Schalen gerade oder schwach rückwärts gebogen, durch Zuwachsstreifen
oder flache Falten verziert. Der Luftkammerraum befindet sich ganz
oder doch zum überwiegenden Theile neben der Wohnkammer. Querschnitt
der Schale kreisrund oder oval. Nur im Cambrium und Untersilur.
Endoceras Hall. (Fig. 404-406.) (Vergl. p. 350.) Schale gerade,
unten zugespitzt, nach oben ganz allmählich an Weite zunehmend, im
Querschnitt mehr oder weniger kreisrund. Siphonalrohr (si) sehr weit,
der Bauchseite anliegend, hinten zu einer spitzigen Embryonalblase
(Fig. 406 A e) erweitert. Luftkammern als rücken- und seitenständige
Einfaltungen, auf die Bauchseite nur wenig oder gar nicht übergreifend
(Fig. 405). Die Scheidewände zeigen oft auf der Siphonalseite eine
Ausbuchtung nach hinten; sie verlängern sich zu langen, gebogenen,
hinten schräg abgestutzten Düten, welche auf der Innenseite oft bis
zur zweitletzten Scheidewand hinabreichen (Fig. 405 sd). Der Sipho
entspricht insofern nicht den ähnlichen Bildungen anderer Nautiloidea,
als er nicht nur einen häutigen Strang, sondern eine Fortsetzung
der Leibeshöhle darstellt (fleischiger Sipho). Wenn die Schale so
lang geworden war, dass der Eingeweidesack dieselbe nicht mehr ganz
ausfüllen konnte, schloss das Thier sich hinten durch eine schwach
verkalkte sog. Siphonalscheide (oder Spiess -- Fig. 406 B sp) ab.
Um das Schlottern des Thieres in dem Siphonalraum zu vermeiden, war
die Scheide durch eine mediane, gegen die glatte Aussen- oder (?)
Bauchseite des Sipho gerichtete (B m) und durch ein Paar querer, an den
Seitenkanten der Scheide inserirender Membranen (B bl) festgeheftet.
Das hintere Ende des Spiesses verlängert sich in ein convexes, aus 2
Lamellen bestehendes, hornigkalkiges Blatt (Fig. 406 C bl), welches
vom fleischigen Sipho beim allmählichen Vorrücken zurückgelassen
wurde. Das meist mit Schlamm erfüllte und noch von den Septaldüten
umgebene Siphonalrohr fällt leicht aus der Schale heraus; es zeigt
entfernt stehende, nach der Bauchseite zu herablaufende Querringe,
desgl. der Spiess (Fig. 406 B sp). Die Schalenoberfläche ist glatt
oder schwach gewellt und mit einer an der Siphonalseite (? Bauchseite)
nach rückwärts gebogenen (dem Trichterausschnitt entsprechenden)
Zuwachsstreifung versehen (Fig. 404 s’). Die Schale erreicht oft
beträchtliche Dimensionen.
[Illustration: Fig. 406. Endoceras. A E. belemnitiforme Hlm.
Untersilur. Skandinavien. Ergänzte Schalenspitze. si = Sipho; e
= blasige Embryonalerweiterung desselben; l₁-l₄ = die ersten 4
Luftkammern. B, C E. gladius Hlm. Untersilur. Estland. B medianer
Längsschnitt des Sipho. sp = trichterförmige Siphonalhülle, sog.
Spiess; m = das mediane, bl = das seitliche Querblatt, mit welchem
derselbe angeheftet. C Querschnitt durch den Sipho, um das gebogene
Blatt (bl) zu zeigen, in welches sich der Spiess nach hinten
verlängert.]
[Illustration: Fig. 407. Eine locker spiral gerollte Nautiloidea-Schale
(Gyroceras). A von der Seite, B von vorn gesehen. a = der conisch
zugespitzte Anfang; s’ = die spiral verzierte Schale; s = Scheidewände,
an den Seiten eine flache Rückbiegung (Seitenlobus) zeigend.]
Die Gattung Endoceras, früher als Gruppe der Vaginata zu Orthoceras
(p. 361) gerechnet, ist auf das Untersilur beschränkt. Sie kommt
als wichtiges Leitfossil häufig in der baltischen Silurprovinz
(»Vaginatenkalk«, »Orthocerenkalk«), in England und Nordamerika vor.
E. vaginatum Schl. sp. (Fig. 404). }
E. duplex Wahlb. sp. (Leth. pal., t. 6, Fig. 2). }
E. gladius Hlm. (Fig. 406 B, C). } Nordeuropa.
E. belemnitiforme Hlm. (Fig. 406 A). }
E. longissimum Hall. (Leth. pal., t. 6, Fig. 3). Nordamerika.
Bei der verwandten cambrischen Gattung Piloceras Salt. befindet sich
das Siphonalrohr in der Mitte der Schale.