5. Unterfam. Sepiinae.

Hierher gehören einige tertiäre und zahlreiche lebende Formen, deren

Schalen alle Merkmale der Belemnitenschale, wenn auch in veränderter

Gestalt bewahrt haben. Sie zeichnen sich durch die starke Erweiterung

der Siphonalhöhlung, durch Reduction des Rostrums und durch Verlegung

der Luftkammern auf die Rückenseite des Thieres aus. Eine eocäne

Gattung Belosepia nimmt eine Mittelstellung zwischen den Belemniten

und den jüngeren Formen ein, insofern die neuen Merkmale noch weniger

ausgeprägt sind. Am typischsten kommen diese bei der Gattung

Sepia Lmk. (Fig. 565) zum Ausdruck. Die schildförmige, schwach

bauchwärts gekrümmte Schale (»Schulp«) liegt auf der Rückenseite des

Thieres im Mantel eingeschlossen. Gegen den Rücken gesehen zeigt

die Schale das ovale, gekörnelte Rückenschild (B r’, C r’), welches

sich nach unten in einen zurückgebogenen Stachel, das Rostrum (r),

verschmälert. Eine dünne, seitlich über den Schalenrand hinausragende

(B c) Conchyolinlamelle (c) trennt das Rückenschild von der Schale

(g, g’, w). Dieser Lamelle liegt die Schalenwand (s’) direkt an. Auf

der Rückenseite ist die Schale bis zum vorderen abgerundeten Ende

verlängert (A), auf der Bauchseite ist sie verkürzt (A s’’, D s’’), so

dass der ringsum geschlossene Theil der Schalenhöhlung wenig tiefer

ist. Die Scheidewände des Phragmokons werden nur auf der Rückenseite

durch niedrige Luftkammern getrennt und durch ein zartes Balkenwerk

theilweise verkalkter Conchyolinmembranen verbunden (w); sie bilden

hier eine nach oben immer dicker und breiter werdende Masse, den sog.

Wulst (A w); gegen den Rücken zu sind sie hoch hinauf gezogen, so dass

bei einer Ansicht der Schale vom Bauche her die letzte Septalfläche

in ihrer ganzen Ausdehnung sichtbar wird (A se). Der Eingeweidesack

des Thieres hat sich in der Siphonalröhre bis zum Boden der Schale

hinabgesenkt und so den Sipho zu einer weiten Höhle (D g) umgestaltet;

die seitlichen und vor dem Sipho gelegenen Theile der Scheidewände

sind als sog. Gabel (g), welche durch Asymptotenlinien (A a) von dem

Wulst geschieden wird, fest auf einander und gegen die Schale (s’, s’’)

gedrückt. Auf der Bauchseite tritt ihr lamellärer Bau im Längsschnitt

(D g), auf den Seiten im Querschnitt (C g) deutlich hervor. Die

Scheidewände des Wulstes (E s₁-s₃) verlängern sich nach hinten zu

Septaldüten (E m), welche bis zum vorhergehenden Septum herabreichen.

Die ventrale Wand der Scheide ist häufig nach abwärts und gegen das

Rostrum zu umgeschlagen (Sepia officinalis L.). Der Stachel zeigt

im Längsschnitt (D r) den dütenförmigen Bau und die Apicallinie der

Belemnitenscheide.

[Illustration: Fig. 565. Schulp von Sepia esculenta Hoyle. Japanische

Küste. A Schale von der Bauchseite aus gesehen. B dieselbe vom Rücken

aus. C Querschnitt der Schale in ungefährer Höhe des Buchstabens s’

Fig. A. D medianer Längsschnitt des unteren Theiles der Schale. E

vergrösserte Ansicht der Bauchseite des Wulstes. r = Rostrum (in Fig. D

die Apicallinie zeigend); r’ = Rückenschild; c = die Conchyolinlamelle,

welche dasselbe von der Schale trennt; s’ = Schalenwand; s’’ = dieselbe

auf der Bauchseite; w = Wulst (dorsaler Theil der Luftkammern); se

= letzte Scheidewand; s₃-s₁ = drei successive Scheidewände von der

Siphonalhöhlung aus gesehen; m = die herabgebogenen Septaldüten; g, g’

= Gabel (seitlicher [g] und ventraler [g’] Theil der Scheidewände); a =

Grenzlinie zwischen Wulst und Gabel (Asymptotenlinie).]

Die Gattung tritt bereits im Eocän auf; eine Reihe von Arten sind

aus dem Neogen bekannt, in der heutigen Schöpfung gehört sie zu den

gemeinsten Arten und findet vielfach als Nahrungsmittel Verwendung. Der

Schulp liefert das os sepiae.

S. officinalis L. Gemein.

S. esculenta Hoyle (Fig. 565). Japanische Küste.

[Illustration: Fig. 566. Geoteuthis Bollensis Schübl. sp. Oberer Lias

(ε). Württemberg. Der vordere Theil der Schale ist nicht erhalten. m =

Mittellinie; d = Tintenbeutel; m’ = Mantelreste; h = Schalenstreifen

mit hyperbolen Linien; s = Seitenflügel.]

[Illustration: Fig. 567. Beloteuthis Schuebleri Qu. sp. Oberer Lias

(ε). Württemberg. Der Mittelkiel sowie die abgesetzten Seitenflügel

sichtbar.]

B. Chondrophora.

Die stärker reducirten Schalen der Chondrophora lassen die einzelnen

Theile der Phragmophorenschale z. Th. nicht mehr deutlich erkennen.

Eine keulenförmige Scheide ist nicht mehr vorhanden, vielmehr die

ganze Schale zu einem Blatte platt gedrückt, welches gar keine oder

nur unvollkommene Verkalkungen aufweist. Nicht selten betheiligt sich

phosphorsaurer Kalk an der Bildung derselben. Tintenbeutel (Fig. 566

d), Reste des schwach verkalkten Mantels (Fig. 566 m’) und Abdrücke des

Weichkörpers werden nicht selten mit den Schulpen zusammen gefunden.

Als Beispiele dieser fossil im Allgemeinen seltenen, aber in gewissen

Schichten des Jura (Posidonienschiefer, Solenhofener Kalk) häufig sich

findenden Abtheilung mögen erwähnt werden:

Geoteuthis Mnstr. (Fig. 566). Schale aus abwechselnden Lagen horniger

und kalkiger (Kalkphosphat) Substanz bestehend. Zwei nach hinten

convergirende Streifen mit hyperbolarer Liniirung (h) schliessen ein

dreieckiges Rückenfeld ein, auf welchem meist Tintenbeutel (d), dessen

gagatähnliche Masse noch als Tusche benutzt werden kann, und Reste

des verkalkten Mantels (m’) angetroffen werden. Eine Mittellinie (m)

durchzieht das Rückenfeld der Länge nach. Die Seitenflügel (s) zeichnen

sich durch eine nach abwärts laufende Streifung aus. Im Lias von

England und Süddeutschland nicht selten.

G. Bollensis Schübl. sp. (Fig. 566). Oberer Lias

(Posidonienschiefer). Württemberg.

Beloteuthis Mnstr. (Fig. 567). Die dünne, grösstentheils hornige,

nur wenig (phosphorsauren) Kalk enthaltende Schale ist pfeilförmig,

nach vorn zugespitzt, hinten blattförmig verbreitet. Ein Mittelkiel

durchzieht das deutlich abgegrenzte Mittelschild. Oberer Lias.

Süddeutschland.

B. Schuebleri Qu. sp. (Fig. 567). Oberer Lias (ε). Württemberg.

Etwa 8 weitere Gattungen sind aus Jura und Kreide bekannt. Die lebenden

Repräsentanten sind sehr zahlreich.

Geologische Verbreitung und Stammesgeschichte der Belemnoidea.

Der phragmophore Zweig dieser Ordnung ist in hinreichender

Vollständigkeit überliefert, um die allmähliche Umwandlung der

ursprünglich ammonoiden Schale (mit Embryonalblase und fadenförmigem,

bauchständigem Sipho) in eine innere, schulpförmige verfolgen zu

können. Die Aulacoceratinae stehen durch die weite Entfernung der Septa

und die schwach angedeutete Zurückdrängung der ventralen Schalenwand

als vermittelnde Gruppe da. Das Thier der jüngeren Belemniten war

jedenfalls schon weiter aus der Schale herausgetreten und hatte

dieselbe vom Bauche aus gegen den Rücken zu theilweise oder ganz

umwachsen. Die damit verbundene Reduction der eigentlichen Schale war

bei den Belemnoteuthinae am raschesten vor sich gegangen (schon in

der Trias); an sie dürfte sich deshalb die Mehrzahl der Chondrophora

anschliessen. Langsamer und in zweifacher Weise verkümmerte die Schale

bei den jüngeren Nachkommen der Belemniten. Die Sepiinae haben alle

Theile der Belemnitenschale, besonders das Proostracum beibehalten,

die Spirulinae dagegen erlangten den höchsten Grad der Beweglichkeit

durch vollständige Verdrängung desselben; ihre Schale wird nur noch

hinter dem Eingeweidesack erzeugt und ragt aus dem gespaltenen Mantel

heraus. Welches im einzelnen Falle die älteren Vorläufer der heutigen

Chondrophoren waren, ist noch nicht ermittelt. Die Tendenz der

gesammten Entwickelung des Belemniten-Stammes geht nach freier Bewegung

des Thieres. Dieser Vorgang vollzieht sich auf die Weise, dass das

Thier auf der Bauchseite aus der Schale heraustritt und mit dem Mantel

dieselbe umwächst. Die 2 überzähligen, im Embryo am Rücken entstehenden

und sich erst später zwischen die anderen einschiebenden (Fang-)

Arme, welche zur Bezeichnung Decapoda Veranlassung gegeben haben,

dürften naturgemäss als durch die Umwachsung der Schale hervorgerufene

Auswüchse des Mantels zu deuten sein. Wie die terrestrischen

Nacktschnecken als die höchstorganisirten Typen der Klasse angesehen

werden müssen, so stehen auch die Belemnoidea, welche auf die gleiche

Weise sich von der äusseren Schale befreit, als die vollkommensten

Cephalopoden da.

Elemente der Paläontologie · 第 230 / 606 题