Litteratur über Mollusca.
Grössere Werke, in denen fossile Lamellibranchiata, Gastropoda
und Cephalopoda gleichzeitig behandelt sind. Diejenigen, welche
Cephalopoden enthalten, sind mit † versehen.
Paläozoische Formationen.
Geinitz, H. B. Dyas. Leipzig 1861. Nachträge I, II. 1880-82.
†Geological Survey of Illinois. Vol. II-VII. 1866-1883.
†Hall, J. Palaeontology of New-York. Vol. I-V. Albany. 1847-1885.
King, W. Monograph of the Permian Fossils of England. (Palaeontogr.
Society 1849.)
†M’Coy, Fr. Systematic Description of the British Palaeozoic Fossils.
London 1851-1855. (Zweiter Theil von Sedgwick’s Synopsis of the
Classification of the British Palaeozoic Rocks.)
Sandberger, G. und F. Die Versteinerungen des rheinischen
Schichtensystems in Nassau. 1850-1856.
Mesozoische Formationen.
Alberti, F. Überblick über die Trias. Stuttgart 1864.
†Geinitz, H. B. Das Elbthalgebirge in Sachsen (Paläontograph. Bd. XXX.
1870-75).
†Laube, G. Die Fauna von St. Cassian (Denkschr. d. Wiener Akad. d. W.
Bd. XXV. 1866).
Morris & Lycett. Monograph of the Mollusca of the Great Oolite; and
Supplement. (Palaeont. Society 1850, 1854, 1863.)
†Pictet et Campiche. Description des Fossiles du terrain crétacé de
Ste. Croix. In Pictet, matériaux pour la Paléontologie Suisse. V Sér.
†Quenstedt, F. A. Der Jura. Tübingen 1858.
Stoppani, A. Paléontologie Lombarde. Vol. I, II 1858-65.
etc. etc.
Känozoische Formationen.
Deshayes, G. P. Description des coquilles fossiles des environs de
Paris. Paris 1824-37.
---- Description des animaux sans vertèbres. Paris 1860-66.
Nyst, P. H. Description des Coquilles et des Polypiers fossiles des
terr. tert. de la Belgique. Bruxelles 1843.
Philippi, R. A. Die tertiären und quartären Versteinerungen Chiles.
Leipzig 1887.
Sandberger, Fr. Die Conchylien des Mainzer Tertiärbeckens. Wiesbaden
1860-1863.
Wood, S. Monograph of the Crag Mollusca (Palaeontogr. Society 1851,
1856).
Land- und Süsswassermollusken.
Neumayr, M., und Paul, C. M. Die Congerien- und Paludinenschichten
Slavoniens (Abh. d. k. k. geol. Reichsanstalt z. Wien. Bd. VII 1875).
Sandberger, Fr. Die Land- und Süsswasser-Conchylien der Vorwelt.
Wiesbaden 1875.
White, Ch. A. A Review of the Non-marine Fossil Mollusca of North
America.
Grössere Sammelwerke.
Goldfuss. Petrefacta Germaniae. 1826-40.
†Sowerby. Mineral Conchyology. 1812-1829.
Hand- und Lehrbücher über Mollusca (und Brachiopoda).
†Bronn, H. G. Klassen und Ordnungen des Thierreiches. Bd. III 1862-66.
†Fischer, P. Manuel de Conchyliologie. Paris 1880-87.
Philippi, R. A. Handbuch der Konchyliologie und Malakozoologie. Halle
1853.
†Woodward, S. P. A Manual of the Mollusca. IIIᵗʰ edit. with Appendix by
R. Tate. London 1875.
Der weiche, ungegliederte Körper der Mollusca oder Weichthiere besitzt
einen zweiseitig symmetrischen Bau. Ein bauchständiger Muskel, der
Fuss, dient zur Fortbewegung; der grösste Theil des Körpers, besonders
das Athmungsorgan, wird von einem Hautlappen, dem Mantel, umhüllt,
welcher in der Regel eine einfache oder aus mehreren Stücken bestehende
Kalkschale absondert. Gegliederte Anhänge sind nie vorhanden. Das
Nervensystem besteht aus 3 Hauptganglienpaaren. Bei den meisten
Weichthieren befindet sich im vorderen Theile des Verdauungscanals
eine Reibplatte oder Zunge (Odontophor). Die Fortpflanzung geschieht
durchgängig auf geschlechtlichem Wege. Die Mehrzahl der Weichthiere
lebt im Wasser, nur wenige (Landschnecken) sind dem Aufenthalte auf dem
Lande angepasst. Unter den Wasserbewohnern überwiegen die marinen über
die limnischen.
Die gut erhaltbaren Reste der Mollusken sind in allen fossilführenden
Formationen häufig und liefern werthvolle Leitfossilien, zumal ihre
horizontale Verbreitung in der Regel eine sehr weite, ihre verticale
eine beschränkte ist.
Eintheilung der Mollusca.
A. Thier ohne gesonderten Kopf. Schale zweiklappig oder einfach
röhrenförmig (und dann an beiden Enden offen). Acephala.
a. Schale zweiklappig; die beiden Klappen durch ein elastisches Band
verbunden. Zunge und Kiefer fehlen.
1. Klasse: Lamellibranchiata (Blätterkiemer, Muschelthiere).
b. Schale röhrenförmig, an beiden Enden offen. Zunge und Kiefer
vorhanden.
2. Klasse: Scaphopoda (Grabfüssler).
B. Thier mit gesondertem Kopf. Schale meist einfach, spiral gewunden,
röhren- oder napfförmig. Cephalophora.
a. Kopf undeutlich vom Thiere geschieden, Mund nicht von Armen
umgeben. Fuss nicht durchbohrt.
α. Fuss einfach, in der Mitte der Bauchfläche. Schale meist
vorhanden, solid, gewöhnlich unsymmetrisch spiral gewunden.
3. Klasse: Gastropoda (Bauchfüssler, Schneckenthiere).
β. Fuss zu paarigen Flossen umgestaltet. Schale, wenn vorhanden,
dünn, zerbrechlich und meist zweiseitig symmetrisch.
4. Klasse: Pteropoda (Flossenfüssler).
b. Kopf deutlich vom Thiere geschieden, mit 8 oder 10 Armen. Fuss
trichterförmig, durchbohrt.
5. Klasse: Cephalopoda (Kopffüssler, Tintenfische).
1. Klasse: Lamellibranchiata
(= Pelecypoda, Conchifera, Acephala, Bivalvia).
Litteratur über Lamellibranchiata.
(Vergl. auch p. 228 f.)
Agassiz, L. Etudes critiques sur les Mollusques fossiles. Neufchâtel
1840-45.
Barrande, J. Système silurien du centre de la Bohême. Vol. VI:
Acéphalés. 4 Bde. Paris et Prague 1882.
Coquand, H. Monographie du genre Ostrea. Terrain crétacé. Marseille
1869.
Douvillé, H. Essai sur la Morphologie des Rudistes. (Bull. soc. géol.
France, 3ᵉ sér., t. XIV 1886, p. 389). Chamidés (ibid. t. XV 1887, p.
756).
Hall, J. Geolog. Survey of the State of New York. Palaeontology vol. V,
Part 1: Lamellibranchiata. 2 Bde 1884-85.
Hoernes, R. Die fossilen Mollusken des Wiener Tertiärbeckens (Abh. d.
k. k. geol. Reichsanstalt. Bd. IV 1870).
de Koninck. Faune du Calcaire carbonifère de la Belgique. Vᵉ partie.
1886. (Annales du Musée royal d’histoire nat. de Belgique.)
Lycett, J. A Monograph of the British Fossil Trigoniae. (Palaeontogr.
Society 1872-1879).
Moesch, C. Monographie der Pholadomyen (Abh. d. schweiz. paläont.
Gesellschaft, Bd. I, II) 1874-75.
Neumayr, M. Zur Morphologie des Bivalvenschlosses (Sitzb. d. k. k.
Akad. d. Wiss. z. Wien, Bd. 88, I. Abth. 1883).
Paléontologie française. Terr. crétacés, vol. III, IV. 1843-47.
Stoliczka, F. Memoirs of the Geological Survey of India. Palaeontologia
Indica. Cretaceous Fauna of Southern India III, ser. VI. The
Pelecypoda. Calcutta 1870-1871.
White, Ch. A. A Review of the fossil Ostreidae of North America. (IV
Annual Report of the U. S. Geolog. Survey 1882-83. Washington 1884.)
Wood. S. V. A Monograph of the Eocene Bivalves of England.
(Palaeontogr. Society 1861-71.)
Zittel, K. A. Die Bivalven der Gosaugebilde. (Denkschr. d. k. k. Akad.
d. Wiss. zu Wien Bd. XXV) 1865-66.
[Illustration: Fig. 221. A eine ungleichklappige Muschel von vorn
gesehen. Die rechte (bei dieser Stellung linke) Klappe ist grösser
und stärker gewölbt als die linke (rechte). Die Wirbel sind nach vorn
übergebogen. B eine gleichklappige Muschel von oben und hinten gesehen.
Vorn = oben, hinten = unten. Das Ligament (l) liegt hinter den nach
vorn gerückten Wirbeln. Linke Klappe links, rechte Klappe rechts.]
Die Muschelthiere unterscheiden sich durch das Fehlen des Kopfes und
der Kauwerkzeuge, sowie durch den Besitz einer zweiklappigen Kalkschale
von den höher organisirten Weichthieren. Die Schale besteht aus zwei,
links und rechts von der Mittelebene des Thieres gelegenen Theilen
oder Klappen (Fig. 221 A) (Unterschied von den Brachiopodenschalen,
deren Klappen durch die Mittelebene halbirt werden). -- Besitzen
die beiden Klappen gleiche Grösse und Wölbung, so heisst die Schale
gleichklappig (Fig. 221 B), im entgegengesetzten Falle ungleichklappig
(Fig. 221 A). Dieser Unterschied tritt am besten hervor, wenn man die
Trennungsebene der beiden Klappen (Mittelebene) in die Gesichtslinie
fallen lässt (Fig. 221). Gewöhnlich stellt man die Schale aufrecht,
mit dem zuerst gebildeten Theil, dem Wirbel (Fig. 222 w), nach oben
und betrachtet dieselbe von der Seite, so dass bei gleichklappigen
Schalen nur eine Klappe sichtbar ist (Fig. 234 A). Für diese Stellung
gelten die Bezeichnungen Länge = Ausdehnung von links nach rechts
(Fig. 222 y-y), Höhe = Ausdehnung von oben nach unten (Fig. 222 x-x)
und Dicke = Ausdehnung von vorn nach hinten (die Breite der Schale
in Fig. 221 A, B). Die Bezeichnungen Oberrand (oder Schlossrand) und
Unterrand verstehen sich von selbst. Vorderrand (Fig. 222 rechts) und
Hinterrand (Fig. 222 links) werden nach der Lage des Wirbels, welcher
gewöhnlich nach vorn gerückt und oft nach vorn eingebogen ist, und nach
der Lage des elastischen Bandes, des Ligamentes, welches ganz oder zum
grössten Theil hinter dem Wirbel gelegen ist (Fig. 221 B l; Fig. 222
l), bestimmt. Die Bezeichnungen rechte oder linke Klappe gelten für die
Betrachtung der Schale von hinten oder oben, wenn der Vorderrand nach
vorn, der Hinterrand nach hinten gerichtet ist (Fig. 221 B). Blickt man
von vorn auf die Schale, so kehren sich die Bezeichnungen um (Fig. 221
A). Da der Wirbel meist nicht in der Mitte des Oberrandes gelegen und
der Vorderrand vom Hinterrande verschieden gebildet ist, so erscheinen
die Schalen von der Seite gesehen ungleichseitig (Fig. 222) und zwar in
den meisten Fällen vorn kürzer als hinten. Ungefähre Gleichseitigkeit
kommt nur bei den Ordnungen der Taxodonta und Dysodonta vor (Fig. 240;
Fig. 227 A).
[Illustration: Fig. 222. Die linke Klappe einer Muschel von innen
gesehen. Der Vorderrand liegt rechts, der Hinterrand links. x-x =
Höhe, y-y = Länge der Schale; w = Wirbel, dem Vorderrande genähert;
l = Ligament, hinter dem Wirbel gelegen; m = vorderer, n = hinterer
Muskeleindruck; ml = Mantellinie; mb = Mantelbucht; vz = vorderer
Seitenzahn; mz₁-mz₃ = vorderer, mittlerer und hinterer Hauptzahn.]
Das elastische Band (Ligament), welches die beiden Klappen am oberen
(dorsalen oder Schloss-) Rande zusammenhält, ist in der Regel von
aussen sichtbar und dann von horniger Beschaffenheit (äusseres Ligament
-- Fig. 221 B l). Häufig rückt ein Theil desselben, seltener das
ganze Band, zwischen die Ränder der beiden Klappen und wird knorpelig
(inneres Ligament -- Fig. 228 B l). Meist liegt es in einer Grube
(Bandgrube -- Fig. 223 lg), zuweilen auf einem abgegrenzten Felde
unter den Wirbeln (Bandarea -- Fig. 240 ar). Durch die selbstthätige
Contraction des Bandes wird ein Klaffen der Schale am Unter-, Vorder-
und Hinterrande verursacht, während das Schliessen der Schale durch ein
Muskelpaar oder durch einen einfachen Muskel geschieht. Die Eindrücke
der Schliessmuskeln sind auf der Innenseite jeder Klappe sichtbar.
Meist sind 2, nahezu gleich grosse, ein vorderer (Fig. 222 m) und ein
hinterer (Fig. 222 n) Muskeleindruck vorhanden -- Dimyaria, seltener
zwei sehr ungleiche (Fig. 281 m, n) -- Heteromyaria, oder nur ein
einziger, dem Hinterrande etwas genäherter, der hintere (Fig. 223
n) -- Monomyaria. Die kleinen Eindrücke der ebenfalls meist paarigen
Fussmuskeln sind oft in der Nähe der Schliessmuskeleindrücke zu
beobachten (Fig. 255 B fn). Viel seltener bleiben die Eindrücke der
Muskeln, mit welchen der Eingeweidesack sich an der Schale festheftet,
auf derselben sichtbar. Bei manchen Formen der Nuculidae bilden sie
eine markirte Reihe, welche vom hinteren Schliessmuskel zum Wirbel
zieht (Fig. 226 B am) -- accessorische Muskeleindrücke.
[Illustration: Fig. 223. Dysodontes Schloss (linke Klappe von Ostrea
Gingensis von innen). Ein einziger Muskeleindruck, der hintere (n), dem
Hinterrande genähert, vorhanden. Mantellinie undeutlich. Am Wirbel die
dreieckige Ligamentgrube (lg). Schlosszähne fehlen gänzlich.]
[Illustration: Fig. 224. Heterodontes Schloss (Cyprina tumida Nyst.).
R = rechte, L = linke Klappe von innen. L zeigt den vorderen (m) und
hinteren (n) Muskeleindruck und die beide verbindende ganzrandige
Mantellinie. l = Ligamentgrube, vom Wirbel nach hinten sich
verlängernd. Die Hauptzähne der linken Klappe, L a, b, c, wechseln
mit den Hauptzähnen der rechten, R e, f, ab und greifen in die
entsprechenden Zahngruben, R a’, b’, c’ ein, desgl. die Hauptzähne der
rechten Klappe. Linke Klappe mit einem hinteren Seitenzahne d, in die
hintere Zahngrube der rechten d’ passend. Der hintere Seitenzahn der R
(g) greift hinter denjenigen der L (g’). Zahnformel: L 10101 / R 01010.]
Die Grenze, bis zu welcher der Mantel des Thieres mit der Schale fest
verwachsen ist, erscheint in der Regel auf der Innenseite beider
Klappen als scharf bezeichnete Linie, welche dem Schalenrande ungefähr
parallel verläuft (Mantellinie -- Fig. 222 ml). Bei den Homomyaria und
Heteromyaria verläuft die Mantellinie von einem Muskeleindruck (Fig.
224 L m) zum andern (Fig. 224 L n). Sie heisst ganzrandig bei einfach
bogenförmigem Verlaufe (Fig. 224 L -- Integripalliata), ausgebuchtet,
wenn -- am hinteren Ende -- eine Einbiegung (Mantelbucht -- Fig. 222
mb) vorhanden ist (-- Sinupalliata). Das Auftreten dieser Bucht hängt
von der Entwickelung der Kloaken- und Kiemenöffnung im Mantel zu mehr
oder minder langen Röhren, den sog. Siphonen, ab.
Behufs festerer Verbindung der beiden Klappen finden sich bei den
meisten Muscheln am oberen oder Schlossrande zahn- oder leistenartige
Vorsprünge entwickelt, sog. Zähne (Fig. 224 a-f), welche in der Regel
in entsprechende Gruben der anderen Klappe -- Zahngruben (Fig. 224
a’-f’) -- eingreifen und so eine feste Angel herstellen, die eine
seitliche Verschiebung der beiden Klappen erschwert oder unmöglich
macht. Diese Articulationseinrichtung wird als Schloss bezeichnet.
Der Ober- oder Schlossrand jeder Klappe ist zu einer Platte --
Schlossplatte -- verbreitert und verdickt (Fig. 224). Wir haben
folgende verschiedene Arten der Schlossbildung zu unterscheiden:
1. Das Schloss ist dysodont (zahnlos), d. h. es fehlen zahnartige
Vorsprünge vollständig und die Klappen articuliren nur durch Ligament
(Fig. 223).
2. Das Schloss ist heterodont. In jeder Klappe finden sich eine
beschränkte Anzahl (bis 6) leistenförmige, seltener hakenförmige
Zähne (Fig. 224 L a, b, c, d, R e, f, g), die durch Zahngruben (L e’,
f’, R a’, b’, c’, d’) von einander getrennt werden. Die Zähne der
einen Klappe greifen derart in die Gruben und zwischen die Zähne der
anderen Klappe ein, dass kein todter Raum bleibt. Man unterscheidet
die mittleren, gegen den Wirbel hin convergirenden Hauptzähne (L a,
b, c, R e, f) von den seitlichen, dem Schalenrande mehr oder weniger
parallelen Seitenzähnen (L d, R g) und bezeichnet die Zähne von vorn
nach hinten zählend; z. B. für Fig. 224 L: a = vorderer, b = mittlerer,
c = hinterer Hauptzahn, d = hinterer Seitenzahn. Die Stellung der Zähne
lässt sich durch folgende allgemeine Formel ausdrücken: L 10101 / R
01010, wobei L die linke, R die rechte Klappe, 1 den Zahn und 0 die
Zahngrube bezeichnet (die Seitenzähne sind dabei nicht berücksichtigt).
3. Das schizodonte Schloss besteht aus einem starken, meist in der
Mitte gespaltenen, mittleren Dreieckszahne der linken Klappe (Fig. 225
C mz₂), welcher von 2 ∧-förmig divergirenden Zähnen der rechten Klappe
(B mz’₁, mz’₂) umfasst wird. Letztere greifen in entsprechende Gruben
der rechten Klappe und werden ihrerseits von 2 Zähnen derselben (C
mz₁, mz₃) umschlossen. Der mittleren Grube des Dreieckzahnes (C mz₂)
entspricht aber kein Zahn in der rechten Klappe, sondern an seiner
Stelle befindet sich ein todter Raum (B). Zahnformel: L 10[(101]01 / R
01 10. Die Zähne sind meist quer gerieft.
4. Das taxodonte oder Reihenzahnschloss wird von zahlreichen, meist
senkrecht zum Schlossrande gestellten, wenig differenzirten und
schmalen Kerbzähnen gebildet, welche in beiden Klappen abwechselnd
stehen (Fig. 226 B z, z’). Die Bezahnung ist in beiden Klappen
wesentlich die gleiche, und oft stehen die Zähne zu beiden Seiten des
Wirbels symmetrisch (Fig. 240 z).
[Illustration: Fig. 225. Schizodontes Schloss (Trigonia navis Lmk.).
A Schale gegen die rechte Klappe gesehen. B Schloss der rechten, C
Schloss der linken Klappe. mz’₁, mz’₂ = die 2 Zähne der rechten Klappe;
mz₂ = Dreieckszahn, mz₁ = vorderer, mz₃ = hinterer Hauptzahn der linken
Klappe; m, m’ = vorderer Muskeleindruck. Zahnformel:
L 1010101 / R 01 10.]
[Illustration: Fig. 226. Taxodontes Schloss (Leda Deshayesi Duch.).
Linke Klappe. A von aussen; k = Kante. B von innen; l = Ligamentgrube:
z = die vorderen, z’ = die hinteren Reihenzähne; m = vorderer, n
= hinterer Muskeleindruck; b = Mantelbucht; am = accessorische
Muskeleindrücke.]
5. Isodont heisst das Schloss bei symmetrischer Stellung weniger Zähne
und Gruben in beiden Klappen. Je 2 Zähne der einen Klappe (Fig. 227 C
y’-y’) umfassen 2 Zähne der anderen (B x). Die Zähne sind haken- oder
leistenförmig. Die Zahnformel lautet: L 1001 / R 0110.
[Illustration: Fig. 227. Isodontes Schloss (Spondylus). A Schale gegen
die rechte Klappe gesehen. B Schloss der rechten, C der linken Klappe.
le, le’ = äusseres, li, li’ = inneres Ligament; a, a’ = Area; x, y’ =
Zähne; y, x’ = Zahngruben, beide symmetrisch vertheilt. Zahnformel: L
1001 / R 0110.]
[Illustration: Fig. 228. Desmodontes Schloss (Mya). A Schlossrand der
linken Klappe mit dem löffelartigen Ligamentträger. vr = Vorderrand,
hr = Hinterrand, ml = Mittelleisten desselben. B Querschnitt durch die
Wirbel beider Klappen. Links linke, rechts rechte Klappe. Das Ligament
l wird jederseits von einem Ligamentlöffel (ll, ll’) getragen.]
6. Bei dem desmodonten Schlosse greifen die Vorsprünge des
Schlossrandes beider Klappen nur selten zahnartig in einander, stehen
sich vielmehr meist gegenüber (Fig. 228 B ll, ll’) und schliessen
gewöhnlich das Ligament (l) ein. Sie dienen in erster Linie als
Träger des Ligamentes und besitzen eine löffelartige (Fig. 228 A)
oder leistenförmige Gestalt. Wenn die Ränder oder Mittelleisten des
Ligamentlöffels (Fig. 228 A vr, hr, ml) sich zu zahnartigen Leisten
entwickeln, kann ein heterodontenähnliches Schloss entstehen. Die
Zahnstellung wird aber nicht echt heterodont und die Gruben werden
nicht immer ganz von Zähnen ausgefüllt, wie die Zahnformel von Mactra
(Fig. 239 B, C) zeigt: L 01010 l / R 1 0 1 l’, wobei l und l’ die
Ligamentgruben bedeuten.
Ausser den genannten Schlosstypen finden wir, namentlich bei den
ältesten (paläozoischen) Muscheln, häufig mangelhaft ausgeprägte
Schlossbildungen, die in einer erst beginnenden Kerbung des
Schlossrandes (Fig. 229 B z) sich ausdrücken, oder bei relativ jüngeren
Formen (Heteromyaria) reducirte Schlösser, welche vom taxodonten
Schloss abgeleitet werden (Fig. 281 vz, hz). Ueberhaupt erleidet die
Bezahnung selbst bei Formen einer und derselben Gattung sehr starke
Veränderungen, die sich bis zum vollständigen Verschwinden der Zähne
bei Gattungen mit starkem Schlosse steigern können.
Als wichtig für die Unterscheidung der Gattungen und Arten sind noch
folgende äusserliche Merkmale der Schale zu nennen:
Grenzt sich vor den Wirbeln durch Kanten ein ovales Feld ab, so heisst
dasselbe Möndchen (lunula). Findet das Gleiche hinter den Wirbeln
statt, so wird dasselbe als Feldchen (Fig. 225 A fe) bezeichnet. Schild
oder area nennt man ein abgegrenztes grösseres Feld des hinteren
Theiles der Schalenseite (Fig. 225 A a) oder auch ein ebenes Feld unter
dem Wirbel (Fig. 227 B a, C a’). Dasselbe wird insbesondere Bandarea
genannt, wenn das Ligament ganz oder z. Th. auf diesem Felde liegt
(Fig. 240 ar). Die periodischen Unterbrechungen des an den Wirbeln
beginnenden Wachsthums der Schale kommen auf der Oberfläche derselben
als concentrische Streifen, Rippen oder Furchen zum Ausdruck (Fig.
226 A). Zuweilen überträgt sich diese Furchung auch wohl auf die
Schlosszähne (Trigonia, Fig. 255 C mz₂, D mz₂; Plicatula) oder auf die
Muskeleindrücke (Astarte). Neben der concentrischen Verzierung findet
sich nicht selten eine radiale in der Form von Falten, Knoten, Rippen
oder Stacheln.
Schalenstructur. Die Kalkschale der Muscheln wird äusserlich von
einer hornigen Cuticularbildung, der Oberhaut (oder sog. Epidermis)
bedeckt, die in der Regel dünn bleibt, aber bei den Süsswassermuscheln
eine beträchtliche Dicke erreichen kann, und grünlich oder bräunlich
gefärbt ist. Die Kalkschale selbst setzt sich aus einer äusseren,
prismatischen, und einer inneren, blätterigen (lamellösen) Schicht
zusammen. Die hohlen Kalkprismen der ersteren stehen in der Regel
senkrecht zur Schalenoberfläche, bei der Unterordnung der Chamacea
liegen sie aber parallel mit derselben. Die innere Schalenschicht ist
perlmutter- oder porzellanartig (aus ihr bilden sich die Perlen der
Perlmuscheln). Da dieselbe im Gegensatz zu der äusseren, meist aus
Calcit gebildeten Schicht in der Regel aus leichter löslichem Aragonit
besteht, so finden wir sie bei fossilen Muscheln häufig aufgelöst oder,
wenn erhalten, in Calcit umgewandelt.
Die Muschelthiere besitzen meist eine freie Bewegung, indem sie mit
Hilfe ihres Fusses kriechen oder frei schwimmen. Häufig heftet sich
das Thier mit Hilfe chitinartiger Fäden, des sog. Byssus, an anderen
Gegenständen fest. Ein Ausschnitt der Schale im vorderen Theile
derselben (Byssusausschnitt -- Fig. 281 a) bezeichnet die Stelle,
wo das Haftorgan austritt. Diejenigen Muscheln, welche mit einer
ganzen Klappe oder einem Theile derselben auf einer Unterlage direct
aufwachsen (Ostrea etc., Chamacea), besitzen meist eine unregelmässige
und ausnahmslos ungleichklappige Schale.
Die Mehrzahl der Muschelthiere lebt im Meere, höchstens ⅕ aller im
Süsswasser. Manche können im brackischen und Salz-Wasser oder im
süssen und Brack-Wasser zugleich fortkommen. Die Süsswasser-Muscheln
besitzen nie lebhafte Färbungen; sie sind in der heissen Zone am
grössten, formenreichsten und häufigsten. Für die marinen Formen gilt
im Allgemeinen dasselbe. Letztere leben vorzugsweise in geringen Tiefen
(von 0-35 Faden). Aus Tiefen über 200 Faden sind nur relativ wenige
bekannt geworden.
Die Zahl der lebenden Arten beträgt etwa 5000; fossile kennt man gegen
10000.
Die Classification der Muscheln gestaltet sich namentlich für die
paläozoischen Formen einigermaassen schwierig, da bei ihnen die
Schlosscharaktere noch nicht in dem Maasse differenzirt erscheinen,
wie bei den jüngeren. Ein Theil derselben muss deshalb noch zu der
provisorischen Ordnung der Palaeoconchae zusammengefasst werden.
Eintheilung der Lamellibranchiata.
A. Dünnschalige, gleichklappige Muscheln ohne Ligamentgruben. Zähne
kaum angedeutet oder fehlend (Cryptodonta). Soweit bekannt, mit 2
Muskeleindrücken und ganzrandiger Mantellinie.
I. Palaeoconchae.
B. Meist dickschalige, oft ungleichklappige Muscheln mit (selten
reducirtem) Ligament.
a. Zwei, ungefähr gleiche Muskeleindrücke vorhanden. Schloss
taxodont, schizodont, heterodont oder desmodont, zuweilen
fehlend (Isomyaria).
α. Schloss desmodont. Schale meist klaffend. Mantellinie mit
Bucht. Oft etwas ungleichklappig.
II. Desmodonta.
β. Schloss taxodont. Mantellinie meist ohne Bucht. Gleichklappig.
III. Taxodonta.
γ. Schloss schizodont. Mantellinie ohne Bucht. Gleichklappig.
IV. Schizodonta.
δ. Schloss heterodont, zuweilen atrophirt. Gleichklappig oder
ungleichklappig.
V. Heterodonta.
b. Zwei sehr ungleiche oder ein einziger Muskeleindruck. Schlosszähne
unregelmässig oder fehlend, selten isodont oder taxodont.
Mantellinie oft undeutlich (Dysodonta).
VI. Anisomyaria.