Litteratur über Bryozoa.
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[Illustration: Fig. 183. Eine lebende Bryozoe, Bugula avicularia Lmk.
a u. b = lebende, c = eine abgestorbene Zelle; a = mit ausgestreckten
(t), b = mit eingezogenen Tentakeln (t’); o = Mund; oe = Speiserohr;
md = Magen; d = Darm; a = After; ov = Eierzelle; zw = Zellwand; av =
Avicularien.]
Die incrustirenden, knolligen oder verästelten Colonien der Bryozoa,
oder Moosthierchen können einen beträchtlichen Durchmesser (0,3
m) erreichen, aber die Grösse der Einzelthiere schwankt stets nur
innerhalb weniger mm, so dass sie oft nur mit Hülfe der Lupe deutlich
von einander unterschieden werden können. Die Körperhaut sondert eine
hornige oder kalkige Hülle, Zelle genannt, ab, in welcher das Thier
festsitzt, aus welcher es aber seine Tentakel herausstrecken kann (Fig.
183 t). Durch die feste Verbindung der Einzelzellen erhält der Stock
seinen Zusammenhalt. Die Zelle besitzt stets eine grössere, oft mit
einem Deckel verschliessbare Oeffnung (Mündung). Die Form der Zelle ist
entweder verlängert: die Zelle gleicht einer Röhre, an deren einem Ende
die runde oder eckige Mündung von ungefähr demselben Durchmesser wie
die Zelle sich befindet (Cyclostomata -- Fig. 186 B); oder die Zelle
besitzt eine ei- oder krugförmige, auch wohl polygonale Gestalt und die
Mündung ist viel enger als der Durchmesser der Zelle, von ovalem oder
halbmondförmigem Umriss und seitlich gelegen (Chilostomata -- Fig. 191
B). Am Weichkörper des Thieres unterscheidet man den endständigen Mund
(Fig. 183 o), der von 8-80 Tentakeln (t) umstellt ist. Der Mund führt
in das Speiserohr (oe), dieses in den Magen (md). Die Entleerung des
Darmes findet durch eine in der Nähe des Mundes gelegene Afteröffnung
(a) statt. Im Grunde der Zelle befinden sich die Geschlechtsorgane
(ov). Die Weiterentwickelung der Eier geht zuweilen in besonders
umgebildeten Zellen, den sog. Ovicellen (Fig. 183 ov) vor sich, welche
oberhalb der normalen Zellen stehen. Eine zweite Art veränderter Zellen
sind die sog. Avicularien, welche als vogelschnabelähnliche Anhänge
der normalen Zellen zu Greiforganen umgestaltet sind. Eine dritte Art
veränderter Zellen, die Vibracularia, tragen peitschenförmige Borsten.
Fortpflanzung theils geschlechtlich, theils ungeschlechtlich durch
Knospung oder Keime. Die durch Knospung entstandenen Zellen einer
Colonie bleiben oft durch Canäle (sog. Sprossencanäle) mit einander
in Verbindung. Die Wände der Zellen sind zuweilen von feinen Poren
durchbrochen (Fig. 191 B). In seltenen Fällen werden die abgestorbenen
Theile der Zelle von unten herauf durch Querböden abgeschlossen,
wodurch die Skelete eine täuschende Aehnlichkeit mit denen der Tabulata
(p. 108) erhalten. Viele Tabulata (z. B. die Monticuliporiden) werden
von manchen Forschern deshalb zu den Bryozoa gestellt.
Alle Bryozoen leben im Wasser; die meisten sind Meeresbewohner und
finden sich in geringen oder mässigen, z. Th. auch in bedeutenden
Tiefen. Sie sind entweder mit einem kleinen Theile ihrer Unterseite auf
Muscheln, Steinen und dergl. festgeheftet oder überziehen als Krusten
fremde Gegenstände.
Die Ordnung der Gymnolaemata, ausgezeichnet durch das Fehlen eines
Deckels der Mundöffnung und durch die ausserhalb des Tentakelkranzes
befindliche Lage des Afters, umfasst die meisten lebenden und alle
fossilen Formen. Von den 3 Unterordnungen derselben sind 2 mit festen,
meist kalkigen Skeleten versehen und diese allein kommen für die
Paläontologie in Betracht. Es sind das folgende:
Zellen verlängert, röhrig. Zellmündung endständig, weit (Fig. 184 bis
187). Skelet fast immer kalkig 1. Cyclostomata.
Zellen eiförmig oder polygonal. Zellmündung seitenständig, viel enger
als der Querschnitt der Zelle, oval oder halbmondförmig (Fig.
188-191). Skelet hornig oder kalkig 2. Chilostomata.