Unter diesem Namen fasst man in äusseren Merkmalen wechselnde, sehr
dünnschalige, gleichklappige Muscheln mit gleichmässig entwickelten
Muskeleindrücken und einfacher Mantellinie zusammen, die entweder gar
keine oder sehr wenig differenzirte Schlosszahnbildungen besitzen. Sie
kommen wegen ihrer Dünnschaligkeit meist als Steinkerne vor, an denen
Mantellinie und Muskeleindrücke selten beobachtet werden können. Im
Umriss sind sie meist oval und breiter als hoch. Man vermuthet in den
Palaeoconchae -- die wegen ihrer mangelhaften Zahnentwickelung auch
Cryptodonta genannt werden -- die Stammgruppe, aus welcher sich die
übrigen 4 Ordnungen der Zweischaler ableiten. Im Paläozoicum treten sie
häufig, im Mesozoicum seltener auf und verschwinden in der Kreide. Sie
kommen nur in meerischen Sedimenten vor. Einige Gattungen enthalten
wichtige Leitfossilien, z. B.:
Cardiola Brod. (Fig. 229 A, B). Gewölbte Schalen mit geradem
Schlossrand und hervorragenden, nach vorn umgebogenen Wirbeln. Schale
mit radialen Rippen und gewellten, concentrischen Anwachsstreifen.
Das unter dem Wirbel befindliche dreieckige Feld (? Bandfeld) wird
zuweilen von Radialfurchen bedeckt, die am Schlossrande eine schwache,
gleichmässige Kerbung (B z) hervorbringen. Doch ist hier noch keine
Differenzirung in seitliche stärkere und mittlere schwächere Zahnkerben
eingetreten, wie bei den Taxodonten. Auf Silur und Devon beschränkt.
[Illustration: Fig. 229. Cardiola. A C. interrupta Sow. Obersilur.
Prag. Rechte Klappe (rechts = vorn). B C. alata Barr. Obersilur.
Böhmen. Rechte Klappe von oben, um die dreieckige Fläche unter dem
Wirbel und die Kerben (z) derselben zu zeigen. Die Spitze des Wirbels
ist abgebrochen.]
C. interrupta Sow. (Fig. 229 A, B). Obersilur. England, Frankreich,
Böhmen.
C. retrostriata v. B. sp. (Leth. pal., t. 35, Fig. 16). Oberdevon.
Belgien, Deutschland, Russland.
Die Gattung Cardiola und eine Anzahl verwandter silurischer Gattungen
mit theilweise besser differenzirten Zähnen zeigen äusserlich viel
Aehnlichkeit mit den jüngeren Gattungen Cardium und Cardita.
Posidonomya (= Posidonia) Bronn (Fig. 230). Rundliche oder
schief-ovale, fast flache Schalen mit concentrischen Anwachsstreifen
und meist geradem Schlossrand. Wirbel kaum hervorragend, ein wenig
nach vorn gerückt. Schlossrand ohne Zähne oder Gruben. Finden sich
stets gesellig und meist plattgedrückt in schieferigen oder kalkigen
Gesteinen. Die äusserlich sehr ähnliche Gattung Inoceramus (p. 283)
unterscheidet sich durch ihre viel dickere faserige Schale und den
Besitz von Ligamentgruben am Schlossrande. Die Schalen von Posidonomya
sind auch leicht mit denen der Phyllopoden-Gattung Estheria zu
verwechseln. Silur -- Jura.
P. Becheri Bronn (Fig. 230). Leitmuschel für die Culm-Facies des
Subcarbons in Europa (Deutschland, England, Spanien).
P. Bronni Gf. Leitmuschel für die sog. Posidonienschiefer des Oberen
Lias (ε) in Mitteleuropa.
P. alpina Gras. Bezeichnend für das sog. Posidonomyen-Gestein
(Klausschichten) des oberen Doggers der Alpen.
P. ornati Qu. Im Callovien Mitteleuropas und Südamerikas häufig.
[Illustration: Fig. 230. Posidonomya Becheri Bronn. Subcarbon (Culm).
Herborn, Nassau. Linke Klappe (links = vorn).]
[Illustration: Fig. 231. Monotis salinaria Schl. sp. Alpenkeuper
(Norische Stufe). Salzkammergut. Rechte Klappe. v = vorn; ho = hinteres
Ohr; w = Wirbel.]
Monotis Bronn (Fig. 231). Gleichklappige, schief ovale, schwach
gewölbte Muscheln mit wenig hervortretendem, vor der Mitte
gelegenem Wirbel. Vorderseite abgerundet. Hinter dem Wirbel ein
dreieckiges, hinten abgestutztes, flügelförmiges Ohr ohne deutlichen
Byssus-Ausschnitt (Unterschied von Pseudomonotis p. 281). Oberfläche
durch zahlreiche, vom Wirbel ausstrahlende, durch Einsetzen sich
vermehrende Rippen, feine concentrische Querstreifen und grobe Runzeln
verziert. Trias, ? Jura, wahrscheinlich schon im Devon.
M. salinaria Schl. sp. (Fig. 231). Alpiner Keuper (Norische Stufe).
Salzkammergut. Einzelne Bänke des Hallstätter Kalkes bestehen fast
ausschliesslich aus den Schalen dieser Muschel.
Daonella Mojs. (Fig. 232). Gleichklappige, nur wenig ungleichseitige
Schalen mit nahezu mittelständigem Wirbel. Vorn und hinten abgerundet,
ohne Ohren und Ausschnitt. Durch radiale, häufig bündelförmig gruppirte
Furchen gestreift. Alpiner Muschelkalk und Keuper, meist gesellig
auftretend. Spitzbergen, Nordamerika. Selten auch im ausseralpinen
Hauptmuschelkalk.
D. Moussoni Mer. sp. Norische Stufe. Südalpen.
D. Lommeli Wissm. sp. (Fig. 232). Norische Stufe (Wengener Sch.).
Südalpen, in den Nordalpen seltener. Afghanisches Turkestan.
[Illustration: Fig. 232. Daonella Lommeli Wissm. sp. Norische Stufe
(Wengener Sch.). Wengen, Südtirol. Rechte Klappe (rechts = vorn).]
Die nahe verwandte Gattung Halobia Bronn unterscheidet sich nur durch
den Besitz eines vorderen, dreieckigen, gewölbten Ohres. Norische und
karnische Stufe. Alpen, Spitzbergen, Neuseeland; gesteinbildend wie die
vorige Gattung.
H. rugosa Gm. Karnische Stufe. Nordalpen, Karpathen.