Die Taxodonta oder Reihenzähnler sind gleichklappige, häufig auch
gleichseitige Muscheln von rundlichem (Fig. 240) oder verquertem
Umriss (Fig. 241). Stets 2 gleiche Muskeleindrücke (Fig. 240 m, n)
entwickelt. Mantellinie selten ausgebuchtet. Der gerade oder gebogene
Schlossrand ist mit zahlreichen, in Reihen gestellten, kerben- oder
leistenförmigen, wenig differenzirten Zähnen besetzt (Fig. 240 z). Das
Ligament liegt innerlich (Fig. 241 B l) oder äusserlich (Fig. 240 ar),
aber stets unter dem Wirbel, nicht ausschliesslich hinter dem Wirbel,
wie bei der Mehrzahl der Heterodonta. Für viele Gattungen ist das
Vorkommen eines äusseren dreieckigen Bandfeldes (Bandarea -- Fig. 240
ar) bezeichnend. Zuweilen stehen die Wirbel in der Mitte der Schale
(Fig. 240 w), häufiger sind sie etwas nach vorn gerückt (Fig. 241-243).
Die ungleichseitigen Formen werden manchen Heteromyaria (Pterinea p.
280) sehr ähnlich, unterscheiden sich aber von denselben durch den
Mangel eines Ohres und des Byssusausschnittes.
Der Anschluss an die Palaeoconchae ist durch Gattungen mit Bandfeld und
schwach entwickelten, kerbenartigen Zähnen gegeben.
Vom Silur an bis zur Gegenwart verbreitet, seit der Jurazeit besonders
häufig.
[Illustration: Fig. 240. Pectunculus pilosus Lin. Miocän. Wiener
Becken. Rechte Klappe von innen (links = vorn). m = vorderer, n =
hinterer Muskeleindruck; z = Zähne; ar = Bandarea; w = Wirbel; k =
Kerben des Schalenrandes.]
[Illustration: Fig. 241. Leda Deshayesii Duch. Mittel-Oligocän. Mainzer
Becken. Linke Klappe. A von aussen. B von innen. m = vorderer, n =
hinterer Muskeleindruck; am = accessorische Muskeleindrücke; z, z’ =
Schlosszähne; l = Ligament; b = Mantelbucht; k = Kante, vom Wirbel zum
Hinterrande verlaufend.]
Eintheilung der Taxodonta (oder Arcacea).
A. Band in der Regel äusserlich, auf einem dreieckigen, seltener linearen
Bandfelde unter den Wirbeln gelegen und die Wirbel der beiden Klappen
von einander entfernend. Umriss der Schale gerundet oder verquert
rechteckig. Schlosslinie gerade oder gebogen (Fig. 242-244).
Fam. Arcidae.
B. Band in der Regel innerlich. Aeusseres Bandfeld fehlt. Wirbel
genähert. Schalen ungleichseitig, nach hinten meist ausgezogen und
verschmälert. Schlosslinie geknickt (Fig. 245, 246).
Fam. Nuculidae.
Fam. Arcidae.
Arca Lin. (Fig. 242). Schale rundlich bis queroval. Wirbel stets aus
der Mitte gerückt. Schlossrand lang und gerade, mit zahlreichen,
senkrechten Kerbzähnen (A z). Ligament auf einer rhombischen, meist
gestreiften Bandfläche (B ba) gelegen. Schale am Unterrande etwas
klaffend. Oberfläche in der Regel mit radialen Rippen (A); wenn die
Berippung sehr stark, erscheint der Innenrand der Schale gekerbt (B k).
Vom Untersilur bis zur Gegenwart, vom Jura an recht häufig. Zahlreiche
lebende Arten in den wärmeren Meeren.
A. striata Schl. sp. Perm. Deutschland, Nordamerika.
A. elongata Sow. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
A. trisulcata Gf. Oxford -- Tithon. Mitteleuropa.
A. interrupta }
} Lmk. Eocän. Frankreich. England.
A. biangula }
A. Fichteli Desh. Miocän. Mitteleuropa.
A. Noae Lin. }
A. diluvii Lmk. (Fig. 242 A, B). } Miocän -- Lebend. Europa.
A. barbata Lin. }
[Illustration: Fig. 242. A, B Arca diluvii Lmk. Pliocän. Siena,
Italien. Linke Klappe. A von aussen, B von innen. ba = Bandfeld; z =
Schlosszähne; m = vorderer, n = hinterer Muskeleindruck; k = Kerben des
Schalenrandes.]
[Illustration: Fig. 243. Cucullaea fibrosa Sow. Gault. Frankreich.
Linke Klappe von innen. ba = Bandfeld; z = Mittelzähne, sz =
Seitenzähne; m = vorderer, n = hinterer Muskeleindruck, nach innen
durch eine Muskelleiste gestützt.]
Cucullaea Lmk. (Fig. 243). Von Arca durch schiefes Hervortreten
der Hinterseite und quere Stellung der seitlichen, leistenartigen
Schlosszähne (sz) unterschieden. Mittelzähne (z) und Bandfeld (ba)
wie bei Arca. Grobe Radialstreifen oder Rippen fehlen. Vom hinteren
Muskeleindruck (n) zieht sich meist eine scharfe Leiste zum Wirbel,
die auf den Steinkernen als markirte Furche erscheint. Von der
Steinkohlenformation an, häufig im Jura und in der Kreide, selten im
Tertiär und in der Gegenwart. Die älteren Formen gehören zumeist der
Untergattung Macrodon Lyc. (Wirbel ganz nach vorn gerückt) an.
C. (Macrodon) Beyrichi. Unterer Muschelkalk. Deutschland.
C. (Macrodon) Hirsonensis M. & Lyc. Oberer Dogger. England,
Frankreich, Süddeutschland, Schweiz.
C. Muensteri Ziet. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
C. oblonga Sow. Mittlerer Dogger. Mitteleuropa.
C. concinna Gf. Oberer Dogger. Süddeutschland.
C. Hersilia d’Orb. Oxford. Mitteleuropa.
C. Gabrielis d’Orb. Neocom. Europa, Südamerika.
C. fibrosa Sow. (Fig. 243). Gault. Frankreich, England, Schweiz.
C. glabra Sow. Obere Kreide. Europa.
C. crassatina Lmk. Eocän. Pariser Becken.
Pectunculus Lmk. (Fig. 244). Schale dick, meist gleichseitig, gerundet,
seltener etwas schief und dann nach hinten verbreitert. Wirbel (w)
schwach nach hinten gebogen. Vorderer Muskeleindruck (m) dreieckig --
gerundet, hinterer (n) trapezförmig -- gerundet, etwas kleiner als
der vordere und nach innen durch eine scharfe Leiste begrenzt. Die
gebogene Reihe der Kerbzähne (z) geht hinten etwas tiefer hinunter als
vorn. Mittelzähne klein oder verschwindend. Mantellinie nach hinten
zumeist ein wenig ausgeweitet. Bandfläche (ar) breit, ähnlich wie bei
Arca. Oberfläche mit feinen concentrischen und radialen Streifen (nicht
eigentlichen Rippen) verziert. Innenrand der Schale gekerbt (k). Von
der Kreide an, sehr häufig im Tertiär und in den heutigen Meeren.
P. sublaevis Sow. Cenoman. England, Frankreich, Sachsen, Böhmen.
P. Marotti d’Orb. Unteres Senon. Südfrankreich, Salzkammergut.
P. pulvinatus Lmk. Eocän. Frankreich, England.
P. obovatus Lmk. } Oligocän. Frankreich,
P. angusticostatus Lmk. } Belgien, Deutschland.
P. pilosus Lin. (Fig. 244). Miocän -- Lebend. Europa.
P. glycimeris Lin. Pliocän -- Lebend. Europa.
[Illustration: Fig. 244. Pectunculus pilosus Lin. Miocän. Grund
b. Wien. Rechte Klappe von innen (links = vorn). w = Wirbel; ar =
Bandfeld; z = Zähne; m = vorderer, n = hinterer Muskeleindruck; k =
Kerben des Schalenrandes.]
Fam. Nuculidae.
Nucula Lmk. (Fig. 245). Schale flach oder gewölbt, dreiseitig (nach
hinten verschmälert) oder queroval. Wirbel meist stark nach vorn
gerückt, selten fast mittelständig. Ligament innerlich, in einer
dreieckigen, schräg nach hinten gerichteten Grube unter dem Wirbel
gelegen (vgl. Leda -- Fig. 246 B l). Zähne zahlreich, kurz, eine
geknickte und durch das Ligament unterbrochene Reihe bildend (Fig. 245
A z), auf dem Steinkern eine beiderseits gekerbte Mittelleiste (C z)
hinterlassend. Oberfläche mit concentrischen Streifen (B) oder auch
(seltener) mit radialen. Innenrand der Schale glatt (A) oder gekerbt
(bei den jüngeren Arten). Accessorische Muskeleindrücke (vgl. Leda --
Fig. 246 am) bei den älteren Formen häufig vorhanden. Vom Silur an,
gemein vom Jura bis zur Gegenwart.
N. Beyrichi v. Schaur. Zechstein. Thüringen, Nordamerika.
N. strigillata Gf. Alpenkeuper (Cassianer Schichten). Dolomitalpen.
N. palmae Sow. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
N. Hammeri Dfr. (Fig. 245 A, B). Unterer Dogger (Opalinus-Sch.).
Mitteleuropa.
N. pectinata Sow. Gault. England, Frankreich.
N. Neckeri P. & R. (Fig. 245 C). Gault. Frankreich, Schweiz.
N. Parisiensis Desh. Mitteleocän. Pariser Becken.
N. Chastelii Nyst. Mitteloligocän. Pariser und Mainzer Becken.
N. margaritacea Lmk. Miocän -- Lebend. Europa.
[Illustration: Fig. 245. A-C Nucula. A, B N. Hammeri Dfr. Unterer
Dogger (Opalinus-Sch.). Gundershofen, Unterelsass. A linke Klappe
von innen. Die Zahnreihe (z) ist unter dem Wirbel durch eine (nicht
gezeichnete) Ligamentgrube unterbrochen. B rechte Klappe von aussen. C
N. Neckeri P. & R. Oberer Gault. Perte du Rhône. Steinkern von oben. z
= gekerbte Mittelleiste.]
[Illustration: Fig. 246. A, B Leda Deshayesii Duch. Mitteloligocän.
Mainzer Becken. Linke Klappe. A von aussen, B von innen. k = Kante, vom
Wirbel zum Hinterrande verlaufend; l = Ligamentgrube; z = vordere, z’
= hintere Zahnreihe; m = vorderer, n = hinterer Muskeleindruck; am =
accessorische Muskeleindrücke; b = schwach angedeutete Mantelbucht.]
Leda Schum. (Fig. 246). Schale nach hinten mehr oder weniger stark
ausgezogen (geschnäbelt). Oberfläche concentrisch oder schräg
gestreift, mit einer vom Wirbel zum Hinterrande verlaufenden Kante
(A). Bandgrube dreieckig, unter dem Wirbel gelegen (l). Mantellinie
mit schwacher Bucht (b) vor dem hinteren Muskeleindruck (n). Zwischen
dem Wirbel und dem vorderen Muskeleindruck (m) häufig eine Reihe
accessorischer Muskeleindrücke (B am) vorhanden. Wirbel schwach
zurückgebogen. Zahlreiche Arten vom Silur bis zur Gegenwart. Lebend
hauptsächlich in kälteren Meeren.
L. speluncaria Gein. Zechstein. Mitteldeutschland.
L. elliptica Mnstr. Alpenkeuper (Cassianer Sch.). Südtirol.
L. complanata Phill. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
L. claviformis Sow. Unterer Dogger (Torulosus-Sch.). Mitteleuropa.
L. Deshayesii Duch. (Fig. 246). Leitfossil für den mitteloligocänen
Septarienthon in Mitteleuropa.
L. (Yoldia) arctica Gray. Pliocän. England. Diluvial. Nordeuropa
(Yoldienthon). Lebend in den arktischen Meeren in Wasser zwischen +1°
und -2° C.