1. Unterordnung Trilobitae.

Litteratur über Trilobitae.

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Beyrich, E. Ueber einige böhmische Trilobiten. Berlin 1845.

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Walcott, C. D. The Trilobite. New and old evidence relating to its

organisation. Mus. Compar. Zoology 1881. Vol. VIII No. 10.

Der fast allein bekannte Panzer der Trilobiten bedeckt den Rücken und

als Umschlag den randlichen Theil der Bauchseite des Thieres. Die

aus parallelen Lagen von kohlen- und phosphorsaurem Kalk mit Chitin

bestehende Schale besitzt stets nur geringe Dicke.

[Illustration: Fig. 571. Eine vollständige Trilobitenschale gegen die

Rückenseite gesehen (Calymene Blumenbachi Bgt. Obersilur. England). k =

Kopfschild; r = Rumpf; s = Schwanzschild; gl = Glabella; wa = Wangen;

w = sog. beweglicher (innerer), w’ = sog. unbeweglicher (äusserer)

Theil derselben; n = Gesichtsnaht; l = Randsaum; a = Auge; st = Stirn;

sf = Seitenfurchen; nf = Nackenfurche; of = Occipitalfurche; nr =

Nackenring; or = Occipitalring; rf = Rückenfurche; rf’ = Randfurche; sp

= Spindel; pl = Pleuren; a, ax = Achse; s’, sl = Seitenlappen; 1-13 =

die 13 Rumpfsegmente.]

Vom Rücken her betrachtet (Fig. 571) zerfällt die Schale der Länge nach

in 3 deutlich gesonderte Regionen: 1) das Kopfschild (k), 2) den Rumpf

oder Thorax (r) und 3) das Schwanzschild oder Pygidium (s). Zwei, der

Längsachse der Schale parallel laufende Rückenfurchen (rf) sondern

eine mittlere (axiale -- a) Partie von den beiden seitlichen (s’). Auf

dem Kopfschilde heisst der mittlere Theil Glabella (gl), die beiden

seitlichen werden Wangen (Genae -- wa) genannt. Der Rumpf zerfällt in

die Spindel (sp) und die Seitentheile (oder Pleuren -- pl), während

die Fortsetzung der Spindel auf dem Schwanzschilde als Achse (ax),

die seitlichen Theile als Seitenlappen (sl) bezeichnet werden. Nur

die Segmente des Rumpfes sind stets scharf von einander getrennt und

konnten gegen einander bewegt werden, während die oft nur undeutlich

oder gar nicht geschiedenen Segmente des Kopf- und Schwanzschildes fest

mit einander verbunden waren.

[Illustration: Fig. 572. Paradoxides Bohemicus Barr. Cambrium. Böhmen.

A Schale gegen die Rückenseite gesehen. st = Wangenstachel; sp’ =

Spitzen der Pleuren; f = Furchen derselben. B Stirn von der Unterseite.

l = Stirnumschlag; hy = Hypostom. Die übrigen Bezeichnungen wie in Fig.

571.]

Das Kopfschild (Fig. 571 k) besitzt einen gebogenen Vorder- oder

Aussenrand und einen geraden Hinterrand; an letzteren schliesst

sich der Rumpf an. In der Regel ist die Glabella (gl) durch tiefe

Rückenfurchen (rf) von den Wangen (wa) abgesetzt; zuweilen aber

eine solche Trennung kaum angedeutet (Fig. 586). Ebenso fehlt eine

Segmentirung zuweilen vollständig (Fig. 586), häufiger trennt eine dem

Hinterrande parallele Nackenfurche (Fig. 571 -- nf) auf der Glabella

einen Nackenring (nr), ihre seitliche Fortsetzung auf den Wangen

als Occipitalfurche (of) einen Occipitalring (or) ab. Im weiteren,

dem Aussenrande parallelen Verlaufe führt die Furche den Namen

Randfurche (rf’) und der durch sie von den Wangen und der Glabella

abgetheilte, flache oder wulstige Randsaum heisst Limbus (l). Während

eine eigentliche Segmentirung den Wangen abgeht, wird die Glabella

häufig durch 1-4 quere Furchen -- Seitenfurchen (sf) --, die sich

gegen aussen meist stark vertiefen, in Lappen zerlegt. Der vorderste,

vor der ersten Seitenfurche gelegene Theil der Glabella wird als

Stirn (st) bezeichnet. Nur selten besteht das Kopfschild aus einem

einzigen Stück; in der Regel verläuft jederseits über die Wangen eine

Naht -- Gesichtsnaht (n) --, welche vielleicht eine jedenfalls ganz

unbedeutende Beweglichkeit des äusseren Wangentheils (w’) gegen den

inneren (w) ermöglichte. Bei der Fossilisation hat sich wenigstens

nicht selten der äussere Theil für sich abgelöst. Die hinteren

Ecken der Wangen verlängern sich nicht selten zu Wangenstacheln

(Fig. 572 st). Die Gesichtsnaht (n) beginnt jederseits entweder am

Hinterrande (Fig. 572) oder an den Hinterecken (Fig. 571) oder am

Aussenrande des Kopfschildes (Fig. 588), umfasst im bogigen Verlaufe

die (selten fehlenden) Augen (a) und läuft gegen den Vorderrand zu.

Die beiden Aeste vereinigen sich entweder schon auf der Oberseite,

indem sie die Glabella umkreisen (Fig. 584) oder sie überschreiten

getrennt den Vorderrand (Fig. 572) und vereinigen sich erst auf der

Unterseite am Hinterrande des Umschlags oder schon früher in einer

sog. Schnauzennaht (Fig. 574 sn). Durch die Gesichtsnähte zerfällt das

Kopfschild in ein sog. Mittelschild (Glabella + unbeweglicher Theil der

Wangen) und 2 seitliche, die Augen tragende Randschilder (beweglicher

Theil der Wangen).

Die Augen (a) fehlen zuweilen; sind sie ausgebildet, so liegen sie

hart an der Gesichtsnaht ausserhalb derselben. In der Regel besitzt

die Sehfläche (Fig. 573 sf) eine sichelförmige, nach den Seiten

convexe Gestalt und liegt auf oder an einem mehr oder minder hohen,

aus der Fläche des Randschildes oft steil emporsteigenden, zuweilen

stielartigen Augenwulste; der dem Augenwulste anliegende Theil des

Mittelschildes wölbt sich nicht selten, durch die Gesichtsnaht (B

n) von dem Augenwulste getrennt, als sog. Palpebralflügel (B pf)

empor; zwischen ihm und dem Auge (B sf) verläuft die Gesichtsnaht (B

n). Die Augen sind fast ausnahmslos zusammengesetzt, nur bei einer

Gattung -- Harpes -- treffen wir auf Augen, die aus 2 oder 3 einfachen

Höckern (Punktaugen) bestehen. Die Zahl der Linsen (Facetten) in den

zusammengesetzten Augen schwankt zwischen 14 und etwa 15,000. Meist

werden die Linsen von einer gemeinsamen glatten Hornhaut überzogen,

bei einer Gattung (Phacops -- Fig. 573 C, D) durchbrechen die Linsen

(l, l’) dieselbe (h), so dass die Oberfläche höckerig erscheint. Im

Allgemeinen zeigen die Augen die Tendenz, sich mit ihrer Sehfläche

geneigt zu der Oberfläche des Kopfschildes zu stellen, um ein

seitliches Sehen zu ermöglichen. Blinde Formen stehen sehenden oft

in allen andern Kennzeichen sehr nahe, tragen auch häufig noch einen

Augenwulst (Fig. 572 a).

[Illustration: Fig. 573. Phacops latifrons Br. Mitteldevon. Eifel.

A eine vollständig eingerollte Schale von der Seite gesehen. B-D

Auge von Phacops, B von der Seite. C vergrösserte Oberfläche. D

Querschnitt durch einige Linsen. s = Schwanzschild; gl = Glabella;

n = Gesichtsnaht; sf = Sehfläche (Auge); pf = Palpebralflügel; h =

Hornhaut; l’ = Linsen mit vollständig erhaltener, l = mit abgewitterter

Oberfläche.]

[Illustration: Fig. 574. Calymene tuberculosa Salt. Obersilur.

England. Eingerollte Schale von vorn gesehen, mit dem Hypostom (hy)

in natürlicher Lage; dasselbe ist durch die Hypostomalnaht von

dem Schnauzenschilde (ss) des Umschlages getrennt. Die Aeste der

Gesichtsnaht (n) werden durch eine Schnauzennaht (sn) vereinigt. Die

übrigen Bezeichnungen wie in Fig. 571.]

Der Rumpf setzt sich stets aus einer geringeren oder grösseren

Anzahl untereinander beweglicher Segmente zusammen, welche durch die

Rückenfurchen (Fig. 571 rf) in 3 fest mit einander verbundene Theile,

den Spindelring (sp) und die beiden Seitentheile oder Pleuren (pl)

zerlegt werden. Der Vorderrand des Spindelrings ist mit einem breiten,

gerundeten Fortsatze versehen, welcher sich im ausgestreckten Zustande

unter den vorhergehenden Spindelring schiebt. Beim Einrollen der Schale

gleitet der Spindelring auf der Gleitfläche des vorhergehenden. An der

Unterseite befindet sich (? immer) auf der Grenze zwischen Spindelring

und Pleuren jederseits ein Gelenkknopf am Hinterrande und eine

Gelenkpfanne am Vorderrande des Segmentes, welche die Articulation der

Segmente vermitteln. Die Pleuren verschmälern sich häufig nach aussen

und biegen nach rückwärts; ihre Oberfläche ist selten eben (Fig. 586),

meist wird sie von einer schräg nach hinten laufenden Furche (Fig. 572

f) durchzogen, weniger häufig findet sich statt ihrer eine Leiste oder

ein Wulst (Fig. 589). Ihre Enden laufen nicht selten in Spitzen aus

(Fig. 572 sp’).

Die Segmente des Schwanzschildes sind unbeweglich mit einander

verwachsen, ja häufig gar nicht mehr erkennbar (Fig. 586), in welchem

Falle das Schwanzschild vom Rumpfe scharf abgesetzt erscheint. Oft

tritt die Segmentirung nur auf der Achse deutlich hervor (Fig. 585

ax), während sie auf den Seitenlappen (sl) nur durch Streifen oder gar

nicht angedeutet ist. Die Zahl der Segmente, aus deren Verschmelzung

das Schwanzschild entstanden ist, schwankt zwischen 2 und 28. Die Achse

reicht bald bis ans Ende des Pygidiums (Fig. 581), bald erscheint

sie stark reducirt (Fig. 591); dazwischen finden sich alle möglichen

Uebergänge.

Die Unterseite lässt bei guter Erhaltung stets einen Umschlag der

Schale erkennen, der am Kopf- und Schwanzschilde zuweilen eine

beträchtliche Breite erreicht. Der Umschlag des Mittelschildes (Fig.

574 ss) wird bisweilen durch 2 quere Verbindungsnähte, welche von

der Schnauzennaht (sn) nach dem Rande des Umschlages verlaufen, von

dem Umschlage der Randschilder getrennt; oft findet sich nur eine

unpaare, mediane Verbindungsnaht. Sehr häufig ist an den Hinterrand

des Stirnumschlages, aber von demselben durch eine Naht getrennt, ein

Oberlippenstück oder Hypostom (hy) befestigt, eine im Allgemeinen

convexe, aber in sehr verschiedener Weise mit Furchen, Vertiefungen,

Höckern oder einer hinteren Ausbuchtung versehene, am Hinterrande und

an den Seiten freie Platte, welche vielleicht einer geringen Bewegung

fähig war. Erst hinter derselben lag der Mund.

Die Anhänge der Bauchseite der Trilobiten sind bisher nur unvollständig

bekannt geworden. Jedenfalls war die Bauchseite, soweit sie nicht vom

Umschlage des Rückenschildes und vom Hypostom bedeckt wurde, von einer

weichhäutigen, fossil nicht erhaltbaren Membran bekleidet. Die paarigen

Anhänge inserirten unterhalb der Rückenfurche zu beiden Seiten einer

mittleren Reihe von schmalen, unter der Spindel und Achse gelegenen

Bauchplatten (Fig. 575 b). Unter dem Kopfschilde befanden sich hinter

dem Hypostom zu beiden Seiten des Mundes im Ganzen 4 Gliedmaassenpaare,

von denen das letzte (hinterste) wegen seiner bedeutenden Grösse als

Kieferfuss (Fig. 576 A kf) angesprochen wird. Sie dienten wohl z.

Th. als Kauorgane. Die Rumpfsegmente und bei manchen Gattungen auch

diejenigen des Schwanzschildes trugen ebenfalls gegliederte, aber in 2

Aeste gespaltene Anhänge (Fig. 575); der innere Ast (Endopodit -- em)

übertrifft den äusseren (Exopodit -- ex) an Länge und Zahl der Glieder.

Aussen an der Basis des Anhanges befinden sich spirale Bänder (sp), die

als Kiemen gedeutet werden.

[Illustration: Fig. 575. Querschnitt eines Trilobiten-Rumpfgliedes

(Calymene senaria Conr.) mit den vervollständigten Anhängen. r =

Rücken-, b = Bauchseite; i = Verdauungscanal; em = Endopodit; ex =

Exopodit; sp = spirale Anhänge zwischen letzteren und der Schale.]

[Illustration: Fig. 576. Mittlerer Längsschnitt durch eine eingerollte

Trilobitenschale (Calymene senaria Conr.). k = Kopfschild; r = Rumpf; s

= Schwanzschild; hy = Hypostom; kf = Kieferfuss; b = Bauchseite.]

Die Eigenthümlichkeiten der Organisation der Trilobiten dürften

sich, soweit sie bisher ermittelt werden konnten, folgendermaassen

zusammenfassen lassen:

Die Zahl der Segmente, welche zur Rumpf- und Schwanzregion

zusammentreten, unterliegt grossen Schwankungen. Die Segmentation des

Kopfschildes ist häufig durch die Nackenfurche und die Querfurchen

der Glabella, eine seitliche Abgliederung des Augenlappens durch

die Gesichtsnaht angedeutet. Letztere bedingt meist einen Zerfall

des Kopfschildes in ein Mittelschild und 2 Randschilder. Der Mund

liegt auf der Unterseite weit rückwärts, hinter dem Schalenumschlage

und dem Hypostom (Fig. 576); der Oesophagus und Magen befanden sich

wahrscheinlich zwischen Glabella und Hypostom eingeschlossen. Wenige

(4), wohl nur unvollkommen zur Kauthätigkeit angepasste, kurze

Gliedmaassenpaare unter dem Kopfschilde; ausserdem zahlreiche, wenig

differenzirte, relativ kurze Anhänge (Gehfüsse am Rumpfe und z. Th.

jedenfalls auch am Schwanzschilde. Vor dem Munde gelegene Fühlwerkzeuge

(Antennen) fehlen. Augen fast ausnahmslos zusammengesetzt, unbeweglich,

nie am Rande des Kopfschildes gelegen. Körper häufig einrollbar. Im

Verlaufe der individuellen Entwickelung wird entweder das Kopfschild

allein oder gleichzeitig das Schwanzschild oder der Rumpf angelegt.

Nach und nach entstehen die fehlenden Theile durch Abgliederung neuer

Segmente. Die Zahl der Segmente im ausgewachsenen Zustande erweist sich

nur für kleine Formenkreise als constant. Die Grösse der Trilobiten

bewegt sich zwischen wenigen mm und fast 0,5 m.

Eine naturgemässe Classification, welche die genetische Entwickelung

des Stammes zum Ausdruck bringt, scheint z. Z. noch nicht durchführbar

zu sein. Nachstehende Tabelle möge dazu dienen, die Bestimmung der

wichtigsten Gattungen zu erleichtern.

|Zahl der | Fig.

| Brust- |

|segmente |

|=========+======

A. Gesichtsnaht fehlend oder undeutlich. | |

a. Schwanzschild dem Kopfschilde an Grösse und Verzierung | |

ähnlich. Agnostus. | 2 | 577

b. Schwanzschild kleiner und anders gestaltet als Kopfschild.| |

Trinucleus. | 5-6 | 578

B. Gesichtsnaht am Hinterrande beginnend. | |

a. Wangen nur seitlich von der Glabella gelegen. | |

α. Glabella und Pygidium glatt. Illaenus. |10 (9, 8)| 586

| |

β. Glabella mit Längsfurchen, Pygidium mit radialen, | |

von der kurzen Achse ausstrahlenden Furchen. | |

Lichas. | 9, 10 | --

b. Wangen die Glabella vorn umgebend. | |

α. Schwanzschild klein, mit wenigen, meist queren | |

Segmenten. Seitenlappen schmal. | |

1. Glabella ohne oder mit undeutlichen Seitenfurchen. | |

Olenus. | 12-15 | 579

2. Glabella mit deutlichen (2-4 Paar) Seitenfurchen. | |

Paradoxides. | 16-20 | 580

β. Schwanzschild gross, mit zahlreichen, meist | |

queren, oft undeutlichen Segmenten. | |

1. Glabella vorn verbreitert. Asaphus. | 8 | 585

2. Glabella vorn nicht verbreitert. | |

Proëtus, Phillipsia. | 8-10 | 590

γ. Schwanzschild gross, mit sehr kurzer Achse und | |

radial von derselben ausstrahlenden Furchen. | |

Bronteus. | 9-10 | 591

C. Gesichtsnaht dicht vor oder dicht hinter den Hinterecken | |

beginnend. | |

a. Spindel sehr breit, wenig scharf von den Pleuren | |

geschieden. Homalonotus. | 13 | 584

b. Spindel schmal, Rückenfurchen scharf. | |

α. Seitenfurchen der Glabella flach. Augenleiste | |

vorhanden. Conocephalus.| 14-15 | 581

β. Seitenfurchen der Glabella tief. Augenleisten | |

fehlend. Calymene. | 13 | 582

D. Gesichtsnaht am Aussenrande beginnend. | |

a. Pleuren einfach, gefurcht. Phacops. | 11 |{588

| |{587

b. Pleuren nur auf der inneren Hälfte gefurcht. | |

Cheirurus. |11(10,12)| 589

Agnostus Bgt. (Fig. 577). Panzer klein; Kopf- (k) und Schwanzschild

(s) nahezu gleich gross, halbkreisförmig oder elliptisch, fast

ausnahmslos mit schmalem Randsaum (l). Rumpf (r) zweigliedrig. Glabella

(gl) und Achse (ax) meist deutlich abgesetzt, häufig gegliedert. Die

beiden Wangentheile zuweilen durch eine Furche vor der Glabella (x)

getrennt. Pleuren gefurcht (f), Schwanzschild zuweilen mit einem Paar

Stachelanhänge (st). Gesichtsnaht und Augen fehlen. Zahlreiche Arten im

Cambrium (Skandinavien, England, Böhmen, Spanien, Nordamerika, China,

Argentinien), namentlich häufig und gesellig (B) in den Alaunschiefern

des Cambrium von Schonen; seltener im Untersilur. Als Diluvialgeschiebe

in Norddeutschland häufig.

A. pisiformis L. (Fig. 577). Cambrium. Skandinavien, ? England.

A. trisectus Salt. Cambrium. England, Skandinavien.

A. nudus Beyr. } Cambrium. Skandinavien, Böhmen.

A. Rex Barr. }

[Illustration: Fig. 577. Agnostus pisiformis L. Cambrium. Andrarum,

Schonen. A ein vollständiger Panzer. ²⁄₁. B Gesteinsstück mit isolirten

Kopf- und Schwanzschildern.]

[Illustration: Fig. 578. Trinucleus ornatus Stbg. sp. Untersilur (D).

Böhmen.]

[Illustration: Fig. 579. Olenus truncatus Brünn. Cambrium. Andrarum,

Schonen.

Bezeichnungen: k = Kopfschild; r = Rumpf; s = Schwanzschild; gl =

Glabella; w, w’ = Wangen; n = Gesichtsnaht; a = Augen; st = Stacheln

der Wangen oder des Pygidiums; sp = Spindel; pl = Pleuren; f = Furchen

derselben; ax = Achse; l = Randsaum; s’ = Löcher desselben.]

Trinucleus Lhwyd (Fig. 578). Kopfschild (k) höher und breiter als

Rumpf (r) und Schwanzschild (s), hinten gewöhnlich in lange Stacheln

(st) ausgezogen, an den Seiten und vorn von einem breiten, durchlochten

(s’) Saume (l) umgeben, welcher die Gesichtsnaht, wenn sie überhaupt

vorhanden, umkreist. Glabella und Wangen aufgeblasen, meist glatt;

Seitenfurchen oder Augenhöcker selten angedeutet. 6 Rumpfsegmente,

Achse das Ende des Schwanzschildes erreichend. Leitend für das

Untersilur in Europa, Nordamerika, China.

Tr. Goldfussi Barr. } Untersilur (D).

Tr. ornatus Stbg. sp. (Fig. 578). } Böhmen, Frankreich.

Olenus Dalm. (Fig. 579). Körper regelmässig dreitheilig. Kopfschild (k)

grösser als das Pygidium (s), aber kleiner als der aus 12-15 Segmenten

bestehende Rumpf (r). Gesichtsnähte (n) am Hinterrand beginnend, nach

vorn convergirend. Augen (a) halbmondförmig, durch eine Querleiste (x)

mit der eiförmigen, zuweilen undeutlich quergefurchten Glabella (gl)

verbunden. Ein schmaler Randsaum (l) und häufig Wangenstacheln (st)

vorhanden. Als Untergattungen werden abgeschieden:

Parabolina. Augen der Glabella nahegerückt.

Peltura. Augen nach vorn gerückt. Glabella bis dicht an den

Vorderrand reichend.

Häufig im Cambrium Europas (ausg. Böhmen), Nord- und Südamerikas;

bezeichnend für die obere Stufe der oberen Abtheilung (»Olenus-Stufe«).

O. truncatus Brünn (Fig. 579). Oberes Cambrium. Skandinavien.

O. (Parabolina) spinulosus Wahlb. sp. Oberes Cambrium. Skandinavien,

England.

O. (Peltura) scarabaeoides Wahlb. sp. (Leth. pal., t. 1, Fig. 5).

Oberes Cambrium. Skandinavien, England.

Paradoxides Brgt. (Fig. 580). Grosse, nach hinten stark verschmälerte

Formen mit halbkreisförmigem Kopfschild (k), langem, aus 16-25

Segmenten bestehendem Rumpfe (r) und kurzem Schwanzschilde (s).

Glabella vorn verbreitert, mit 2-4 Seitenfurchen (sf). Augenfläche

(a) gross. Gesichtsnähte (n) am Hinterrande beginnend, zu den Augen

convergirend, gegen den Aussenrand divergirend. Der dicke Randwulst

(l) in Wangenstacheln (st) verlängert. Pleuren schräg gefurcht (f), in

Spitzen (sp) auslaufend. Die breite Achse des schmalen, weniggliedrigen

Schwanzschildes erreicht das Ende desselben nicht. Hypostom (B hy)

klein, fünfseitig. Diese Gattung findet sich sehr häufig im Cambrium,

sie ist leitend für die unteren Schichten der oberen Abtheilung

desselben (»Paradoxides-Stufe«) in Europa und Nordamerika.

P. Bohemicus Barr. (Fig. 580). }

} Cambrium. Böhmen.

P. spinulosus Boeck. }

P. Tessini Brgt. }

} Cambrium. Skandinavien.

P. Forchhammeri Ang. }

P. rugulosus Cord. Cambrium. Skandinavien, Böhmen.

P. aurora Salt. Cambrium. Grossbritannien.

Conocephalus Zenk. (= Conocoryphe) (Fig. 581). Steht der Gattung Olenus

nahe, ist aber durch bedeutendere Grösse, Einrollungsvermögen und den

Verlauf der Gesichtsnaht (n) unterschieden, welche nahe den Hinterecken

beginnt. Glabella (gl) vorn verschmälert; Seitenfurchen nach rückwärts

gerichtet. Augen zuweilen durch eine Leiste (x) mit der Glabella

verbunden, häufig aber nach vorn und nahe an die Glabella gerückt; oft

fehlend. Zahlreiche Arten im Cambrium (über die ganze Erde verbreitet),

selten im Untersilur.

C. Sulzeri Schl. sp. Cambrium. Böhmen, Spanien.

C. striatus Emm. (Fig. 581). Cambrium. Böhmen (Paradoxides-Sch.).

[Illustration: Fig. 580. Paradoxides Bohemicus Barr. Cambrium. Böhmen.

A Schale von der Rückenseite. B Stirnumschlag (l) mit Hypostom (hy).]

[Illustration: Fig. 581. Conocephalus striatus Emm. Cambrium. Böhmen.

Bezeichnungen: k = Kopfschild; r = Rumpf; s = Schwanzschild; gl =

Glabella; sp = Spindel; sf = Seitenfurchen; nf = Nackenfurche; w, w’ =

Wangen; a = Augen; n = Gesichtsnaht; l = Randwulst; st = Wangenstachel;

f = Furchen, sp’ = Spitzen der Pleuren; x = Augenleiste.]

Ebenfalls häufig im Cambrium sind die verwandten Gattungen:

Ellipsocephalus Zenk. Glabella durch tiefe Rückenfurchen, welche

vorn winkelig zusammenlaufen, begrenzt. Gesichtsnähte fast parallel,

nahe dem Aussenrande verlaufend.

E. Hoffi Schl. sp. (Leth. pal., t. 1, Fig. 9). Böhmen

(Paradoxides-Sch.).

Sao Barr. Die eiförmige Glabella mit 3 tiefen Seitenfurchen und

einer mittleren Längsfurche, durch eine Leiste mit den sichelförmigen

Augen verbunden. Oberfläche gekörnelt. Einzige Art:

S. hirsuta Barr. (Leth. pal., t. 1, Fig. 8) im böhmischen Cambrium.

Calymene Brgt. (Fig. 582, 583). Meist langgestreckte, ovale Formen mit

breitem Kopfschild (k) und 13 Rumpfsegmenten (1-13). Gesichtsnähte (n)

an den nie gestachelten Hinterecken beginnend, nach den mittelgrossen

Augen (a) convergirend und von dort fast parallel über den Stirnrand

nach der Unterseite laufend, wo sie durch eine quere Schnauzennaht (sn)

vereinigt werden. Glabella mit deutlicher Nackenfurche und 3 kurzen

Querfurchenpaaren (sf), welche gerundete Seitenlappen abtrennen. Achse

(ax) sich langsam nach hinten verschmälernd. Schwanzschild (s) aus 6-11

Gliedern bestehend. Hypostom (hy) fast rechteckig, hinten ausgebuchtet.

Vereinzelt im Cambrium, häufig im Unter- und Obersilur, seltener im

Devon.

C. incerta Barr. Untersilur. Böhmen.

C. Tristani Brgt. Untersilur. Nordfrankreich, England.

C. senaria Conr. (Fig. 583 A). Untersilur. Nordamerika, England.

C. Blumenbachi Brgt. (Fig. 582). Selten im Unter-, sehr häufig im

Obersilur. Europa, Nordamerika, Australien. Vielleicht noch im Devon.

Als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.

C. tuberculosa Salt. (Fig. 583 B). Obersilur. England.

C. platys Green. Unterdevon. Nordamerika.

[Illustration: Fig. 582. Calymene Blumenbachi Brgt. Obersilur. Dudley.

England.]

[Illustration: Fig. 583. Calymene (eingerollt). A Längsschnitt in der

Richtung der Achse von C. senaria Conr. B C. tuberculosa Salt. mit dem

Hypostom (hy) in natürlicher Lage. Obersilur. England.

Elemente der Paläontologie · 第 233 / 606 题