Die Eintheilung dieser Gruppe in Sinupalliata und Integripalliata
ist keineswegs eine naturgemässe und ganz scharfe, da auch unter den
letzteren gelegentlich Formen mit schwach ausgebildeter Mantelbucht
(Cyrena) vorkommen und bei manchen Sinupalliata (Pronoë) eine Bucht
kaum angedeutet ist. Doch wird die Uebersicht über die zahlreichen
Familien durch diese Eintheilung erleichtert. Die meisten Familien der
Conchacea lassen sich nach den Merkmalen der Schale allein nicht scharf
begrenzen, da die Bezahnung sowohl als die Oberflächensculptur grossem
Wechsel unterworfen ist. Immerhin dürfte die folgende Tabelle die
Bestimmung der typischen Gattungen einigermaassen erleichtern.
A. Integripalliata. -- Mantellinie im allgemeinen ohne Bucht. Schale
meist geschlossen. Ligament nur bei den Crassatellidae innerlich.
+----------+----------+-------------+---------------+---------------------+
|Familien |Hauptzähne| Seitenzähne |Radialrippen |Sonstige Merkmale |
+==========+==========+=============+===============+=====================+
|Cyprinidae|vorhanden |vorn fehlend,|meist fehlend; | Wirbel meist |
|(Fig. 257)| 2-3 | hinten |wenn vorhanden,| stark eingerollt |
| | | vorhanden | schwach | |
+----------+----------+-------------+---------------+---------------------+
|Cyrenidae |vorhanden | vorn und | fehlen | brackisch oder |
|(Fig. 258)| 2-3 | hinten | | limnisch |
+----------+----------+-------------+---------------+---------------------+
|Cardiidae |vorhanden | vorn und | vorhanden | Wirbel mittel- |
|(Fig. 259)| 2-2, | hinten, | | ständig, |
| | selten | selten | | Schalenrand |
| |fehlend | fehlend | | meist gekerbt |
+----------+----------+-------------+---------------+---------------------+
|Lucinidae |vorhanden | vorn und |meist fehlend; | vorderer Muskel- |
| |2-2, nicht|hinten, ni- |wenn vorhanden,| eindruck meist |
| |selten |cht selten | schwach | verlängert |
| |verkümmert|verkümmert | | |
+----------+----------+-------------+---------------+---------------------+
|Astartidae|vorhanden | meist | fehlend oder | Schalenrand |
|(Fig. 260,| 2-3 | fehlend | vorhanden | meist gekerbt |
|261) | | | | |
+----------+----------+-------------+---------------+---------------------+
|Cardinidae| meist | meist stark,| fehlen | Schale meist dick; |
|(Fig. 262)| reducirt | vorn und | | accessorische |
| | | hinten | | Muskeleindrücke |
| | | | | fehlen |
+----------+----------+-------------+---------------+---------------------+
|Unionidae |vorhanden | vorhanden | selten | Wirbel abgenagt; |
|(Fig. 263)| oder | oder | vorhanden |Süsswasserbewohner; |
| |fehlend | fehlend | |accessorische Muskel-|
| | | | |eindrücke vorhanden |
+----------+----------+-------------+---------------+---------------------+
|Crassatel-|vorhanden |fehlen meist | selten | Schale dick; |
|lidae | | | vorhanden | Band innerlich |
|(Fig. 264)| | | | |
+----------+----------+-------------+---------------+---------------------+
|Megalodon-|vorhanden,| fehlen fast | fehlen | Schale sehr dick, |
|tidae | stark | immer | | oft etwas ungleich |
|(Fig. 265)| | | | klappig, höher als |
| | | | | breit; Wirbel stark |
+----------+----------+-------------+---------------+---------------------+
B. Sinupalliata. -- Mantellinie mit deutlicher Bucht. Schale häufig
klaffend. Ligament fast ausnahmslos äusserlich.
+-----------+--------------+-----------+-------------+--------------------+
|Familien | Schlosszähne | Schale | Umriss | Sonstige Merkmale |
+===========+==============+===========+=============+====================+
|Veneridae | stark; | solid, |oval, selten | Mantelbucht meist |
|(Fig. 266, | zuweilen |geschlossen| verquert | schmal; Schalenrand|
| 267) | Seitenzähne | | | häufig gekerbt |
+-----------+--------------+-----------+-------------+--------------------+
|Tellinidae | zart; |dünn, hin- | oval, hinten| Mantelbucht breit; |
|(Fig. 268) | zuweilen |ten etwas | meist | Schalenrand |
| | Seitenzähne |klaffend | ausgezogen | ungekerbt |
+-----------+--------------+-----------+-------------+--------------------+
|Solenidae |zart und |dünn, vorn |stark verqu- |Schlossrand lang und|
| |klein; ohne |und hinten |ert,scheiden-|gerade; Schalenrand |
| |Seitenzähne | klaffend | förmig | ungekerbt |
+-----------+--------------+-----------+-------------+--------------------+
A. Integripalliata.
Fam. Cyprinidae.
Schale ziemlich dick, meist gerundet, quer- oder längsoval, gewölbt.
Wirbel stark, nach vorn gebogen oder eingerollt. Schloss stark. 2-3
Hauptzähne und hinterer Seitenzahn meist vorhanden. Mantellinie
zuweilen mit schwacher Bucht. Meeresbewohner. Mit Sicherheit erst seit
der mesozoischen Zeit bekannt. Einige Gattungen ausgestorben. Von den
Veneridae nicht scharf geschieden.
[Illustration: Fig. 257. R, L Cyprina tumida Nyst. Pliocän. Antwerpen.
L linke Klappe, R Schloss der rechten Klappe von innen. a, b, c =
vorderer, mittlerer und hinterer Hauptzahn der linken Klappe in
die Zahngruben a’, b’, c’ der rechten Klappe passend; d = hinterer
Seitenzahn, d’ = die demselben entsprechende Zahngrube in der rechten
Klappe; e, f = vorderer und hinterer Hauptzahn der rechten Klappe, in
die Zahngruben e’, f’ der linken passend; g = hinterer Seitenzahn der
rechten Klappe, unter den entsprechenden Seitenzahn der linken greifend
(g’); l = Ligamentfeld; m = vorderer, n = hinterer Muskeleindruck.]
Cyprina Lmk. (Fig. 257 R, L). Schale ungleichseitig, aufgebläht,
gerundet, mit concentrischen Anwachsstreifen. Wirbel mässig stark.
Rechte Klappe mit 3 (oder 2) Hauptzähnen, von denen der mittlere (e)
conisch, der hintere (f) lang und schräg. Von den 3 Hauptzähnen der
linken Klappe ist ebenfalls der hintere (c) lang und schmal, die beiden
anderen (a, b) kurz und dick. Hinterer Seitenzahn jederseits (d und g)
kräftig. Schalenrand ungekerbt. Bei den geologisch älteren Formen ist
zuweilen eine Mantelbucht schwach angedeutet; auch liegt der Wirbel
häufig fast mittelständig und die Schale ist dünn. Jura -- Gegenwart,
am häufigsten in der Kreide.
C. trigonellaris Schl. sp. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.).
Süddeutschland.
C. Brongniarti Rö. sp. } Oberer Malm (Kimmeridge und Portland).
C. nuculaeformis Rö. sp } Norddeutschland, Nordfrankreich, Schweiz.
C. cornuta Klöd. sp. }
C. Ligeriensis d’Orb. Cenoman. Frankreich.
C. angulata Sow. Cenoman. England.
C. rotundata Br. Oligocän. Mitteleuropa.
C. tumida Nyst. (Fig. 257). Pliocän. Nordeuropa.
C. islandica Lin. Pliocän und Pleistocän. Nord- und Südeuropa.
Lebend in den nordischen Meeren.
Fam. Cyrenidae.
Schale gerundet, oval bis dreiseitig, ungleichseitig oder fast
gleichseitig, mässig dick oder dünn, concentrisch gestreift, mit
Epidermis überzogen. 2 oder 3 Hauptzähne. Vorn und hinten Seitenzähne.
Mantellinie zuweilen mit schwacher Bucht. Leben in Teichen, Flüssen und
im Brackwasser. Von der oberen Trias an mit Sicherheit bekannt, vom
oberen Jura an häufig. Lebend hauptsächlich in wärmeren Zonen.
[Illustration: Fig. 258. A-D Cyrena rugosa Sow. sp. Oberes Kimmeridge.
Ahlem b. Hannover. A Schale gegen die rechte Klappe gesehen. B Schale
von hinten. l = Ligament. C Schloss der linken, D der rechten Klappe.
mz₁-mz₃ = Hauptzähne der linken, mz’₁-mz’₃ = der rechten Klappe; vz =
vorderer, hz = hinterer Seitenzahn der linken Klappe; die doppelten
Seitenzähne der rechten Klappe sind nicht bezeichnet; n’ = hinterer
Muskeleindruck der rechten Klappe.]
Cyrena Lmk. (Fig. 258 A-D) (= Corbicula). Mässig dickschalige Muscheln
mit 3 (oder 2) wenig gespreizten Hauptzähnen in jeder Klappe (C, D)
und einem vorderen und hinteren Seitenzahn (C vz, hz) in der linken,
je 2 Seitenzähnen in der rechten Klappe (D). Wirbel häufig angenagt.
Band äusserlich, stark (B l). Von der Trias an in brackischen und
Süsswasser-Ablagerungen, häufig im Wealden, besonders aber im Oligocän.
Lebend in Flüssen der wärmeren Klimate. In den europäischen Flüssen die
verwandte (dünnschalige) Gattung Cyclas häufig.
C. rhaetica Leps. Rhätische Stufe. Südalpen.
C. rugosa Sow. sp. (Fig. 258 A-D). Kimmeridge, Portland und Purbeck.
England, Frankreich, Norddeutschland, Schweiz.
C. Mantelli Dnkr. Purbeck und Wealden. Nordfrankreich,
Norddeutschland.
C. cuneiformis Fér. Untereocän. Pariser und Londoner Becken.
C. semistriata Desh. Oligocän. Frankreich, Belgien, Schweiz,
Süddeutschland, sehr häufig im oberoligocänen Cyrenenmergel des
Mainzer Beckens.
C. (Corbicula) Faujasi Desh. sp. Häufig im miocänen Corbiculakalk
des Mainzer Beckens.
C. (Corbicula) fluminalis Müll. sp. Pliocän und Pleistocän. Europa.
Lebend. Nordafrika und Asien.
Fam. Cardiidae.
Schale längs- oder queroval, aufgebläht, radial berippt. Wirbel
hervorragend, meist mittelständig, wodurch die Schale fast
gleichseitig. Schalenrand gekerbt. Zwei, oft gekreuzte Hauptzähne in
jeder Klappe, dazu ein vorderer und ein hinterer Seitenzahn. Seit
der Silurzeit entwickelt. Die paläozoischen Vertreter (Präcardien)
zeichnen sich durch Dünnschaligkeit und häufig durch den Besitz eines
unter dem Wirbel gelegenen Bandfeldes aus (vgl. Cardiola -- p. 238).
In mesozoischen und jüngeren Schichten sehr häufig. Zahlreiche lebende
Formen in allen Meeren.
[Illustration: Fig. 259. A-D Cardium. A C. (Protocardia) Hillanum
Sow. Cenoman. Frankreich. Schale gegen die linke Klappe gesehen. Vorn
und in der Mitte concentrisch, hinten auch radial berippt. B C. edule
Lin. Obermiocän. Gauderndorf, Wiener Becken. Schale gegen die rechte
Klappe gesehen. C, D C. cingulatum Gf. Oberoligocän. Loibersdorf,
Wiener Becken. C Schloss der linken, D der rechten Klappe. l, l’ =
Ligamentgrube; mz₁, mz₂ = Hauptzähne der linken, mz’₁, mz’₂ = der
rechten Klappe; vz, vz’ = vordere, hz, hz’ = hintere Seitenzähne.]
Cardium Lin. (Fig. 259 A-D). Meist die ganze Schalenoberfläche
radial gerippt (B), selten glatt; bei der Untergattung Protocardia
Beyr. beschränken sich die radialen Rippen auf die Hinterseite.
Die Seitenzähne der linken Klappe fassen über die der rechten. Die
Brackwasserformen der sarmatischen Stufe verlieren z. Th. die Zähne
vollständig (Adacna). Von der Trias an, sehr häufig von der Kreide bis
zur Gegenwart.
C. (Protocardia) rhaeticum Mer. Rhätische Stufe. Alpin und
ausseralpin.
C. (Protocardia) truncatum Sow. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.).
Mitteleuropa.
C. (Protocardia) impressum Desh. Neocom. Mitteleuropa.
C. (Protocardia) Hillanum Sow. (Fig. 259 A). Cenoman. Mitteleuropa.
Nahe verwandte Formen in der oberen Kreide in Europa, Kleinasien,
Indien, Südamerika.
C. corallinum Leym. Korallenkalk der Oxford-, Kimmeridge- und
Tithonstufe in Mittel- und Südeuropa.
C. productum Sow. Obere Kreide. Europa.
C. porulosum Lmk. Mitteleocän. Mitteleuropa.
C. cingulatum Gf. (Fig. 259 C, D). Oligocän. Mitteleuropa.
C. multicostatum Brocch. Miocän. Europa.
C. hians Brocch. Miocän -- Lebend. Europa.
C. edule L. (Fig. 259 B). Miocän -- Lebend. Häufig in allen
europäischen Meeren; auch brackisch.
C. groenlandicum Lin. Pliocän und Pleistocän. Nordeuropa. Lebend in
den arktischen Gewässern.
Adacna Eichw. Schale querverlängert, ungleichseitig. Brackwasser.
Zähne verkümmert.
C. (Adacna) sociale Krauss. Miocän. Süddeutschland.
C. (Adacna) obsoletum Eichw. Sarmatische Stufe. Osteuropa.
C. (Adacna) edentulum Desh. }
C. (Adacna) conjungens Partsch und zahlreiche } Congerienstufe.
andere Arten } Osteuropa.
Fam. Lucinidae.
Von den Cardiidae durch die wenig vorstehenden Wirbel, die meist
geringe Aufblähung der Schale, die Seltenheit der Radialrippen und
durch den meist bandförmig verlängerten vorderen Muskeleindruck
unterschieden. Haupt- und Seitenzähne vorhanden oder fehlend. Diese
Familie enthält neben einigen ausgestorbenen, mesozoischen Gattungen
hauptsächlich tertiäre und lebende Formen. Bereits vom Silur an kennt
man die typische Gattung:
Lucina Brug. Linsenförmig, meist flach; aussen glatt oder concentrisch
gestreift, selten mit radialen Rippen. Lunula wohl entwickelt. Band
verlängert, stark vertieft, zuweilen fast innerlich. In paläozoischen
und mesozoischen Schichten nicht häufig; zahlreiche tertiäre und
lebende Arten.
L. prisca His. sp. (Leth. pal., t. 14, Fig. 2). Obersilur.
Nordeuropa.
L. proavia Gf. (Leth. pal., t. 29, Fig. 5). Mitteldevon. Eifel.
Unterdevon. Nordamerika.
L. plana Ziet. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Mitteleuropa.
L. gigantea Desh. Mitteleocän. Pariser Becken.
L. columbella Lmk. Miocän. Mittel- und Südeuropa.
L. divaricata Lin. Lebend. Mittelmeer, England.
Fam. Astartidae.
Schale solid, meist ungleichseitig, concentrisch oder radial berippt.
Wirbel gerade oder nach vorn gebogen. Bezahnung ähnlich wie bei den
Cyprinidae. 2-3 Hauptzähne. Vordere Seitenzähne fehlen fast immer,
hintere oft. Schalenrand in der Regel gekerbt. Meeresbewohner. Diese
Familie wird im Paläozoicum durch eine Reihe ausgestorbener Gattungen
(Prosocoelus, Pleurophorus etc.) vertreten, in mesozoischen Schichten
erreicht sie ihre Maximalentwickelung mit mehreren erloschenen und den
jetzt noch lebenden Gattungen Astarte und Cardita.
Astarte Sow. (Fig. 260 A-C). Schalen kreisförmig, oval (A) oder
dreiseitig (C), mehr oder weniger stark aufgebläht oder fast flach,
fast gleichseitig (C) oder sehr ungleichseitig (A). Oberfläche stets
concentrisch gestreift oder regelmässig berippt, ohne Radialsculptur.
Hauptzähne meist 2 in jeder Klappe (A). Seitenzähne fehlen. Vom Silur
an, häufig in Jura, Kreide und Tertiär. Etwa 20 lebende Arten in den
kühleren Meeren.
A. triasina Schl. sp. Muschelkalk. Deutschland.
A. Voltzi Hön. (Fig. 260 C). Unterer Dogger (Torulosus-Sch.).
Mitteleuropa.
A. elegans Sow. }
} Mittlerer Dogger. Mitteleuropa.
A. obliqua Desh. (Fig. 260 A) }
A. depressa Gf. Oberer Dogger. Mitteleuropa.
A. supracorallina d’Orb. (Fig. 260 B). Unteres Kimmeridge
(»Astartien«). Mitteleuropa.
A. Beaumonti Leym. Mittelneocom. Frankreich.
A. Kickxii Nyst. Oligocän. Mitteleuropa.
A. borealis Chem. sp. Pliocän u. Pleistocän. Nordeuropa. Lebend.
Nordische Meere.
[Illustration: Fig. 260. Astarte. A. obliqua Desh. Mittlerer Dogger.
Bayeux, Calvados. Linke Klappe von innen. x’ = vorderer, y’ = hinterer
Hauptzahn; p’ = Zahngrube für den grossen Hauptzahn der rechten Klappe;
b’ = Bandfeld; m’ = vorderer, n’ = hinterer Muskeleindruck. B A.
supracorallina d’Orb. Unteres Kimmeridge (Astarten-Sch.). Dép. de la
Meuse. C A. Voltzi Hön. Unterer Dogger (Torulosus-Sch.). Silzklamm,
Unterelsass. s = linke Klappe von aussen, s’ = von innen.]
[Illustration: Fig. 261. Cardita crenata Mnstr. Karnische Stufe
(Cassianer Sch.). Südtirol. Gegen die rechte Klappe (links) und von
oben (rechts) gesehen. ¹⁄₁.]
Cardita Brug. (= Venericardia) (Fig. 261). Von Astarte durch die
vorherrschend radiale Berippung und das häufige Auftreten eines
hinteren Seitenzahnes unterschieden. Hauptzähne schief. Schale dick.
Von der Trias an, häufig im Tertiär und in der Gegenwart (in allen
Meeren).
C. crenata Mnstr. (Fig. 261). Karnische Stufe (Cassianer Sch.).
Alpen. »Cardita-Schichten«.
C. tenuicosta Fitt. sp. Gault. England, Frankreich.
C. pectuncularis Lmk. Untereocän. Pariser Becken.
C. planicosta Desh. Mittel- und Obereocän. Mitteleuropa, Alabama.
C. Jouanneti Bast. Miocän. Mitteleuropa.
C. calyculata Brug. Lebend. Mittelmeer.
Fam. Cardinidae.
Die Schalen der typischen Gattung Cardinia sind im Umriss dreiseitig
oder oval, kurz oder stark verquert, solid, mit starkem Schloss; Hauptzähne
schwach, Seitenzähne stark ausgeprägt. Bei der älteren Gattung Anoplophora
verschwinden die Zähne fast ganz. Wirbel weit nach vorn gerückt.
Hinterer Muskeleindruck einfach; Fussmuskeleindrücke daneben fehlen.
Marine, auch wohl brackische Formen, auf Trias und Jura beschränkt.
Cardinia Ag. (Fig. 262 A-C). Dickschalige, wenig aufgeblähte,
dreiseitige bis ovale Muscheln mit kleinen, nach vorn gelegenen,
spitzen Wirbeln. Vorderseite unter den Wirbeln zu einer Lunula (B lu,
C lu’) vertieft. Rechte Klappe mit einem starken vorderen (C vz’),
linke mit einem hinteren (B hz) Seitenzahn. In der rechten Klappe ein
wenig hervorragender Hauptzahn. Trias und Jura, am häufigsten in den
Angulaten-Schichten des unteren Lias.
[Illustration: Fig. 262. A-C Cardinia hybrida Ag. Unterer Lias.
England. A Schale gegen die linke Klappe gesehen. B Schloss der linken,
C der rechten Klappe. m, m’ = vordere, n, n’ = hintere Muskeleindrücke;
l = Ligamentfeld; lu, lu’ = Lunula; hz = hinterer Seitenzahn der linken
Klappe in eine hintere Grube (hg’) der rechten eingreifend; vz’ =
vorderer Seitenzahn der rechten Klappe in eine vordere Grube (vg) der
linken eingreifend.]
C. concinna Sow. sp. } Unterer Lias, besonders häufig
C. Listeri Sow. sp. } in den Angulaten-Schichten.
C. hybrida Sow. sp. (Fig. 262 A-C)} England, Frankreich, Deutschland.
Die triadische Gattung Anoplophora Sandb. (= Myacites p. 242)
unterscheidet sich durch das Fehlen des hinteren Seitenzahnes. Der
Schalenumriss ist stets queroval, die Schale nicht sehr dick und die
Wirbel liegen weit nach vorn. In der alpinen und ausseralpinen Trias.
Vielleicht passender zu den Desmodonta zu stellen.
A. lettica Qu. sp. Lettenkohle. Deutschland.
Auch die in der Steinkohlenformation vieler Länder und im unteren Perm
oft in grossen Mengen, aber meist schlecht erhalten sich findende
Gattung Anthracosia King. schliesst sich hier an und ist von der
vorigen kaum scharf zu unterscheiden. Im Süsswasser.
A. carbonaria Gf. sp. Unteres Perm. Saarbrücken.
Fam. Unionidae.
Schale rundlichoval oder dreiseitig, mit dicker Epidermis bekleidet,
zuweilen unregelmässig radial gerippt. Schloss sehr variabel.
Häufig starke, oft längsgestreifte, etwas unregelmässige Hauptzähne
und meist Seitenzähne vorhanden (Fig. 263 B). Neben und über dem
vorderen Muskeleindrucke einer oder mehrere accessorische (B fm).
Hierher gehören die perlenbildenden Teich- und Flussmuscheln. Als
Süsswasserbewohner meist mit abgenagten Wirbeln. Vom Jura an mit
Sicherheit bekannt.
Unio Retz. (Fig. 263 A, B). Zähne wohlentwickelt oder fehlend
(Anodonta). Schale ziemlich gross, mässig aufgebläht. Wirbel meist
weit nach vorn gerückt. Muskeleindrücke vertieft. Vom Jura an in
Süsswasserbildungen nicht selten, im Tertiär und in der Gegenwart sehr
häufig und über die ganze Erde verbreitet.
[Illustration: Fig. 263. A, B Unio flabellatus Gf. Pliocän
(Congerien-Stufe). Komorn, Ungarn. Linke Klappe. A von aussen, B von
innen. m = vorderer, n = hinterer Muskeleindruck; fm = accessorischer
Muskeleindruck; mz₁ = vorderer, mz₂ = hinterer Hauptzahn; hzu =
unterer, hzo = oberer hinterer Seitenzahn, zwischen beiden die
Zahngrube für den Seitenzahn der rechten Klappe (hg).]
U. porrectus Sow. Untere Kreide (Wealden). England, Norddeutschland.
U. priscus M. & H. sowie zahlreiche andere Arten an der Grenze von
Kreide und Tertiär (Laramie-Gruppe) in Nordamerika.
U. Solandri Sow. Unteroligocän. England, Frankreich.
U. flabellatus Gf. (Fig. 263 A, B). Obermiocän. Süddeutschland,
Schweiz, Südfrankreich, Südosteuropa (Congerien-St.).
U. atavus Partsch. Pliocän (Pontische Stufe). Osteuropa. Nebst
zahlreichen anderen Arten.
U. batavus Nils. Diluvium und Gegenwart. Europa.
Fam. Crassatellidae.
Die Glieder dieser Familie sind an der inneren Lage des Ligamentes
leicht zu unterscheiden. Die Schalen gleichen im Habitus und in
der Bezahnung der Gattung Astarte. Die dickschalige Muschel hinten
abgestutzt; die Muskeleindrücke liegen vertieft. Seitenzähne fehlen
meist. Von der Kreide an, hauptsächlich tertiär und lebend. Wenige
Gattungen.
Crassatella Lmk. (Fig. 264). Schale hinten oft ausgezogen und mit einer
schräg nach hinten laufenden Kante. Oberfläche concentrisch gestreift.
Lunula deutlich. Schalenrand glatt oder gekerbt. Kreide -- Gegenwart,
am grössten und häufigsten im Eocän und Miocän.
C. macrodonta Sow. sp. Senon (Hippuritenkreide). Südfrankreich,
Salzkammergut.
C. ponderosa Chem. sp. (= plumbea Lmk.) (Fig. 264). Mitteleocän.
Europa.
C. concentrica Duj. Miocän. Mitteleuropa.
[Illustration: Fig. 264. Crassatella ponderosa Nyst. Mitteleocän.
Paris. Linke Klappe von aussen (rechts) und von innen (links). Das
Ligament liegt in der dreieckigen Grube hinter den Hauptzähnen. ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 265. A-C Megalodon. A, B M. cucullatus Gf.
Mitteldevon (Stringocephalenkalk). Paffrath bei Cöln. A linke, B
rechte Klappe von innen. m, m’ = vorderer, n, n’ = hinterer, auf einer
Längsleiste (l, l’) gelegener Muskeleindruck; b, b’ = Bandfeld; x, y
= vorderer und hinterer Hauptzahn der linken, x’, y’ = der rechten
Klappe. C M. triqueter Wulf. sp. Karnische Stufe (Dachsteinkalk).
Bleiberg, Kärnten. Steinkern von vorn gesehen.]
Fam. Megalodontidae.
Dickschalig, meist höher als breit, herzförmig, mit starkem Wirbel und
breiter Schlossplatte, häufig etwas ungleichklappig. Hauptzähne bogig
gekrümmt, meist getheilt. Seitenzähne fehlen. Vorderer Muskeleindruck
schmal, gebogen und tief, hinterer auf einer Längsleiste. Ausgestorbene
Familie, vom Devon bis in den Jura reichend, Maximalentwickelung in der
Trias. Wenige Gattungen. Hieran schliessen sich die Chamacea (p. 269).
Megalodon Sow. (Fig. 265 A-C). Schale von der Seite gesehen dreieckig,
von vorn herzförmig (C), mit nach vorn eingerollten Wirbeln. nur
mit concentrischen Streifen bedeckt. Zwei, häufig getheilte und
wulstige Hauptzähne in jeder Klappe. Zuweilen ein hinterer Seitenzahn
entwickelt. Wegen der ausserordentlichen Breite der Schlossplatte
treten auf Steinkernen (C) die Wirbel weit heraus. Vom Devon bis in den
Lias, sehr häufig in der alpinen Trias.
M. cucullatus Gf. (Fig. 265 A, B). Häufig im englischen und
rheinischen Mitteldevon.
M. triqueter Wulf. sp. (Fig. 265 C) nebst mehreren verwandten Arten
in der karnischen und rhätischen Stufe der Alpen häufig
(»Dachsteinbivalve«); auch in Indien.
M. pumilus Gmb. Lias (Graue Kalke). Südtirol, Venetien, Frankreich,
Portugal.
B. Sinupalliata.
Fam. Veneridae.
Schale solid, geschlossen mit concentrischer oder auch radialer
Skulptur, oval oder kreisförmig, selten stark verquert. 2-3 starke
Hauptzähne, zuweilen Seitenzähne. Wirbel ziemlich stark. Mantelbucht
in der Regel vorhanden, nicht ausgeweitet, seltener fehlend. Mit den
Cyprinidae (p. 259) nahe verwandt. Seit dem Jura entwickelt, in der
Tertiärzeit und Gegenwart dominirend.
Venus L. (Fig. 266 A-C). Schalenverzierung sehr mannigfaltig. Lunula
meist entwickelt. Schloss stark, jederseits mit 3 divergirenden
Hauptzähnen (C mz₁-mz₃), zuweilen mit einem kleinen, knopfförmigen
Lunularzahn vor dem ersten Hauptzahn (mz₁). Schalenrand in der Regel
fein gekerbt (B k). Vom Jura an, häufig im Tertiär, besonders aber in
der Gegenwart (in allen Meeren).
V. texta Lmk. Mittel- und Obereocän, Mitteleuropa.
V. umbonaria Lmk. Oligocän -- Pliocän. Mittel- und Südeuropa.
V. multilamella Lmk. (Fig. 266 A-C) }
} Miocän. Mittel- und Südeuropa.
V. cincta Eichw. }
V. plicata Gmel. Miocän und Pliocän. Europa. Lebend im indischen
Ocean.
V. casina Lin. Pliocän und lebend. Europa.
V. mercenaria Lin. Lebend. Atlantische Küsten Europas und
Nordamerikas.
[Illustration: Fig. 266. Venus multilamella Lmk. Miocän. Wiener Becken.
A rechte Klappe von aussen. lu = Lunula. B dieselbe von innen. C
Schloss der linken Klappe. mz₁-mz₃ = Hauptzähne; l = Bandfeld; m’ =
vorderer, n’ = hinterer Muskeleindruck; mb = Mantelbucht; k = Kerben
des Schalenrandes.]
Cytherea Lmk. (= Meretrix) (Fig. 267). Unterscheidet sich von Venus
durch die starke Ausbildung des vorderen, queren Seitenzahnes in der
linken Klappe (vz) und durch das ständige Fehlen der Schalenkerbung.
Zuweilen auch ein hinterer Seitenzahn angedeutet. Mantelbucht (mb)
meist tiefer als bei Venus. Geologische Verbreitung wie Venus; die
Maximalentwickelung fällt aber in das Eogen.
C. ovalis Gf. sp. } Mitteleocän. Europa.
C. semisulcata Lmk.}
C. incrassata Sow. sp. Oligocän. Europa.
C. Pedemontana Ag. (Fig. 267). Miocän. Europa.
C. Chione Lin. Pliocän -- Lebend. Europa.
[Illustration: Fig. 267. Cytherea Pedemontana Ag. Miocän. Grund, Wiener
Becken. Linke Klappe von innen. vz = vorderer Seitenzahn (Lunularzahn);
mz₁-mz₃ = Hauptzähne; l = Bandgrube; mb = Mantelbucht; m = vorderer, n
= hinterer Muskeleindruck.]
Fam. Tellinidae.
Schale meist dünn, quer verlängert, hinten meist ausgezogen und ein
wenig klaffend. Wirbel klein. Zähne zart, höchstens 2 Hauptzähne und
meist ein hinterer und vorderer Seitenzahn ausgebildet. Mantelbucht
tief und ausgeweitet. Schalenrand ungekerbt. Die beiden Klappen sind
meist ein wenig ungleich. Vom Jura an, sehr häufig im Tertiär und in
der Gegenwart.
[Illustration: Fig. 268. A-C Tellina crassa Penn. Miocän. Wiener
Becken. A rechte Klappe von aussen. f = Falte nach hinten ziehend.
B dieselbe von innen. C Schloss der linken Klappe. m’ = vorderer,
n’ = hinterer Muskeleindruck; mb’ = Mantelbucht (erweitert); vz,
vz’ = vordere, hz, hz’ = hintere Seitenzähne; mz₁-mz₂, mz’₁-mz’₂ =
Hauptzähne; l = Bandfeld.]
Tellina L. (Fig. 268 A-C) Hinterseite der Schale von der Seitenmitte
durch eine Falte (A f) getrennt, oft kürzer als die Vorderseite. Wirbel
fast mittelständig. Mit concentrischen Streifen, seltener radial,
verziert. Lunula fehlt. Seitenzähne der rechten Klappe (B vz’, hz’)
stärker als die der linken (C vz, hz). Vom Jura an, in der Kreide noch
spärlich, später sehr häufig. Mehrere hundert Arten lebend in allen
Meeren.
T. semiradiata Math. Turon und Senon. Mitteleuropa.
T. rostralis Lmk. Mitteleocän. Mitteleuropa.
T. Nysti Desh. Oligocän. Mitteleuropa.
T. crassa Penn. (Fig. 268 A-C) }
} Miocän -- Lebend. Europa.
T. donacina Lin. }
Fam. Solenidae.
Diese Familie umfasst scheidenförmig quer verlängerte, vorn und hinten
klaffende Muscheln mit kaum sichtbaren Wirbeln und sehr schwachen
Hauptzähnen. Seitenzähne fehlen. Bereits seit der paläozoischen Zeit
vorhanden. Die Stellung dieser Familie ist noch nicht gesichert. Die
bekannteste Gattung ist:
Solen L. Wirbel am Vorderende der scheidenförmigen Schale gelegen.
Oberfläche nur mit concentrischen Anwachsstreifen. Linke Klappe mit
2 hakenförmigen Zähnen, rechte mit einem. Tertiär und Gegenwart.
Zahlreiche lebende Arten in fast allen Meeren.
S. obliquus Sow. Mittel- und Obereocän. England, Frankreich.
S. vagina Lin. Miocän -- Lebend. Europa.
S. subfragilis Eichw. Neogen (Sarmatische Stufe). Osteuropa.
Der Form nach nahestehende Muscheln kennt man schon vom Devon an,
z. B. (?) S. pelagicus Gf. Mitteldevon. Eifel.