2. Fam. Nautilidae.

Die zu dieser Familie gezogenen Gattungen zeichnen sich durch Schalen

aus, deren Luftkammern, von späteren Wachsthumsstadien abgesehen

(vergl. Ascoceras p. 363), ausschliesslich hinter dem Wohnraume des

Thieres gebildet werden, wie bei dem lebenden Nautilus. In den älteren

Formationen sind die Schalen vorwiegend gerade, Endoceras-ähnlich

(Orthoceras -- Fig. 416-418), oder schwach gekrümmt (Cyrtoceras --

Fig. 421), auch wohl locker spiral eingerollt, ohne dass die Umgänge

sich berühren (Gyroceras -- Fig. 407); bereits im Untersilur finden

sich aber Formen mit geschlossener spiraler Aufrollung (Trocholites)

und solche, welche beim späteren Wachsthum die geschlossene Spirale

verlassen und sich wieder gerade strecken (Lituites -- Fig. 429).

Nur ausnahmsweise gehen die Umgänge aus der Aufrollungsebene heraus

und bilden schneckenartige, in stets wechselnder Ebene aufgerollte

Gehäuse. Mit dem Ende des paläozoischen Zeitalters treten Schalen mit

nicht spiral gerollten und einander anliegenden Windungen sehr zurück;

die letzten finden sich in der Trias. Nur die gebogenen oder schwach

gerollten Formen winden sich bald nach der Rückenseite (exogastrisch),

bald nach der Bauchseite (endogastrisch) auf, die vollständige

Spiraleinrollung ist stets exogastrisch wie beim lebenden Nautilus.

Die Lage der Bauchseite lässt sich bei nicht völlig eingerollten

Schalen mit Sicherheit nur an dem Trichterausschnitt der Mündung

und dem dadurch hervorgerufenen Rückwärtsbiegen der Zuwachsstreifen

feststellen, da der Sipho eine wechselnde Lage besitzt.

[Illustration: Fig. 408. Abgewickelte Lobenlinie von Lituites

lituus Mtf. s = Mittelebene; ds = Innen-(Dorsal-)Sattel; es =

Aussen-(Ventral-) Sattel; sl₁ = erster Seitenlobus; sl₂ = zweiter

Seitenlobus; ss = Seitensattel; R = Rücken-, B = Bauchseite.]

[Illustration: Fig. 409. Nautilus Geinitzi Pict. Oberer Malm

(Tithon). Stramberg, Mähren. A Steinkern von der Seite, B von vorn. C

abgewickelte Lobenlinie. s = Symmetrieebene der Schale; si = Sipho;

n = Naht; p = Projectionslinie des vorhergehenden Umganges; u =

Septalverlängerung; el = Aussenlobus; es = Aussensattel (getheilt);

sl₁ = erster Seitenlobus; sl₂ = zweiter Seitenlobus; isl = innerer

Seitenlobus; ss = Seitensattel; ns = Nahtsattel; il = Innenlobus; is =

Innensattel; B = Rücken-, R = Bauchseite.]

Die Embryonalblase ist -- vielleicht mit Ausnahme einiger silurischer

Formen -- von den Nautiloidea abgestossen worden, so dass die Schale

im Allgemeinen mit der ersten Luftkammer beginnt, welche an ihrer

stumpf-kegelförmigen oder napfartigen Gestalt, sowie auch an einer

Narbe am hinteren Ende kenntlich wird (Fig. 399); die späteren

Luftkammern weichen nicht wesentlich von der Anfangskammer ab. Bei den

geraden oder nur schwach eingerollten Formen stellen die Scheidewände

einfache procöle Querwände dar, die sich längs einer einfachen oder

schwach wellenförmigen Lobenlinie an die Schale anlegen (Fig. 407 A

s). Die Vor- und Rückbiegungen derselben (Sättel und Loben) sind nur

wenig ausgeprägt, zumal an den älteren Scheidewänden. Man unterscheidet

zumeist nur ein Paar seitlicher, flacher Loben, Seitenloben (Fig. 408

sl₁), den Endigungen der Schalenmuskeln entsprechend, in seltenen

Fällen aber noch ein zweites Paar der Rückenseite genäherter

Seitenloben (Fig. 408 sl₂). Zwischen den Loben erscheint die Lobenlinie

vorgebogen, auf der Bauchseite als unpaarer Aussen- oder Externsattel

(Fig. 408 es), auf der Rückenseite in seltenen Fällen als ebenfalls

unpaarer Innen- oder Internsattel (Fig. 408 ds), event. zwischen den

beiden Seitenloben jederseits als Seitensattel (Fig. 408 ss). Bei den

Formen mit vollständig spiraler Einrollung entsteht wohl infolge des

verlangsamten Vorrückens des Thieres auf der Concavseite ein Dorsal-

oder Innenlobus (Fig. 409 il), wogegen die Bauch- oder Externseite

in der Regel durch einen breiten Sattel sich auszeichnet, der nur

in seltenen Fällen durch einen wenig tiefen Aussenlobus (Fig. 409

el) getheilt wird. Niemals greift dieser letztere so weit rückwärts,

dass die Scheidewand in der Medianebene vollständig convex würde.

Wenn die Umgänge der Schale sich nicht allein berühren, sondern auch

seitlich umfassen, dann verlängern sich naturgemäss die Scheidewand

und die Lobenlinie über die Projection des vorhergehenden Umganges

(Fig. 409) hinaus gegen die Windungsachse zu. Die Septalverlängerung

ist dann häufig etwas vor oder zurück geschlagen im Vergleich zu der

Septalfläche (Septalumschlag -- u). Die äussere Berührungslinie mit

dem vorhergehenden Umgange heisst die Naht (n). Werden die früheren

Umgänge ganz oder fast ganz verhüllt, so nennt man die Schale involut

(Fig. 409 A), bleiben sie zum grössten Theile oder ganz sichtbar

(Fig. 412), so heisst die Schale evolut und der offene Raum wird als

Nabel bezeichnet. Die Lobenlinie erhebt sich an der Naht häufig zu

einem Sattel (Nahtsattel -- Fig. 409 ns) oder sie senkt sich zu einem

Nahtlobus herab. Der erste meist allein vorhandene Seitenlobus (sl₁)

liegt ausserhalb der Projection des vorletzten Umganges (p), der zweite

viel kleinere (sl₂) kommt, wenn er überhaupt entwickelt ist, auf den

Umschlag (u) zu liegen. Nur in sehr seltenen Fällen tritt auch auf der

Innenseite des Umschlages ein kleiner innerer Seitenlobus (isl) auf

und ebenso selten schiebt sich zwischen dem ersten Seitenlobus und

dem Aussensattel ein sog. Adventivlobus ein. Niemals aber zeigen die

Loben oder Sättel feinere Einschnitte, wie sie für die Lobenlinie der

meisten Ammonoidea so sehr bezeichnend sind. Wir erhalten demnach als

complicirtestes Schema für die Vertheilung der Loben bei involuten

Nautiloidea das folgende (die nur gelegentlich auftretenden Loben sind

eingeklammert):

Mittelebene

|

Aussen- oder Bauchseite

|

Aussensattel

(Aussenlobus)

|

(Adventivlobus) | (Adventivlobus)

(erster) Seitenlobus Septalfläche (erster) Seitenlobus

|

|

Innenlobus Projection des vorhergeh.

| Umganges

|

Septalumschlag vorhergehender Umgang Septalumschlag

| (Nahtsattel, resp. -lobus)

|

(innerer Seitenlobus) | (zweiter Seitenlobus)

Innen- oder Rückenseite

|

Mittelebene

[Illustration: Fig. 410. Orthoceras cochleatum Schl. Obersilur.

Gotland. Die aufgebrochene Schale lässt den dicken, zwischen den Septen

perlschnurartig angeschwollenen Sipho (si), die Schalenwand (s’) und

die Scheidewände (s) erkennen.]

[Illustration: Fig. 411. Aturia Aturi Bast. Miocän. Bordeaux. Die

Schale ist aufgebrochen und zeigt die trichterförmigen Septaldüten,

welche von einer Scheidewand bis zur vorhergehenden zurückreichen. ¹⁄₁.]

Der Sipho reicht bei den Nautiloidea vom hinteren Ende des Körpers

bis auf den Boden der Anfangs- d. h. ersten Luftkammer, indem er alle

Luftkammern als ein cylindrischer, seltener abgeplatteter Strang

durchzieht und die Scheidewände durchbricht. Seine Lage ist wechselnd:

selten ausserhalb der Mittelebene, aber innerhalb derselben bald der

Rückenseite, bald der Bauchseite genähert, sehr häufig etwa median.

Sein Durchmesser ist sehr verschieden: bei den älteren Formen häufig

noch sehr breit (Fig. 410) und dann wohl wie bei Endoceras noch

Theile des Visceralsackes enthaltend, reducirt er sich bald zu dem

dünnen Strange des Nautilus pompilius, der keine Eingeweidetheile

mehr enthält (Fig. 396 si). Dort, wo er die Scheidewände passirt,

wird er durch dieselben oft eingeschnürt und nimmt die Form einer

Perlschnur an (Fig. 410). Stets wird er noch eine Strecke weit von der

Bildungshaut umschlossen, und diese sondert eine Septaldüte von der

Beschaffenheit der Scheidewände ab. Die Septaldüten reichen aber nie

weiter zurück, als bis zur vorletzten Scheidewand, in welchem Falle sie

sich häufig mit ihrem verschmälerten Ende in die vorhergehende Düte

einsenken (Fig. 411). Meist sind sie aber viel kürzer und erscheinen

nur als kurze, kragenförmige Ausstülpung der Scheidewand (Fig. 418).

Nur ausnahmsweise richten sie sich nach vorn. Die Oberfläche des

Siphos, besonders diejenigen Theile desselben, welche nicht von den

Septaldüten umschlossen sind, sondern häufig eine Hülle ab, welche

nicht aus Perlmutter, sondern aus erdiger, mit organischer Substanz

imprägnirter Kalkmasse besteht, z. B. bei Nautilus pompilius. Aehnliche

Abscheidungen erfolgen bei Formen mit weitem Sipho (Orthoceras) auch

innerhalb des Siphonalrohrs, und zwar entweder in der Form sog.

Obstructionsringe, welche an den Durchbruchstellen der Scheidewände

beginnend und gegen einander wachsend den Siphonalraum fast vollständig

ausfüllen, oder als radiale Blätter. Die Steinkerne solcher Siphonen

besitzen oft ein korallenartiges Aussehen.

[Illustration: Fig. 412. Nautilus cyclostomus Phill. Subcarbon. Visé,

Belgien. Die Schale ist im Centrum durchbrochen (c), der letzte

Umgang etwas abgelöst (x); s = Scheidewände; s’ = Schalenwand; e =

Trichterausschnitt des Mundrandes.]

[Illustration: Fig. 413. Gomphoceras Bohemicum Barr. Obersilur

(E). Böhmen. Oben: Ansicht der Wohnkammer von oben, die T-förmig

verengte Mündung zeigend. Unten: Schale von der Bauchseite, den tief

herabreichenden Trichterausschnitt des Mundrandes zeigend. ⅘.]

[Illustration: Fig. 414. Lituites lituus Mtf. Untersilurisches

Diluvialgeschiebe. Norddeutschland. Wohnkammer mit erhaltener

Mündung gegen die Rückenseite gesehen; d = Rückenausschnitt, v

= Bauchausschnitt, se = seitliche Ausschnitte der Mündung; vb =

Verwachsungsband; l = letzte Lobenlinie; si = Sipho.]

Die Wohnkammer der Nautiloidea ist meist kurz, bei eingerollten Schalen

beträgt sie kaum mehr als ½ Umgang. Der Rand derselben ist einfach

(Fig. 412), zusammengeschnürt (Fig. 413), oder (seltener) erweitert,

wie der Mund einer Trompete. Ein einfacher Mundrand ist im Allgemeinen

zur Zeit des normalen Schalenwachsthums, ein verengter oder erweiterter

zur Zeit der Ruhe entwickelt. Die umgeschlagenen Ränder werden

später oft ganz oder theilweise resorbirt. Nach aussen umgeschlagene

Mundränder kommen dadurch zu Stande, dass das Thier sich über den

Schalenrand hinüberlegt und so die Schale nach aussen umbiegt. Verengte

Mündungen entstehen dadurch, dass die Schale um den Kopf des Thieres

herum wächst; da wo Organe ihrer Thätigkeit wegen nothwendiger Weise

frei zu Tage treten müssen (Mund, Trichter, Arme), bleiben Oeffnungen.

So geben uns die Verengungen des Mundes Aufschluss über die Lage

gewisser Organe des Thieres. Der tiefste Ausschnitt in der Mittelebene

entspricht dem Trichter (Fig. 413), also der Bauchseite, paarige

Ausschnitte den Kopfanhängen. Bei den T- oder Y-förmigen Oeffnungen

deutet die unpaare Oeffnung die Lage des Trichters an (Fig. 413). Bei

kreuzförmigen Oeffnungen (Fig. 414) ist die Deutung oft erschwert,

aber die Bauchseite dürfte auch hier dem tiefsten Ausschnitt (Fig.

414 v) entsprechen, wie denn auch bei einfachen Mündungen die Lage des

Trichterausschnitts an dem Zurückbiegen des Mundrandes und auf der

Schale an dem Zurückweichen der Zuwachsstreifen zu erkennen ist (Fig.

412 s’).

Die bis vor Kurzem gebräuchliche Eintheilung der Nautiloidea basirt

auf der Gestalt, insbesondere auf dem Grade der Einrollung der Schale

und der Form der Mundöffnung. Letztere darf nur dann verwerthet

werden, wenn man verengte Mündungen mit verengten, nicht aber mit

einfachen vergleicht. Die Einrollung der Schale kann aber deshalb

strenge genommen nicht in erster Linie Verwendung finden, weil der

Einrollungsprocess innerhalb verschiedener genetischer Reihen in

gleicher Weise Platz gegriffen hat. Dennoch scheint aus praktischen

Gründen z. Z. ein natürliches System verfrüht und es möge deshalb die

ältere Classification in etwas modificirter Gestalt hier Platz finden.

Nach Ausscheidung der Endoceratidae, aus welchen sich die Nautilidae

durch Verengerung des Siphonalrohrs herausgebildet haben, zerfallen

die Nautilidae in folgende Gruppen, die durch den Namen der jeweils

wichtigsten Gattung bezeichnet werden:

a. Orthoceras-Gruppe. Schale gerade oder unbedeutend gekrümmt. Silur --

Trias. (Fig. 415-420.)

b. Cyrtoceras-Gruppe. Schale hornartig gekrümmt, aber nicht regelmässig

spiral eingerollt. Cambrium -- Perm. (Fig. 421.)

c. Gyroceras-Gruppe. Schale regelmässig spiral eingerollt; Windungen

sich nicht berührend. Silur -- Perm. (Fig. 422.)

d. Nautilus-Gruppe. Schale regelmässig spiral eingerollt; Windungen sich

berührend oder umfassend. Silur -- Gegenwart. (Fig. 423-427.)

e. Lituites-Gruppe. Schale anfangs regelmässig spiral eingerollt, später

sich gerade streckend. Silur. (Fig. 428, 429.)

[Illustration: Fig. 415. Orthoceras cochleatum Schl. Obersilur.

Gotland. Die bis gegen die Mitte aufgeschnittene Schale (s’) zeigt die

procölen Scheidewände (s) und die perlschnurartigen Verdickungen des

Sipho (si) zwischen denselben.]

a. Orthoceras-Gruppe.

Orthoceras Breyn. (Fig. 415-418). Schale bis 2 m lang werdend,

nach hinten sich rascher oder langsamer verjüngend, im Querschnitt

kreisrund, seltener oval oder dreieckig. Wohnkammer meist lang. Auf

Steinkernen derselben zuweilen 3 vertiefte Längseindrücke, von denen

der unpaare auf der Rücken-, die paarigen auf der Bauchseite liegen.

Feine Längslinien in der Mittelebene, sog. Normallinien, bezeichnen

bald die Bauch-, bald die Rückenseite (Fig. 416 n). Scheidewände

einfach, uhrglasförmig; Septaldüten meist sehr kurz (Fig. 417, 418).

Sipho weit (Fig. 415 si) oder eng (Fig. 417), meist cylindrisch,

oft perlschnurartig (Fig. 415) und dann durch Obstructionsringe in

mannigfaltiger Weise ausgefüllt. Seine Lage sehr wechselnd, häufig

ventral; wenn excentrisch, fast immer der Bauchseite genähert.

Die genarbte Anfangskammer wurde mehrfach beobachtet. Die älteren

Luftkammern wurden häufig abgestossen, bei Orthoc. truncatum Barr. zu

je 4. Die Bruchstelle der Schale wurde durch vom Sipho ausgeschiedene

Kalkmasse vernarbt. Die Oberfläche der Schale ist oft mit Querwülsten

oder -streifen, Zuwachslinien oder welligen Runzeln versehen.

Längsverzierungen sind weniger häufig. Formen mit randständigem

fadenförmigem Sipho sind nur schwer von den ältesten, stabförmigen

Ammonoidea (vgl. Bactrites -- p. 394) zu unterscheiden.

[Illustration: Fig. 416. Orthoceras annulatum Sow. Obersilur

(E). Böhmen. Ein Stück der Wohnkammer (w) mit 6, bis zur Mitte

angeschnittenen Luftkammern (l). r = Querwülste des Steinkernes;

s’ = die quergewellte Schalenoberfläche; n = Normallinie auf dem

Wohnkammersteinkern; si = der etwas aus der Medianebene gerückte Sipho.]

[Illustration: Fig. 417. Orthoceras timidum Barr. Obersilur (E).

Böhmen. Wohnkammer mit 14 Luftkammern. Die längsgestreifte Schale z.

Th. erhalten. Unten: Ansicht gegen die Scheidewand, um die centrale

Lage des feinen Sipho zu zeigen. ¹⁄₁.]

[Illustration: Fig. 418. Orthoceras dubium Han. Alpenkeuper

(Hallstätter Kalk). Salzkammergut. Luftkammerstück, im oberen Theile

bis zur Mitte aufgeschnitten, um die kurzen Septaldüten zu zeigen. ¹⁄₁.]

Diese, in über 1000 Arten bekannte Gattung findet sich vom Silur (?

Cambrium) an bis zur Trias. Ihre Maximalentwickelung fällt in das

Silur, im Mesozoicum kommen nur noch vereinzelte Formen vor.

Die wichtigsten Arten können folgendermassen gruppirt werden:

A. Sect. Cochleata (syn. Actinoceras). Sipho weit, zwischen den

Scheidewänden perlschnurartig angeschwollen, im Inneren häufig mit

Obstructionsringen. Silur -- Steinkohlenformation.

O. cochleatum Schl. (Fig. 415). Obersilur. Nordeuropa. Häufig als

Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.

O. vertebratum Hall. Obersilur. Nordamerika.

O. Breynii Mart. sp. Subcarbon. Russland, Belgien, Grossbritannien.

O. giganteum Sow. (Leth. pal., t. 46, Fig. 1). Subcarbon.

Grossbritannien, Belgien, Harz.

B. Sect. Annulata. Schale mit Querwülsten (Fig. 416). Sipho

cylindrisch, mässig weit (Fig. 416 si) oder eng.

Silur -- Steinkohlenformation.

O. annulatum Sow. (= undulatum His.) (Fig. 416). Obersilur. Europa,

Nordamerika. Als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.

O. bohemicum Barr. Obersilur. Böhmen, Frankreich.

O. nodulosum Schl. (Leth. pal., t. 30, Fig. 1). Mitteldevon. Eifel.

O. scalare Gf. (Leth. pal., t. 38, Fig. 5). Subcarbon, besonders

Culm. Mitteleuropa.

O. laevigatum M’Coy. sp. Subcarbon. Grossbritannien, Belgien.

C. Sect. Regularia. Schale ohne Wülste, aber oft mit feineren Längs-

oder Querverzierungen. Sipho dünn, meist central (Fig. 417, 418).

Untersilur -- Trias.

O. regulare Schl. (Leth. pal., t. 6, Fig. 1). Untersilur. Nordeuropa.

Als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland. Aehnliche Formen gehen bis

ins Mitteldevon hinauf.

O. gregarium Sow. Obersilur. Nordeuropa. In Diluvialgeschieben.

O. timidum Barr. (Fig. 417). Obersilur. Böhmen.

O. commutatum Gieb. Unter- und Mitteldevon. Rheinisches

Schiefergebirge. Harz.

O. calamus de Kon. Subcarbon. Ural, Belgien, Grossbritannien.

O. Goldfussi de Kon. Subcarbon. Belgien, Grossbritannien.

O. dubium Han. (Fig. 418). Alpine Trias (Karnische St.).

Salzkammergut, Kärnten,? Bosnien.

O. elegans Mnstr. Karnische Stufe (Cassianer Sch.). Südtirol.

[Illustration: Fig. 419. Ascoceras sp. Obersilur (Ludlow Sch.). Insel

Gotland. Mittlerer Längsschnitt durch die Schale, z. Th. ergänzt. l

= die normalen Luftkammern; l₁-l₄ = die jüngsten, abnorm gebildeten

Luftkammern; W = Wohnkammer; si = Sipho; x = die Stelle, wo das Thier

später nicht mehr vorrückt; b = Bauch-, r = Rückenseite.]

Als weitere bemerkenswerthe Formen der Orthoceras-Gruppe sind zu

erwähnen:

Ascoceras Barr. (Fig. 419). Schale anfangs wie ein normales Orthoceras

mit hohen Luftkammern (l) und der Bauchseite (b) genähertem Sipho

(si). Später rückt das Thier nur sehr langsam in der Schale vorwärts,

und der grösste Theil der eizelnen, nun gebildeten Luftkammern wird auf

der Rückenseite der Wohnkammer (l₁, l₂, l₃, l₄) als seitliche Ablösung

und nur ein kleiner Theil (l₁, l₂-l₄) gleichzeitig hinter der Wohnkammer

gebildet. An einem nahezu in der Mitte gelegenen Punkte (x) findet bald

gar keine Luftkammerbildung mehr statt. Die Wohnkammer (W) biegt sich

flaschenförmig um die rückenständigen Luftkammern herum. Die älteren,

normal gebildeten Luftkammern wurden meist abgestossen. Selten im

Unter-, häufiger im Obersilur (Böhmen, Skandinavien, England).

A. Bohemicum Barr. Obersilur (E). Böhmen.

Gomphoceras Sow. (Fig. 420). Schale kurz und dick, sackförmig mit sehr

niedrigen Luftkammern, die am hinteren Ende periodisch abgestossen

werden. Wohnkammer kurz, blasig. Häufig ist der Kopf des Thieres ganz

von Schalenmasse umgeben mit Ausnahme einiger activer Theile. Das tief

herabreichende, häufig ausgeweitete Ende des medianen Mündungsspaltes

entspricht dem Trichter, eine mittlere Ausweitung dem Munde, die häufig

mit mehreren Ausbuchtungen versehene Querspalte den Armen. Sipho seiner

Lage und Beschaffenheit nach wechselnd, wie bei Orthoceras. Weit

weniger häufig als Orthoceras. Untersilur -- Steinkohlenformation,

zahlreiche Arten in Obersilur.

G. Bohemicum Barr. (Fig. 420). Obersilur (E). Böhmen.

G. inflatum Gf. sp. (Leth. pal., t. 30, Fig. 6). Mitteldevon. Eifel.

G. fusiforme Sow. sp. Subcarbon. Grossbritannien, Belgien, Russland.

[Illustration: Fig. 420. Gomphoceras Bohemicum Barr. Obersilur (E).

Böhmen. Oben: Ansicht der Wohnkammer von oben, die T-förmig verengte

Mündung zeigend. Unten: Schale gegen die Bauchseite gesehen, den tief

herabgreifenden und erweiterten Trichterausschnitt zeigend. Darunter 8

Luftkammern. ⅘.]

[Illustration: Fig. 421. Cyrtoceras Murchisoni Barr. Obersilur (E).

Böhmen. Die Wohnkammer und die Luftkammern sichtbar; die Schale z. Th.

erhalten.]

b. Cyrtoceras-Gruppe.

Cyrtoceras Gf. (Fig. 421). Schale mehr oder minder stark gebogen bis

fast eingerollt, häufig sehr rasch an Dicke zunehmend. Die convexe

Seite der Schale entspricht meist der Bauch-, seltener der Rückenseite.

Querschnitt rund oder seitlich abgeplattet, zuweilen kantig. Die

Beschaffenheit des Sipho wechselnd, wie bei Orthoceras, seine Lage

meist ausgesprochen ventral. Die Formen mit verengter Mündung,

meist gleichzeitig durch eine sehr rasche Dickenzunahme der Schale

ausgezeichnet, gehen unter dem Namen Phragmoceras. Mehrere Hundert

Arten vom Cambrium bis zum Perm, davon die meisten im Silur.

C. praecox Salt. Cambrium. Grossbritannien.

C. Murchisoni Barr. (Fig. 421). Obersilur. Böhmen.

C. (Phr.) ventricosum Sow. (Leth. pal., t. 15, Fig. 2). Obersilur.

Nordeuropa.

C. (Phr.) Broderipi Barr. (Leth. pal., t. 15, Fig. 3). Obersilur.

Böhmen.

C. depressum Gf. (Leth. pal., t. 30, Fig. 3). }

} Mitteldevon. Eifel.

C. costatum Gf. }

C. rugosum Flem. sp. Subcarbon. Grossbritannien, Belgien, Russland.

c. Gyroceras-Gruppe.

Gyroceras de Kon. (Fig. 422). Von Cyrtoceras nicht scharf geschieden.

Windungen meist langsam anwachsend, regelmässig spiral eingerollt,

sich nicht berührend. Querschnitt rund oder kantig, meist verquert

(B). Mundrand oft nach aussen übergebogen; die stehen gebliebenen

Mundränder zuweilen als Blätter an den Seiten der Schale erscheinend.

Ausserdem mannigfaltige Oberflächenverzierungen. Sipho cylindrisch,

selten dick und durch secundäre Kalkablagerungen erfüllt. Lobenlinie

meist mit deutlichem, aber flachem Seitenlobus (s). Die schneckenartig

gewundenen Formen werden als Trochoceras unterschieden. Silur -- Perm,

am häufigsten im Devon.

G. articulatum Murch. Obersilur. England.

G. (Troch.) optatum Barr. } Obersilur

G. (Troch.) placidum Barr. (Leth. pal., t. 15, Fig. 6). } (E). Böhmen.

G. alatum Barr. (Leth. pal., t. 15, Fig. 4). Unterdevon (Silur F).

Böhmen.

G. nodosum Gf. sp. (Leth. pal., t. 30, Fig. 2). Mitteldevon. Eifel.

G. propinquum de Kon. (Fig. 422). Subcarbon. Belgien.

[Illustration: Fig. 422. Gyroceras propinquum de Kon. Subcarbon.

Fossés, Belgien. A Schale von der Seite. a = Schalenanfang; s =

Scheidewand mit flachem Seitenlobus; s’ = Schale mit körnigen

Spiralstreifen bedeckt. B Schale von vorn.]

d. Nautilus-Gruppe.

Unter dieser Bezeichnung werden alle diejenigen Formen zusammengefasst,

deren Schalen regelmässig spiral eingerollte und sich berührende

oder umfassende Windungen besitzen. Derartige Schalen erscheinen

zuerst im Untersilur, führen aber, wie es scheint, z. Th. noch

eine Embryonalblase (Trocholites). Bei den späteren ist dieselbe

verschwunden und das Centrum der Schale deshalb leer (Fig. 423

A c), die Schale durchbohrt. Der Sipho bleibt nur ausnahmsweise

noch perlschnurartig. Die Septaldüten reichen zuweilen bis zur

vorhergehenden Scheidewand, meist sind sie aber kurz.

Hierher gehören die Mehrzahl der jungpaläozoischen, und fast alle

jüngeren Nautiloidea. Folgende Typen mögen hervorgehoben werden:

Trocholites. Embryonalblase vorhanden. Sipho dem Rücken genähert.

Septaldüten sehr lang, bis zur vorhergehenden Scheidewand reichend.

Lobenlinie sehr einfach. Untersilur.

Nautilus. Embryonalblase fehlt. Schale im Centrum durchbohrt. Sipho

central oder der Bauchseite genähert. Septaldüten kurz. Lobenlinie

einfach oder complicirt. Silur -- Gegenwart.

Aturia. Wie Nautilus, aber Sipho auf der Rückenseite und Septaldüten

sehr lang. Eocän -- Miocän.

Trocholites Conr. Schale (? immer) mit erhaltener Embryonalblase.

Die Windungen sich nur berührend oder wenig über die vorhergehenden

übergreifend, im Querschnitt meist queroval. Mündung oft trompetenartig

erweitert. Lobenlinie mit seichtem Seitenlobus und Rückenlobus. Sipho

rückenständig oder der Rückenseite genähert. Septaldüten bis zur

vorhergehenden Scheidewand reichend. Schale mit Quer-, seltener mit

Längsverzierungen. Nur im Untersilur.

Tr. ammonius Conr. Untersilur. Nordamerika.

Tr. incongruus Eichw. sp. Untersilur (Orthocerenkalk). Estland.

Skandinavien.

Nautilus Breyn. (Fig. 423-425). Die Schale besteht aus mindestens

3, meist aber aus mehr, sich berührenden (Fig. 423) oder seitlich

mehr oder weniger weit umfassenden (Fig. 424) Windungen. Im ersteren

Falle heissen die Schalen weitgenabelt, evolut (Nautili imperfecti),

im letzteren eng oder ungenabelt, involut (Nautili perfecti).

Letztere herrschen in den jüngeren Formationen (Jura -- Gegenwart).

Schalenoberfläche zumeist nur mit Querstreifen verziert, die auf

der Bauchseite nach rückwärts biegen (Fig. 423 A s), seltener mit

Querrippen, Knoten oder Längsverzierungen. Mundrand auf der Bauchseite

(Fig. 423 A e) und meist auch am unteren Theile der Seitenflächen

mit Ausschnitt. Scheidewände bei den evoluten Formen einfach,

uhrglasförmig, höchstens mit flachen Seitenloben, bei den involuten

mit Septalumschlag (Fig. 424 u), welcher häufig zur Bildung eines

Nahtsattels Veranlassung giebt (Fig. 424 ns). Auf dem Septalumschlage

zuweilen 2 kleinere Loben, ein äusserer (sl₂) und ein innerer (isl).

Seitenloben gerundet oder bei stark involuten Schalen häufig (il)

tief und winkelig (Fig. 424 sl₁). Ein Innenlobus fast immer, ein

medianer Bauchlobus selten (Fig. 424 es), statt seiner vielmehr meist

ein breiter Aussensattel vorhanden. Ein Adventivlobus nur gelegentlich

bei sehr hochmündigen Formen. Sipho meist ungefähr in der Mitte der

Scheidewand (Fig. 425), doch auch häufig der Externseite genähert (Fig.

424 si), selten ganz äusserlich und dann bauchständig gelegen (Fig. 423

si); meist mässig dick, cylindrisch, an der Durchbruchstelle der Septa

schwach zusammengeschnürt, selten perlschnurartig. Septaldüten kurz.

Wohnkammer kaum ½ Umgang lang. Mündung in der Regel einfach.

[Illustration: Fig. 423. Nautilus cyclostomus Phill. Subcarbon. Visé,

Belgien. A von der Seite, B von vorn. c = das durchbrochene Centrum der

Schale; x = die schwache Ablösung des letzten Umganges; e = Einschnitt

der Mündung auf der Aussen-(Bauch-)Seite; s’ = Schale mit feinen

Anwachsstreifen; s = Scheidewände mit schwacher Einbuchtung auf den

Seiten (Seitenlobus); si = der an der Aussenseite gelegene Sipho.]

[Illustration: Fig. 424. Nautilus Geinitzi Pict. Oberer Malm (Tithon).

Stramberg, Mähren. A gekammerter Steinkern von der Seite, B von vorn.

C Lobenlinie. s = Symmetrieebene der Schale; si = Sipho; n = Naht; p

= Projectionslinie des vorhergehenden Umganges; u = Septalumschlag;

el = Aussenlobus; es = Aussensattel (getheilt); sl₁ = erster, sl₂ =

zweiter Seitenlobus; isl = innerer Seitenlobus; il = Innenlobus; ss

= Seitensattel; ns = Nahtsattel; is = Innensattel. B = Rücken-, R =

Bauchseite.]

[Illustration: Fig. 425. Nautilus Danicus Schl. Oberste Kreide

(Dänische Stufe). Faxe auf Seeland. A Schale von der Seite gesehen. Die

Lobenlinie bildet einen tiefen, gerundeten Seitenlobus. B Schale von

vorn, oben und unten aufgebrochen, so dass die Fläche der Scheidewände

und das Siphonalloch sichtbar werden. C Schale von hinten.]

In dieser Begrenzung existirte die Gattung vom Silur bis zur Gegenwart.

Die stärkste Entwickelung zeigt sie von der Steinkohlenformation bis

zum Ende der Kreide (ca. 300 Arten). Lebend 2 (? 7) Arten in den

tropischen Meeren. Die nachstehende Eintheilung z. Th. nach Hyatt.

A. Schale weit genabelt. Septalumschlag fehlend oder schwach.

Silur -- Trias.

Nautili imperfecti.

1. Schale nur mit Zuwachsstreifen (Fig. 423).

N. cyclostomus Phill. (Fig. 423). } Subcarbon. Grossbritannien,

N. ingens Mart. } Belgien. Ural.

N. evolutus Mojs. Karnische Stufe. Nord- und Südalpen.

2. Schale mit Längskielen oder spiralen Höckerreihen.

N. Konincki d’Orb. (Leth. pal., t. 46, Fig. 8). Subcarbon, Belgien.

N. cariniferus d’Orb. (Leth. pal., t. 46, Fig. 8). Subcarbon.

Grossbritannien, Belgien.

N. bidorsatus Schl. Häufig im germanischen Muschelkalke, seltener

in der Lettenkohle.

3. Schale mit Querrippen.

N. Wulfeni Mojs. Karnische Stufe (Raibler Sch.). Nord- und Südalpen.

B. Schale eng genabelt oder ungenabelt. Septalumschlag mehr oder

weniger ausgedehnt (Fig. 424, 425). Perm -- Gegenwart.

Nautili perfecti.

1. Seitenlobus gerundet, meist flach. Schalenoberfläche glatt,

spiral gestreift oder quergewellt. Oft ein ausgesprochener Nahtsattel

vorhanden.

N. striatus Sow. Unterer Lias (α). }

N. intermedius Sow. Mittlerer Lias. }

N. lineatus Sow. Unterer u. mittlerer Dogger. } Mitteleuropa.

N. inornatus d’Orb. Unterer Dogger. }

N. clausus d’Orb. Mittlerer Dogger. }

N. pseudoelegans d’Orb, Neocom. Mittel- und Südeuropa.

N. plicatus Sow. Aptien. Frankreich.

N. Deslongchampsi d’Orb. }

N. Fleuriausi d’Orb. } Cenoman. Mitteleuropa.

N. expansus Sow. }

N. patens Knr. Senon. Galizien, Norddeutschland, Dänemark.

N. Dekayi Mart. Senon und Danien. Europa, Nordamerika, Südamerika,

Indien.

N. pompilius Lin. (Fig. 396, 397). Lebend. Indischer Ocean.

2. Seitenlobus winkelig und tief. Zuweilen ein Bauch- und ein

Adventivlobus entwickelt. Nahtsattel oder -lobus vorhanden (Fig. 424,

425). Trias -- Eocän.

N. triadicus Mojs. Karnische Stufe. Salzkammergut.

N. Franconicus Opp. Oxford und Kimmeridge. Mitteleuropa.

N. Geinitzi Opp. (Fig. 424). Tithon. Mähren. Unteres Neocom.

Südfrankreich.

N. Danicus Schl. (Fig. 425). Oberste Kreide (Danien). Dänemark,

Nordfrankreich, Indien.

[Illustration: Fig. 426. Aturia zic-zac Sow. Eocän. Kressenberg,

Bayern. Schale von der Seite. el = Aussenlobus; sl = zungenförmiger

Seitenlobus; es = Aussensattel; ss = Seitensattel.]

[Illustration: Fig. 427. Aufgebrochene Schale von Aturia Aturi Bast.

Miocän. Bordeaux. Der auf der Innenseite gelegene Sipho durchbricht die

Scheidewände, welch letztere sich zu langen Düten verlängern.]

Aturia Bronn. (Fig. 426, 427). Schale vollständig involut (ungenabelt).

Zuwachsstreifung auf der Bauchseite weit zurückgebogen. Septalumschlag

weit nach vorn greifend, einen vorspringenden Sattel (Seitensattel --

Fig. 426 ss) und zurückgreifenden Nahtlobus bildend. Seitenlobus (sl)

tief, zungenförmig. Aussenlobus fehlend oder schwach. Diese Gattung

schliesst sich enge an die zuletzt erwähnte Gruppe von Nautilus an,

ist aber durch die vollständig dorsale Lage des Sipho und die bis zum

vorhergehenden Septum reichenden Septaldüten unterschieden (Fig. 427).

Nur vom Eocän bis Miocän bekannt.

A. zic-zac Sow. (= lingulata v. B. sp.) (Fig. 426). Eocän.

Mitteleuropa, Aegypten, Nordamerika,? Südamerika.

A. Aturi Bast. (Fig. 427). Miocän. Mittel- und Südeuropa.

e. Lituites-Gruppe.

Hier mögen diejenigen Formen Platz finden, welche sich anfangs

regelmässig spiral einrollen nach Art von Trocholites und Nautilus,

später aber in gerader Richtung oder schwach bauchwärts eingebogen

weiter wachsen. Man bezeichnet derartige Schalen als »Nebenformen« der

normal eingerollten. Nur im Silur.

[Illustration: Fig. 428. Ophidioceras simplex Barr. Obersilur (E).

Böhmen. An der Mundöffnung ist der tiefe Trichterausschnitt, der breite

Seitenlappen und ein Theil des Dorsallappens sichtbar. ¹⁄₁.]

[Illustration: Fig. 429. Lituites lituus Mtf. Diluvialgeschiebe des

Untersilur (Echinosphäritenkalk). Norddeutschland. A Luftkammerstück

(l), z. Th. spiral, z. Th. gestreckt, von der Seite gesehen. s’ =

Schale; s = Scheidewände. B Wohnkammer (w) mit vervollständigter

Mündung von der Rückenseite (ist um 90° nach rechts gedreht zu

denken, damit sie in der gleichen Lage sich befinde, wie A). si =

Septaldüte; vb = Haftband; l = Lobenlinie des letzten Septums; d =

Rückenausschnitt, v = Bauchausschnitt, se = Seitenausschnitte der

Mündung. C die Mündung von oben. Bezeichnung wie bei B. D Lobenlinie

(B l). s = Symmetrieebene; ds = Innen- oder Dorsalsattel; es = Aussen-

oder Bauchsattel; ss = Seitensattel, den ersten Seitenlobus (sl₁) vom

zweiten (sl₂) trennend; R = Rücken-, B = Bauchseite.]

Ophidioceras Barr. (Fig. 428). Schale flach, scheibenförmig,

quergerippt, auf der Aussenseite meist mit 2 Kielen. Nur ein kleiner

Theil des letzten Umgangs von der Schale abgelöst, so dass die

Wohnkammer z. Th. noch der Spirale angehört. Lobenlinie einfach.

Mundöffnung mit einem eingebogenen Dorsal- und 2 breiten Seitenlappen.

Trichterausschnitt tief. Silur.

O. reticulatum Aug. Untersilur. Skandinavien.

O. simplex Barr. (Fig. 428). Obersilur. Böhmen.

Lituites Breyn (Fig. 429). Schale bischofsstabartig, anfangs nach

Art von Gyroceras oder Trocholites eingerollt, später sich gerade

streckend, wobei die Bauchseite oft schwach concav (A). Luftkammern

häufig auch auf den gestreckten Theil übergreifend. Schalenoberfläche

(s’) quer gestreift oder gewellt. Die Streifen auf der Bauchseite

zurückgreifend. Scheidewände (s) mit kurzen Düten (B si). Lobenlinie

im complicirtesten Falle mit 2 Seitenloben (D sl₁, sl₂) und einem

dorsalen (inneren) Sattel (D is). Das Verwachsungsband zeigt eine

Verbreiterung auf der Rückenseite (B vb). Sipho eng, röhrenförmig, in

dem gerollten Theile der Schale mehr oder weniger excentrisch nach der

Rückenseite zu, im gestreckten Theile ungefähr in der Mitte gelegen.

Mündung (B, C) mit 4 Ausschnitten, deren tiefster der Bauchseite (v),

deren flachster (d) der Rückenseite entspricht. Die Fortsätze des

Mundrandes sind nach innen eingebogen (C), die bauchständigen länger

als die rückenständigen. Untersilur der russischen Ostseeprovinzen und

Skandinaviens.

L. lituus Mtf. (Fig. 429). } Untersilur (Echinosphäritenkalk). Als

L. perfectus Wahlb. } Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.

Anhang: Fossile Kiefer der Nautiloidea.

Der lebende Nautilus besitzt einen hornigen, vorn schwach verkalkten

Kieferapparat von der Gestalt eines umgekehrten Papageischnabels

(der Unterkiefer greift über den Oberkiefer). Stärker verkalkte und

deshalb fossil gut erhaltene Kiefer finden sich nicht selten in den

mesozoischen Formationen, während sie in paläozoischen gänzlich zu

fehlen scheinen. Am häufigsten und bekanntesten sind die unter dem

Namen Rhyncholithes hirundo F.-Big. laufenden Oberkiefer und die

Conchorhynchus avirostris Blv. genannten Unterkiefer des deutschen

Muschelkalkes, die wohl mit Recht dem Nautilus bidorsatus (p. 368)

zugeschrieben werden (Fig. 430).

[Illustration: Fig. 430. Oberkiefer von Nautilus bidorsatus Schl.

(= Rhyncholithes hirundo F.-Big.). Oberer Muschelkalk. Laineck bei

Bayreuth. Links: von unten. Mitte: von oben. Rechts: von der Seite.]

Geologische Verbreitung der Nautiloidea.

Die Nautiloidea in der hier gegebenen Begrenzung (also incl. der

Endoceratidae) gehören mit zu den ältesten uns bis jetzt bekannt

gewordenen Fossilien. In cambrischen Schichten sind nur wenige,

z. Th. noch nicht hinreichend untersuchte Reste gefunden worden

(Piloceras, Cyrtoceras). Im Untersilur tritt uns aber bereits eine so

grosse Mannigfaltigkeit von Formen entgegen, dass die Annahme einer

längeren präsilurischen Existenz dieser Gruppe unabweisbar erscheint.

Im Untersilur treffen wir bereits alle Stadien der Einrollung

von Orthoceras bis zu Trocholites, ja die im Silur erlöschende

Lituites-Gruppe zeigt uns schon den Beginn der Degeneration der

eingerollten Schalen. Jedenfalls fällt die höchste Entwickelung

der Nautiloidea in die Silurzeit. Von den nicht oder unvollständig

eingerollten Formen leben nur 3 (Orthoceras, Cyrtoceras und Gyroceras)

bis zum Schlusse der paläozoischen Periode und nur Orthoceras setzt

bis in die Trias fort. In der Steinkohlenformation beginnt die

reichste Entfaltung der Nautilus-Gruppe und hält bis zum Schluss der

mesozoischen Periode an. Die tertiären und lebenden Formen sind wenig

zahlreich.

Der Bau der Schale und die Anheftung des Thieres haben seit der

Silurzeit keine wesentlichen Aenderungen erfahren, aber die verengten

Mündungen mancher paläozoischen Schalen beweisen, dass die Anhänge des

Kopfes damals eher nach Art der übrigen Cephalopoden beschaffen waren,

dass speciell die Vereinigung der dorsalen Kopfanhänge zu einer Kapuze

sowie die Differenzirung der Arme zu Tentakeln, wie sie der lebende

Nautilus zeigt, nicht allen Vertretern zukamen. An den mesozoischen und

jüngeren Schalen werden verengte Mundöffnungen nicht mehr beobachtet.

Fast alle die hier unterschiedenen Gattungen der Nautilidae sind

inhomogene und bezeichnen nur gewissen Stadien der Einrollung; aber

die Auflösung derselben in natürliche Reihen erscheint zur Zeit noch

verfrüht. Die geologische Verbreitung der angeführten Gattungen ist im

Nachfolgenden zusammengestellt:

+--------------+----------+---------+-----+-------------+-----+-----+-------+---------+

| |Cambrium | | |Steinkohlenf.| | | | |

| | u. |Obersilur|Devon| und |Trias|Jura | Kreide| Tertiär |

| |Untersilur| | | Perm | | | | |

+--------------+----------+---------+-----+-------------+-----+-----+-------+---------+

|Endoceratidae:| | | | | | | | |

| Endoceras | --- | | | | | | | |

|Nautilidae: | | | | | | | | |

| Orthoceras | --- | --- | | | | | | |

| Gomphoceras | --- | --- | --- | --- | ... | | | |

| Ascoceras | --- | --- | --- | --- | | | | |

| Cyrtoceras | --- | --- | --- | --- | | | | |

| Gyroceras | --- | --- | --- | --- | | | | |

| Trocholites | --- | | | | | | | |

| Nautilus | | ... | ... | --- | | | | |

| Aturia | | | | | --- | --- | --- | ... |

| Ophidioceras| --- | --- | | | | | | --- |

| Lituites | --- | | | | | | | |

+--------------+----------+---------+-----+-------------+-----+-----+-------+---------+

Elemente der Paläontologie · 第 192 / 606 题