Die Schalen der Heterodonta zeigen eine grosse Mannigfaltigkeit
der äusseren Gestaltung. Sie sind theils gleichklappig, theils
ungleichklappig. Das Ligament liegt meist äusserlich, selten innerlich.
Das Schloss setzt sich im normalen, d. h. nicht reducirten Zustande,
aus den abwechselnd in den beiden Klappen gestellten, unter dem
Wirbel gelegenen Hauptzähnen und den randlich gestellten Seitenzähnen
zusammen, deren Zahl in jeder Klappe stets eine geringe (0-6) ist.
Jedem Zahne in der einen Klappe entspricht eine Zahngrube in der
anderen und umgekehrt. Dabei greifen die Zähne derart in einander, dass
kein todter Raum zwischen denselben bleibt und dass zwei benachbarte
Zähne derselben Klappe stets durch einen Zahn der anderen Klappe
getrennt werden (Fig. 256 B, C). Häufig verschwinden die Seitenzähne
ganz, und auch die Hauptzähne können in seltenen Fällen vollständig
reducirt werden. Da die Ausbildung der Schlosszähne selbst bei sonst
nahestehenden Formen sehr verschieden sein kann, ja mitunter bei einer
und derselben Art, je nachdem die rechte oder linke Klappe festwächst
die Bezahnung wechselt, so lässt sich das Schloss nicht als alleiniges
Unterscheidungsmerkmal der Familien und Gattungen verwenden, sondern
es müssen neben dem allgemeinen Charakter des Schlosses noch andere
Kennzeichen zu Hilfe genommen werden. Bei der Mehrzahl der Heterodonta
gleichen sich die beiden Klappen bis auf die Bezahnung vollständig, bei
einer aberranten Abtheilung derselben, den Chamacea, entwickeln sich
dagegen die beiden Klappen sehr verschieden, indem die eine (rechte
oder linke) durch Festwachsen und Ausdehnung in die Dicke (Unterklappe)
viel grösser wird und sich anders gestaltet, als die andere, freie,
meist weniger grosse, deckelartige (Deckelklappe).
[Illustration: Fig. 256. Tellina crassa Penn. Miocän. Wiener Becken.
Eine heterodonte Muschel mit normalem Schloss. In der rechten Klappe
(B) befinden sich unter dem Wirbel 2 Hauptzähne, ein vorderer (mz’₁)
und ein hinterer (mz’₂). In die Grube zwischen beiden passt der
vordere Hauptzahn der linken Klappe (C mz₁), während der hintere
Hauptzahn der linken (C mz₂) in die Grube hinter dem hinteren Hauptzahn
(mz’₂) der rechten Klappe eingreift. Das Schloss der rechten Klappe
besitzt jederseits einen leistenförmigen, dem Schalenrande parallelen
Seitenzahn (B vz’ = vorderer, hz’ = hinterer). Der vordere (B vz’)
greift in eine Grube über dem vorderen Seitenzahne der linken Klappe
(C vz), der hintere in eine Grube unter dem hinteren Seitenzahne der
linken Klappe (C hz) ein.]
Man kennt Vertreter der Heterodonta schon vom Silur an, ihre
Hauptentwickelung erreichen sie aber erst in mesozoischen und jüngeren
Schichten. Sie kommen theils im Meerwasser, theils im Süsswasser vor.
Eintheilung der Heterodonta.
1. Conchacea. Schale im Allgemeinen gleichklappig, meist frei, in
seltenen Fällen mit einer Klappe angeheftet. Seitenzähne meist
vorhanden (Fig. 256).
A. Integripalliata. Mantellinie ohne Mantelbucht (Fig. 257).
B. Sinupalliata. Mantellinie mit einer deutlichen Bucht (Fig. 256).
2. Chamacea. Schale dick, (meist stark) ungleichklappig, stets mit einer
Klappe, festgewachsen. Ohne Seitenzähne. Hauptzähne meist sehr stark
(Fig. 269).