Litteratur über Crustacea.
Gerstaecker, A., in Bronn’s Klassen u. Ordnungen des Thierreichs.
Bd. V. Gliederthiere. I. Crustacea; 1. Hälfte (Cirripedia, Copepoda,
Branchiopoda, Poecilopoda, Trilobitae). Leipzig 1866-1879. 2. Hälfte,
noch nicht vollendet (Isopoda, Amphipoda). 1881-1884.
Milne-Edwards, H. Histoire naturelle des Crustacés. 3 vol. Paris
1834-1840.
Da die Krebsthiere mit wenigen Ausnahmen Wasserbewohner sind,
athmen sie durchgängig mit Hülfe von Kiemen, welche Anhänge an den
Gliedmaassen des Hinter- oder Mittelleibes bilden oder im Inneren der
Kopfbrust liegen. Die Segmentirung des Körpers ist fast immer sehr
deutlich und die Anzahl der Segmente und ihrer Anhänge in der Regel
sehr beträchtlich, namentlich im Vergleich mit der geringen Zahl
der Gliedmaassen bei den Arachnoidea und Hexapoda. Die Gesammtform
des Körpers und seine Zertheilung in äusserlich erkennbare Regionen
unterliegt beträchtlichen Schwankungen in den einzelnen Ordnungen,
zumal bei Formen ohne Fortbewegungsvermögen. Der sehr häufig
entwickelte, chitinöse oder kalkige Panzer wiederholt häufig die
Segmentirung des Leibes in mehr oder weniger vollständiger Weise, oft
bildet er aber nur eine einfache oder in der Mittelebene getheilte
Platte, welche das ganze Thier oder den Vorder- und -- theilweise oder
ganz -- den Mittelleib bedeckt (Cephalothorax). Ein Theil der heut
zu Tage lebenden Krebsthiere durchläuft ein Entwickelungsstadium,
in welchem der fast immer unsegmentirte, schalenlose Körper 3 Paare
von langen Anhängen besitzt, die späteren Antennen und Mandibeln --
Nauplius-Stadium (Fig. 568). Die höher organisirten Formen dagegen
verlassen das Ei in der Form einer Larve, die als Zooea (Fig. 569)
bezeichnet wird. Dieses Stadium zeichnet sich durch den Besitz eines
meist gedornten, seitlich zusammengedrückten Cephalothoraxschildes,
einer grösseren Anzahl (7) vorderer Anhangspaare und eines
gegliederten, aber anhangslosen Abdomens aus, während die 6 letzten
Brustsegmente des Mittelleibes noch nicht geschieden sind. Eine dritte
Art des Larvenstadiums (Trilobiten-Stadium) wird nur selten beobachtet
(Fig. 570). Die Larve ist plattgedrückt, zeigt eine Dreitheilung der
Länge nach und besitzt sowohl an dem ungegliederten Kopfbrustschilde
als auch an dem segmentirten Abdomen Anhänge, die kaum oder gar nicht
seitlich über den Körper hinausragen.
[Illustration: Fig. 568. Nauplius-Larve von Balanus von der
Seite gesehen. A’ = erste Gliedmaasse (erste Antenne); A" =
zweite Gliedmaasse (zweite Antenne); Mdf = dritte Gliedmaasse
(Mandibularfuss); Ob = Oberlippe; D = Darm.]
[Illustration: Fig. 569. Zooea-Larve einer Krabbe (Thia) nach der
ersten Häutung. A’ = erste, A" = zweite Antenne; Kf’ = erster, Kf" =
zweiter Kieferfuss; ZS = Rückenstachel.]
[Illustration: Fig. 570. Trilobiten-Stadium der Larve von Limulus;
Ansicht vom Rücken. gl = Mitteltheil des Cephalothorax (Glabella); sp
= Mitteltheil des Abdomens (Spindel); pl = Seitentheile (Pleuren) des
Abdomens; a = Auge; o = Mittelaugen.]
Wegen der Festigkeit des chitinösen oder kalkigen Hautskelets und der
Lebensweise der Crustacea sind fossile Reste derselben namentlich
in den ältesten Formationen recht häufig. Der Panzer giebt zumeist
nicht die Gliederung des Körpers vollständig wieder, vielmehr ist ein
einfaches oder in der Mittellinie getheiltes Rückenschild, welches die
Segmente des Vorder- und Mittelleibes, zuweilen auch diejenigen des
Hinterleibes vollständig einhüllt, recht häufig vorhanden.
Mit Einschluss der ausgestorbenen Gruppen theilen wir die Crustacea in
folgende Ordnungen und Unterordnungen ein:
A. Palaeostraca. Mässig grosse bis sehr grosse, platte Thiere mit
widerstandsfähigem, stets segmentirtem, dreigliedrigem Panzer, der
meist auch der Länge nach dreitheilig ist. Zahl der Segmente grossen
Schwankungen unterworfen. Augen stets unbeweglich. Vor dem Munde 0-1
Anhangspaar (Antennen).
1. Trilobitae. Panzer der Länge und Quere nach dreitheilig. Anhänge
an allen Leibesregionen, kurz, nicht über die Seiten des Panzers
hinausreichend. Die letzten Segmente nicht beweglich, zu einem
(meist segmentirten) Schwanzschilde verschmolzen. Vor dem Munde
gelegene Anhänge (Antennen) fehlen.
Cambrium -- Carbon.
2. Xiphosura. Panzer der Länge und Quere nach dreitheilig. Anhänge
kurz, nicht über die Seiten des Panzers hinausreichend. Die letzten
Segmente zu einem beweglichen, anhangslosen Schwanzstachel
verschmolzen. Ein kleines präorales Antennenpaar bei den lebenden
Formen.
Silur -- Gegenwart.
3. Gigantostraca. Panzer langgestreckt; Kopfschild relativ klein;
Mittelleib aus 6 beweglichen, mit Kiemenanhängen versehenen
Segmenten, Hinterleib aus 6 anhangslosen Segmenten und einem
Endgliede bestehend. Längstheilung fehlt. Anhänge über den Körper
hinausreichend. Ein kleines präorales Antennenpaar.
Silur -- Carbon.
B. Euostraca. Kleine bis grosse, platte oder seitlich zusammengedrückte
Thiere, mit segmentirtem Körper. Zahl der Segmente und Fusspaare
zumeist constant (20). 2 präorale Fühlerpaare vorhanden. Panzer oft
nur ein ungegliedertes Kopfbruststück oder den ganzen Körper
bedeckend, zuweilen ganz fehlend. Meist Zooea-, seltener Nauplius-
Entwickelung.
4. Phyllopoda. Panzer dünnschalig, als ein einfaches oder in der
Mitte getheiltes Schild entwickelt, oder fehlend. Körper meist
gegliedert, mit wechselnder Segmentzahl. 4 oder mehr Paare von
blattförmigen Schwimmfüssen. Nauplius-Entwickelung.
Carbon -- Gegenwart.
5. Leptostraca. Panzer dünnschalig, aus einem zweiklappigen (selten
einfachen) Kopfbruststücke und meist einem unpaaren vorderen Stücke
(Rostrum) bestehend. Hinterleib segmentirt, unbeschalt; letztes
Segment stachelig zertheilt. Zahl der Segmente 22. Zooea-
Entwickelung.
Silur -- Gegenwart.
6. Malacostraca. Panzer fehlend oder quergegliedert. Meist ein
Cephalothorax vorhanden. Zahl der Segmente constant 20 (Kopf und
Brust 13, Hinterleib 6 + 1). Zooea-Entwickelung.
Devon -- Gegenwart.
C. Entomostraca. Z. Th. kleine Thiere von niedriger Organisation. Körper
oft ungegliedert oder Zahl der Segmente wechselnd. Panzer undeutlich
dreitheilig, das ganze Thier einschliessend, zweiklappig oder aus
zahlreichen, unregelmässig angeordneten Platten zusammengesetzt oder
ganz fehlend. Nauplius-Entwickelung.
7. Ostracoda. Der kleine, seitlich zusammengedrückte Körper ist ganz
von einem in der Mittelebene articulirenden, zweiklappigen Panzer
eingeschlossen (Muschelkrebse).
Cambrium -- Gegenwart.
8. Cirripedia. Festsitzende, häufig nur undeutlich gegliederte Thiere
mit meist 6 Paaren von Rankenfüssen. Ein lederartiger, chitinöser
Mantel umgiebt das Thier; derselbe enthält häufig eine geringere
oder grössere Anzahl von polygonalen Kalkstücken, die in mehreren
Längsreihen angeordnet sind.
Silur -- Gegenwart.
9. Copepoda. Meist schmarotzende, schalenlose oder häufig deutlich
segmentirte Thiere. Fossil unbekannt.
Mit Ausnahme der Copepoden kennt man alle Ordnungen im fossilen
Zustande und zwar zumeist schon seit der Silurzeit. Für die
Paläontologie und Geologie sind nur die Palaeostraca und unter diesen
besonders die Trilobiten, ferner die schalentragenden Malacostraca und
die Ostracoda von erheblicher Bedeutung.
A. Palaeostraca.
Unter diesem Namen fassen wir eine Anzahl vorwiegend paläozoischer,
aber auch noch lebend in einer Gattung vertretener Formen zusammen, die
sich von den übrigen Crustacea durch gewisse, z. Th. alterthümliche
Merkmale unterscheiden. Der Körper und der ihm nicht nur auf
der Oberseite, sondern z. Th. oder ganz auch auf der Unterseite
umschliessende Panzer zeigt eine wechselnde, aber stets deutliche
Segmentation und es heben sich 3 Leibesregionen von einander ab. Die
Anhänge sind häufig nur sehr wenig differenziert und meist kurz; in der
Regel sind nur Gehfüsse, zuweilen aber auch Schwimmfüsse entwickelt.
Der Panzer bildet auf der Unterseite des Kopfes vorn fast ausnahmslos
einen Umschlag, hinter welchem der Mund liegt. Niemals liegt mehr
als ein Paar von Anhängen vor dem Munde (Antennen). Soweit wir über
die embryologische Entwickelung unterrichtet sind, verläuft dieselbe
nicht durch ein Nauplius oder Zooea-Stadium, wie bei den übrigen
Crustacea, sondern es besitzt die Larve einen 1- oder 2gliedrigen,
mit zahlreichen, kurzen Anhängen versehenen Rückenpanzer, von dem
sich später die übrigen Segmente abgliedern (Trilobiten-Stadium). Die
älteste und gleichzeitig wichtigste Abtheilung sind die