1. Unterordnung Cyclostomata.

Diese formenreiche, namentlich in paläozoischen und mesozoischen

Ablagerungen dominirende (ca. 1000 Arten), aber auch in der Gegenwart

noch durch etwa 100 Arten repräsentirte Unterordnung zerfällt in

zahlreiche Familien und Gattungen, deren Unterscheidung schwierig ist.

Die Aufführung einiger Vertreter wird hier genügen.

A. Paläozoische Formen.

Fenestella Lonsd. (Fig. 184 A, B). Der trichter- oder fächerförmige,

unten festgewachsene Stock ist in zahlreiche gerade oder gebogene Aeste

zertheilt, die durch Querbälkchen (B q) seitlich mit einander verbunden

sind, so dass das Skelet einem Netze gleicht (A). Die Zellöffnungen

stehen in 2 Längsreihen auf der Innenseite der Aeste (B o); die beiden

Reihen werden durch eine Körnerreihe oder Längsleiste (k) geschieden.

Die Aussenseite des Trichters (A) sowie die Querbalken (q) tragen keine

Zellmündungen. Häufig im Paläozoicum, zuweilen kleine Riffe bildend.

F. nobilis Barr. Unterdevon (Hercyn). Böhmen.

F. infundibuliformis Gf. sp. Mitteldevon. Eifel und rheinisches

Schiefergebirge.

F. multiporata M’Coy. Subcarbon. Grossbritannien.

F. retiformis Schl. (Fig. 184 A, B). Oberes Perm (Zechstein).

Mitteldeutschland, England.

[Illustration: Fig. 184. A, B Fenestella retiformis Schl. Oberes

Perm (Zechstein). Humbleton Hill, Yorkshire. A ein trichterförmiger

Stock von der Aussenseite. B ein Stück der Innenseite mit den durch

eine Körnerreihe (k) geschiedenen Doppelreihen von Zellmündungen (o)

auf den Aesten, welch letztere durch kurze, zellfreie Querbälkchen

(q) verbunden sind. l = die zwischen den Aesten und Querbalken frei

bleibenden Maschen. C Archimedes Wortheni Hall. Subcarbon. Illinois.

Der Stock besteht aus einem Blatte (bl), welches spiral um eine

aufrechte Achse (a) gewunden ist.]

Bei der nahe verwandten Gattung Archimedes Les. (Fig. 184 C) windet

sich das Blatt schraubenförmig um eine aufrechte Achse und steht fast

senkrecht von derselben ab, verästelt sich gegen aussen wie Fenestella

und trägt auf der inneren (oberen) Seite allein Zellöffnungen. Sehr

häufig im nordamerikanischen Subcarbon. Mehrere Horizonte desselben

nach dieser Gattung benannt (Archimedes-Kalkstein).

A. Wortheni Hall. (Fig. 184 C).

Acanthocladia King (Fig. 185 A-C). Kleine, platte, baumförmig

verzweigte Stöcke (A). Die eine Seite des Stockes trägt keine

Zellmündungen (B), sondern ist nur mit Streifen bedeckt, während auf

der anderen Seite zahlreiche runde Mündungen gedrängt beisammen stehen

(C a).

Häufig im Perm (Zechstein) von Mitteldeutschland und England.

A. anceps Schl. sp. (Fig. 185 A-C). Zechstein. England, Deutschland.

[Illustration: Fig. 185. Acanthocladia anceps Schl. sp. Oberes Perm

(Zechstein). Pössneck, Thüringen. A ein Stock von der Rückseite. B

ein Stück desselben, um die Streifung zu zeigen. C ein Stück von der

Vorderseite mit den Zellmündungen (a).]

B. Mesozoische und känozoische Formen.

Defrancia Bronn (Fig. 186 A). Einfache kleine Scheiben (Fig. A) oder

durch Vereinigung solcher zusammengesetzte Stöcke von unregelmässiger

Gestalt bildend. Unterseite platt, festgeheftet, ohne Zellmündungen.

Die lang cylindrischen Zellen strahlen schwach nach oben ansteigend

vom Mittelpunkte aus und verwachsen zu radialen Rippen (r), die

durch tiefe, radiale Einschnitte getrennt werden. Die Grenzen der

Zellen erscheinen auf den Seiten der Rippen als Streifen (s). Die

Zellmündungen (a) liegen auf der Peripherie der Scheibe, seltener

auch auf der Oberseite. Die äussersten Enden der Zellen sind nicht

verwachsen. Jura-Jetztzeit, sehr häufig in der Kreide.

D. diadema Gf. sp. (Fig. 186 A). Oberste Kreide (Danien). Holland,

Nordfrankreich.

Stomatopora Bronn (Fig. 186 B). Der verzweigte, kriechende Stock ist

mit der Unterseite auf fremden Körpern festgewachsen. Alle Zellen

hängen durch ihr unteres Ende mit einander zusammen, mit ihrem oberen

sind sie frei. Zellmündungen (a) rund, von der Weite der Zelle. Vom

Silur bis in die Jetztzeit, häufig in Jura und Kreide.

St. dichotoma Lmk. sp. Oberer Dogger. England, Normandie,

Lothringen, Schweiz.

St. ramea Bl. sp. (Fig. 186 B). Häufig im Senon Nordeuropas.

[Illustration: Fig. 186. A Defrancia diadema Gf. sp. Oberste Kreide

(Danien). Mastricht, Holland. Ein Stock von der Seite. a = die

Mündungen der zu radialen Rippen (r) vereinigten Zellen; s = gestreifte

Seitenflächen der Rippen. B Stomatopora ramea Bl. sp. Oberes Senon.

Meudon bei Paris. a = Zellöffnungen des kriechenden Stockes.]

[Illustration: Fig. 187. Ceriopora irregularis Mich. sp. Oberes Turon

(Hippuritenkreide). Martigues bei Marseille. A ein unregelmässig

knolliger Stock. B einige Zellmündungen.]

Ceriopora (Fig. 187 A, B). Stöcke knollig oder baumförmig verästelt,

meist aus zahlreichen, über einander gewachsenen Schichten

cylindrischer Zellen bestehend. Die Zellmündungen weit, rund oder etwas

polygonal (B), alle gleich. Sehr häufig im Mesozoicum, auch paläozoisch

und tertiär. Die zuweilen eine ansehnliche Grösse erreichenden Stöcke

setzen in manchen Horizonten förmliche Bänke zusammen, z. B. in der

Hippuritenkreide Südfrankreichs.

C. astroides Münst. sp. Unterer Alpenkeuper (Karnische Stufe).

Südtirol.

C. spongites Gf. Cenoman. Mittel- und Nordeuropa.

C. irregularis Mich. (Fig. 187 A, B). Gesteinbildend in der

Hippuritenkreide (Turon und Senon) Südfrankreichs.

Vom Jura an bis in die Jetztzeit verbreitet ist die nahestehende

Gattung Heteropora Blv. Die Zellmündungen sind von ungleicher Grösse,

die Zellen selbst im Inneren durch Querböden (tabulae) abgetheilt und

die Zellwände von Poren durchbrochen.

H. pustulosa Mich. Oberer Dogger. Normandie, Lothringen, England.

H. tuberosa Rö. sp. Neocom. Norddeutschland, Frankreich.

Elemente der Paläontologie · 第 110 / 606 题