8. Fam. Phylloceratidae.

Bezeichnend für diese Familie sind im Allgemeinen das Fehlen der

Berippung, die starke Einrollung der Schale, die gerundete Aussenseite

und die blatt- oder lanzettförmige Endigung der Sättel und häufig

auch der Sattelzweige. In der Regel sind 3 Seitenloben vorhanden.

Wir rechnen zu dieser Familie alle triadischen Vertreter der

Lanceolatiformes, von denen manche sich wohl als directe Vorläufer der

beiden anderen Familien herausstellen dürften. Während permische und

alttriadische Vorläufer bisher erst spärlich bekannt geworden sind,

erscheinen im Muschelkalk bereits mehrere Gattungen. Den Höhepunkt der

Entwicklung erreicht die Familie gegen das Ende der Jurazeit, wo die

Zerschlitzung der Lobenlinie den höchsten Grad der Ausbildung erreicht.

Vereinzelte Vertreter sind noch in der jüngsten Kreide vorhanden.

A. Schale stark eingerollt. Nabel sehr eng oder fehlend.

Hilfsloben zahlreich (Fig. 506-508).

Megaphyllites Mojs. (Fig. 506). Schale nur mit feiner Querstreifung,

stark gerundeter Aussenseite und wenig stark zerschlitzter Lobenlinie.

Die Sättel sind seitlich in einfache lineare Zacken zerschnitten, ihre

Enden breit blattförmig. 4 Seitenloben. Die Seiten- und z. Th. auch

die Hilfsloben endigen zweispitzig. Muschelkalk -- Karnische Stufe der

Alpen.

M. sandalinus Mojs. Oberer Muschelkalk. Nord- und Südalpen, Bosnien.

M. insectus Mojs. Norisch. Nordalpen.

M. Jarbas Mnstr. (Fig. 506). Karnisch. Nord- und Südalpen.

[Illustration: Fig. 506. Megaphyllites Jarbas Mnstr. Karnisch. St.

Cassian, Südtirol. A Schale von der Seite, B von vorn. C Lobenlinie mit

4 Seitenloben (der III. und IV. sind nicht bezeichnet).]

Phylloceras Suess (Fig. 507). Von der vorigen Gattung wesentlich nur

durch die stärkere Zerschlitzung der Lobenlinie und beträchtlichere

Windungshöhe unterschieden. Die Sättel sind tief zertheilt, auch die

Seitenäste endigen blattförmig. 3 Seitenloben vorhanden. Einschnürungen

und Varices nicht selten entwickelt. Unterer Lias -- Oberste Kreide, in

Europa in den alpinen Ablagerungen besonders häufig.

[Illustration: Fig. 507. Phylloceras heterophyllum Sow. Oberer Lias.

A England, B Schwaben. A Schale von der Seite mit eingezeichneter

Lobenlinie. B Ansicht der Septalfläche eines grossen Exemplars.

Drei Seitenloben (sl₁, sl₂, sl₃) ausserhalb der Projection des

vorhergehenden Umganges (p). Auf dem Septalumschlage (u) sehr

zahlreiche, allmählich an Grösse abnehmende Hilfsloben; die äusseren

(hl) den inneren (ihl) gegenüber und beide etwa symmetrisch zur Linie

s-s gestellt. s’ = Schale.]

a. Schale glatt, quer gestreift oder gefaltet. Die inneren

Seitensättel endigen alle einblättrig.

Ph. glaberrimum Neum. Unterster Lias. Nordalpen, Peru.

Ph. Zetes d’Orb. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.

Ph. heterophyllum Sow. (Fig. 507). Oberer Lias. Mitteleuropa.

Ph. Kudernatschi Hau. Oberer Dogger (Klaus Sch.). In der alpinen

Facies Mittel- und Südeuropas.

Ph. isotypum Ben. Kimmeridge (Acanthicus-Sch.). In der alpinen

Facies Mittel- und Südeuropas.

Ph. ptychostoma Ben. Tithon (Diphya-Kalk). In der alpinen Facies

Mittel- und Südeuropas.

Ph. infundibulum d’Orb. Neocom. Südeuropa.

Ph. Tethys d’Orb. Neocom. Südeuropa.

Ph. Velledae Mich. Gault. Südeuropa.

Ph. velledaeformis Schlüt. Turon. Norddeutschland.

[Illustration: Fig. 508. Phylloceras ptychoicum Qu. Tithon. Stramberg,

Mähren. Schale mit vollständig erhaltener Wohnkammer. Querwülste auf

der Aussenseite. ¹⁄₁.]

b. Schale mit Wülsten oder Varices (Steinkern mit Furchen). Der

erste innere Seitensattel endigt (? immer) zweiblättrig.

Ph. Nilsoni Héb. Oberer Lias. Mittel- und Südeuropa.

Ph. Manfredi Opp. Oxford. Mitteleuropa.

Ph. ptychoicum Qu. (Fig. 508). Bezeichnend für das Tithon in Mittel-

und Südeuropa.

Ph. Calypso d’Orb. Neocom. Südfrankreich.

B. Schale mässig weit genabelt, seitlich mehr oder weniger

abgeplattet. Hilfsloben wenig zahlreich.

Monophyllites Mojs. Von Megaphyllites hauptsächlich durch die

geringere Einrollung der Schale und die geringere Zahl der Hilfsloben

unterschieden. Hieran dürften sich ausser der nächsten Gattung die

Familie der Lytoceratidae anschliessen. Muschelkalk -- Karnische Stufe

der Alpen und Bosniens. Spitzbergen, Nordamerika.

M. sphaerophyllus Hau. Muschelkalk. Nord- und Südalpen, Bosnien.

M. Wengensis Klipst. Norisch. Südalpen, Bukowina.

M. Agenor Mnstr. (= Morloti Hau.). Karnisch. Nord- und Südalpen,

Bukowina.

M. Simonyi Hau. Karnisch. Nordalpen.

[Illustration: Fig. 509. Rhacophyllites tortisulcatus d’Orb. Oxford.

A, B Krim, C Schwaben. A Schale von der Seite. w = Wulst; f =

Einschnürung. B dieselbe von vorn. C die vollständige Lobenlinie.]

Rhacophyllites Zitt. (Fig. 509). Lobenlinie stärker zerschlitzt als bei

der vorigen Gattung. Die Sättel endigen in 2 oder 3 Blättern. Schale

zuweilen mit S-förmigen Wülsten und Einschnürungen. Norische Stufe --

Neocom.

Rh. neojurensis Qu. }

} Norisch. Nordalpen.

Rh. occultus Mojs. }

Rh. tortisulcatus d’Orb. (Fig. 509). Oberer Dogger -- Oberer Malm,

besonders häufig im Oxford. Mittel- und Südeuropa.

Elemente der Paläontologie · 第 207 / 606 题