2. Ordnung Ammonoidea.

Die Schalen der Ammonoidea zeichnen sich vor denen der Nautiloidea im

Allgemeinen durch die reichere Schalenverzierung, die bauchständige

Lage und geringe Weite des Siphos, durch den Besitz einer

Embryonalblase und durch stärkere Verzweigung des Hinterrandes des

Haftbandes aus. Allein je weiter man die Ammonoidea in die Vorzeit

zurück verfolgt, um so mehr treten die unterscheidenden Merkmale

in den Hintergrund, so dass die ältesten Formen kaum anders als

conventionell von den Nautiloidea getrennt werden können. Die

ältesten zu den Ammonoidea gerechneten Schalen treffen wir im Devon,

wo theils gerade, theils spiral eingerollte Formen erscheinen, die

nur durch die bauchständige Lage des fadenförmigen Sipho, durch

einen schwach entwickelten Aussenlobus und die Persistenz der

kugeligen Embryonalblase (Fig. 431 e) sich von den gleichaltrigen

Nautilidae unterscheiden. Die Lobenlinie zeigt jederseits nur einen

flachen Seitenlobus (Fig. 432 sl) und den Anfang eines (bei den

Nautilidae nur selten entwickelten) unpaaren Aussenlobus, der sich

bei grösseren Individuen bald trichterförmig vertieft. Alle übrigen

Merkmale, insbesondere die procöle Gestalt der Scheidewände, den

Trichterausschnitt und die Septaldüte haben sie mit den Nautilidae

gemein. Aber schon im Oberdevon und in der Steinkohlenformation machen

diese nautiloiden Formen echt ammonoiden Platz. Der Seitenlobus

vertieft sich, ebenso der Aussenlobus; letzterer greift sehr bald bis

hinter die Ansatzstelle des Sipho zurück und wird dadurch zweispitzig

(Fig. 433 el), indem ein Mittelsattel (ms) die beiden Enden von

einander trennt. In Folge einer stärkeren Einrollung der Schale bildet

sich ein Innenlobus (il) und die Scheidewände verlängern sich zu einem

Septalumschlag (u). Fast durchgängig kommt der Seitenlobus (sl)

ausserhalb der Projection des ersten Umgangs zu liegen (Fig. 433), nur

selten liegt er z. Th. innerhalb derselben (Fig. 434 sl). Ein innerer

Seitenlobus (isl), ausgeprägter als er bei den Nautilidae je auftritt,

liegt auf der inneren Seite des Umschlages (Fig. 433 isl, 434 isl).

Jetzt sehen wir also folgendes Schema der Lobenlinie:

Mittelebene

|

Bauch

|

Mittelsattel (ms)

Aussenlobus (el) | Aussenlobus (el)

Aussensattel (es) | Aussensattel (es)

Seitenlobus (sl) | Seitenlobus (sl)

Seitensattel (ss) | Seitensattel (ss)

-------------------------------------------Innenlobus (il)--------------Projection des vorgehenden Umganges (p)

|

Septalumschlag (u) { Innensattel (is) | Innensattel (is) } Septalumschlag (u)

{ innerer Seitenlobus (isl) | innerer Seitenlobus (isl) }

mit Nahtlobus (nl) |

oder -Sattel (ns) Rücken

|

Mittelebene

I. Paarige Loben: Seitenlobus (sl), innerer Seitenlobus (isl).

Paarige Sättel: Aussensattel (es), Seitensattel (ss), Innensattel (is).

II. Unpaare Loben: Aussenlobus (es) getheilt, Innenlobus (il).

Unpaare Sättel: Mittelsattel (ms).

[Illustration: Fig. 431. Schalenanfang von Mimoceras compressum

Beyr. Mitteldevon. Nassau. e = Embryonalblase; 1-5 die ersten fünf

Scheidewände.]

[Illustration: Fig. 432. Anarcestes subnautilinus. Mitteldevon. Nassau.

Schale von der Seite. sl = Seitenlobus.]

[Illustration: Fig. 433. Glyphioceras sphaericum Mart. Subcarbon.

Ratingen b. Düsseldorf. Schale gegen die Septalfläche gesehen.

el = Aussen-, sl = Seitenlobus; isl = innerer Seitenlobus; il =

Innenlobus; ms = Mittelsattel; es = Aussensattel; is = Innensattel; n =

Septalumschlag; si = Sipho.]

[Illustration: Fig. 434. Manticoceras primordiale Schl. Oberdevon.

Grund am Harz. p = Projection des vorhergehenden Umganges; ss =

Seitensattel; nl = Nahtlobus; die übrige Bezeichnung wie in Fig. 433.]

In den meisten Zweigen des Ammonoideen-Stammes greift aber schon im

Devon eine weitere Vermehrung der Loben Platz. An Stelle des einen

Seitenlobus treten 2 oder mehrere auf, die im Allgemeinen gegen die

Naht zu kleiner werden. Soweit dieselben ausserhalb der Projection des

vorhergehenden Umganges bleiben, heissen sie Seitenloben (sl) und zwar,

von aussen gegen innen gezählt, erster (I, sl₁), zweiter (II, sl₂) etc.

(Fig. 435), während die Loben des Umschlages als Hilfsloben [äussere

(hl) und innere (ihl)] bezeichnet werden (Fig. 436). In gleicher Weise

werden die Sättel benannt: I. Seitensattel (ss₁) [zwischen dem I. und

II. Seitenlobus] etc. Die Seiten- und Hilfsloben schieben sich im

Allgemeinen von innen, d. h. von der Naht her ein. Zuweilen vermehren

sich die Seitenloben aber sehr reichlich durch Zertheilung des

Aussensattels (Fig. 437 es). Die so entstandenen Loben zeichnen sich im

Allgemeinen durch geringere Tiefe vor den eigentlichen Seitenloben aus,

weshalb sie als Adventivloben (al), und die sie trennenden Sättel als

Adventivsättel (as) unterschieden werden. Biegt die Lobenlinie an der

Naht auf, so heisst der betr. Vorsprung Nahtsattel, biegt sie zurück,

Nahtlobus (Fig. 435 nl).

[Illustration: Fig. 435. Sporadoceras Bronni Mnstr. Oberdevon. Brilon,

Westfalen. Der äussere Theil der Lobenlinie bis zur Naht (n); mit

zwei Seitenloben (sl₁, sl₂) und zwei Seitensätteln (ss₁, ss₂); nl =

Nahtlobus; el = Aussenlobus.]

[Illustration: Fig. 436. Pharciceras tridens Sdb. Oberdevon. Nassau.

Lobenlinie mit Seiten- (sl) und äusseren Hilfsloben (hl).]

[Illustration: Fig. 437. Beloceras multilobatum Beyr. Oberdevon.

Martenberg, Waldeck. Die Lobenlinie zeigt den durch Adventivloben

zertheilten Aussensattel (es) sowie die Seiten- (sl) und Hilfsloben

(hl); ss = Seitensättel; hs = Hilfssättel.]

Die Einrollung der Schale sowie die Complication der Lobenlinie machen

sich zuerst am erwachsenen Individuum geltend und übertragen sich nach

und nach mehr oder weniger vollständig auf die inneren Windungen,

speciell auch auf die Embryonalblase; diese rollt sich zunächst spiral

ein, ihr Vorderrand besitzt aber noch keinen Vorsprung (asellates

Stadium), später aber springt die Bauchseite in der Form eines breiten

Sattels (es) vor (latisellates Stadium -- Fig. 438).

[Illustration: Fig. 438. Latisellate Embryonalblase von Glyphioceras

diadema Gf. A von der Seite, B von oben, C von vorn. es = der breite

Aussensattel; si = Sipho; n = Nabel.]

Diese ältesten, bis zum Schluss der Steinkohlenformation fast

ausschliesslich vorhandenen Formen, deren Lobenlinien zwar schon stark

ausgebuchtet, deren Sättel und Loben aber noch ganzrandig erscheinen,

hat man als Goniatiten (und Clymenien) von den jüngeren sog. Ammoniten

abgeschieden. Sie repräsentiren das älteste Entwicklungsstadium des

Ammonoidenstammes, in welchem noch viele nautiloide Charaktere,

insbesondere der Trichterausschnitt auf der Bauchseite und die davon

abhängige Rückläufigkeit der Zuwachsstreifung und Skulptur fast

durchgängig persistiren, während andere Merkmale, wie die procöle

Gestalt der Scheidewände und die Septaldüten bei den jüngeren

Goniatiten ganz allmählich verschwinden.

Das im Allgemeinen mit der Permformation beginnende Ammonitenstadium

macht sich vor allem durch eine allmählich eintretende Zerschlitzung

der Loben und Sättel bemerkbar (Fig. 440-442). Als eine Folge des

weiteren Zurückgreifens der am Haftband endigenden Muskeln muss die

opisthocöle Gestalt der Scheidewand betrachtet werden. Die Septaldüte

verschwindet allmählich und an ihre Stelle tritt ein nach vorn

gerichteter, stets sehr kurzer Septalkragen. Die Grösse der Schalen und

die Mannigfaltigkeit der Verzierungen nimmt zu. Der Trichterausschnitt

verschwindet allmählich, indem die Schale auf der Bauchseite stärker

wächst, Zuwachsstreifung und Skulptur richten sich nach vorn. Die

erste Scheidewand bleibt bei einer wenig umfangreichen, aber während

der Triaszeit dominirenden Gruppe latisellat (Fig. 438), bei allen

übrigen Ammoniten wird sie angustisellat (Fig. 439), indem die schon

an der ersten Scheidewand auftretenden Seitenloben (sl) den breiten

Aussensattel ausbuchten und ihn in einen schmalen Aussensattel (es),

und zwei Seitensättel (ss) zerlegen. Auch der innere Theil der

Lobenlinie zeigt häufig bereits Ausbuchtungen (is, il). Angustisellate

Ammoniten sind in der Trias bereits häufig, im Jura und in der Kreide

ausschliesslich vorhanden.

[Illustration: Fig. 439. Angustisellate Embryonalblase eines Ammoniten

(Coeloceras crassum Phill.) von vorn gesehen. es = der schmale

Aussensattel; ss = Seitensättel; sl₁ = Seitenlobus; n = Nabel; is =

Innensattel; il = Innenlobus: si = Sipho.]

[Illustration: Fig. 440. Eine brachyphyll zerschlitzte Lobenlinie

(Trachyceras Archelaus Lbe.). Loben und Sättel sind durch zahlreiche,

aber wenig tiefe Kerben zerschnitten.]

Die Umbildung der goniatitischen Lobenform in die zerschlitztere

ammonitische geht wesentlich auf zwei verschiedene Weisen vor sich.

Entweder verbreiten sich erst über die Loben, später auch über die

meist breitstämmigen Sättel zahlreiche, nahezu gleich tiefe Kerben

(brachyphylle Zerschlitzung Fig. 440) oder es ergreift die von den

Loben ausgehende Kerbung zunächst nur die meist verschmälerte Basis

der Sättel und spaltet einzelne Aeste davon ab, während die Endigungen

der Sättel zunächst intact und dann meist gerundet blattförmig oder

seltener spitz bleiben (phylloide Zerschlitzung -- Fig. 441). Indem nun

die Kerben immer tiefer zurückgreifen und sich verästeln, entstehen

jene zierlichen, mannigfaltig verästelten Lobenlinien, welche der

Mehrzahl der mesozoischen Ammonoidea ein ganz charakteristisches

Aussehen verleihen (Fig. 442).

[Illustration: Fig. 441. Eine phylloid zerschlitzte Lobenlinie

(Popanoceras multistriatum Gem.). Wenige, aber relativ tiefe

Einschnitte der Loben- und Sattelstämme. Die Sattelenden blattförmig.]

[Illustration: Fig. 442. Eine reich verästelte und zertheilte

Ammonitenlobenlinie (Hammatoceras Sowerbyi Mill.), durch phylloide

Zerschlitzung entstanden.]

[Illustration: Fig. 443. A Lobenlinie der ersten (I), zweiten (II)

und einer späteren (III) Scheidewand von Goniatites cf. vesica Phill.

Die erste Scheidewand zeigt nur einen Aussensattel (es), die zweite

denselben durch den Aussenlobus (el) getheilt. Später (III) entsteht

der Mittelsattel (ms). B Lobenlinie der ersten (I) und zweiten (II)

Scheidewand von Amaltheus oxynotus, den goniatitischen Charakter

zeigend. Schon auf der ersten Scheidewand ist ausser dem Aussenlobus

ein Seitensattel (ss) entwickelt.]

[Illustration: Fig. 444. Schalenanfang eines Ammoniten (Amaltheus

spinatus Brug.) bis dicht vor die Mittelebene aufgeschnitten. Das

Innere der Embryonalblase (e), der bauchständige Sipho (si) und dessen

blindsackförmige Endigung in der Embryonalblase (b) sichtbar. s₁-s₁₁

= die ersten elf Scheidewände.]

Die Entwickelung des Ammoniten-Individuums spiegelt uns deutlich

die Geschichte des Stammes wieder. Auf den inneren Windungen eines

Ammoniten mit reich zerschlitzter Lobenlinie vereinfachen sich Loben

und Sättel immer mehr, ihre Zahl nimmt ab und die ersten Scheidewände

zeigen eine goniatitische Lobenlinie (Fig. 443 B). Auf der ersten

Scheidewand (Fig. 443 B I) ist auch der Aussenlobus (el) und häufig

auch die letzte Spur der Innenloben verschwunden, ein Verhalten,

welches bei den eingerollten paläozoischen Nautilidae im erwachsenen

Zustande die Regel ist. Der beim ausgewachsenen Ammoniten stets sehr

dünne, bauchständige Sipho (Fig. 444 si) rückt bei triadischen Formen

in der Jugend zuweilen mehr oder weniger nach der Mitte oder gar

nach dem Rücken und erweitert sich gegen die Embryonalblase zu, in

deren vorderem Theile er blindsackförmig endigt (Fig. 444 b). Die in

der erwachsenen Schale stets vorhandenen Septalkragen kehren sich auf

den inneren Windungen zuweilen in Septaldüten um. Die opisthocöle

Scheidewand, die den jüngeren Goniatiten bereits zukommt, wird auf den

innersten Windungen flach und endlich procöl.

[Illustration: Fig. 445. Crioceras-Stadium der Ammonitenschale. Alle

Umgänge abgelöst, aber spiral in einer Ebene gerollt.]

[Illustration: Fig. 446. Scaphites-Stadium der Ammonitenschale.

Die inneren Umgänge eingerollt, die Wohnkammer z. Th. abgelöst und

hakenförmig umgebogen.]

Zusammenfassung der Merkmale der Schale.

Die Schale bildet in der Regel eine geschlossene, symmetrische

Spirale mit sich berührenden oder umfassenden Windungen. Die ältesten

Formen sind z. Th. gerade, oder in der Jugend noch nicht vollständig

eingerollt (Fig. 431). In verschiedenen Zweigen des Ammonoidea-Stammes

macht sich zu verschiedenen Zeiten (Trias, Jura, Kreide) die Tendenz

zum Aufgeben der geschlossen symmetrischen Spirale und zur Bildung

sogenannter Nebenformen geltend. Dieser Prozess geht in der Mehrzahl

der Fälle auf die Weise vor sich, dass zuerst die Wohnkammer sich

vom vorhergehenden Umgange abhebt und nach und nach auch die inneren

Windungen sich von einander lösen, wobei die Umgänge aber in einer

Ebene bleiben -- Crioceras-Stadium (Fig. 445). Häufig wächst die Schale

eine Strecke weit in gerader Richtung, biegt dann aber hakenförmig

um -- Ancyloceras-, Hamites-Stadium (Fig. 447) -- Scaphites-Stadium,

wenn sich die Ablösung auf die Wohnkammern beschränkt (Fig. 446).

Schliesslich entstehen ganz gestreckte Gehäuse -- Baculites-Stadium

(Fig. 448). Weit seltener ist der Fall, in welchem die Windungen aus

der Symmetrieebene heraustreten und sich nach Art einer Schneckenschale

aufrollen. wobei die Windungen entweder mit einander in Berührung

bleiben oder sich von einander ablösen -- Turrilites-Stadium (Fig.

449). Die Wohnkammer normal eingerollter Schalen weicht nicht selten

von dem gekammerten Theile durch abnormes Wachsthum ab. Dieses kommt in

einer grösseren Evolution der Wohnkammer zum Ausdruck und ist entweder

von einem knieförmigen Einknicken der Wohnkammer (geknickte Wohnkammer

-- Fig. 450) oder von einer Verschmälerung des Breiten- und einer

Vermehrung des Höhendurchmessers derselben begleitet (ausgeschnürte

Wohnkammer -- Fig. 451).

[Illustration: Fig. 447. Hamites-Stadium der Ammonitenschale. Alle

Umgänge gerade gestreckt, aber periodisch umgeknickt.]

[Illustration: Fig. 448. Baculites-Stadium der Ammonitenschale. Schale

stabförmig gerade.]

[Illustration: Fig. 449. Turrilites-Stadium der Ammonitenschale.

Die Umgänge berühren sich, sind aber nach Art der Schneckenschale

aufgerollt.]

Die Länge der Wohnkammer ist im Allgemeinen viel beträchtlicher als bei

den Nautilidae. Durchschnittlich beträgt sie ½-¾ Umgang, in einigen

Familien aber bis 1½ Umgänge. Der Rand der Wohnkammer ist selten

gerade abgestutzt, vielmehr zeigt sich bei den meisten paläozoischen

Formen ein Ausschnitt auf der Bauchseite (Trichterausschnitt), bei

den jüngeren Formen aber ein gerader, zuweilen auch hornförmig

zurückgekrümmter Fortsatz (Trichterfortsatz), welcher vom Trichter

gebildet wurde. Seitliche Vorsprünge des Mundrandes -- Ohren --

(Fig. 450 o) erscheinen periodisch in manchen Gruppen. Sie können

sich löffelartig verbreitern, nach innen umbiegen (Fig. 450 B) und

bis auf den vorhergehenden Umgang hinabreichen, so dass nur wenige,

deutlich begrenzte Oeffnungen der Mündung übrig bleiben (Fig. 450).

Die medianen, unpaaren entsprechen wohl der Lage des Trichters (m),

des Mundes und der kleinen Kopfanhänge (m’), die paarigen seitlichen

in der Nähe der Bauchseite der der Augen (e) und die der Rückenseite

den stärkeren Rückenarmen (i). Diese seitlichen Vorsprünge des

Mundrandes wurden in gewissen Ruhezuständen von der Epidermis des

Kopfes erzeugt. In dieselbe Kategorie der Kopfschalenbildungen sind die

sog. Runzelschichten zu zählen, die als discontinuirliche Auflagerungen

in der Form welliger Längs- oder Querstreifen vor der Mündung auf dem

letzten Umgange, in der Schale dagegen als Kalklamellen mit vertieften

Eindrücken erscheinen. Sie wurden wie beim lebenden Nautilus zusammen

mit eingeschrumpfter, brauner Conchyolinmasse dort abgelagert, wo

der Kopf des Thieres einige Zeit mit der Schale in Berührung blieb.

Wulstartig verdickte und dann meist abgestutzte Mundränder (varices --

Fig. 451 A v) treten häufig auf. Werden dieselben beim Weiterwachsen

des Thieres nicht vollständig resorbirt -- was bei unverzierten Schalen

häufig geschieht --, so sind sie entweder nur auf dem Steinkern als

Furchen, oder aber auch auf der Schale als Wulst und Furchen sichtbar

(Fig. 452). Nicht verdickte, sondern nur verengte Mundränder markiren

sich als Einschnürung in gleicher Weise auf Schale und Steinkern (Fig.

453). Soweit das Thier dem vorhergehenden Umgang anlag, wurde in der

Regel kein ostracum gebildet, so dass die innere Wand der Wohnkammer,

von der Perlmutterlage abgesehen, meist fehlt.

[Illustration: Fig. 450. Haploceras Cadomense d’Orb. Mittlerer Dogger,

Bayeux, Calvados. Schale mit geknickter Wohnkammer. Mündung durch

Seitenohren (o) z. Th. geschlossen. m = Trichterausschnitt; m’ =

Mundausschnitt; e = äussere seitliche, i = innere seitliche Oeffnungen.]

[Illustration: Fig. 451. Stephanoceras (Sphaeroceras) microcrostoma

Unt. Callovien. Schwaben. A Schale mit ausgeschnürter Wohnkammer.

Mündung mit erhaltenem Rande (mr); c = innerer Seitenausschnitt

desselben; wu = Mündungswulst. B Schalenquerschnitt, um die Verengerung

des Nabels (n) und die Zurundung der Wohnkammer (w) zu zeigen.]

[Illustration: Fig. 452. Eine Ammonitenschale mit stehengebliebenen

Mundwülsten (varices -- v). A von der Seite, B von hinten.]

[Illustration: Fig. 453. Eine Ammonitenschale mit stehengebliebenen

Mundrand-Einschnürungen (f). A von der Seite, B von vorn.]

[Illustration: Fig. 454. A Ansicht der Septalfläche und B der

abgewickelten Lobenlinie von Lytoceras fimbriatum Sow. Es sind nur die

6 Fundamentalloben (el, sl₁, sl₁, sl₂, sl₂, il) entwickelt. Der zweite

Seitensattel (ss₂) ist wie der erste (ss₁) in der Mitte getheilt (x).

Hilfsloben fehlen.]

Die Entstehung der komplizirten Lobenlinie der jüngeren Ammonoidea

wurde oben bereits geschildert. Bei der hohen Wichtigkeit, welche

dieselbe für die Systematik besitzt, muss die verschiedenartige

Ausbildung derselben noch etwas eingehender besprochen werden. Die

Lobenlinie der jüngeren Ammoniten setzt sich aus sechs Fundamentalloben

und der gleichen Anzahl von Sätteln -- abgesehen vom Mediansattel

-- zusammen. Die Loben entsprechen, vielleicht mit Ausnahme des

Innenlobus, den Endigungen von Muskelbündeln am Hinterrande des

Haftbandes, zwischen welchen die ebenfalls muskulösen Theile des

Haftbandes als Sättel vorspringen. Der Innenlobus dürfte in ähnlicher

Weise wie bei den Nautilidae nur durch ein Zurückbleiben des dorsalen

Theiles des Weichkörpers infolge der exogastrischen Einrollung

entstanden sein. Die Sechszahl der Loben findet sich bei einer Anzahl

Goniatiten und bei allen Ammoniten, deren Windungen sich nicht

umfassen, einerlei ob sie sich berühren oder nicht (Fig. 454). [Man

bringt die Lobenlinie gewöhnlich zur bildlichen Darstellung, indem

man sich dieselbe abgerollt und ausgebreitet denkt. Da sie sich mit

seltenen Ausnahmen aus zwei symmetrischen Stücken zusammensetzt,

genügt die Darstellung der einen Hälfte (Fig. 454 B)]. Das Auftreten

von Hilfsloben steht im Zusammenhange mit der Involution der Schale.

Wenn die Umgänge sich nicht umfassen (Fig. 454 A), sind nur die 6

Fundamentalloben vorhanden und dieselben sind nicht nur symmetrisch

nach der Symmetrieebene der Schale, sondern auch fast symmetrisch

nach einer dazu senkrechten Querebene (s-s) angeordnet. Der zweite

Seitensattel (ss₂) ist gleichzeitig Innensattel. Sobald aber die

Windungen sich seitlich etwas umfassen, verbreitert sich der zweite

Seitensattel (Fig. 455 A ss₂) und wird durch einen Hilfslobus getheilt

(A y, B hl). Jetzt scheidet ein Nahtlobus (hl) den eigentlichen

zweiten Seitensattel (Fig. 455 B ss₂) von dem Innensattel (is); der

eine Ast des Nahtlobus liegt ausserhalb, der andere innerhalb der Naht

(n). Der kleinere, äussere Einschnitt des zweiten Seitensattels wird

entsprechend dem Einschnitte Fig. 455 A noch nicht als Hilfslobus

gezählt, sondern als ein Theil des zweiten Seitensattels betrachtet; er

ist auch noch nicht ganz auf den Septalumschlag gerückt.

[Illustration: Fig. 455. A Ansicht der Septalfläche und B der

abgewickelten Lobenlinie von Arietites Bucklandi Sow. Der zweite

Seitensattel (A ss₂) ist durch zwei Einschnitte (x, y) getheilt; der

innere derselben (y) theilt als Hilfslobus (B hl) einen Innensattel

(is) vom zweitheiligen zweiten Seitensattel ab.]

Die Zahl der Hilfsloben nimmt bei hochmündigen Schalen im Allgemeinen

um so stärker zu, je mehr sich die Windungen umfassen (Fig. 456, 457).

Es zeigen in diesem Falle die äusseren Hilfsloben (hl) und -sättel

(hs) das Bestreben, sich den inneren (ihl, ihs) gegenüber und beide

sich symmetrisch zu einer Linie zu stellen, welche den Septalumschlag

(u) jederseits der Länge nach theilt (s-s). Bei sehr niedrigmündigen

und breiten Schalen (Fig. 459) dagegen ordnen sich die Loben derart

an, dass die seitlichen Fundamentalloben (sl₁, sl₂) sich den stark

entwickelten inneren Hilfsloben (isl) gegenüber und beide symmetrisch

zu einer Linie (s-s) stellen, welche dem Schalenumfange parallel läuft;

die äusseren Hilfsloben (hl) bleiben dann häufig klein. Adventive

Elemente (al, as) treten bei Schalen mit spitz dreieckigem Querschnitte

auf (Fig. 457); sie entstehen durch Zerspaltung des Aussensattels;

ihre Unterscheidung von den Fundamentalloben ist dann schwierig und

unsicher, wenn sie dieselbe Zertheilung und Tiefe erlangen, wie diese

(Fig. 457).

Wenn der zweite Seitenlobus (Fig. 458 sl₂) an Grösse hinter dem ersten

(sl₁) beträchtlich zurückbleibt, dadurch den Charakter eines Hilfslobus

annimmt und der Septalumschlag weit nach hinten zurückgeschlagen ist

(Fig. 458), so fasst man den zweiten Seitenlobus und die äusseren

Hilfsloben unter der Bezeichnung Suspensivlobus zusammen.

[Illustration: Fig. 456. Septalfläche von Phylloceras heterophyllum

Sow. Die Loben sind überzählig, d. h. drei Hauptloben (sl₁-sl₃) stehen

ausserhalb der Projectionsebene des vorhergehenden Umganges (p).

Auf dem Septalumschlage (u) zahlreiche äussere (hl, hs) und innere

(ihl, ihs) Hilfsloben und -Sättel, welche sich ungefähr symmetrisch

zur Mittellinie des Umschlages (s-s) stellen; s’ = Schale des

vorhergehenden Umganges.]

[Illustration: Fig. 457. Septalfläche von Placenticeras placenta Dek.

Loben vollzählig [2 Seitenloben (sl₁, sl₂) ausserhalb der Projection

des vorhergehenden Umganges] mit adventiven Elementen [2 Adventivloben

(al₁, al₂)].]

[Illustration: Fig. 458. Septalfläche von Perisphinctes funatus Opp.

Loben vollzählig (sl₁, sl₂), aber der zweite Seitenlobus ist stark

reducirt und liegt mitsammt den Hilfsloben (hl) auf einer stark

zurückgeschlagenen Fläche des Septums -- Suspensivlobus.]

In der Regel liegen bei den Ammoniten der Trias, des Jura und

der Kreide 2 sog. Hauptloben, nämlich der I. und II. Seitenlobus

ausserhalb der Projection des vorhergehenden Umgangs und die Hilfsloben

beschränken sich auf den Septalumschlag (Fig. 458). Wir nennen in

diesem Falle die Loben vollzählig, bei gleichzeitigem Auftreten von

Adventivloben (Fig. 457 al), vollzählig mit adventiven Elementen.

Rücken noch weitere Loben vom Septalumschlage auf die Fläche ausserhalb

der Projectionslinie (Fig. 456 sl₃), so heissen sie überzählig; steht

der zweite Seitenlobus dagegen auf dem Umschlage (Fig. 459 sl₂), so

heissen sie unterzählig.

Die Form der Loben und der Sättel unterliegt mannigfachen

Veränderungen. Folgende Typen der Lobenlinie sind im goniatitischen

Stadium deutlich ausgeprägt und erhalten sich z. Th. noch im

ammonitischen:

1. Die Sättel sind an der Basis breit und verschmälern sich nach der

Spitze zu gleichmässig. Die Loben endigen spitz und sind zahlreich; die

Zerschlitzung ist phylloid -- serratiforme Loben (Fig. 460).

[Illustration: Fig. 459. Septalfläche eines niedrigmündigen Ammoniten

(Sphaeroceras bullatum d’Orb.). Die Loben sind unterzählig; sl₂

innerhalb der Projection des vorhergehenden Umganges (p). Die

Hauptloben (sl₁, sl₂) stehen den inneren Hilfsloben (ihl) gegenüber;

die äusseren Hilfsloben (hl) sind wenig ausgeprägt. ¹⁄₁.]

[Illustration: Fig. 460. Serratiforme Lobenlinie im Beginn der

ammonitischen Zerschlitzung (Meddlicottia Trautscholdi Gem.).]

2. Die Sättel sind an der Basis breit, an der Spitze gerundet und

zertheilen sich brachyphyll. Die Loben endigen breit, zungenförmig --

linguatiforme Loben (Fig. 461).

[Illustration: Fig. 461. Linguatiforme Lobenlinie. A im goniatitischen,

B im ammonitischen Stadium (A = Pharciceras tridens Sdb., B = Ptychites

gibbus Ben.).]

[Illustration: Fig. 462. Lanceolatiforme Lobenlinie. A im

goniatitischen Stadium mit beginnender Zertheilung des ersten

Seitenlobus (sl₁), B im ammonitischen Stadium (A = Pronorites

cyclolobus Phill., B = Megaphyllites Jarbas Mnstr.).]

3. Die Sättel sind an der Basis verschmälert, an der Spitze verbreitert

und zertheilen sich phylloid -- lanceolatiforme Loben (Fig. 462).

Der Sipho liegt bei allen erwachsenen Goniatiten und Ammoniten der

Bauchseite der Schale dicht an, in der Jugend schwankt seine Lage

oft, er kann sogar dorsal zu liegen kommen; letztere Lage wird bei

einer Goniatitengruppe, den sog. Clymenien, persistent (Fig. 479).

Nur bei diesen umgeben die Septaldüten den Sipho zuweilen bis zur

vorhergehenden Scheidewand, sonst sind sie bei den Goniatiten kurz;

bei den Ammoniten treten kurze Septalkragen auf und der Sipho selbst

scheidet eine dünne, kalkige Siphonalscheide aus.

Die Schalen der Ammonoidea zeichnen sich vor denen der Nautiloidea

im Allgemeinen durch reichere Verzierungen aus. Die Goniatiten

besitzen meist nur eine auf der Bauchseite nach rückwärts eingebogene

Zuwachsstreifung, seltener ausgeprägte Rippen. Bei den Ammoniten

verschwindet der Trichterausschnitt und mit ihm die Rückläufigkeit

der Zuwachsstreifung auf der Bauchseite. Meist richtet sich letztere

vielmehr nach vorn und die mit der Zuwachsstreifung parallel

verlaufenden Querrippen sind gegen aussen nach vorn vorgezogen oder

das stärkere Wachsthum der Bauchseite bedingt eine Zertheilung der

einfachen Rippen in Spaltrippen. Die Rippen erheben sich häufig auf

der Seitenfläche, seltener auf der Aussenseite der Schale zu Knoten

oder Stacheln. Eine Längsberippung in der Form spiraler Streifen oder

Knotenreihen tritt zuweilen an die Stelle der Querrippen. Auf der

Bauchseite ist die Berippung oft unterbrochen, indem (bei hochmündigen

Formen) die Bauchseite sich kielartig zuschärft oder (besonders bei

niedrigermündigen Schalen) die Rippen vor der Bauchseite plötzlich

abbrechen und eine Aussenfurche erscheint. Der Bauchkiel heisst

voll (Schalenkiel), wenn derselbe auch im gekammerten Theile der

Schale nicht von den Luftkammern getrennt ist; wenn dagegen mit

der Bildung der Scheidewände eine spirale Lamelle entsteht, welche

den Kielraum vom Luftkammerraume sondert, so spricht man von einem

Hohlkiel (Septalkiel). Im ersteren Falle ist der Kiel auch auf dem

Steinkern vorhanden, im letzteren nicht. Gewissen Gruppen fehlt eine

ausgesprochene Querberippung, sie heissen glattschalig (leiostrak) im

Gegensatz zu den deutlich berippten, rauhschaligen (trachyostraken).

Die glattschaligen Formen sind im Allgemeinen die geologisch älteren

und die rauhschaligen bilden sich -- oft sehr rasch (Amaltheus

margaritatus Brug. -- costatus Brug.) -- aus denselben heraus. Die

meisten glattschaligen werden -- soweit sie nicht aussterben -- im

Laufe der Stammesentwickelung rauhschalig, und mit diesem Vorgange geht

eine Veränderung der Einrollung Hand in Hand. Die sog. Runzelschichten

vor der Mündung trifft man nur bei leiostraken oder schwach

trachyostraken Schalen.

Aptychus.

Mit den Schalen der Ammonoidea zusammen finden sich namentlich im Jura

und in der Kreide zweiklappige Schalenstücke, die den Namen Aptychus

erhalten haben. Bei günstiger Erhaltung liegen sie in der Wohnkammer

der Ammoniten und zwar nicht selten an einer bestimmten Stelle

derselben, nämlich im hinteren Theil des vorderen Drittels, hart an der

Bauchseite der Schale (Fig. 463, 466 an). Der Umstand, dass bestimmten

Ammoniten-Gattungen und -Arten bestimmte Aptychen zukommen, beweist,

dass sie dem Ammonitenthiere angehörten, und, da sie in der Regel von

ihrer ursprünglichen Stelle in der Wohnkammer entfernt (Fig. 464),

meist sogar von der Schale überhaupt getrennt gefunden werden, müssen

wir annehmen, dass sie beim Verwesen des Thieres leicht ausfaulten.

Die Aptychen bestehen aus zwei symmetrischen, convex-concaven

Kalkstücken von annähernd dreiseitigem Umriss (Fig. 464 ap, 465 B).

Der Vorderrand ist flach gerundet oder ausgebuchtet, der innere Rand

gerade und der äussere meist stark gerundet. Längs des Innenrandes

stossen die beiden Stücke aneinander und liegen so symmetrisch zu der

sog. Harmonielinie (Fig. 468 h-h). Die oft verzierte Oberfläche ist

mehr oder weniger gewölbt, sowohl senkrecht zur Harmonielinie als

auch parallel derselben (Fig. 465). Die äussere Wölbung der beiden

Klappen in ihrer normalen Lage entspricht im Allgemeinen der Wölbung

der Bauchseite beziehungsweise der Flanke der Schale, zu welcher sie

gehören -- wenn man sich die Harmonielinie mit der Mittelebene der

Schale zusammenfallend denkt (Fig. 463, 465 A, C). Die Innenseite ist

ausgehöhlt und meist mit feinen, am Wirbel beginnenden, concentrischen

Streifen versehen, die in der Nähe der Harmonielinie etwas aufbiegen

und dort noch von schräg nach hinten laufenden, welligen Streifen

gekreuzt werden (Fig. 467 A).

[Illustration: Fig. 463. Eine Ammonitenschale (Aspidoceras

circumspinosum Opp.), in deren Wohnkammer sich der Aptychus in seiner

natürlichen Lage befindet. Nur die eine Hälfte des Aptychus ist ganz

sichtbar. ⅓.]

[Illustration: Fig. 464. Eine plattgedrückte Ammonitenschale (Oppelia

steraspis Opp.) mit vollständig erhaltener Wohnkammer; in derselben der

aufgeklappte Aptychus (ap) aus seiner natürlichen Lage entfernt, von

der Innenseite.]

[Illustration: Fig. 465. A Querschnitt der Wohnkammer eines Ammoniten

(Cosmoceras Garanti d’Orb.). C Querschnitt des in der Wohnkammer

gefundenen Aptychus. B derselbe von der Bauchseite gesehen. h-h =

Harmonielinie.]

[Illustration: Fig. 466. A eine Ammonitenschale (Psiloceras planorbis

Sow.) mit dem Anaptychus in natürlicher Lage (an). Der Aptychus selbst

ist nicht erhalten. e = Einschnürung der Mündung; s = Schale. B

Schalenquerschnitt.]

[Illustration: Fig. 467. A-C Aptychus von Aspidoceras. Kimmeridge.

Le Havre. B eine Klappe gegen die gewölbte Bauchseite gesehen; die

Oberfläche punktirt. A dieselbe gegen die hohle Innenseite, die

concentrische Streifung zeigend. vr = Vorderrand; h-h = Harmonielinie.

C Innenrand derselben. f =? Ligamentfurche; e = äussere dichtere Lage

des Aptychus. D Querschnitt eines Aptychus von Aspidoceras. Oberer

Malm. Solenhofen. (Der Schnitt ist in der Richtung s-s -- Fig. A

gedacht.) Die Kalklamellen drängen sich an der Oberfläche (e und

e’) zu einer dichten Aussenschicht zusammen, während sie nach innen

bogenförmig auseinander weichen (i); f =? Bandfurche; l = dichte

Lamelle der Innenseite.]

[Illustration: Fig. 468. Aptychus von Haploceras. Neocom. Chalançon,

Dép. du Drôme. A rechte Klappe von der Seite gesehen. k = schräg nach

hinten verlaufende Kante. B beide Klappen gegen die Bauchseite gesehen

(Vorderrand nach unten gekehrt). h-h = Harmonielinie; f =? Bandfurche.

C Querschnitt einer Klappe nach der Linie s-s -- Fig. A. r = Rippen; f

=? Bandfurche.]

Der Innenseite des Aptychus liegt wohl immer eine einfache oder

in der Harmonielinie getheilte, häufig durch Verwesung entfernte

Conchyolinplatte an (sog. Anaptychus -- Fig. 466 an), welche

vermöge ihrer Elasticität wahrscheinlich die Rolle des Bandes der

Lamellibranchiatenschale spielte. Sie wird nicht selten isolirt vom

Aptychus gefunden. Ausserdem besitzen manche Aptychen an der der

Harmonielinie zugekehrten Seite eine vielleicht zur Aufnahme eines

Bandes dienende Furche (Fig. 467 f, 468 f).

Die Aptychen bestehen, von der Conchyolinunterlage abgesehen, aus

kohlensaurem Kalk; aber die Structur ist nicht compact wie bei der

äusseren Schale, vielmehr wächst der Aptychus durch Aufeinanderlagerung

zahlreicher, poröser Kalklamellen (Fig. 467 D) an der Aussen- (Convex-)

Seite, die durch Querpfeiler oder Platten mit einander verbunden sind.

Im Querschnitt erscheint die Masse deshalb zellig (Fig. 467 D). Auf

der Oberfläche zeigt sich der Zuwachs der Kalklamellen entweder durch

Streifen oder Rippen (Fig. 468 C r), welche sich ungefähr concentrisch

um den Wirbel herum anlagern, oder durch die weniger regelmässig

concentrisch angeordneten Enden der Querpfeiler. Nur selten ist die

Oberfläche glatt (Fig. 467 B). Durch Zusammendrängung der Kalklamellen

entsteht auf der Oberfläche, namentlich in der Nähe des Wirbels, eine

dichtere Aussenschicht (Fig. 467 e), durch Auseinanderweichen derselben

(i) gegen innen und den Aussenrand verdickt sich der Aptychus oft

beträchtlich (sog. kalkige Aptychen). Die Innenseite wird von einer

dichten Kalklage (Fig. 467 D l) gebildet.

Echte Aptychen haben sich bis jetzt nur bei jurassischen und

cretacischen Ammoniten aus der Familie der Aegoceratidae (? auch bei

Lytoceratiden) gefunden, aber Anaptychen hat man auch bei jurassischen

Amaltheen beobachtet. Ferner kennt man aus paläozoischen Formationen

dünne, mit Goniatiten zusammengefundene Hornplatten, welche der

Conchyolinunterlage der Aptychen sehr ähnlich sind. Ob dieselben als

Deckel oder Anaptychen oder gar als Krebsreste zu deuten sind, steht

noch nicht fest. Es lassen sich die Aptychen unter Ausscheidung einiger

noch unvollkommen bekannter Funde nach ihrer Oberflächenverzierung in

zwei Gruppen bringen:

1. Gefaltete Aptychen. Der Zuwachs auf der Oberfläche durch

concentrische Rippen und Furchen bezeichnet. Bei der Abtheilung der

Carinati in der Familie der Aegoceratidae (Fig. 468).

2. Ungefaltete Aptychen. Oberfläche ohne concentrische Rippen und

Furchen, gekörnelt oder glatt. Bei der Abtheilung der Annulati in der

Familie der Aegoceratidae (Fig. 467).

Von den sehr verschiedenen Deutungen, die der Aptychus erfahren hat,

möge nur diejenige als vollberechtigt erwähnt werden, welche der

Lage des Aptychus auf der Bauchseite des Thieres und symmetrisch

zur Mittelebene desselben, seiner der Schalenwölbung entsprechenden

Convexität und seiner eigenartigen Structur Rechnung trägt. Letztere,

sowie der Umstand, dass die Aptychen zuweilen geschrumpft erscheinen,

sprechen dafür, dass der Aptychus ein verkalktes Knorpelpaar

repräsentirt, an dessen Innenseite starke Muskeln inserirten.

Das Wachsthum der dickeren Aptychen, sowohl der gefalteten als

der ungefalteten, zeigt, dass sich die Wölbung der Aussenseite

derjenigen der Schale jederzeit anzupassen versuchte. Die normale

Lage des Aptychus in der Wohnkammer entspricht der Trichterbasis des

Thieres. Bei Nautilus heften sich die Trichtermuskeln an ein mit

dem Kopfknorpel verbundenes unverkalktes Knorpelpaar, und bei vielen

lebenden Decapoden und Octopoden finden sich gleichfalls symmetrisch

zur Mittelebene des Thieres gestellte Knorpel, an welchen die

Herabzieher des Trichters inseriren. Es kann als sehr wahrscheinlich

angenommen werden, dass die Aptychen eine ähnliche Bedeutung für das

Ammonitenthier besassen, jedoch mit dem Unterschied, dass sie weder

mit dem Kopfskelet verbunden waren, wie bei Nautilus, noch weit von

einander getrennt, wie bei den lebenden Dibranchiaten, sondern einander

genähert und durch eine elastische Conchyolinplatte vereinigt, und

dass sie mehr oder minder stark verkalkten. Der Anaptychus erlaubt

die Vermuthung, dass die Trichterhälften derjenigen Ammoniten,

welche einen Aptychus führten, bereits eine Verwachsung eingegangen

waren, ein Vorgang, der bei den lebenden Ammonoidea und Belemnoidea

entwickelungsgeschichtlich noch nachweisbar ist. Dass die Aptychen

nicht dieselbe Beschaffenheit besassen, wie die äussere Schale, beweist

auch der Umstand, dass sie zuweilen massenhaft in Schichten angetroffen

werden (sog. Aptychenkalke des oberen Malm und der unteren Kreide), in

denen die Schalen ganz oder bis auf schattenhafte Umrisse aufgelöst

wurden.

Elemente der Paläontologie · 第 193 / 606 题