (Fig. 575); der innere Ast (Endopodit -- em)
übertrifft den äusseren (Exopodit -- ex) an Länge und Zahl der Glieder.
Aussen an der Basis des Anhanges befinden sich spirale Bänder (sp), die
als Kiemen gedeutet werden.
[Illustration: Fig. 575. Querschnitt eines Trilobiten-Rumpfgliedes
(Calymene senaria Conr.) mit den vervollständigten Anhängen. r =
Rücken-, b = Bauchseite; i = Verdauungscanal; em = Endopodit; ex =
Exopodit; sp = spirale Anhänge zwischen letzteren und der Schale.]
[Illustration: Fig. 576. Mittlerer Längsschnitt durch eine eingerollte
Trilobitenschale (Calymene senaria Conr.). k = Kopfschild; r = Rumpf; s
= Schwanzschild; hy = Hypostom; kf = Kieferfuss; b = Bauchseite.]
Die Eigenthümlichkeiten der Organisation der Trilobiten dürften
sich, soweit sie bisher ermittelt werden konnten, folgendermaassen
zusammenfassen lassen:
Die Zahl der Segmente, welche zur Rumpf- und Schwanzregion
zusammentreten, unterliegt grossen Schwankungen. Die Segmentation des
Kopfschildes ist häufig durch die Nackenfurche und die Querfurchen
der Glabella, eine seitliche Abgliederung des Augenlappens durch
die Gesichtsnaht angedeutet. Letztere bedingt meist einen Zerfall
des Kopfschildes in ein Mittelschild und 2 Randschilder. Der Mund
liegt auf der Unterseite weit rückwärts, hinter dem Schalenumschlage
und dem Hypostom (Fig. 576); der Oesophagus und Magen befanden sich
wahrscheinlich zwischen Glabella und Hypostom eingeschlossen. Wenige
(4), wohl nur unvollkommen zur Kauthätigkeit angepasste, kurze
Gliedmaassenpaare unter dem Kopfschilde; ausserdem zahlreiche, wenig
differenzirte, relativ kurze Anhänge (Gehfüsse am Rumpfe und z. Th.
jedenfalls auch am Schwanzschilde. Vor dem Munde gelegene Fühlwerkzeuge
(Antennen) fehlen. Augen fast ausnahmslos zusammengesetzt, unbeweglich,
nie am Rande des Kopfschildes gelegen. Körper häufig einrollbar. Im
Verlaufe der individuellen Entwickelung wird entweder das Kopfschild
allein oder gleichzeitig das Schwanzschild oder der Rumpf angelegt.
Nach und nach entstehen die fehlenden Theile durch Abgliederung neuer
Segmente. Die Zahl der Segmente im ausgewachsenen Zustande erweist sich
nur für kleine Formenkreise als constant. Die Grösse der Trilobiten
bewegt sich zwischen wenigen mm und fast 0,5 m.
Eine naturgemässe Classification, welche die genetische Entwickelung
des Stammes zum Ausdruck bringt, scheint z. Z. noch nicht durchführbar
zu sein. Nachstehende Tabelle möge dazu dienen, die Bestimmung der
wichtigsten Gattungen zu erleichtern.
|Zahl der | Fig.
| Brust- |
|segmente |
|=========+======
A. Gesichtsnaht fehlend oder undeutlich. | |
a. Schwanzschild dem Kopfschilde an Grösse und Verzierung | |
ähnlich. Agnostus. | 2 | 577
b. Schwanzschild kleiner und anders gestaltet als Kopfschild.| |
Trinucleus. | 5-6 | 578
B. Gesichtsnaht am Hinterrande beginnend. | |
a. Wangen nur seitlich von der Glabella gelegen. | |
α. Glabella und Pygidium glatt. Illaenus. |10 (9, 8)| 586
| |
β. Glabella mit Längsfurchen, Pygidium mit radialen, | |
von der kurzen Achse ausstrahlenden Furchen. | |
Lichas. | 9, 10 | --
b. Wangen die Glabella vorn umgebend. | |
α. Schwanzschild klein, mit wenigen, meist queren | |
Segmenten. Seitenlappen schmal. | |
1. Glabella ohne oder mit undeutlichen Seitenfurchen. | |
Olenus. | 12-15 | 579
2. Glabella mit deutlichen (2-4 Paar) Seitenfurchen. | |
Paradoxides. | 16-20 | 580
β. Schwanzschild gross, mit zahlreichen, meist | |
queren, oft undeutlichen Segmenten. | |
1. Glabella vorn verbreitert. Asaphus. | 8 | 585
2. Glabella vorn nicht verbreitert. | |
Proëtus, Phillipsia. | 8-10 | 590
γ. Schwanzschild gross, mit sehr kurzer Achse und | |
radial von derselben ausstrahlenden Furchen. | |
Bronteus. | 9-10 | 591
C. Gesichtsnaht dicht vor oder dicht hinter den Hinterecken | |
beginnend. | |
a. Spindel sehr breit, wenig scharf von den Pleuren | |
geschieden. Homalonotus. | 13 | 584
b. Spindel schmal, Rückenfurchen scharf. | |
α. Seitenfurchen der Glabella flach. Augenleiste | |
vorhanden. Conocephalus.| 14-15 | 581
β. Seitenfurchen der Glabella tief. Augenleisten | |
fehlend. Calymene. | 13 | 582
D. Gesichtsnaht am Aussenrande beginnend. | |
a. Pleuren einfach, gefurcht. Phacops. | 11 |{588
| |{587
b. Pleuren nur auf der inneren Hälfte gefurcht. | |
Cheirurus. |11(10,12)| 589
Agnostus Bgt. (Fig. 577). Panzer klein; Kopf- (k) und Schwanzschild
(s) nahezu gleich gross, halbkreisförmig oder elliptisch, fast
ausnahmslos mit schmalem Randsaum (l). Rumpf (r) zweigliedrig. Glabella
(gl) und Achse (ax) meist deutlich abgesetzt, häufig gegliedert. Die
beiden Wangentheile zuweilen durch eine Furche vor der Glabella (x)
getrennt. Pleuren gefurcht (f), Schwanzschild zuweilen mit einem Paar
Stachelanhänge (st). Gesichtsnaht und Augen fehlen. Zahlreiche Arten im
Cambrium (Skandinavien, England, Böhmen, Spanien, Nordamerika, China,
Argentinien), namentlich häufig und gesellig (B) in den Alaunschiefern
des Cambrium von Schonen; seltener im Untersilur. Als Diluvialgeschiebe
in Norddeutschland häufig.
A. pisiformis L. (Fig. 577). Cambrium. Skandinavien, ? England.
A. trisectus Salt. Cambrium. England, Skandinavien.
A. nudus Beyr. } Cambrium. Skandinavien, Böhmen.
A. Rex Barr. }
[Illustration: Fig. 577. Agnostus pisiformis L. Cambrium. Andrarum,
Schonen. A ein vollständiger Panzer. ²⁄₁. B Gesteinsstück mit isolirten
Kopf- und Schwanzschildern.]
[Illustration: Fig. 578. Trinucleus ornatus Stbg. sp. Untersilur (D).
Böhmen.]
[Illustration: Fig. 579. Olenus truncatus Brünn. Cambrium. Andrarum,
Schonen.
Bezeichnungen: k = Kopfschild; r = Rumpf; s = Schwanzschild; gl =
Glabella; w, w’ = Wangen; n = Gesichtsnaht; a = Augen; st = Stacheln
der Wangen oder des Pygidiums; sp = Spindel; pl = Pleuren; f = Furchen
derselben; ax = Achse; l = Randsaum; s’ = Löcher desselben.]
Trinucleus Lhwyd (Fig. 578). Kopfschild (k) höher und breiter als
Rumpf (r) und Schwanzschild (s), hinten gewöhnlich in lange Stacheln
(st) ausgezogen, an den Seiten und vorn von einem breiten, durchlochten
(s’) Saume (l) umgeben, welcher die Gesichtsnaht, wenn sie überhaupt
vorhanden, umkreist. Glabella und Wangen aufgeblasen, meist glatt;
Seitenfurchen oder Augenhöcker selten angedeutet. 6 Rumpfsegmente,
Achse das Ende des Schwanzschildes erreichend. Leitend für das
Untersilur in Europa, Nordamerika, China.
Tr. Goldfussi Barr. } Untersilur (D).
Tr. ornatus Stbg. sp. (Fig. 578). } Böhmen, Frankreich.
Olenus Dalm. (Fig. 579). Körper regelmässig dreitheilig. Kopfschild (k)
grösser als das Pygidium (s), aber kleiner als der aus 12-15 Segmenten
bestehende Rumpf (r). Gesichtsnähte (n) am Hinterrand beginnend, nach
vorn convergirend. Augen (a) halbmondförmig, durch eine Querleiste (x)
mit der eiförmigen, zuweilen undeutlich quergefurchten Glabella (gl)
verbunden. Ein schmaler Randsaum (l) und häufig Wangenstacheln (st)
vorhanden. Als Untergattungen werden abgeschieden:
Parabolina. Augen der Glabella nahegerückt.
Peltura. Augen nach vorn gerückt. Glabella bis dicht an den
Vorderrand reichend.
Häufig im Cambrium Europas (ausg. Böhmen), Nord- und Südamerikas;
bezeichnend für die obere Stufe der oberen Abtheilung (»Olenus-Stufe«).
O. truncatus Brünn (Fig. 579). Oberes Cambrium. Skandinavien.
O. (Parabolina) spinulosus Wahlb. sp. Oberes Cambrium. Skandinavien,
England.
O. (Peltura) scarabaeoides Wahlb. sp. (Leth. pal., t. 1, Fig. 5).
Oberes Cambrium. Skandinavien, England.
Paradoxides Brgt. (Fig. 580). Grosse, nach hinten stark verschmälerte
Formen mit halbkreisförmigem Kopfschild (k), langem, aus 16-25
Segmenten bestehendem Rumpfe (r) und kurzem Schwanzschilde (s).
Glabella vorn verbreitert, mit 2-4 Seitenfurchen (sf). Augenfläche
(a) gross. Gesichtsnähte (n) am Hinterrande beginnend, zu den Augen
convergirend, gegen den Aussenrand divergirend. Der dicke Randwulst
(l) in Wangenstacheln (st) verlängert. Pleuren schräg gefurcht (f), in
Spitzen (sp) auslaufend. Die breite Achse des schmalen, weniggliedrigen
Schwanzschildes erreicht das Ende desselben nicht. Hypostom (B hy)
klein, fünfseitig. Diese Gattung findet sich sehr häufig im Cambrium,
sie ist leitend für die unteren Schichten der oberen Abtheilung
desselben (»Paradoxides-Stufe«) in Europa und Nordamerika.
P. Bohemicus Barr. (Fig. 580). }
} Cambrium. Böhmen.
P. spinulosus Boeck. }
P. Tessini Brgt. }
} Cambrium. Skandinavien.
P. Forchhammeri Ang. }
P. rugulosus Cord. Cambrium. Skandinavien, Böhmen.
P. aurora Salt. Cambrium. Grossbritannien.
Conocephalus Zenk. (= Conocoryphe) (Fig. 581). Steht der Gattung Olenus
nahe, ist aber durch bedeutendere Grösse, Einrollungsvermögen und den
Verlauf der Gesichtsnaht (n) unterschieden, welche nahe den Hinterecken
beginnt. Glabella (gl) vorn verschmälert; Seitenfurchen nach rückwärts
gerichtet. Augen zuweilen durch eine Leiste (x) mit der Glabella
verbunden, häufig aber nach vorn und nahe an die Glabella gerückt; oft
fehlend. Zahlreiche Arten im Cambrium (über die ganze Erde verbreitet),
selten im Untersilur.
C. Sulzeri Schl. sp. Cambrium. Böhmen, Spanien.
C. striatus Emm. (Fig. 581). Cambrium. Böhmen (Paradoxides-Sch.).
[Illustration: Fig. 580. Paradoxides Bohemicus Barr. Cambrium. Böhmen.
A Schale von der Rückenseite. B Stirnumschlag (l) mit Hypostom (hy).]
[Illustration: Fig. 581. Conocephalus striatus Emm. Cambrium. Böhmen.
Bezeichnungen: k = Kopfschild; r = Rumpf; s = Schwanzschild; gl =
Glabella; sp = Spindel; sf = Seitenfurchen; nf = Nackenfurche; w, w’ =
Wangen; a = Augen; n = Gesichtsnaht; l = Randwulst; st = Wangenstachel;
f = Furchen, sp’ = Spitzen der Pleuren; x = Augenleiste.]
Ebenfalls häufig im Cambrium sind die verwandten Gattungen:
Ellipsocephalus Zenk. Glabella durch tiefe Rückenfurchen, welche
vorn winkelig zusammenlaufen, begrenzt. Gesichtsnähte fast parallel,
nahe dem Aussenrande verlaufend.
E. Hoffi Schl. sp. (Leth. pal., t. 1, Fig. 9). Böhmen
(Paradoxides-Sch.).
Sao Barr. Die eiförmige Glabella mit 3 tiefen Seitenfurchen und
einer mittleren Längsfurche, durch eine Leiste mit den sichelförmigen
Augen verbunden. Oberfläche gekörnelt. Einzige Art:
S. hirsuta Barr. (Leth. pal., t. 1, Fig. 8) im böhmischen Cambrium.
Calymene Brgt. (Fig. 582, 583). Meist langgestreckte, ovale Formen mit
breitem Kopfschild (k) und 13 Rumpfsegmenten (1-13). Gesichtsnähte (n)
an den nie gestachelten Hinterecken beginnend, nach den mittelgrossen
Augen (a) convergirend und von dort fast parallel über den Stirnrand
nach der Unterseite laufend, wo sie durch eine quere Schnauzennaht (sn)
vereinigt werden. Glabella mit deutlicher Nackenfurche und 3 kurzen
Querfurchenpaaren (sf), welche gerundete Seitenlappen abtrennen. Achse
(ax) sich langsam nach hinten verschmälernd. Schwanzschild (s) aus 6-11
Gliedern bestehend. Hypostom (hy) fast rechteckig, hinten ausgebuchtet.
Vereinzelt im Cambrium, häufig im Unter- und Obersilur, seltener im
Devon.
C. incerta Barr. Untersilur. Böhmen.
C. Tristani Brgt. Untersilur. Nordfrankreich, England.
C. senaria Conr. (Fig. 583 A). Untersilur. Nordamerika, England.
C. Blumenbachi Brgt. (Fig. 582). Selten im Unter-, sehr häufig im
Obersilur. Europa, Nordamerika, Australien. Vielleicht noch im Devon.
Als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.
C. tuberculosa Salt. (Fig. 583 B). Obersilur. England.
C. platys Green. Unterdevon. Nordamerika.
[Illustration: Fig. 582. Calymene Blumenbachi Brgt. Obersilur. Dudley.
England.]
[Illustration: Fig. 583. Calymene (eingerollt). A Längsschnitt in der
Richtung der Achse von C. senaria Conr. B C. tuberculosa Salt. mit dem
Hypostom (hy) in natürlicher Lage. Obersilur. England.